Psyche

Die Psyche ist der Ursprung der psychischen Phänomene.

Aus ihm entspringen die Vorstellungen und die sonstigen psychischen Phänomene, die sich als Bewusstseinsinhalte manifestieren.

Daher erscheinen z. B. die einzelnen Gedanken und Argumente bzw. die gesamte Argumentation zu einem Sachverhalt im Bewusstsein  der Person

Die Psyche ist also der Ursprung des Denkens, des Fühlens, der Empfindung und sonstigen psychischen Phänomene.

Man kann daher auch sagen, dass die Psyche das Ganze ist, das sich in Form der unterschiedlichen psychischen Erscheinungen als Folge der psychischen Funktion manifestiert.

Sie ist unter einem gewissen Blickwinkel betrachtet ist der Ursprung der Kognition, unter einem anderen betrachtet der Ursprung des Erkennens usf.

Die Psyche ist somit der Grund des Geistes der Person, insofern die geistigen Phänomene als Folge der geistigen Funktion entstehen.

Diesen Funktionsbereich der Psyche kann man als die Noopsyche bezeichnen.

Unter einem anderen Blickwinkel betrachtet ist die Psyche der Ursprung des Gemüts /der Emotion / der Affekte / der Gefühls usf. Diese psychischen Phänomene kann man als Erscheinungen der Thymopsyche verstehen.

Damit wird deutlich dass die Noopsyche und die Thymopsyche zwei sich gegenüberstehende Pole der Psyche sind.

Diese beiden kann man somit als dialektische Einheit bezeichnen die sich durch die psychischen Erscheinungen manifestiert.

Es ist der Begriff Psyche also der Begriff einer psychologischen Idee.

Aus der Psyche entspringt der Geist der Person und es ist dies somit die Quelle der Gedanken.

Erkenntnistheoretisch betrachtet wird die Psyche durch die systematische Einheit der Idee erkannt in dem ich die Merkmale der Idee vermittelt durch das Schema der Idee erfasse (vgl. mit Kant Zitat 7).

Ich kann auch sagen, dass der Begriff der Idee in meinem Bewusstsein erscheint, falls ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee erfasse (vgl. mit Kant Zitat 7).

Da ich diese Idee nicht physisch überprüfen kann bzw. hier die Idee eine bloße Idee ist kann ich auch sagen, dass der Begriff der Psyche eine transzendentale Einheit ist.

Eben, weil eine psychologische Idee eine transzendentale Idee ist (vgl. mit Kant Zitat 8a).

Bezüglich der Psyche ist es also so wie Karl Jaspers in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ ab der 4. Auflage geschrieben hat: das Ganze als Idee kann ich nicht geradezu erkennen, sondern kann ich mich diesem Ganzen durch das Schema der Idee nur nähern (vgl. mit Jaspers Zitat). An anderer Stelle in der „Allgemeinen Psychopathologie“ verweist Jaspers auf die Ideenlehre von Immanuel Kant (vgl. mit Jaspers Zitat 14 und Jaspers Zitat 14a).

Wie man sich überzeugt handelt es sich bei den psychologischen Ideen um physisch nicht überprüfbare Ideen somit um bloße Ideen im Sinn von Immanuel Kant (vgl. mit Kant Zitat 4).

In diesem Sinn stellt man sich vor, dass es die (systematische) Einheit gibt, die als Psyche bezeichnet wird aus der die unterschiedlichen psychischen Erscheinungen hervorgehen.

Es handelt sich hierbei also um die Seele im psychologischen Sinn – nicht um die Seele im theologischen Sinn.

Man kann auch sagen, dass die Psyche der Grund ist aus dem die Inhalte des Bewusstseins und auch die des Unbewussten – somit die ganzen Inhalte des Seelenlebens entstehen.

Die Psyche umfasst also das bewusste Erleben, wie es infolge der Sinneswahrnehmung und der mentalen Prozesse im Bewusstsein der Person entsteht, oder wie es spontan als Folge der Aktivität der Psyche aus dem Unbewussten entsteht.

Es ist trifft hier also zu, dass dies (systematische) Einheit ist, von der man sich vorstellt, dass sie der Ursprung aller psychischen Erscheinungen ist.

Neurobiologisch betrachtet ist die Psyche eine Folge der neuronalen Aktivität, insbesondere der des zentralen Nervensystems. Man kann daher auch sagen, dass die psychischen Phänomene als Folge der neuronalen Funktion entstehen. Dabei ist diese Leistung des Nervensystems vor allem auf die neuronalen Prozesse im Gehirn zurückzuführen. Dieser Sachverhalt wird in der Neurophysiologie vor allem im Zustand der Gesundheit systematisch untersucht. Hingegen im Fall der psychischen Störung bzw. der psychischen Krankheit in der Biologischen Psychiatrie – unter anderem mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften.

Weiteres zur Psyche und zur psychischen Funktion – unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet:

In diesem Sinn stellt man sich vor, dass das Bewusstsein als Zentrum der Psyche etwa in Bezug auf das Gemüt also die Stimmung, das sich Fühlen, die Emotionen und ebenso die Vorstellungen, die Gedanken, die geistigen Bilder usf. als Folge der Funktion der Psyche somit infolge der psychischen Funktion entstehen.

Es entstehen auf dieser Grundlage also sowohl die affektive Funktion und ebenso die kognitive Funktion als Teilfunktion der psychischen Funktion.

Und in gleicher Weise kann man sagen, dass die geistige Funktion  die das Denken und damit neben anderen geistigen Phänomenen  den Verstand und die Vernunft hervorbringt ebenso der Psyche entspringt.

In diesem Sinn kann man sagen, dass die Psyche die komplexe Einheit ist aus der die normalen psychischen Phänomene und ebenso die abnormen bzw. die  psychopathologischen Phänomene entstehen, wie sie in der Psychopathologie beschrieben und definiert worden sind.

Anders formuliert kann man als sagen, dass alles was in der Psychologie durch psychologische Begriffe und in der Psychiatrie  durch psychiatrische Begriffe beschrieben worden ist, als Folge der Aktivität der Psyche im Zustand der psychischen Gesundheit  und in dem der psychischen Krankheit entsteht.

Man kann also festhalten, dass die Psyche das Ganze des Seelenlebens umfasst, wie es sich im Zustand der normalen psychischen Erscheinung und in dem der psychischen Störung im klinischen Erscheinungsbild manifestiert.

Dabei werden in der psychiatrischen Diagnostik die unterschiedlichen psychischen Störungen aufgrund der unterschiedlichen klinischen Erscheinungen und daher auf Basis der  Psychopathologie bzw. auf Basis der Phänomenologie durch das psychiatrische Denken erfasst.

Psyche im Hinblick auf das Wachbewusstsein und den psychischen Zustand des Traumes im Schlaf:

Man kann sagen, dass die Psyche die Einheit ist aus der die einzelnen psychischen Erscheinungen im Wachbewusstsein, im Halbschlaf und damit auch im Traum/ während des Schlafes entstehen.

Psyche im Hinblick auf die Diagnose von psychischen Störungen:

Die Psyche ist die Einheit aus der die normalen psychischen Phänomene und auch die psychopathologischen Phänomene entstehen die sich bei psychischen Störungen in Form der unterschiedlichen psychischen Symptomenkomplexe manifestieren. Diese bestimmen dann die jeweilige psychiatrische Diagnose.

Dabei wird in der Psychiatrie das einzelne psychopathologische Phänomen und auch der psychische Symptomenkomplex der psychischen Störung durch das psychopathologische Denken im Sinn von Karl Jaspers erkannt (vgl. mit Jaspers Zitat 11).

Demgemäß werden in der psychiatrischen Diagnostik die psychopathologischen Phänomene und und die psychischen Symptomenkomplexe der psychischen Störungen psychopathologisch begründet erkannt und bestimmt.

Man stellt als Psychiater sich also vor, dass es diese zu Grunde liegende Einheit gibt, die im Zustand der psychischen Gesundheit, die normalen psychischen Phänomene hervorbringt hingegen im Zustand der psychischen Krankheit bzw. im Fall einer krankheitswertigen Störung der Psyche – die psychopathologischen Phänomene und auch den ganzen psychischen Symptomenkomplex der psychischen Störung.

Dabei wird im Zustand der psychischen Gesundheit die Psyche als Einheit erlebt, weil das Nervensystem immer gesamthaft agiert und reagiert.

Allerdings ist man beim Studium der Psyche auf die Zergliederung der psychischen Erscheinungen gekommen. Man hat hier in der Psychologie bzw. in der Phänomenologie und Psychopathologie die einzelnen psychologischen Begriffe bzw. die psychopathologischen Begriffe respektive die psychiatrischen Begriffe definiert.

Dies haben in der Psychiatrie tätige Ärzte (Psychiater) so gemacht um über die unterschiedlichen Formen der psychischen Störungen sinnvoll nachdenken und argumentieren zu können (vgl. mit Jaspers Zitat 12).

Die Psyche ist also die (systematische) Einheit, die bewirkt, dass die psychischen Phänomene im Bewusstsein der Person erscheinen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).

Man kann die Psyche und ihre Funktion also nur subjektiv gültig erkennen und bestimmen. Dies bedeutet man kann in Bezug auf die Psyche nur subjektives Wissen erlangen.

Und man kann die Psyche und ihre Funktion, weil sie durch Ideen erkannt wird unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und studieren. Allerdings kann man die Erscheinungen der Psyche immer nur geistig bzw. nur mental erfassen – weil es sich dabei – wie oben stehend ausgeführt um bloße Ideen handelt (vgl. mit Kant Zitat 4).

Durch die Funktion des Nervensystems – somit durch die Neurobiologie kann man die Erscheinungen der Psyche biologisch begründet erklären und daher die psychische Funktion biologisch begründet verstehen – aber biologisch bestimmen kann man diese Erscheinungen nicht, eben weil es sich bei der Psyche um eine transzendentale Einheit handelt bzw. dies der Begriff einer transzendentalen Idee ist (vgl. mit Kant Zitat 8a).

Ebenso kann man sagen: der Begriff der Psyche eine hypothetische Einheit ist von der man sich vorstellt, dass es sie als wirkliche Einheit gibt. Man kann auch sagen, dass der Begriff Psyche ist eine nützliche und damit eine zweckmäßige Einheit, im Sinne von Immanuel Kant ist, weil man durch diesen Begriff der ein regulativer Begriff ist den Zusammenhang der psychischen Erscheinungen unter dem jeweiligen phänomenologischen Aspekt sinnvoll verstehen und erklären kann.

Dies bedeutet: man kann die Psyche und ihre Erscheinungen, je nur durch ein Konzept erkennen kann, falls man den psychischen Sachverhalt durch den entsprechenden Begriff auffasst.

Somit ist die Psyche eine Einheit, die nicht auf der Ebene der körperlichen Funktion „physisch“ begründet mit Methoden der körperlichen Diagnostik bestimmt und überprüft werden kann. Dies besagt, dass man die Psyche nicht mit einer „physischen“ Methode „physisch“ messen und physisch quantifizieren kann.*

In der Biologsichen Psychiatrie bemüht man sich also mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften vergeblich um psychische Störungen etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie zu quantifizieren.

Eben, weil es sich bei einer derartigen Einheit um eine hypothetische Einheit bzw. eine nur projektierte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 5) handelt.

Daher bemüht man sich in der Psychologie und ebenso in der Psychiatrie – und auch in anderen Wissenschaft vergeblich – wenn man etwa den Willen, eine Angst, die Intelligenz, eine Demenz oder sonst ein einzelnes psychisches Phänomen oder den ganzen psychischen Symptomenkomplex der psychischen Störung in der Diagnostik objektiv gültig messen und objektiv gültig bestimmen will.

Allerdings kann man etwa mit der Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie erkennen welche Bereiche des Gehirns im Rahmen des Erlebens der unterschiedlichen Phänomene mehr oder weniger aktiv sind. Aber – wie gesagt – man kann nicht physisch (biologisch, physiologisch, bildgebend usf.) erkennen und physisch messen was die Person gerade erlebt, dass heißt die Biologie liefert nur die Erklärung  und das Verständnis bzw. das biologisch begründete Verstehen.

Mit anderen Worten: es handelt sich hier bei dieser problematisch zum Grund gelegten Einheit um ein Konzept durch das man die unterschiedlichen Erlebnisse und damit die verschiedenen psychischen Phänomene mental auffassen verstehen und erklären und unter diesen Begriffen „denken“ respektive sich vorstellen kann.

Mit nochmals anderen Worten: es ist diese Einheit also eine projektierte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 5), die in der Form des Begriffs der Idee, der ein regulativer Begriff ist, im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese gewisse Dinge erlebt und geistig auffasst.

In diesem Sinn versteht man unter der Psyche in der Alltagssprache und insbesondere in der Psychologie, in der Psychiatrie und in der Psychotherapie eine Einheit, wie sie beim gesunden und beim kranken bzw. beim krankheitswertigen Seelenleben sich als psychische Störung manifestiert.

Karl Jaspers hat den Sachverhalt richtig erkannt. Karl Jaspers hat erkannt, dass man ein psychisches Phänomen und damit die Psyche nur auf der Grundlage einer Idee im Sinne von Immanuel Kant erkennen kann (vgl. mit Jaspers Zitat). Im Gegensatz zu Karl Jaspers hat Emil Kraepelin sich getäuscht, als dieser geglaubt hat, dass man gewisse psychische Krankheiten, etwa die Einheit Dementia praecox, aus der einige Zeit später die  diagnostische Einheit Schizophrenie hervorgegangen ist, in Zukunft wird allgemein gültig bestimmen können (vgl. mit Kraepelin Zitat 1).

Emil Kraepelin hat sich also getäuscht, als er geglaubt hat, dass man in der Psychiatrie auf der Grundlage des naturwissenschaftlichen Verständnisses ein biologisch fundiertes Wissen erlangen kann, wie dies in der Medizin in vielen Bereichen möglich ist (vgl. mit Kraepelin Zitat 2). Überhaupt hat Emil Kraepelin sich getäuscht als er geglaubt hat, dass die Psychiatrie sich zu einem kräftigen Zweig der medicinischen Wissenschaft fortentwickelt (vgl. mit Kraepelin Zitat 2).

Wegen der Unterschieds in der Erkenntnisbasis ist dies grundsätzlich unmöglich.

Abschließend kann man also festhalten dass die Psyche einerseits eine komplexe Einheit ist die man durch verschiedene Gesichtspunkte betrachten und in der jeweiligen Wissenschaft systematisch untersuchen kann.

Vom Gesichtspunkt der Funktion her betrachtet kann man sagen, dass die Psyche eine komplexe Funktionseinheit ist die in unterschiedliche Teilfunktion bzw. in unterschiedliche Funktionseinheiten gegliedert werden kann – etwa in die Funktionseinheit die  das Bewusstsein leistet, das Gedächtnis, die Merkfähigkeit leistet usf.

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Weiteres zur transzendentalen Deduktion des Begriffs Psyche* in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 24.11.2022; abgelegt unter: Definition, Medizin, Nervensystem, vegetatives Nervensystem, Physiologie, Psyche, Psychiatrie, biologische Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie, Psychosomatik, Psychotherapie, Wissenschaft, psychiatrische Wissenschaft, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff)

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