Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Systemische Neurowissenschaften

Die Systemischen Neurowissenschaften sind die Wissenschaften die den Zusammenhang der neuronalen Funktion des Nervensystems mit den unterschiedlichen psychischen Phänomenen systematisch untersuchen.

Man kann daher auch sagen dass die Systemischen Neurowissenschaften mit ihren verschiedenen Methoden die Funktion und damit die Arbeitsweise des Gehirns im Zustand der psychischen Gesundheit und auch in dem der psychischen Störung systematisch untersuchen.

Es werden mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften also sowohl die normale wie auch die gestörte neuronalen Funktion im Hinblick auf die Psyche und damit auch in Bezug auf den Geist der Person systematisch untersucht.

Demgemäß kann man auch sagen, dass man mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften die psychische Funktion – und ebenso die geistige Funktion in Abhängigkeit von der Neurobiologie und damit in Abhängigkeit von der neurobiologischen Funktion des Nervensystems systematisch untersucht.

Es werden mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften also psychische Funktion und geistige Funktion in Relation zur biologischen Funktion des Nervensystems systematisch untersucht.

Auch sonst werden Funktionen des Nervensystems und hier vor allem solche des zentralen Nervensystems in Relation zu diversen körperlichen Funktionen in den Systemischen Neurowissenschaften systematisch untersucht (Beispiel: Entstehung und Verarbeitung von Schmerz, biologische Veränderungen im Rahmen der Entstehung einer Sucht usf.)

In den Systemischen Neurowissenschaften ist neben dem biologischen Denken insbesondere das psychologische Denken, teils auch das psychiatrische Denken und überhaupt systemisches Denken erfordert, um den Zusammenhang der einzelnen Erscheinungen (Phänomene) der Psyche, des Geistes und sonstiger Parameter angemessen zu erkennen und zu interpretieren.

Es ist hier einerseits als das psychologische und im Hinblick auf die psychischen Störungen auch das psychopathologische Denken gefordert, und andererseits das Denken, wie es sich aus der Biologie und der Funktion des Nervensystems ergibt.

Weil es verschiedene Methoden gibt, spricht man von den Systemischen Neurowissenschaften.

So untersucht man z. B. mit der Methode der Hochfeld-Magnetresonanztomographie die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn und auf diesem Weg etwa das psychische Phänomen des Lernens und das des Gedächtnisses. Mit dieser Methode kann man auch die Abweichungen dieser Funktionen von der Norm (Normalität) untersuchen. Man kann mit dieser Methode der Neurowissenschaften also untersuchen was zu Störungen dieser psychischen Funktionen führt. Des weiteren untersucht man mit dieser Methode auch das psychische Phänomen der Emotion. In diesem Zusammenhang kann man das psychische Phänomen: Angst, das Phänomen Sucht und andere psychische Phänomene / psychopathologische Phänomene bildgebend monitorisieren und dabei die unterschiedlichen neuronalen Aktivitätszustände in den verschieden Gehirnbereichen durch bildgebende Befunde registrieren. Auf diesem Weg kann auch das Phänomen Schmerz im Hinblick auf die neuronale Aktivität in den verschiedenen Gehirnbereichen untersucht werden. Man dokumentiert in diesem Fall also die neuronale Aktivität beim Schmerzerleben durch bildgebende Befunde. Generell wird bei derartigen Untersuchungen die Relation einer bildgebenden Einheit mit einem psychischen Phänomen systematisch untersucht.

Die Ergebnisse der Systemischen Neurwissenschaften liefern wertvolle Zusatzbefunde für die Psychiatrie und Psychologie und teils auch für die Medizin. Allerdings kann man durch derartige Befunde ein psychisches Phänomen und damit eine psychische Störung nicht allgemein gültig in der Diagnostik bestimmen.* Das heißt man kann ein psychisches Phänomen nicht durch biologische Befunde objektivieren (Weiteres dazu auf meinem Poster 6 : Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy).

Und man kann aus dem selben Grund durch biologische Befunde die Validität und auch die Reliabilität einer psychiatrischen Diagnose nicht erhöhen, weil man die Relation des psychischen Phänomens zum körperlichen Substrat bzw. zum körperlichen Befund nicht kennt (Weiteres dazu auf Poster 6), daher ist eine integrative Diagnostik, wie sei von der Biologischen Psychiatrie angestrebt wurde bzw. zum Teil noch angestrebt wird, grundsätzlich nicht möglich.

* Weiteres zu den Möglichkeiten und Grenzen der Systemischen Neurowissenschaften – aus philosophischer Sicht betrachtet auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant untersucht und diskutiert – in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im Verlag tredition, April 2019

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(letzte Änderung 20.09.2020, abgelegt unter: Definition, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Wissenschaft, psychiatrische Wissenschaft)

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