Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

biologischer Befund

Ein biologischer Befund ist ein Befund, wie er in der Biologie festgestellt wird.

Es ist ein biologischer Befund also ein physischer Befund.

In der Medizin ist ein biologischer Befund ein physischer Befund der sich auf Merkmale des Körpers bzw. auf Merkmale des Organismus oder auf sonstige biologische Objekte (etwa auf Bakterien, Viren usf.) gründet.

Im Gegensatz dazu ist in der Psychologie ein biologischer Befund ein Befund, wie er im Zusammenhang mit einem psychologischen Befund erhoben wird.

Und es ist in der Psychiatrie ein biologischer Befund ein Befund, wie er im Zusammenhang mit einer krankheitswertigen psychischen Störung erhoben wird.

Man kann daher auch sagen: in der Psychiatrie ist ein biologischer Befund ein Befund, wie er im Zusammenhang mit einer krankheitswertigen Erscheinung der Psyche festgestellt wird. Somit kann man auch sagen: es ist ein biologischer Befund in der Psychiatrie (und damit auch in der Biologischen Psychiatrie und in der Forensischen Psychiatrie) ein Befund, wie er im Zusammenhang mit einem krankheitswertigen psychischen Phänomen festgestellt wird.

In der Medizin gibt es die verschiedensten biologischen Befunde:

Man denke an die chemischen Befunde, die biochemischen Befunde, die genetischen Befunde, wie sie im Labor feststellbar sind. Weiters sind die bildgebenden Befunde, wie sie etwa mit der Methode des Röntgens, der Computertomographie (CCT), der Magnetresonanztomographie (MRT), der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), PETSCAN usf. feststellbar sind, biologische Befunde.

Ebenso sind auch die Ultraschallbefunde, die elektrophysiologischen Befunde in der Neurologie, durch die neurologische Phänomene und neurologische Störungen verstanden und erkärt werden können – so zum Beispiel die Befunde, wie sie durch das Elektroenzephalogramm (EEG), durch Evozierte Potentiale (AEP – Akustisch evozierte Potentiale, VEP – Visuell evozierte Potentiale, SEP – Somatisch evozierte Potentiale usf.) oder durch das Elektromyogramm (EMG) mit physischen Methoden erhoben werden, biologische Befunde.

Überhaupt  sind die physischen Befunde, wie sie in der Medizin und hier insbesondere in der medizinischen Physiologie festgestellt werden biologische Befunde, weil sie sich auf den Körper bzw. auf die Biologie des Körpers und damit auf den Organismus beziehen.

Man kennt in diesem Sinn in der Neurologie diverse neurologische Befunde, die als biologische Befunde wesentliche Zusatzbefunde zur Sicherung der neurologischen Diagnose sind und in vielen Fällen diese geradezu bestimmen.

In der Psychiatrie ist man im Bereich der Biologischen Psychiatrie ebenfalls mit biologischen Befunden befasst. Es wird dabei die Relation der Psyche bzw. einer psychischen Störung zur Biologie des Nervensystems untersucht und in der Wissenschaft systematisch studiert.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist ein biologischer Befund, falls er auf der Ebene der Objekte bzw. auf der Ebene der Fakten, bestimmt werden kann ein faktischer Befund. Wenn ein biologischer Befund nur durch eine biologische Theorie erkannt werden kann, dann ist ein biologischer Befund ein ideologisch begründeter Befund bzw. ein ideologischer Befund der auf der Grundlage einer Idee erkannt wird. Zum Beispiel wenn man sich durch eine biologische Theorie erklärt wie Schmerzen in Folge einer Entzündung entstehen, so handelt es sich kritisch betrachtet dabei nicht um einen biologischen Befund im Sinn eines physischen Befundes, sondern es ist dieser Befund durch die Theorie abgeleitet worden. Man kann auch sagen, dass dieser biologische Befund das Phänomen der Schmerzen erklärt und man kann auf dieser Grundlage das biologische Phänomen der Schmerzen (physiologisch bzw. pathophysiologisch) verursacht verstehen und erklären – aber nicht in der Diagnostik durch einen allgemein gültigen Beweis bestimmen.

Oder wenn man sich erklärt, dass eine Psychose durch die Störung an den Rezeptoren der Nervenzellen entsteht, so handelt es sich bei einem solchen Befund ebenfalls nicht um einen biologischen Befund im Sinne eines physischen Befundes, sondern um einen ideologischen Befund, also um einen Befund der durch eine Ideenlehre (durch eine biologische Theorie) begründet ist, auch wenn er sich auf einen biologischen Sachverhalt bezieht. Mit anderen Worten: ohne die Idee könnte man einen solchen biologischen Befund nicht erheben. Bekanntlich hat der amerikanische Neurowissenschaftler Eric Kendell durch Studien in Bezug auf das Lernen der Meeresschnecke (Aplysia) die Bedeutung und die Funktion der Synapsen erkannt und auf dieser Grundlage eine biologische Theorie entwickelt, die später dann für die Psychiatrie und überhaupt für die Systemische Neurowissenschaft wichtig werden sollte.

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nachfolgend der Link zu meinem Vortrag

Stellenwert biologischer Befunde in der Forensischen Psychiatrie

als PDF Datei

den ich anlässlich der Gutachtertagung im Dezember 2012 in Wien gehalten habe

Programm der Gutachtertagung als PDF Datei

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Weiteres über den Stellenwert von biologischen Befunden in der Psychiatrie in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

 

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(letzte Änderung 23.01.2020, abgelegt unter: Befindlichkeitsstörung, Befund, Biologie, Definition, Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Biologische Psychiatrie, Forensische Psychiatrie)

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Weiteres zum Stellenwert der biologischen Befunde in der Psychiatrie (Forensischen Psychiatrie) in diesem Vortrag

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weiter zum Beitrag: körperlicher Befund

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weiter zum Beitrag: psychischer Befund (psychiatrischer Befund)

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weiter zum blog: Befund

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