Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

neuronale Aktivität

Die neuronale Aktivität ist die elektrische Aktivität der Neurone die die neuronale Funktion leistet.

Es ist die neuronale Aktivität also die elektrische Aktivität der Nervenzellen des Nervensystems die in einem höher entwickelten Organismus diverse Funktionen leistet.

So werden durch die neuronale Aktivität die Funktionen des Körpers gesteuert und geregelt.

Man kann daher auch sagen, dass diese neuronale Aktivität die körperlichen Funktionen steuert und regelt.

Und es entstehen als Folge der neuronalen Aktivität bei den hoch entwickelten Lebewesen die Funktionen die als Vorläufer der psychischen Funktion beim Menschen angesehen werden können (situativ angepasste Reaktion, Orientierung, triebhaftes Verhalten usf.).

Es bildet also auch beim Menschen die neuronale Aktivität die biologische Basis der psychischen Funktion und somit auch die der geistigen Funktion.

Somit ist klar, dass die neuronale Aktivität  eine elementare Grundlage der körperlichen Funktion ist, die ihren Ausdruck etwa in der natürlichen Grazie der höher entwickelten Lebewesen findet.

So sind etwa das Gehen, das Laufen, das Galloppieren, das Fliegen mit all den eindrucksvollen Manövern Ausdruck der natürlichen neuronalen Funktion bzw. Ausdruck der naturgemäßen neuronalen Aktivität. Und auch die Erscheinungen der Psyche und die Leistungen des menschlichen Geistes sind ein Ausdruck der neuronalen Aktivität.

Neurobiologisch betrachtet kann sagen, dass die neuronale Aktivität durch den elektrischen Fluss der Aktionspotentiale in den neuronalen Netzwerken entsteht.

Dabei bezeichnet der Begriff neuronale Aktivität entweder die elektrische Aktivität einer Gruppe von Neuronen, oder die sämtlicher Neurone des Nervensystems.

Es ist dies also der Grund der Leistung, die entweder durch die elektrische Aktivität einer Gruppe von Nervenzellen, oder die die durch die Aktivität sämtlicher Nervenzellen als Ganzheit bzw. als Einheit entsteht.

Zum Beispiel entsteht infolge der neuronalen Aktivität in einem Teilbereich des Nervensystems die Aktivierung der Atemmuskulatur die die Atembewegung leistet.

Oder es bewirkt die gesamte neuronale Aktivität sämtliche Funktionen des Lebewesens zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

In diesem Sinn kann man sich vorstellen, dass die elektrische Aktivität des Nervensystem aus unterschiedlichen neuronalen Funktionseinheiten besteht, deren jeweilige Funktionen entsprechende Leistungen bewirken.

Durch die neuronale Aktivität entstehen in den unterschiedlichen Bereichen des Nervensystems also die lokalen neuronalen Prozesse etwa für die Funktionen bzw. für die Aktivitäten des Körpers, also für die jeweilige körperliche Funktion. Und andererseits bewirkt die neuronale Aktivität zu einem gewissen Zeitpunkt die unterschiedlichen Leistungen der Psyche, also die momentane psychische Funktion und damit auch die momentane geistige Funktion.

Man kann also sagen, dass durch die neuronale Aktivität die neuronale Funktion einzelner Funktionseinheiten und auch die des Lebewesens als Ganzes entsteht.

Demgemäß ist die neuronale Aktivität die Basis für die Funktionen von Körper, Psyche und Geist.

Somit ermöglicht die neuronale Aktivität unter anderem die höhere Hirnleistung die unter anderem das Denken, das Fühlen, die seelische Empfindung und auch die anderen psychischen Phänomene hervorbringt. Es entstehen durch die neuronale Aktivität also auch die geistigen Phänomene wie sie sich gerade manifestieren.

Durch die neuronale Aktivität entstehen also die Phänomene auf der Ebene des Körpers und auch die auf der Ebene der Psyche und des Geistes – dies gilt sowohl für den Zustand der Gesundheit wie auch für den der Krankheit bzw. der gesundheitlichen Störung.

Demgemäß zeigt sich in der klinischen Erscheinung bzw. im klinischen Erscheinungsbildes ein Ausdruck der neuronalen Aktivität bzw. ergeben sich indirekt dadurch Hinweise auf allenfalls zu Grunde liegende mögliche Störungen.

Auf dieser Grundlage sind also diverse Theorien insbesondere biologische Theorien entstanden die auf die neuronale Aktivität bzw. auf diesbezügliche Störungen schließen lassen (Beispiel: Befunde der Elektroenzephalographie (EEG) lassen Rückschlüsse auf die neuronale Aktivität zu).

Es entspricht die Aktivitäten des Körpers und auch diejenige der Psyche zu jeder Zeit einer gewissen neuronalen Aktivität, die etwa das Korrelat für das momentane körperliche Befinden bzw. die körperliche Befindlichkeit ist oder die das Korrelat für das psychische Befinden ist. Dies sowohl für den Zustand der Gesundheit wie auch für den der Krankheit.

Im Hinblick auf eine bestimmte körperliche Störung im Sinn einer körperlichen gesundheitlichen Störung oder im Hinblick auf eine bestimmte psychische Störung gibt es jeweils auf der Ebene des Körpers ein Korrelat und damit ein gewisse neuronale Aktivität – und damit ein gewisses neuronales Muster das im Nervensystem gerade abläuft.

Durch die neuronale Aktivität entstehen also die normalen neuronalen Prozesse und damit die normalen körperlichen Funktionen und ebenso die normalen psychischen Funktionen respektive die normalen psychischen Phänomene.

Andererseits entstehen infolge der gestörten neuronalen Aktivität abnorme bzw. krankheitswertige (pathologische) neuronale Prozesse und dadurch gestörte körperliche Funktionen (Beispiel: diverse neurologische Symptome und neurologische Phänomene  bzw. neurologische Symptomenkomplexe wie sie bei neurologischen Störungen vorkommen).

Auch im Hinblick auf die Psyche kann man sagen dass die gestörte psychische Funktion als Folge der gestörten neuronalen Aktivität in Erscheinung tritt. Es manifestieren sich dadurch also die psychopathologischen Phänomene wie sie bei psychischen Störungen vorkommen.

Man kann also festhalten: normale neurologische Funktion korrespondiert mit normaler neuronaler Aktivität und andererseits eine bestimmte neurologische Störung korrespondiert mit abnormer neuronaler Aktivität.

In diesem Sinn kann die gestörte neuronale Aktivität zu entsprechenden körperlichen Störungen führen. Man denke etwa an einen epileptischen Krampfanfall, der sich als Folge der gestörten neuronalen Aktivität manifestiert. Oder man kennt in der Medizin die Formen von gesundheitlicher Störung die infolge einer Störung der vegetativen Funktion – also infolge einer Störung der Funktion des vegetativen Nervensystems sich durch das entsprechende klinische Erscheinungsbild manifestiert und in der medizinischen Diagnostik etwa unter dem Begriff vegetative Dystonie erfasst werden.

In diesem Sinn können diverse Störungen der Gesundheit infolge der beeinträchtigten neuronalen Aktivität erklärt werden bzw. kann man diese auf dieser Grundlage neurobiologsch begründet verstehen und erklären.

Ebenso können infolge der gestörten neuronalen Aktivität auch unterschiedliche Formen von psychischen Störungen auftreten, genannt seien exemplarisch etwa eine psychische Störung vom Typ der Schizophrenie, eine Depression (depressive Störung), ein organisches Psychosyndrom (OPS), eine Demenz etwa vom Typ der Alzheimerdemenz/Alzheimerkrankheit, eine vaskuläre Demenz usf.

Gemäß dem voran gesagten kann man also eine geordnete normale neuronale Aktivität von einer gestörten bzw. abnormen neuronalen Aktivität unterscheiden, die sich in Form von unterschiedlichen Störungen der Gesundheit des Körpers und der Psyche manifestiert.

Die geordnete/regelmäßige/normale neuronale Aktivität, wie sie im Zustand der Gesundheit und damit im Zustand des Wohlbefindes bzw. bei normaler Befindlichkeit gegeben ist – weil die geordnete neuronale Aktivität für die Harmonie der Funktionen – der einzelnen Organe und im Ganzen für das normale Funktionieren des Organismus sorgt – korreliert mit einem gewissen normalen neuronalen Muster – wohingegen man dies von der gestörten neuronalen Aktivität nicht sagen kann bzw. hier eine ungeordnete/chaotische, zumindest in Teilbereichen gestörte bzw. nicht normale und damit abnorme bis pathologische Aktivität vorhanden ist. Auf diesen Sachverhalt kann man nach der Analogie der Erfahrung schließen, auch wenn man die neuronale Aktivität im konkreten Fall nicht physikalisch/biologisch/neurobiologisch und damit physisch – insbesondere nicht scharf abgegrenzt – messen kann – sondern man kann auf diesen Sachverhalt nur indirekt – eben nach der Analogie der Erfahrung schließen (vgl. mit Kant Zitat 26). Demgemäß beruhen diese Schlussfolgerungen auf Konzepten bzw. auf bloßen Ideen – oder man kann auch sagen: sie beruhen auf regulativen Prinzipien im Sinne von Immanuel Kant.

Neuronale Aktivität unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet:

Zellbiologisch bzw. neurobiologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität der einzelnen Nervenzelle die Folge des sich ändernden Membranpotentials das eine Wirkungen zur Folge hat, insofern dadurch Aktionspotentiale entstehen, die sich auf benachbarte Nervenzellen und andere Zellen übertragen und dort eine Wirkung zur Folge haben (Beispiele: Kontraktion der über die Muskelendplatte aktivierten Muskelzelle oder ein aktivierender oder ein hemmender Reiz der über eine Synapse auf eine nachgeschaltete Nervenzelle übertragen wird).

Neurophysiologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität die Aktivität der Nervenzellen, die im Verbund anderen Zellen, etwa im Verbund mit dem Hormonsystem gewisse Organfunktionen des Organismus steuert und regelt.

Neurologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität die Aktivität der Nervenzellen, die die neurologische Funktion leistet. Es bewirkt diese neuronale Aktivität also einerseits die normale neurologische Funktion und im Fall einer Störung die abnorme (pathologische) neurologische Funktion. Mit anderen Worten: in diesem Fall tritt eine neurologische Funktionsstörung bzw. eine neurologische Störung auf (Beispiel: neurologische Störung, die sich als Grand mal Anfall manifestiert usf.).

Psychologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität die Aktivität der Nervenzellen, die sich in Form der psychischen Phänomene manifestiert. Dabei werden die Erscheinungen der Psyche in der Psychologie als Wissenschaft systematisch untersucht und studiert.

Psychiatrisch betrachtet ist die gestörte neuronale Aktivität die Ursache von manch einer psychischen Störung. Man erklärt sich nämlich das Auftreten von gewissen psychischen Störungen durch biologische Theorien. Zum Beispiel kann man sich das Auftreten einer psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie durch die Rezeptor-Theorie erklären. Oder man erklärt sich das Auftreten einer Depression bzw. einer depressiven Störung durch die Transmittermangel-Theorie. Durch diese Theorien kann man, wie gesagt das Auftreten von manch einer psychischen Störung als Folge der gestörten neuronalen Aktivität auf der jeweiligen Grundlage biologisch begründet verstehen und erklären. Demgemäß hat man in der Biologischen Psychiatrie in Bezug auf die Genese von gewissen psychischen Störungen biologische Theorien entwickelt die auch helfen die Wirkung von gewissen Psychopharmaka zu erklären.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird die neuronale Aktivität von einem Arzt oder Wissenschaftler primär durch den Begriff der Idee erfasst, wenn er die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Dabei kann man in der Praxis und Wissenschaft gewisse Formen von neuronaler Aktivität physisch (physikalisch) messen und daher objektiv gültig dokumentieren  (Beispiel aus der Neurologie: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit durch die Elektroneurographie (ENG), oder Messung der Hirnströme durch das Elektroenzephalogramm (EEG). Andere Erscheinungen (Phänomene) der neuronalen Aktivität kann man nur geistig erfassen, eben nur durch den Begriff der Idee der als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7), weil es sich hierbei um eine bloße Idee handelt (vgl. mit Kant Zitat 8) bzw. um eine aus der Erfahrung abgeleitete Idee. So kann etwa ein Arzt in der Medizin die gesundheitliche Störung die er als vegetative Störung bezeichnet nicht physikalisch/physiologisch/elektrophysiologisch messen. Ebenso kann ein Psychiater eine psychische Störung die als Depression, oder als Schizophrenie oder als organisches Psychosyndrom oder als sonst eine psychische Störung bezeichnet wird nicht physisch (physikalisch) messen und durch physische Parameter dokumentieren. Eine Objektivierung der psychischen Störung und auch eine Darstellung der Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit durch physische Methoden ist hier grundsätzlich nicht möglich – wenn gleich mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften bei gewissen Formen von psychischen Störungen besondere Auffälligkeiten etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) aufgezeigt werden können. Dieser Sachverhalt hat zur Folge, dass in der Diagnostik in der Heilkunde in weiten Bereichen eine Störung der Gesundheit nur subjektiv gültig erfasst und bestimmt werden kann und deswegen etwa Befunde der Systemischen Neurowissenschaften bei der Diagnostik einer psychischen Störung nur Zusatzbefunde sind.

Abschließend kann man festhalten, dass es sich beim Begriff neuronale Aktivität um einen Begriff handelt, der sich auf die Biologie bzw. die Neurobiologie des Nervensystems bezieht, insofern er sich entweder auf die Funktion einer einzelnen Nervenzelle, oder auf die Funktion von mehreren bis vielen Nervenzellen – unter Umständen in einem Verbund mit anderen Zellen – bezieht. Es kann der Begriff neuronale Aktivität sich also die Funktion in einem neuronalen Netzwerk beziehen, oder auf die Gesamtheit aller Netzwerke des Nervensystems. Es kann dadurch also die Teilleistung einer einzelnen Funktionseinheit im Nervensystem gemeint sein, die ein gewisses neuronales Muster hervorbringt, oder die des gesamten Nervensystems.

Deswegen kann man berechtigt sagen, dass es sich beim Begriff neuronale Aktivität um einen sehr abstrakten Begriff handelt, weil unter dieser systematischen Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7) das ganze Spektrum der normalen und der gestörten/abnormen neuronalen Aktivität erfasst wird.

.

(letzte Änderung 01.01.2021, abgelegt unter Definition, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Biologie, Depression, Diagnostik, Funktion, Heilkunde, Psychiatrie, Psychologie, Wissenschaft)

……………………………………….

weiter zum Beitrag: neuronale Funktionsstörung

……………………………………….

weiter zum Beitrag: vegetatives Nervensystem

……………………………………….

weiter zum blog: Nervensystem

………………………………………..

weiter zum Beitrag: neuronales Muster

…………………………………………

weiter zur Seite: medizinische Diagnose – psychiatrische Diagnose

…………………………………………

Antiloop GmbH / bechtold.at.