Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

neuronale Aktivität

Die neuronale Aktivität ist die Aktivität der Nervenzellen im Nervensystem.

Man kann auch sagen: die neuronale Aktivität findet im zentralen Nervensystem und im peripheren Nervensystem statt, und sie leistet die neuronale Funktion.

So entsteht etwa die Aktivität der Muskulatur, die für die Atmung sorgt, infolge der neuronalen Aktivität, weil hier durch die Aktivität der Nervenzellen im Atemzentrum die entsprechenden Muskeln im Brustkorb und im Bauchbereich in Aktivität versetzt werden und dadurch bedingt die Ventilation der Lungen erfolgt. Es kann also durch diese Atemaktivität in Verbindung mit dem Herz-Kreislaufsystem der Organismus mit Sauerstoff versorgt werden und andererseits das im Körper produzierte CO2 abtransportiert werden.

Weiters entstehen die sonstigen Bewegungen der Muskeln infolge der jeweiligen neuronalen Aktivität, ferner die Funktionen der Sinnesorgane (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tastsinn). Die Steuerung und Regelung der inneren Organe (Herzaktivität/Herzpumpleistung die die Blutzirkulation bewirkt bzw. die Durchblutung der Organe bewirkt, ferner wird die Regelung der Körpertemperatur durch die neuronale Aktivität geleistet, die Aktivierung der Schweißbildung, die Aktivierung der Hormonbildung zur Steuerung des Stoffwechsels etc.) – all dies wird durch die neuronale Aktivität in Verbindung mit den einzelnen Organen geleistet.

Daneben bewirkt die neuronale Aktivität auch die  höheren Hirnfunktionen, die man als das Denken, Fühlen und Empfinden bzw. als die Empfindung bezeichnet und auch die anderen psychischen Funktionen inklusive der geistigen Funktion. Durch die neuronale Aktivität entstehen also die einzelnen Phänomene der Psyche und die Leistungen, die man als die Leistungen des Geistes der Person bezeichnet – sowohl im Zustand der Gesundheit wie auch im Zustand der psychischen Störung  bzw. überhaupt im Zustand der Krankheit. Durch die neuronale Aktivität entstehen also die normalen psychischen Phänomene und ebenso die abnormen bzw. krankheitswertigen psychopathologischen Phänomene die sich bei einer krankheitswertigen Störung der Psyche in Form des psychischen Symptomenkomplexes manifestieren.

Die gestörte neuronale Aktivität kann in gleicher Weise zu körperlichen Störungen führen. Man kennt etwa den epileptischen Krampfanfall der sich als Folge einer gestörten neuronalen Aktivität manifestiert. Oder man kennt in der Medizin die Formen von gesundheitlicher Störung, die als Folge einer Störung der Aktivität der inneren Organe in Erscheinung treten und in der Diagnostik etwa unter dem Begriff vegetative Dystonie erfasst werden. In diesem Sinn können diverse körperliche Störungen als Folge der beeinträchtigten neuronalen Aktivität auftreten.

Gemäß dem voran gesagten kann man eine geordnete neuronale Aktivität von einer gestörten neuronalen Aktivität unterscheiden, die sich in Form von unterschiedlichen gesundheitlichen Störungen des Körpers und der Psyche manifestiert.

Die geordnete/regelmäßige/normale neuronale Aktivität, wie sie im Zustand der Gesundheit und damit im Zustand des Wohlbefindes bzw. bei normaler Befindlichkeit einhergeht – weil die geordnete neuronale Aktivität für die Harmonie der Funktionen – der einzelnen Organe und im Ganzen für das normale Funktionieren des Organismus sorgt – korreliert mit einem gewissen normalen neuronalen Muster – wohingegen man dies von der gestörten neuronalen Aktivität nicht sagen kann bzw. hier eine ungeordnete/chaotische zumindest in Teilbereichen nicht normale und damit abnorme/pathologische Aktivität vorhanden ist. Auf diesen Sachverhalt kann man nach der Analogie schließen, auch wenn man die neuronale Aktivität im konkreten Fall nicht physikalisch/biologisch/neurobiologisch und damit physisch messen kann – sondern auf diesen Sachverhalt nur indirekt – eben durch die Analogie der Erfahrung schließen kann (vgl. mit Kant Zitat 26). Demgemäß beruhen diese Schlussfolgerungen auf regulativen Prinzipien und damit auf bloßen Ideen im Sinne von Immanuel Kant.

Neuronale Aktivität unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet:

Neurophysiologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität die Aktivität der Nervenzellen die im Organismus die verschiedenen Organfunktionen leistet.

Zellbiologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität die Folge des sich ändernden Membranpotentials das eine Wirkungen zur Folge hat, insofern dadurch Aktionspotentiale entstehen die sich auf benachbarte Nervenzellen und andere Zellen übertragen und dort eine Wirkung zur Folge haben (Beispiele: Kontraktion der angrenzenden Muskelzelle oder aktivierender oder hemmender Reiz über eine Synapse auf die benachbarte Nervenzelle übertragen).

Neurologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität die Aktivität der Nervenzellen die die normale neurologische Funktion sowie im Falle einer Störung die abnorme (pathologische Funktion) bzw. die neurologische Störung bewirkt (Beispiel: neurologische Störung die sich als Grand mal Anfall manifestiert usf.).

Psychologisch betrachtet ist die neuronale Aktivität die biologische Aktivität der Nervenzellen die sich in Form der psychischen Phänomene manifestiert und in der Psychologie näher untersucht wird.

Psychiatrisch betrachtet ist die gestörte neuronale Aktivität die beeinträchtigte Aktivität der Nervenzellen, die im Fall einer krankheitswertigen Störung der Psyche sich in Form der psychopathologischen Phänomene manifestiert und in der Psychiatrie, hier insbesondere in der Psychopathologie aber auch in der klinischen Psychiatrie und klinischen Psychologie in der Form der unterschiedlichen psychischen Phänomene näher untersucht wird. Es wird hier die neuronale Aktivität also auf Basis der Phänomenologie in der Wissenschaft untersucht und dokumentiert. Dabei hat man in der Biologischen Psychiatrie in Bezug auf die Genese von gewissen psychischen Störungen im Zusammenhang mit der Wirkung von gewissen Psychopharmaka  biologische Theorien entwickelt (Rezeptortheorie bei der Schizophrenie, Transmittermangeltheorie bei der Depression bzw. depressiven Störung) durch die man sich das Auftreten dieser Formen von psychischen Störungen biologisch begründet verstehen und erklären kann.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird die neuronale Aktivität von einem Arzt oder Wissenschaftler primär durch den Begriff der Idee erfasst wenn er die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Dabei kann man in der Praxis und Wissenschaft gewisse Formen von neuronaler Aktivität physisch (physikalisch) messen und daher objektiv gültig dokumentieren  (Beispiel aus der Neurologie: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit durch die Elektroneurographie (ENG) oder Messung der Hirnströme durch das Elektroenzephalogramm (EEG). Andere Erscheinungen (Phänomene) der neuronalen Aktivität kann man nur geistig erfassen, eben nur durch den Begriff der Idee der als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7), weil es sich hierbei um eine bloße Idee handelt (vgl. mit Kant Zitat 8). So kann etwa ein Arzt in der Medizin die gesundheitliche Störung die er als vegetative Störung bezeichnet nicht physikalisch messen. Ebenso kann ein Psychiater eine psychische Störung die als Depression, oder als Schizophrenie oder organisches Psychosyndrom oder als sonst eine psychische Störung bezeichnet wird nicht physisch (physikalisch) messen und dokumentieren. Eine Objektivierung der psychischen Störung und auch eine Darstellung der Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit durch physische Methoden ist hier grundsätzlich nicht möglich – wenn gleich mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften bei gewissen Formen von psychischen Störungen besondere Auffälligkeiten etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) aufgezeigt werden können. Dieser Sachverhalt hat zur Folge dass in der Diagnostik in der Heilkunde in weiten Bereichen eine Störung der Gesundheit nur subjektiv gültig erfasst und bestimmt werden kann und Befunde der Systemischen Neurowissenschaften zur Zusatzbefunde sind.

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Weiteres zur Thematik der Diagnostik und des konkreten und theoretischen Wissens über die neuronale Aktivität und neuronale Funktion in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 20.09.2019, abgelegt unter Definition, Medizin, Neurologie, Biologie, Depression, Diagnostik, Funktion, Heilkunde, Psychiatrie, Psychologie, Wissenschaft)

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