Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

geistiges Phänomen

Ein geistiges Phänomen ist ein Phänomen das als Folge der Aktivität des Geistes entsteht.

Es ist ein geistiges Phänomen also ein Phänomen das als Folge des Denkens im Bewusstsein der Person entsteht und sich durch den Begriff  der Idee manifestiert (siehe dazu das  weiter unten Nachfolgende).

Zum Beispiel kann man das Planen als geistiges Phänomen bezeichnen, insofern es infolge der Überlegung in Bezug auf den gegebenen Sachverhalt im Individuum zur Entwicklung einer bestimmten  Vorstellung führt, die in weiterer Folge etwa die Anleitung zu einer sinnvollen Handlung ist. Dabei kann hier das geistige Phänomen das sich in der Form des Begriffs der Idee manifestiert – und die Handlung bestimmt – mehr durch den Verstand und die Vernunft oder mehr durch die Emotion  bedingt, im Bewusstsein der erkennenden Person entstehen. Mit anderen Worten: es kann das Gemüt bzw. der Affekt zuerst die Idee und in weiterer Folge die Handlung wesentlich bestimmen, oder die Ratio entscheidet infolge der vorangehenden vernünftigen Überlegung was von der Person letztlich gemacht wird.

In diesem Sinn entsteht das geistige Phänomen in der Form des Begriffs der Idee als Folge einer mehr oder weniger komplexen Ursache, wobei diese durch psychische Phänomene und sonstige Faktoren mehr oder weniger stark beeinflusst sein kann.

Umgekehrt wird die Psyche und damit die psychische Funktion durch diverse geistige Phänomene mehr oder weniger stark beeinflusst.

Man denke z. B. an das psychopathologische Phänomen des inneren Zwangs der sich zu einer ausgeprägten psychischen Störung steigern und entwickeln kann.  Man spricht in leichten Fällen von Zwanghaftigkeit, etwa vom Kontrollzwang bis hin zur Zwangskrankheit, die das Erleben und die Befindlichkeit der betroffenen Person massiv beeinträchtigt.

Nachfolgend werden geistige Phänomene unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet:

In der Psychologie werden geistige Phänomene unter verschiedenen Gesichtspunkten systematisch untersucht. Man studiert hier etwa die Entwicklung des Denkens beim Kind, beim Jugendlichen und Erwachsenen unter normalen Bedingungen und auch solchen der besonderen Belastung insbesondere der psychischen Belastung.

Oder man kann geistige Phänomene im Zusammenhang von Störungen der Psyche, somit aus Sicht der Psychiatrie betrachten und in dieser Hinsicht im Hinblick auf  Gesundheit und Krankheit systematisch in der psychiatrischen Wissenschaft untersuchen und studieren – wie oben am Beispiel der Zwangsstörung angedeutet.

Aus Sicht der Philosophie kann man sagen, dass ein geistiges Phänomen durch den Begriff der Idee erkannt wird, wenn die erkennende Person die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Aus Sicht der Biologie insbesondere der Neurobiologie und hier aus Sicht der Systemischen Neurowissenschaften kann man sagen, dass ein geistiges Phänomen als Folge der Aktivität der Nervenzellen im Nervensystem – insbesondere im zentralen Nervensystem – infolge der neuronalen Funktion entsteht, die unter anderem auch die höheren Hirnleistungen und damit auch die geistigen Leistungen und in diesem Zusammenhang die geistigen Phänomene hervorbringt.

Dabei kann man sagen, dass gewisse neuronale Netzwerke im Gehirn die biologische Voraussetzung für die höheren Hirnfunktionen sind und auf dieser Basis auch die geistigen Phänomene entstehen. Daher haben Menschen weltweit eigene Sprachen und Kulturen entwickelt und sich etwa auf Lebensbedingungen einstellen können – was den Tieren nicht in diesem Ausmaß möglich ist.

Nachfolgend werden ausgewählte geistige Phänomene aufgelistet und kurz diskutiert:

Das Planen ist eine geistige Tätigkeit – wie oben beschrieben – und damit ein geistiges Phänomen.

Das Urteilen das unter anderem die Wahrnehmung der Realität ermöglicht bzw. die Realitätswahrnehmung leistet, so etwa die Orientierung im Raum, in der Zeit etc. – ist ebenfalls ein geistiges Phänomen – das in gewissem Umfang auch die Nervensysteme in Tieren leisten.

Die Fähigkeit des Kritisieren ist ein geistiges Phänomen – und kann im hier gemeinten Umfang nur vom menschlichen Gehirn geleistet werden.

Das Zustimmen beruht auf einem geistigen Vorgang und ist damit ein geistiges Phänomen.

Das Entscheiden das durch die Unterscheidung zur Entscheidung und letztlich zum Urteil führt beruht auf dem geistigen Phänomen des Denkens.

Das Vergessen ist ein Phänomen das den Geist der Person betrifft und ist somit ein geistiges Phänomen.

Das Assoziieren das durch die Assoziation entsteht und durch den Vergleich die Kognition ermöglicht ist ein geistiges Phänomen.

Das Merken ist ein geistiges Phänomen das infolge der Merkfähigkeit und der Erinnerung das Gedächtnis ermöglicht.

Das Beobachten, Untersuchen, Studieren und Analysieren in Praxis und Wissenschaft sind ebenfalls geistige Phänomene.

Ebenso das Überlegen wie es vom Hausverstand bzw. vom gesunden Menschenverstand geleistet wird.

Die geistige Zentrierung wie sie im Yoga und in der Meditation praktiziert wird ist ebenso ein geistiges Phänomen.

usf.

An dieser Stelle sei noch angemerkt dass in der Psychiatrie und hier insbesondere in der Psychopathologie die Störungen des Geistes begrifflich untersucht werden. Weiteres dazu in unter den jeweiligen Fachbegriffen, etwa dem der Psychose, der Demenz, der formalen Denkstörung, der inhaltlichen Denkstörung, der Merkfähigkeitsstörung, der kognitiven Störung, der affektiven Störung usf.

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(letzte Änderung 22.01.2020, abgelegt unter: Begriff, Definition, Diagnostik, Erkennen, Geist, Gesundheit, Heilkunde, Idee, Phänomen, Philosophie, Psychiatrie, Psychologie, mentales Erkenntnisobjekt)

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