Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Affekt

Der Affekt ist die relativ kurze, heftige Gemütsbewegung, die durch die Emotion entsteht.

Dabei kann die Gemütsbewegung und damit der Affekt bei der Person normal oder abnormal sein.

Falls die Gemütsbewegung in Richtung sehr heftige Erregung  übermäßig stark auftritt, bedeutet dies, dass der Affekt sehr leicht angeregt (affiziert) werden kann, dann besteht eine Auffälligkeit in der Affizierbarkeit (Beispiel: man sagt in der Umgangsprache die „Nerven liegen blank“, die Person ist „aufbrausend“, sie ist leicht irritierbar, ist schnell „auf hundert“, ist „cholerisch“, ist leicht „erregbar“, ist emotional usf.)

Die Gemütsbewegung und damit der Affekt kann auch in die andere Richtung auffällig sein, insofern fast kein Erlebnis bei der Person eine Gemütsbewegung auslöst. Man spricht dann unter Umständen von einer Störung im Gemüt im Sinne einer Gemütsstarre, oder Gemütsverarmung, Versandung der Gefühle usf. also von der fehlenden Affizierbarkeit (dieses psychopathologische Phänomen kann bei einer schweren Depression (depressiven Störunge) krankheitsbedingt reversibel vorkommen, oder es besteht eine Störung im Affekt dieser Art etwa bei einer psychischen Störungen vom Typ der Schizophrenie, insofern eine solche Person unter Umständen eine geringe Gemütsreaktion zeigt und man spricht daher hier vom Versanden der Gefühle falls diese psychische Auffälligkeit anhaltend nach der Psychose zu beobachten ist. In einem derartigen Fall kann man auch von einem Residualzustand sprechen.

Eine Auffälligkeit im Affekt kann auch von der Art sein, dass die Person parathym reagiert. Auch hier handelt es sich um eine Störung in der angemessenen Affizierbarkeit, möglicherweise verursacht durch eine falsche Assoziation bzw. als Folge einer Assoziationsstörung, wie diese bei der psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie häufig vorkommt.

Das Wort Affekt stammt vom lateinischen afficere: antun; in einen Zustand versetzen; mit etwas erfüllen, versehen.

In der Psychiatrie (Psychologie) bzw. in der Psychopathologie kennt man neben dem Begriff Affekt also auch den Begriff der Affizierbarkeit im Sinne der Gemütserregbarkeit.

Der Begriff Affekt wird in der Regel für eine kurze und heftige Gemütsbewegung verwendet. Freude, Wut, Trauer, Fröhlichkeit, Schreck, Angst usf. sind unterschiedliche Gemütsbewegungen, die stark durch den Affekt geprägt sind. Der Affekt ist somit wesentlicher Teil des Gefühls. Und man kann auch sagen, dass der Affekt die momentane Befindlichkeit der Person wesentlich bestimmt.

Der Affekt geht mit einer körperlichen Reaktion einher. Man kann daher auch sagen, dass der Affekt mit einer psychosomatischen Reaktion einhergeht.

Der Affekt ist also nicht nur ein psychisches Phänomen das durch eine psychische Reaktion charakterisiert ist, sondern es ist der Affekt auch mit einer mehr oder weniger starken körperliche Reaktion verbunden (Muskelanspannung, Mundtrockenheit, Schwitzen, schnellerer Puls bzw. höhere Herzfrequenz,  Blutdruckanstieg und unter Umständen auch durch einen Blutdruckabfall, Harndrang, Stuhldrang usf.).

Mit dem Begriff Affekt verwandt ist der Begriff Emotion.

Störungen im Affekt kommen bei vielen psychischen Störungen vor. Etwa bei einer Persönlichkeitsstörung, bei einer Depression, bei hirnorganisch bedingten psychischen Störungen somit beim Organischen Psychosyndrom (OPS), beim ADHS, bei einer Demenz auch bei einer psychischen Störung vom Typ einer Schizophrenie kommt es regelmäßig zu Störungen im Affekt bzw. in der Affizierbarkeit man kennt hier die Begriffe Versandung, Affektverarmung, fehlende Affektresonanz usf.

In der Psychiatrie (Psychologie) kennt man demgemäß den Begriff der affektiven Störung und unterscheidet diesen in der Psychopathologie und somit in der Phänomenologie vom Begriff der kognitiven Störung.

Es bezieht sich der Affekt also grundsätzlich auf das Gemüt und die Gemütserregbarkeit. Man kann auch sagen: es bezieht sich der Affekt auf die Befindlichkeit und auf die Gestimmtheit.

Psychologisch betrachtet bzw. psychopathologisch betrachtet handelt es sich beim Affekt um ein psychisches Phänomen, wie es im Zustand der psychischen Gesundheit vorkommt oder um ein psychopathologisches Phänomen, wie es im Rahmen einer krankheitswertigen psychischen Störung vorkommt.

Biologisch bzw. neurophysiologisch betrachtet entsteht der Affekt in Folge der neuronalen Funktion im zentralen Nervensystem. So kommt es etwa in Folge eines Reizes von außen über die Sinnesorgane zu einer Stimulation (optischer Eindruck, Ton, Geräusch, Geruch etc.) und damit zu einem Reiz bzw. unter Umständen auch zu einer Assoziation von Inhalten aus dem Gedächtnis und damit zu einer komplexen Reaktion durch eine einfache oder durch eine komplexe Ursache.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird ein Affekt durch den Begriff der Idee erkannt der als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese Person die Merkmale einer Gemütsbewegung beobachtet und diese durch das Schema der Idee geistig auffasst. (vgl. mit Kant Zitat 7)

In der Psychologie ist man in erster Linie mit den normalen Formen des Affekts befasst. In zweiter Linie ist ein Psychologe so wie ein Psychiater auch mit Störungen des Affekts befasst. Demgemäß spielen in der Psychologie und in der Psychiatrie die verschiedenen Affekte und deren Störungen eine große Rolle und kennt man hier die verschiedenen Formen der affektiven Störungen als verschiedene Formen von psychischen Störungen (Depression, Manie, affektive Störung im Rausch, im Delir überhaupt bei einer Psychose von der Art einer Schizophrenie oder bei einer Schizoaffektiven Störung usf.)

Und es sind die Affekte und überhaupt die Gemütslage auch für die Medizin von großer Bedeutung, weil durch Störungen in dieser Funktion verschiedene organische Störungen auftreten können (erhöhter Blutdruck im Sinn der Hypertonie, vegetative Störungen im Sinn der Vegetativen Dystonie mit den verschiedenen Reizsymptomen an den verschiedenen Organen: Darmentzündung (Colitis), Magenentzündung (Gastritis) usf. Es spielen daher die Affekte und die Störungen des Affekts auch in der Psychosomatik eine große Rolle.

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(letzte Änderung 03.01.2020, abgelegt unter: Begriff, psychologischer Begriff, Definition, Emotion, fühlen, Psychiatrie, Psychologie)

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