Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Vorstellung

Eine Vorstellung ist eine Idee die im Bewusstsein entsteht.*

Dabei kann die Vorstellung ein Inhalt sein der durch das reine Denken entsteht, oder es kann die Vorstellung ein Inhalt sein der sich auf eine Sache/ ein Objekt/ einen Sachverhalt etwa auf ein Erlebnis oder sonst einen Inhalt des Bewusstseins bezieht.

So kann die Vorstellung etwa eine Idee sein, die durch ein inneres Bild also durch ein mentales Bild bzw. durch ein geistiges Bild entsteht oder sie bezieht sich auf einen Gegenstand der mir tatsächlich gegeben ist.

Demgemäß muss ich unterscheiden, ob sich die Vorstellung auf einen Gegenstand bezieht, der mir als Gegenstand schlechthin und damit als faktische Einheit gegeben ist, oder die Vorstellung bezieht sich auf den Begriff der Idee der mir nur als Gegenstand in der Idee und daher nur als die systematische Einheit der Idee gegeben ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Dies trifft etwa auf eine Melodie zu, die dem kreativen Musiker gerade in den Sinn kommt.

Es ist dies eine Vorstellung, also ein Inhalt der Psyche bzw. des Geistes der Person.

In manchen Fällen hat die Vorstellung einen Bezug zu einem real gegebenen Objekt, wohingegen dies auf andere Fälle nicht zutrifft.

Es kann die Vorstellung also ein Gedanke sein, der durch die Assoziation und die Überlegung der Person entstanden ist.

Oder es kann die Vorstellung ohne Überlegung spontan im Bewusstsein etwa in der Form des Begriffs der Idee erscheinen.

Dabei entsteht die Vorstellung im Bewusstsein der Person infolge der Assoziation oder im Zusammenhang mit der sinnlichen Wahrnehmung oder etwa infolge einer körperlichen Empfindung usf.

Es kann die Vorstellung also etwa infolge der Sinneswahrnehmung und durch die Assoziation von Gedankeninhalten entstanden sein. Oder es kann der Inhalt des Denkens und damit letztlich die Vorstellung ohne den Einfluss von Sinneswahrnehmungen, somit allein aus Inhalten des Gedächtnisses und auf Grundlage von weiteren Überlegungen entstanden sein.

Ebenso kann die Vorstellung durch den mentalen Prozess im Bewusstsein während des Tages, somit im Zustand der Wachheit oder im Zustand des Schlafes oder des Traumes, etwa auch im Tiefschlaf infolge der Aktivität der Psyche im Unbewussten – psychologisch betrachtet entstanden sein – oder biologisch/neurobiologisch betrachtet infolge der neuronalen Funktion des Nervensystems entstanden sein.

Dabei entstehen gewisse Vorstellungen durch das Erkennen infolge von bereits früher Erlebtem (déjà vue Erlebnisse).

Es kann eine Vorstellung also eine Idee sein, die im Bewusstsein einer Person in der Form des Begriffs der Idee als systematische Einheit erscheint (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende) ohne den Bezug auf eine physische Tatsache. Oder es kann eine Vorstellung ein Inhalt sein, etwa eine bildliche Vorstellung, eine bildhafte Erinnerung, eine Melodie, ein Ton, die Erinnerung an einen Geruch, oder sonst ein Inhalt der im Bewusstsein entstanden ist ohne dass er einen konkreten Bezug auf die physische Wirklichkeit hat.

Es kann eine Vorstellung sich also auf eine konkrete Idee beziehen, die durch den Begriff der Idee als systematische Einheit erkannt wird, wenn die Person die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst ohne dass es dafür einen korrespondierenden Gegenstand in der Realität gibt.

Schließlich keine eine Vorstellung auch ein Bewusstseinsinhalt sein, der nicht durch den Begriff einer Idee benannt werden kann, weil es sich dabei um einen vagen Inhalt handelt, der nur beschrieben bzw. nur umschrieben werden kann (z.B. ein undeutliches Bild, eine nicht ganz klare Vision), oder es kann sich um einen sonstigen Einfall handeln, der nicht begrifflich benennbar und daher nicht begrifflich beschreibbar ist.

Es kann also von der Person der Inhalt der Vorstellung entweder begrifflich benannt werden, oder es kann dieser Inhalt bzw. diese Vorstellung nicht begrifflich benannt, sondern nur durch mehrere Worte/Sätze/eine Erzählung/ eine Geschichte umschrieben/beschrieben werden. Nur ein mehr oder weniger konkreter Inhalt kann wieder assoziiert werden, weil nur ein solcher Inhalt im Gedächtnis unter einer „Adresse“ abgelegt und unter dieser „Adresse“ wieder assoziiert und damit erinnert werden werden kann. Nur eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung kann also durch eine Assoziation wieder aus dem Gedächtnis ins Bewusstsein geholt – somit erinnert werden.

Durch einen kreativen Akt kann ausgehend von einer Vorstellung auch ein neuer Inhalt, somit ein neuer Gedanke entwickelt werden. Man kann also in Folge des Denkprozesses – den man als Denken bezeichnet – unter Umständen eine neue Vorstellung entwickeln. Auf diese Art und Weise wird z.B. ein Sachverhalt durch eine neue Theorie erkannt und man kann diesen dadurch verstehen und erklären.

Es gibt also Vorstellungen die begrifflich bennenbar und damit verbalisierbar sind. Andere Vorstellungen sind nicht benennbar. Es sind dies also Vorstellungen die durch keinen Begriff benannt werden können, weil sie nicht konkretisierbar sind, sondern nur individuell vage vorstellbar sind. Solche Inhalte können durch die Assoziation aus den zuvor genannten Gründen nicht oder nur schlecht erinnert werden. Weil sowohl die Abspeicherung und auch die Erinnerung erfordern eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung. Man kann auch sagen: sie erfordern eine Etikettierung des Bewusstseinsinhalts. Es muss also ein Vergleich des Inhaltes mit anderen Inhalten auf der Ebene der bewussten und unbewussten Vorstellungen möglich sein, damit eine Zuordnung und damit eine Erinnerung aus dem Gedächtnis möglich ist.

Psychologisch betrachtet ist eine Vorstellung ein psychisches Phänomen das im Bewusstsein erscheint.

Neurophysiologisch betrachtet entspricht eine Vorstellung einem gewissen individuellen neuronalen Muster das im zentralen Nervensystem der Person infolge der neuronalen Funktion entsteht.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist eine Vorstellung – wie gesagt – eine Idee. Diese Idee kann sich auf ein Erkenntnisobjekt beziehen das uns auf der Ebene der Objekte als Gegenstand schlechthin zur Erkenntnis gegeben ist, oder es kann sich die Vorstellung bzw. die Idee auf ein Erkenntnisobjekt beziehen, das uns nur als Gegenstand in der Idee gegeben ist. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Die Vorstellungen variieren von Individuum zu Individuum, und somit von Person zu Person.

Kommunizieren kann man Vorstellungen und damit nur die Inhalte, die unabhängig von den individuellen Vorstellungen der Person benennbar und begrifflich beschreibbar sind.

Es müssen die Inhalte also in Ideen etwa in Theorien „abpackbar“ sein, damit sie kommuniziert werden können, ansonsten handelt es sich um individuelle Inhalte des Bewusstseins, die nicht kommuniziert werden können.

Man erkennt damit eine Grenze dessen was kommuniziert werden kann, gegenüber dem was nicht kommuniziert werden kann und trotzdem vom einem Lebewesen erlebt wird.

Das Vermögen Vorstellungen zu entwickeln spielt verständlicherweise im Leben eine große Rolle. In der Psychiatrie und Psychologie beachtet man, ob die Person durch eine psychische Störung in dieser Fähigkeit beeinträchtigt ist.

Anmerkung:* bis zu einem gewissen Grad sind auch Tiere, je nach Gattung und Art verschieden zu Vorstellungen fähig (vgl. mit Pawlow Zitat).

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(letzte Änderung 12.12.2019, abgelegt unter: Begriff, psychologischer Begriff, Definition, denken, Diagnostik, Diagnostizieren, Erkennen, Erkenntnis, Erklären, Evidenz, Forensik, Forensische Psychiatrie, Gedächtnis, Gedächtnistheorie, Gedächtnis-Erinnerung, Geist, Gewissheit, Gutachten, Idee, Kategorie, Kausalität, Klassifikation, Kognition, Konzept, Kreativität, Kunst, Lernen, Medizin, Nervensystem, Neurologie, normal, Phänomen, Philosophie, philosophische Begriffe, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, psychologische Idee, Realitätswahrnehmung, Rechtsprechung, Sicht, Störung, Subjekt, Subjektivität, Theorie, Verstehen, Wahn, Wahrscheinlichkeit, Wissen, Wissenschaft, Zusammenhang)

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