Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Psyche

Die Psyche ist das Seelenleben des Menschen.

Es ist die Psyche also der Ursprung des Erlebens, somit des Denkens, Fühlens, der Stimmung, Empfindung ferner der Kognition und damit des Geistes der Person. Es ist die Psyche damit die Quelle des Bewusstseins (und des Unbewussten) der Person und es resultiert aus diesem Ganzen ihr Reagieren und Verhalten.

Daher sind die psychischen Phänomene die Merkmale der Psyche durch die sich das Seelenleben des Menschen im Zustand der Gesundheit und der Krankheit bzw. im Zustand der psychischen Störung manifestiert.

Dabei ist hier mit dem Begriff Psyche die Seele des Menschen im Sinn der Psychologie und nicht im Sinn der Theologie gemeint.

Demgemäß wird die Psyche in erster Linie in der Psychologie studiert, aber auch in der Psychiatrie. Des Weiteren ist die Psyche Gegenstand in der Literatur etwa in der Poesie, in der Kunst usf. und es kommt die Psyche und ihre Beschreibung daher in den unterschiedlichen Werken der Menschen vor.

Dabei stellt man sich vor, dass die Psyche ein Ganzes und damit eine Einheit ist aus der das Seelenleben hervorgeht.

Als Folge der Psyche entstehen also die normalen psychischen Phänomene und im Fall der psychischen Krankheit bzw. der psychischen Störung die psychopathologischen Phänomene.

Und ebenso entsteht also Folge der Psyche einerseits das Gemüt und andererseits die Kognition und damit das Denken und der Geist der Person

Demgemäß enstehen infolge der psychischen Funktion die Gedanken, die Gefühle, die Empfindungen und die sonstigen Inhalte in seinem Bewusstsein.

Und es wird die normale psychische Funktion als Folge der neuronalen Funktion in der Biologie und hier besonders in der Physiologie und Pathophysiologie studiert, sowohl in Bezug auf den Zustand der Gesundheit wie auch in Bezug auf den Zustand der gesundheitlichen Störung bzw. Krankheit.

Schließlich werden die psychischen Störungen auf der Grundlage der Psychopathologie und Phänomenologie in der Psychiatrie studiert und ist hier die Biologische Psychiatrie besonders mit den Zusammenhängen des Körpers und der Psyche befasst.

Dabei kann man die Psyche  phänomenologisch betrachtet in das bewusste Erleben – somit in das Bewusstsein und in das Unbewusste gliedern.

Es ist die Psyche also die Einheit aus der die einzelnen psychischen Phänomene im Wachbewusstsein und im Schlaf entstehen.

Und es ist die Psyche auch die Einheit aus der die einzelnen psychopathologische Phänomene, nämlich die Merkmale einer krankheitswertigen psychischen Störung und damit die Merkmale einer psychiatrischen Diagnose entstehen.

Dabei kann ich diese Einheit nicht geradezu als Ganzes, sondern nur angenähert durch das Schema der Idee (vgl. mit Jaspers Zitat und Kant Zitat 7) erkennen bzw. geistig erfassen.

Daher schreibt der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers unter Bezug auf die Ideenlehre von Immanuel Kant (vgl. mit Jaspers Zitat 14 und Jaspers Zitat 14a) in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ treffend:

Wenn ich das Ganze als Idee auch nicht geradezu erkennen kann, so nähere ich mich ihm – mit Kants Worten – durch dasSchema” der Idee (vgl. mit Jaspers Zitat).

Deswegen kann man auch sagen, dass die Psyche durch die systematische Einheit der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) erfasst wird. Man stellt sich nämlich vor dass es die Psyche als abgegrenzte Einheit gibt und aus dieser Einheit die einzelnen psychischen Phänomene der Person hervorgehen, dies sowohl im Zustand der psychischen Gesundheit wie auch im Zustand der Krankheit.

Man stellt sich also vor, dass es diese abgegrenzte Einheit – wie sie sich in der Form der einzelnen psychischen Symptome und psychischen Phänomene manifestiert – eine wirklich existente Einheit ist.

In diesem Sinn gelangt man durch das Denken zur Vorstellung, dass die Psyche die Ursache aller psychischen Erscheinungen (psychischen Phänomene) ist.

Man denkt sich also, dass es eine solche zu Grunde liegende Einheit gibt, die im Zustand der psychischen Gesundheit, die normalenpsychischen Phänomene und im Zustand der psychischen Krankheit  somit im Fall des Vorliegens einer krankheitswertigen psychischen Störung – das Auftreten der psychopathologischen Phänomene bewirkt.

Im Hinblick auf das Seeleben ist die Psyche also das was eine Person in psychischer Hinsicht erlebt, sowohl wenn sie gesund ist, wie auch wenn sie psychisch krank ist.

Es ist die Psyche also das was man fühlt, was man denkt, erinnert, befürchtet, erwartet, spürt, hofft usf. Dabei  wird ein Teilbereich dieses Geschehens und damit ein Teil der Psyche als Geist der Person bezeichnet. Eine weitere Manifestation der Psyche zeigt sich in dem was man als Stimmung, oder als Gemüt oder als Befinden oder als Befindlichkeit bezeichnet.

Ferner denkt man sich auch, dass die Psyche das Verhalten und das Reagieren des Individuums bzw. der Person bewirkt.

Man denkt sich also, dass es eine zu Grunde liegende Einheit gibt, die man als Psyche bezeichnet, die die einzelnen psychischen Erscheinungen bewirkt.

Die Psyche wird im Zustand der psychischen Gesundheit in ihrer Gesamtheit als Einheit erlebt und man unterscheidet die Psyche vom Körper.

Durch die Zergliederung des Begriffs der Psyche erkennt man die einzelnen psychischen Phänomene (vgl. mit Jaspers Zitat 12).

Dabei kann ich aber – in den Worten von Karl Jaspers – das Ganze als Idee nicht gerade zu erkennen, sondern ich kann mich dem Ganzen als Idee durch das Schema der Idee nur nähern (vgl. mit Jaspers Zitat).

Die Psyche ist also die Einheit der Idee, die als der Begriff der Idee als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Diese systematische Einheit wird durch die Zergliederung des Begriffs der Psyche in die einzelnen psychischen Phänomene erkannt. Man unterscheidet daher etwa das Gemüt mit der Stimmungdas Denken und andere psychische Phänomene in die die Psyche zerlegt bzw. zergliedert werden kann.

Es sind dies also die einzelnen Merkmale der Seele im psychologischen Sinne, die das Wachbewusstsein und in den anderen Erlebniszuständen, etwa im Schlaf im Traum im Halbschlaf, im Dämmerzuständ, im Tagtraum usf. erlebt werden.

Die Psyche umfasst in diesem Sinn das Fühlen, das Denken, das Streben, den Willen, das Vermeiden, die Angst, die Freude usf., somit das bewusste und unbewusste Erleben der verschiedenen Inhalte des Seelenlebens. Demgemäß studiert man in der Psychologie die normalen psychischen Phänomene und in der Psychiatrie die psychopathologischen Phänomene in Bezug auf die verschiedenen psychischen Störungen.

Man kann also in der Psychologie und in der Psychiatrie die Psyche auf der Grundlage der Phänomenologie und der Psychopathologie studieren.

So kann das Ganze der Psyche durch die Zergliederung in die verschieden psychischen Phänomene und psychopathologischen Phänomene diagnostisch erfasst und in der Praxis und sodann in der Wissenschaft systematisch studiert werden.

Die Psyche ist also die zu Grunde liegend gedachte Einheit, von der man denkt, dass es sie gibt und von der man sich vorstellt, dass sie die Ursache der einzelnen psychischen Phänomene ist, die die Person erlebt.

Oder man kann auch sagen:

Die Psyche ist die Einheit, die bewirkt, dass die psychischen Phänomene im Bewusstsein der lebenden Person erscheinen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).

Man kann die Psyche unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und studieren:

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist die Psyche eine systematische Einheit, die durch den Begriff der Idee erkannt wird (vgl. mit Kant Zitat 7). Es handelt sich dabei also um eine Einheit auf der Ebene der Ideen, die durch den Begriff der bloßen Idee definiert ist und nicht um eine biologische Einheit bzw. nicht um eine faktische Einheit, die man physisch bzw. biologisch messen und bestimmen kann. Die Psyche kann man nur durch einen geistigen Maßstab messen, indem man die unterschiedlichen psychischen Phänomene durch eine geistige Messung abschätzt. Das heißt man muss in der Psychiatrie (Psychologie) auf der Ebene der Ideen die unterschiedlichen Ideen miteinander nach der philosophischen Methode der Dialektik vergleichen. Eine physische bzw. eine biologische Messung der Psyche ist grundsätzlich nicht möglich.

Es ist die Psyche eine Einheit, die durch den Begriff der Idee erkannt wird der als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7). Man kann auch sagen, dass der Begriff der Psyche im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese Person die verschiedenen Merkmale der Psyche durch das Schema der Idee geistig auffasst. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Der Begriff der Psyche ist somit eine projektierte Einheit. Oder man kann auch sagen: der Begriff der Psyche ist eine hypothetische Einheit, von der man denkt, dass es sie als abgegrenzte Einheit gibt. Man kann auch sagen: die Psyche ist eine nützliche und damit eine zweckmäßige Einheit, weil man durch diese Einheit die unterschiedlichen psychischen Erscheinungen verstehen und erklären kann.

Weil man die Psyche jedoch nicht auf der Ebene der Objekte als faktische Einheit erkennen und bestimmen kann, ist die Psyche der Begriff einer bloßen Idee der als systematische Einheit auf der Ebene der Vorstellungen bzw. auf der Ebene der Ideen als der Begriff der bloßen Idee erscheint (vgl. mit Kant Zitat 8 und Kant Zitat 7).

Es ist der Begriff der Psyche also eine nur problematisch zum Grund gelegte Einheit und man kann daher sagen, dass die Psyche durch Konzept erkannt wird.

Somit ist die Psyche eine Einheit, die nicht auf der Ebene der körperlichen Funktion „physisch“ diagnostisch bestimmt und überprüft werden kann. Dies besagt, dass man die Psyche nicht mit einer „physischen“ Methode „physisch“ messen und daher auch nicht objektiv gültig diagnostisch bestimmen kann.

Neurobiologisch betrachtet entsteht das was man als Psyche bezeichnet als Folge der neuronalen Funktion des Nervensystems. Oder man kann auch sagen: das Ganze der neuronalen Funktion das die einzelnen psychischen Phänomene hervorbringt, ist die körperliche Grundlage der Psyche, die sich in der normalen psychischen Funktion und in der gestörten psychischen Funktion also in der psychischen Funktionsstörung manifestiert.

In der Wissenschaft bemüht man sich also in der Psychiatrie und in der Psychologie (Psychotherapie) und in den Basiswissenschaften der Naturwissenschaft insbesondere in den Neurowissenschaften vergeblich, wenn man etwa ein psychisches Phänomen z.B. mit der Methode der Funktionellen Bildgebung, etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) zu objektivieren versucht, weil es sich bei dieser Einheit um eine hypothetische Einheit handelt. Es ist eine solche Einheit nämlich eine projektierte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 5).

Daher bemüht man sich in der Psychologie in der Psychiatrie und in anderen Wissenschaft vergeblich wenn man etwa den Willendie Angst, die Intelligenz, eine Demenz oder sonst ein einzelnes psychisches Phänomen oder den ganzen psychischen Symptomenkomplex einer psychischen Störung diagnostisch objektiv gültig messen und bestimmen will.

Allerdings kann man erkennen, dass je nach der Art des psychischen Phänomens mit der Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie welche Gehirnbereiche in diesem Zustand mehr oder weniger aktiv sind. Aber man kann nicht physisch (biologisch, physiologisch, bildgebend usf.) erkennen was die Person erlebt, dass heißt die Biologie liefert nur die Erklärung  und das biologische Verstehen. Aber in der Diagnostik bestimmen kann man das psychische Phänomen dadurch nicht.

Mit anderen Worten: es handelt sich hier bei dieser problematisch zum Grund gelegten Einheit um ein Konzept durch das man die verschiedenen Erlebnisse und damit die verschiedenen psychischen Phänomene auffassen verstehen und erklären und unter diesen Begriffen „denken“ respektive sich vorstellen kann.

Mit nochmals anderen Worten: es ist diese Einheit also eine projektierte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 5), die in der Form des Begriffs der Idee, der ein regulativer Begriff ist, im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese gewisse Dinge erlebt und geistig auffasst.

In diesem Sinn versteht man unter der Psyche in der Alltagssprache und insbesondere in der Psychologie, in der Psychiatrie und in der Psychotherapie eine Einheit, wie sie beim gesunden und beim kranken bzw. beim krankheitswertigen Seelenleben sich als psychische Störung manifestiert.

Karl Jaspers hat den Sachverhalt richtig erkannt. Karl Jaspers hat erkannt, dass man ein psychisches Phänomen und damit die Psyche nur auf der Grundlage einer Idee im Sinne von Immanuel Kant erkennen kann (vgl. mit Jaspers Zitat). Im Gegensatz zu Karl Jaspers hat Emil Kraepelin sich getäuscht, als dieser geglaubt hat, dass man gewisse psychische Krankheiten, etwa die Einheit Dementia praecox, aus der einige Zeit später die  diagnostische Einheit Schizophrenie hervorgegangen ist, in Zukunft wird allgemein gültig bestimmen können (vgl. mit Kraepelin Zitat 1).

Emil Kraepelin hat sich also getäuscht, als er geglaubt hat, dass man in der Psychiatrie auf der Grundlage des naturwissenschaftlichen Verständnisses ein biologisch fundiertes Wissen erlangen kann, wie dies in der Medizin in vielen Bereichen möglich ist (vgl. mit Kraepelin Zitat 2). Überhaupt hat Emil Kraepelin sich getäuscht als er geglaubt hat, dass die Psychiatrie sich zu einem kräftigen Zweig der medicinischen Wissenschaft fortentwickelt (vgl. mit Kraepelin Zitat 2).

Wegen der Unterschieds in der Erkenntnisbasis ist dies grundsätzlich unmöglich.

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(letzte Änderung 26.08.2019, abgelegt unter Definition, Medizin, Nervensystem, vegetatives Nervensystem, Physiologie, Psyche, Psychiatrie, biologische Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie, Psychosomatik, Psychotherapie, Wissenschaft, psychiatrische Wissenschaft, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff)

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