Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Unbewusste

Das Unbewusste ist der Teil der Psyche von dem man sich vorstellt, dass es ihn gibt, den man jedoch nicht erkennen und bestimmen kann.

Man hat nämlich in Bezug auf die Psyche gewisse Erfahrungen gemacht, die darauf hinweisen dass es diesen Teil eines nicht fassbaren „Speichers“ gibt.

Während aus dem „normalen“ Gedächtnis bewusst Inhalte abgerufen werden können, ist dies beim Unbewussten nicht möglich. Daher hat man den Begriff das Unbewusste im Gegensatz zum Bewusstsein postuliert, weil man nur dadurch gewisse psychische Phänomene sinnvoll verstehen und erklären kann.

Damit wird deutlich dass diese zu Grunde liegend gedachte Einheit eine projektierte Einheit also ein Konzept ist.

Man kann mit einem anderen Begriff von Immanuel Kant auch sagen, dass dies ein regulatives Prinzip ist durch das man den Zusammenhang von gewissen psychischen Erscheinungen auf dieser Grundlage verstehen und erklären kann. Demgemäß ist der Begriff das Unbewusste ein regulativer Begriff.

In diesem Sinn hat sich der Begriff des Unbewusste in der Psychologie und Psychotherapie etabliert und sind zur Erklärung der von diversen psychischen Erscheinungen. Man kann auch sagen dass man durch diese psychologische Theorie den Sachverhalt durch gewisse Deutungen verstehen und erklären kann. Auf Grundlage des Unbewussten sind etwa die Theorien von Sigmund Freud („Das Ich und das Es“ gemäß diesem Modell gibt es neben dem Ich und dem Über-Ich das Unbewusste aus dem die Triebe, Bedürfnisse und Affekte entstehen) oder die von Alfred Adler (Individualpsychologie die zur Prägung von Begriffen wie: Geltungsstreben, Überlegenheit, Minderwertigkeit führte) und andere.

Und es ist der Begriff das Unbewusste in weiterer Folge auch in die Psychiatrie eingeführt und im Zusammenhang von diversen psychischen Phänomenen und psychischen Störungen interpretiert worden.

Die Existenz des Unbewussten wird also durch eine Theorie erklärt, die besagt dass es in der Tiefe der Seele dieses „Etwas“ gibt das auf das Seelenleben – sprich auf unsere Psyche einwirkt.

Mit Hilfe dieser Theorie stellt man sich vor, dass das Unbewusste die Assoziationen im Wachbewusstsein beeinflusst und diese auch im Traum bzw. im Schlaf geradezu bestimmt, weil in diesem Zustand der Psyche die Korrektur durch die Realität unterbleibt.

Auf diese Art und Weise wird das was von der Person im Schlaf erlebt wird durch das Unbewusste vollkommen bestimmt, und mehr oder weniger auch im Zustand des Wachbewusstsein und in den dazwischen gelegenen Stadien des Bewusstseins.

Es spielt hierbei also der Grad der Bewusstheit bzw. der Grad der Wachheit eine Rolle.

Demgemäß ist das Erleben der Person ständig mehr oder weniger ausgeprägt durch das Unbewusste beeinflusst bis bestimmt.

Zu dieser Theorie über die Funktion des Unbewussten sind Menschen infolge der persönlichen Erfahrungen gelangt. Menschen haben nämlich die Erfahrung gemacht, dass einerseits durch gewisse Reize ausgelöst Bewusstseinsinhalte assoziiert werden und dass andererseits Inhalte spontan ins Bewusstsein eintreten, ohne dass ein erkennbarer äußerer Reiz bemerkt wird, der den Einfall bewirkt.

Psychologisch betrachtet ist das Unbewusste also die Ursache die in gewissen Situationen den Inhalt des Bewusstseins wesentlich bestimmt. Man kann daher auch sagen, dass das Unbewusste der zu Grunde liegend gedachte Teil der Psyche ist, der teils durch gewisse Reize ausgelöst bestimmte Inhalte aus dem Gedächtnis der Person hervorbringt, oder der unter Umständen durch die Verknüpfung von gewissen Inhalten neue Inhalte generiert. Es handelt sich dabei also um eine zu Grunde liegende Einheit die in der Tiefe der Seele wirkt, ohne dass die betroffene Person sich dieser Einheit bewusst ist und deren Wirkung kennt.

Man kann also – erkenntnistheoretisch betrachtet – auch sagen, dass das Unbewusste die projektierte Einheit bzw. die transzendentale Einheit ist, die je nach Sachverhalt und Situation das Seelenleben der Person mehr oder weniger stark beeinflusst bzw. in gewissen Fällen geradezu dominiert.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird das Unbewusste durch die systematische Einheit der Idee erkannt, wenn Inhalte in Bezug auf die Psyche durch das Schema der Idee aufgefasst werden und diese in Form des Begriff der Idee im Bewusstsein erscheinen (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man kann auch sagen: weil es sich bei dieser Einheit um die  systematische Einheit der bloßen Idee handelt (vgl. mit Kant Zitat 8), ist der Begriff dieser psychologischen Idee ein regulativer Begriff (vgl. mit Kant Zitat 4).

Man stellt sich also vor, dass es eine solche virtuelle Einheit  gibt, wenngleich man in der Realität nicht aufzeigen und beweisen kann, dass es eine solche Einheit tatsächlich gibt. Es handelt sich dabei also um den Begriff einer hypothetischen Einheit, die in Form des Begriffs dieser psychologische Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint (vgl. mit Kant Zitat 4). Eine solche (psychologische) Idee ist – wie bereits erwähnt eine transzendentale Idee (vgl. mit Kant Zitat 8a).

Neurophysiologisch betrachtet entspringen die Inhalte der Psyche die dem Unbewussten zugeordnet werden ebenfalls der neuronalen Funktion. Es ist das Unbewusste ein Ergebnis der neuronalen Aktivität. Man kann auch sagen: das Unbewusste ist ein Ergebnis des neuronalen Prozesses von dem man sagen kann, dass man ihn als Subjekt nicht merkt, dass er in Form der neuronalen Aktivität im Sinn der der neuronalen Funktion nämlich in Form von neuronalen Mustern im Nervensystem und hier insbesondere Gehirn abläuft, den man jedoch tatsächlich physisch messen kann, insofern man bei der untersuchten Person im Schlaf – auch wenn sie im Tiefschlaf oder im Stadium eines Traumes befindlich ist – die neuronale Aktivität in Form der Hirnströme messen und nachweisen kann.

Über das Unbewusste und die Funktion des Unbewussten sind unterschiedliche Theorien entwickelt worden, die jeweils unterschiedliche psychische Zusammenhänge erklären bzw. kann man dadurch den Zusammenhang der psychischen Phänomene unter verschiedenen Gesichtspunkten auffassen, verstehen und erklären.

Diesen Sachverhalt hat der Psychiatrie und Philosoph Karl Jaspers auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant realisiert wenn er in seinem Buch Allgemeine Psychopathologie schreibt: In der Psychopathologie gibt es eine Reihe von Betrachtungsweisen, eine Reihe von Wegen nebeneinander, die in sich berechtigt sind, sich ergänzen, aber sich gegenseitig nicht stören (vgl. mit Jaspers Zitat 11).

In diesem Sinn gibt es auch in der Psychologie/Psychotherapie und Psychiatrie je nach Fall und Sachverhalt unterschiedliche Erklärungen und Interpretation für die psychischen Zusammenhänge. Und es sind demgemäß von Ärzten unter anderem die Theorien von Sigmund Freud (psychoanalytische Theorie), Alfred Adler (Individualpsychologie), C. G. Jung (Theorie der Archetypen, kollektives Unbewusste) geschaffen worden und es haben Psychologen etwa B. F. Skinner (Theorie der Verhaltenstherapie, Behaviorismus) entwickelt um Sachverhalte psychologisch begründet zu erklären. Eigentlich hatten auch früher schon Denker unterschiedliche Vorstellungen entwickelt, durch die man sich psychische Phänomene und deren Zusammenhänge erklären konnte. Man kann nämlich die Zusammenhänge der psychischen Phänomene unter den verschiedensten Gesichtspunkten verstehen und je nach Sachverhalt und Situation durch die passende Theorie erklären (vgl. mit Jaspers Zitat 11). Mit anderen Worten: man kann die Zusammenhänge der psychischen Phänomene durch die verschiedenartigen Sichtweisen erklären.

Es handelt sich dabei also um die verstehende Psychologie durch die man diese Zusammenhänge erklärt. Daneben gibt es vor allem in der Psychiatrie gewisse psychische Phänomene, die man nicht auf der Grundlage des normalen Erlebens und der Normalpsychologie und somit nicht auf Grundlage der verstehenden Psychologie verstehen und erklären kann, sondern die man nur durch eine andere Ursache erklären kann. Daher erklärt man in der Psychiatrie das Auftreten von verschiedenen psychischen Störungen durch  biologische Ursachen, weil man bemerkt hat, dass biologische also „physische“ Faktoren bzw. „physische“ Gegebenheiten beim Auftreten dieser psychischen Störungen eine große Rolle spielen und es entstand daher in der psychiatrischen Wissenschaft das Teilgebiet das als Biologische Psychiatrie bezeichnet wird.

Psychotherapeutisch betrachtet besteht das Unbewusste als Gegenpol zum Bewusstsein. Man kann auch sagen: das Unbewusste existiert als der Untergrund auf dem das Bewusstsein der Person entsteht. Wobei diese Sichtweise der Psychotherapie weitgehend in Übereinstimmung mit der Sichtweise von Osho besteht der das Unbewusste als den „alten“ Teil der Psyche ansieht – man kann auch sagen als den „animalen“ Teil der Psyche ansieht – der noch nicht durch das menschliche Denken beeinflusst und durch die menschlichen Vorstellungen – insbesondere durch die menschlichen Wünsche und Konditionierungen – deformiert worden ist (vgl. mit Osho Zitat 18a).

Abschließend kann man also festhalten dass unter dem Begriff das Unbewusste der Teil des Gedächtnisses gemeint ist der nicht unmittelbar erinnert werden kann, der jedoch auf die Psyche und damit auf das psychische Geschehen permanent wird.

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(letzte Änderung 02.01.2021, abgelegt unter: Begriff, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff, regulativer Begriff, Bewusstsein, Definition, Diagnostik, Einheit, Erleben, Idee, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Psychosomatik, Psychotherapie)

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