Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Bewusstheit

Die Bewusstheit ist der Grad des Bewusstseins.

Es macht die Bewusstheit also eine Aussage über den Grad des persönlichen Wissens um das eigene Sein oder sonstige Dinge die Fokus des Bewusstseins stehen.

Demgemäß beruht die Bewusstheit auf der Konzentration im Sinn der selektiven Aufmerksamkeit.

So kann die Bewusstheit etwa Aussagen über das eigene Befinden machen.

Es können also die Psyche und der Körper im Fokus des Bewusstseins und damit im Mittelpunkt der Bewusstheit stehen, wie diese etwa durch die Selbstreflexion von der betroffenen Person selbst erkannt wird.

Oder es macht die Bewusstheit Aussagen über äußere Dinge und sonstige Sachverhalte wie sie gerade sinnlich wahrgenommen oder bedacht werden.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird deutlich, dass diese Eigenheiten durch projektierte Einheiten erkannt werden, falls diese auf den psychischen Sachverhalt angewandt werden. Es werden diese Eigenheiten des Bewusstseins also durch die systematischen Einheiten der Ideen erkannt, falls der jeweilige Sachverhalt durch das entsprechende Schema der Idee aufgefasst wird (vgl. mit Kant Zitat 7). Und weil es sich bei diesen psychologischen Ideen um bloße Ideen im Sinne von Immanuel Kant handelt, kann man auch sagen, dass durch deren regulative Begriffe unterschiedliche Qualitäten der Psyche erkannt werden, insofern hier konkret die Bewusstheit der Person im Fokus steht.

So macht die Bewusstheit unter anderem etwa eine Aussage über den Grad der Besonnenheit, falls das Bewusstsein unter diesem Aspekt betrachtet wird.

Oder es macht die Bewusstheit im Hinblick auf den Grad der Wachheit eine Aussage, so z. B. über die innere Sammlung und damit über die mehr oder weniger vorhandene Konzentration.

Oder es macht die Bewusstheit eine Aussage über die momentane Gestimmtheit der Person und damit über deren Stimmung usf.

Im Zustand der vollen Bewusstheit ist die Person sich ihrer selbst und der Situation in jeglicher Hinsicht voll bewusst. Infolge dieses Zustands der Psyche ist die Person besonnen und umfassend orientiert. Daher kann man sagen, dass die Orientierung der Person wesentlich von deren Bewusstheit abhängt.

Daher kann sie im Zustand der vollen Bewusstheit sich der Realität bestmöglich anpassen und angemessen handeln.

Mit anderen Worten: die Realitätswahrnehmung der Person ist im Zustand der vollen Bewusstheit angemessen und in keiner Weise eingeschränkt.

Man kann deswegen auch sagen, dass im Zustand der vollen Bewusstheit die Person fähig ist in jede Richtung zu reagieren. Dies bedeutet neurobiologisch betrachtet dass das Nervensystem optimal aktiviert ist und infolge der neuronalen Netzwerke und der neuronalen Funktionseinheiten die Reaktionen in alle möglichen Richtungen sehr schnell aktiv werden können.

Die uneingeschränkte Bewusstheit ist also der völlig wache Zustand der Person, in dem das eigene Sein, die Umgebung, die Situation und auch sonst alles Wesentliche klar und bewusst erlebt wird, und es kann die Person in diesem Zustand klug und den Umständen entsprechend angemessen und umsichtig handeln. Ebenso kann man auch sagen, dass die Person in diesem Zustand weitsichtig und damit vernünftig, also gemäß ihrem Verstand und ihrer Vernunft handeln kann. Demgemäß wird die voll bewusste Person gemäß ihrem Hausverstand bestmöglich reagieren und handeln.

Man kann daher berechtigt sagen: die volle Bewusstheit geht mit der uneingeschränkten Besonnenheit einher.

Im Gegensatz zur normalen Bewusstheit kennt man den Zustand des eingeschränkten Bewusstseins, wie er etwa  beim Einschlafen oder in der Trance in leichter Form und im tiefen Schlaf in hoher Ausprägung vorhanden ist.

Oder man kennt den Zustand der gestörten Bewusstheit, wie sie im Rahmen einer psychischen Störung vorkommt und in der Psychiatrie bzw. in der Psychopathologie näher untersucht und beschrieben wird.

Während die Psychiatrie und die Neurologie als empirische Wissenschaften der Heilkunde mit den krankheitswertigen Störungen der Psyche und der beeinträchtigten neurologischen Funktion befasst sind, beschäftigt sich die Psychologie vorwiegend mit den normalen Zuständen der Psyche – auf Grundlage der normalen Funktion des Nervensystems – und es werden  demgemäß in dieser Wissenschaft normalen Zustände des Bewusstseins und die normalen Variationen der Bewusstheit systematisch untersucht.

So kennt man z. B. das natürliche psychische Phänomen der Somnolenz wie es beim Einschlafen oder im Zustand der Trance vorkommt. Es können durch die Bestimmung des Grades der Bewusstheit unterschiedliche Zustände des Bewusstseins  in den modifizierten Zuständen der Psyche betrachtet und systematisch untersucht werden.

Neurobiologisch betrachtet kann man sich vorstellen, dass in Abhängigkeit vom Grad der Bewusstheit die neuronalen Muster sich ändern (infolge des unterschiedlichen Arousals) bzw. dies mit einer veränderten neuronalen Funktion korreliert die ihrerseits die psychische Funktion und die körperliche Funktion modifiziert.

Umgekehrt bewirken die Beschränkung der psychischen Funktion bzw. die beschränkte neuronale Funktion die verminderte Bewusstheit. (Beispiele: mentale Retardierung; oder Meningoenzephalitis)

Als pathologische Zustände des Bewusstseins bzw. der Bewusstheit kennt man in der Psychiatrie zum Beispiel das Delir, die getrübte Besonnenheit, wie sie im Rausch vorkommt. Oder man kennt in der Medizin beeinträchtigten Bewusstseinszustände und damit reduzierten Grade der Bewusstheit wie sie etwa bei hohem Fieber oder bei einer Stoffwechselstörung, etwa bei der Entgleisung des Zuckerstoffwechsels bis hin zum Coma diabeticum vorkommen. Ferner kennt man in der Neurologie den Zustand des Wachkoma als Sonderform des Bewusstseins bzw. der Bewusstheit wie er nach schwerer Gehirnschädigung auftreten kann.

Es kann unter Umständen also eine dem Grad nach unterschiedliche krankheitswertige Störung der neuronalen Funktion auftreten die zur Einschränkung des Bewusstseins und der Bewusstheit bis hin zur fehlenden Bewusstheit führen kann (Koma, Sopor, kömatöser Zustand).

Das Koma bezeichnet z. B. den psychischen Zustand in dem die Bewusstheit nicht gegeben ist.

Bewusstsein ist Präsenz im Sinn der Achtsamkeit.

Man spricht auch vom inneren Gewahrsein. (vgl. mit Nisargadatta Zitat 8)

Größere Bewusstheit führt zu tieferem Verstehen.

Aus der Sicht der Neurophysiologie korreliert die Bewusstheit mit einem gewissen Grad an neuronaler Aktivität im zentralen Nervensystem. Größere Bewusstheit entspricht demgemäß auf der Ebene der neuronalen Funktion einer weiter umfassend koordinierten Aktivität des zentralen Nervensystems. Verständlicherweise geht diese mit größerer „innerer Balance“ einher (vgl. mit Osho Zitat 13e) und es führt dies zu größerer Harmonie und zu größerer inneren Sicherheit und Stabilität.

Es liegt auf der Hand, dass Störungen in der Bewusstheit mit psychopathologischen Phänomenen einhergehen, wie sie bei den unterschiedlichen psychischen Störungen vorkommen.

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Entwicklung der Bewusstheit

Die Bewusstheit entwickelt sich indem die innere Aufmerksamkeit auf etwas gerichtet ist. Man kann von der inneren Zentrierung der Psyche auf ein virtuelles Zentrum sprechen.

Man kann auch sagen: im Yoga und in der Meditation wird der innere Zeuge  kultiviert und es führt dies zu größerer Bewusstheit.

Größere Bewusstheit entsteht in Folge der achtsamen Praxis.

Oder man kann auch sagen:

Größere Bewusstheit ergibt sich aus größerer Achsamkeit.

Im Zustand der vollen Bewusstheit erkennt man den Grad des Bewusstseins und die verschiedenen Zusammenhänge. Man erkennt dabei die verschiedenen Sichtweisen und man ist sich infolge des Stellenwerts der einzelnen Zusammenhänge bewusst.

Daher führt größere Bewusstheit zu tieferem Verstehen.

Größere Bewusstheit lässt den Verstand hinter sich zurück und es verbleibt letztlich das Bewusstsein als der innere Zeuge. Dadurch erkennt man das Selbst.

Das innere Zeuge sein führt zu größerer inneren Ruhe (vgl. mit Patanjali Zitat 1), weil die neuronalen Prozesse im Laufe der Zeit zum Stillstand kommen. Gleichzeitig  erkennt man die verschiedenen Zusammenhänge und vertieft sich damit das Verstehen. Diese Entwicklung befördert die Ausbildung des inneren Zentrums. (vgl. mit Osho Zitat 2)

Man kann also sagen: die achtsame Praxis, das innere Zeuge sein fördert diese Entwicklung. (vgl. mit Osho Zitat 8, Osho Zitat 6, Osho Zitat 4,  Osho Zitat 3, Osho Zitat 17g )

Darin liegt der Wert der konzentrativen Tätigkeiten, wie sie beispielsweise im Yoga in der Meditation oder sonst in einer konzentrierten Tätigkeit erfolgt, etwa in der konzentrativen Bewegungstherapie oder in sonst einer praktischen Tätigkeit, die mit Gelassenheit und innerer Achtsamkeit verrichtet wird.

Der Erwerb der größeren Bewusstheit resultiert also aus der Praxis, die diese Entwicklung befördert. Im Gegensatz dazu gibt es Formen des Tuns, die in andere Richtung gehen und die Zerstreutheit und innere Desintegration deswegen die Abnahme der Bewusstheit bewirken. Dazu zählt das multitasking und sonst jede Zerstreung, die das Gegenteil der Zentrierung und inneren Sammlung bewirkt.

Grundsätzlich bewirkt die Ausrichtung der Achtsamkeit auf einen konkreten Zusammenhang den man erkennt die Verfolgung dieses Zusammenhangs und seiner Auswirkung und es führt dies zur partikularen Erkenntnis, die wiederum zu einer weiteren partikularen Erkenntnis führt und so fort, ohne Ende. Man erkennt damit den grundsätzlichen Unterschied und die unterschiedliche Auswirkung der passiven Achtsamkeit, eben des inneren Zeuge seins im Vergleich zur aktiven mehr oder weniger willentlich gerichteten Achtsamkeit, die man auch aus Aufmerksamkeit auf Gedanken und Sachverhalte bezeichnen kann und die zum Lernen im weitesten Sinn, also zum Erkennen der verschiedenen Zusammenhänge führt.

Man kann daher auch sagen: größere Achtsamkeit steigert die Bewusstheit und diese wiederum die innere Sicherheit, die innere Gelassenheit und auch die Leistungsfähigkeit.

Der Erwerb der höheren Integration ist also das Ergebnis einer gewissen Bemühung, allerdings einer Bemühung von der rechten Art und Weise.

Es bedarf also einer gewissen Bemühung in die „richtige“ Richtung.

In diesem Sinne befördert das konzentrative Tun die Bewusstheit und damit die Integration der neuronalen Prozesse.

Im Gegensatz dazu bewirken Reizüberflutung und multi-tasking die Zerstreutheit und die Desintegration der neuronalen Funktion.

Wie man leicht verstehen kann geht Desintegration der neuronalen Funktionen mit vermehrter Angst, inneren Unsicherheit und allgemeiner Verunsicherung einher, wohingegen Konzentration und Integration in die andere Richtung gehen.

Letztlich kann die Desintegration bis hin zum sogenannten „Nervenzusammenbruch“ und schließlich zur nervlichen Erschöpfung und depressiven Störung führen, oder unter Umständen in einer psychotischen Störung enden.

Die Erlangung von größerer Bewusstheit ist also das Ergebnis der geeigneten Praxis, die auch als Achtsamkeit bzw. achtsames Tun bezeichnet werden kann.

Bewusstheit im Sinn des Gesetzes

Bewusstheit im Sinn des Gesetzes ist Bewusstheit, die Geschäftsfähigkeit zur Folge hat. Es ist dies also die Bewusstheit die mit einem ausreichenden geistigen Überblick einhergeht, so dass die Person den Sachverhalt ausreichend geistig auffassen und beurteilen kann.

Oder es ist die Bewusstheit, die erkennt was Recht und Unrecht ist. Damit ist die Diskretionsfähigkeit und die Dispositionsfähigkeit gemeint, die es ermöglicht rechtmäßig zu handeln. Wohingegen bei einer relevanten psychischen Störung dies nicht gegeben ist. Dieser Sachverhalt ist in der Psychiatrie generell und inbesondere in der Forensik und somit bei der Erstattung eines psychiatrischen Gutachtens von Relevanz.

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(letztes Änderung, 05.12.2020, abgelegt unter Bewusstheit, Bewusstsein, Psyche, Psychopathologie, Erleben, Definition, Medizin-Psychotherapie-Yoga-Meditation, Phänomen, Psychiatrie, Psychologie)

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