Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Trieb

Der Trieb ist ein natürliches Phänomen das bei höher entwickelten Tieren und beim Menschen zu beobachten ist.

Es ist dies ein inneres „Getriebensein“ das primär infolge einer biologischen Ursache entsteht und vom Lebewesen als psychisches Phänomen erlebt wird.

Es handelt sich dabei also um ein Phänomen das seine Ursache primär im Körper hat aber wesentlich sich auf die Psyche und in Folge auf das Verhalten auswirkt. Dabei kann diese Ursache allerdings auch durch diverse Faktoren provoziert und verstärkt werden. Es ist dies also eine komplexe Ursachedie durch das Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren entsteht und vom Individuum als ihm pathisch zu teil werdendes Phänomen erlebt wird.

Der Trieb ensteht also primär durch innere Gegebenheiten und kann durch weitere Faktoren verstärkt werden.

Man weiß, dass etwa bei der Sexualität eine längere Zeit der unterbliebenen Triebefriedigung als innerer Faktor den Trieb steigert, oder dass der Anblick,  oder der Geruch, die Berührung, oder allein eine Vorstellung den Trieb auslösen und verstärken kann. All dies veranlasst das Individuum zur Triebreaktion.

Man kennt den Überlebenstrieb, den sexuellen Trieb, den Arterhaltungstrieb, den Pflegetrieb, den Trieb sich und andere zu verteidigen und andere Triebe, die aus einer biologischen Ursache entspringen und alle samt von aktiver Art sind. Ein Trieb führt in der Regel zu einer Handlung, die die Triebbefriedigung als Ziel zur Folge hat.

Im Wort Trieb steckt der Begriff „angetrieben“ sein, durch etwas „getrieben“ sein. Es ist dies also ein Erlebnis das dem Lebewesen pathisch zuteil wird und nicht ein Erlebnis das primär gewollt wird und dem Willen entspringt. Mit anderen Worten man kann sich den Trieb nicht aussuchen, sondern er ist durch die Natur, also gemäß der individuellen Anlage gegeben. Dabei liegt es in der Natur der Sache begründet, dass die Anlage zum Trieb bei verschiedenen Individuen einer Spezies verschieden stark angelegt ist. Es wird also innerhalb einer gewissen Population Individuen mit stärkerer Triebanlage und solche mit schächerer Triebanlage geben.

Weil der Trieb pathisch erlebt wird,  er also gleichsam „erlitten“ wird, unterscheidet er sich grundsätzlich von der primär willentlich intendierten Handlung und ist er mit der Leidenschaft verwandt insofern dieses Getriebensein erlitten wird.

Es ist auch so, dass manche Triebe zu gewissen Zeiten im Leben den Höhepunkt erlangen und davor und danach nicht mehr in diesem Ausmaß vorhanden sind.

Biologisch bzw. neurobiologisch betrachtet ist der Trieb bzw. die Triebreaktion ein physiologisches Geschehen das in einem Organismus in Erscheinung tritt. Das Ziel der Triebreaktion ist eine gewisse Reaktion. Diese manifestiert sich sowohl auf körperlicher Ebene wie auch auf psychischer Ebene. Der Abschluss der Triebreaktion führt schließlich zum Nachlassen einer gewissen inneren Spannung, die zuvor vom Individuum erlebt wird. Diese Spannungsreduktion tritt ein, wenn der Prozess im ganzen Organismus durchlaufen ist. Damit kommt es zur Triebbefriedigung. Durch die Triebreaktion kommt es zu einem biologischen Geschehen, welches im Normalfall für das Individuum und auch für die Art und damit auch für die Arterhaltung zweckmäßig ist.

Es liegt in der Natur der Sache begründet, dass unter Umständen die Triebbefriedung, oder schon die angestrebte Triebbefriedigung zu Konflikten mit anderen Individuen führt, weil diese sich in einer anderen Situation befinden und daher oftmals andere Interessen haben bzw. andere Interessen verfolgen. Nur in dem Fall, wenn zwei Individuen aufeinander treffen, deren Interessen sich entsprechen, ist zu erwarten, dass die Triebbefriedigung für beide Individuen konfliktfrei verläuft und damit die Ausübung des Triebes bzw. das Zulassen der triebbefriedigenden Handlung für beide Teile erfreulich, entspannend und wohltuend verläuft.

Den Trieb hat man auf der Grundlage der Beobachtung, somit empirisch auf der Grundlage der Erfahrung als natürliche Anlage erkannt, die sowohl bei den Tieren wie auch bei den Menschen beobachtet werden kann. Vom Trieb unterscheidet man den Instinkt.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist der Trieb der Begriff einer Idee, der aus der Erfahrung abgeleitet worden ist. Man denkt sich also, dass es eine innere „Quelle“ gibt, die man als Trieb bezeichnet, die das typische Erleben des Triebes bzw. das Erleben der Triebreaktion sowohl in psychischer wie auch in körperlicher Hinsicht zur Folge hat. Diese innere „Quelle“ ist eine „biologische Einheit“ und es kann durch den Begriff der Idee diese Einheit erkannt werden, wenn man die charakteristischen  Erscheinungen auf der Ebene der Vorstellungen unter dieser systematischen Einheit auffassen kann. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Neurophysiologisch betrachtet entspricht der Trieb bzw. das Triebgeschehen auf der Ebene der neuronalen Funktion einem neuronalen Muster das mit einer gewissen neuronalen Aktivität im Nervensystems prozesshaft einhergeht und eine gewisse Wirkung zur Folge hat. Es kommt dabei unter anderem zu hormonellen Reaktionen, die ihrerseits wiederum die neuronalen und die anderen biologischen Funktionen des Organismus beeinflussen und verstärken.

Psychologisch betrachtet wird  der Trieb als psychisches Phänomen erlebt. Es kommt dabei zu gewissen EmpfindungenGefühlen und Gedanken wie sie für den speziellen Trieb typisch sind. Es wird somit durch den Trieb bzw. durch das Trieberleben das Fühlen und Denken beeinflusst. Schließlich kommt es in Folge der Erlebnisse, wie sie durch den Trieb eingetreten sind auch zur Einspeicherung von Gedächtnisinhalten, somit zu neuen Inhalten im Gedächtnis. Es kommt damit also zu einem Lernen und in gewisser Hinsicht auch zu einer Prägung, somit zu einer gewissen Konditionierung.

In der Psychologie spielen die Triebe sowohl beim normalen wie auch beim abnormalen Erleben eine Rolle. Und es spielen die Triebe auch in der Medizin und in der Psychiatrie bei den krankhaften Zuständen bzw. bei den krankheitswertigen Störungen eine mehr oder weniger große Rolle. Naturgemäß sind die Triebe auch in der Psychotherapie und auch im Gutachterwesen, insbesondere in der psychiatrischen Forensik, von Bedeutung. Es sind also bei der Erstattung von psychiatrischen Gutachten die Auswirkungen der Triebe oftmals von Relevanz.

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(letzte Änderung 08.09.2020, abgelegt unter: Biologie, Definition, biologischer Begriff, Erleben, Psyche)

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