Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Nervensystem

Ein Nervensystem ist ein komplexes System aus Nervenzellen und Gliazellen das die neuronale Funktion  leistet.

Es ist das Nervensystem also das Ganze des Organismus das die neuronale Aktivität leistet.

Durch diese elektrische Aktivität des Nervensystems werden im Verbund mit den Sinnesorganen die Sinneswahrnehmung (Sehen/ Hören/Tastsinn, Geruchsinn, Geschmacksinn) und damit die Sinnesfunktionen geleistet. Oder im Verbund mit dem Bewegungsapparat die Bewegungsfunktionen usf.

Ferner steuert und regelt das Nervensystem im Verbund mit den einzelnen Organen des Organismus die diversen Organfunktionen, etwa die Atmung, die Herz-Kreislauffunktion, die Aufnahme der Nahrung, die Ausscheidung und auch die sonstigen körperlichen Funktionen.

Schließlich ermöglicht das Nervensystem bei den am höchsten entwickelten Lebewesen die psychische Funktion: das Fühlen, die Empfindung und schließlich auch die einfache Überlegung, die situative Orientierung und Entscheidung – also Funktionen die für das Leben und Überleben elementar sind.

Jedoch nur das menschliche Nervensystem ist zur geistigen Funktion  fähig.

Das heißt nur das menschliche Gehirn ist in der Lage Vorstellungen und Gedanken zu entwickeln die das Sprechen in Worten und das Denken in Begriffen ermöglichen.

Daher haben nur Menschen in den verschiedenen Kulturen weltweit differenzierte Sprachen und sonstige Fertigkeiten in einem hohen Grad entwickelt.

Und entwicklungsgeschichtlich betrachtet, hat der Mensch erst vor wenigen Jahrtausenden durch das Vermögen zur Abstraktion die Fähigkeit entwickelt, Information in geschriebener Schrift zu kommunizieren, sowie das Rechnen mit Zahlen.

Über eine derart komplexe Psyche und daher über einen Geist verfügt also nur der Mensch, wodurch die Fähigkeit zur vernünftigen Überlegung auf Basis des Verstandes und der Vernunft entstand.

Nachfolgend wird die Funktion des Nervensystems unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet:

Aus der Sicht der Anatomie kann man das Nervensystem bei höher entwickelten Lebewesen in das zentrale Nervensystem (bestehend aus dem Gehirn und Rückenmark) und in das periphere Nervensystem gliedern.

Aus der Sicht der Physiologie bzw. der Neurophysiologie kann man das Nervensystem in das motorische System, in das sensible System, in das vegetative Nervensystem und in Verbindung mit den einzelnen Sinnesorganen in die Systeme für das Sehen,Hören, Schmecken und Riechen und in andere Funktionseinheiten gliedern.

Ferner kann man in Bezug auf das Nervensystem Leistungen erkennen, die als vitale Funktionen bezeichnet werden (Steuerung der Atmung, Regulation der Körpertemperatur, Regulation der Ausscheidung etc.) und andererseits höhere Hirnfunktionen die die psychische Funktion und die geistige Funktion leisten. Es sind diese neuronalen Funktionen also die von Psyche und Geist.

Unter einem anderen Gesichtspunkt betrachtet kann man das Nervensystem in Bezug auf seine Funktion in den Teil gliedern der dem Willen unterliegt (willkürliches Nervensystem) und in den Teil der die unwillkürliche Funktion – also in die vegetative Funktion leistet. Demgemäß bezeichnet man diesen Teil des Nervensystems als autonomes Nervensystem bzw. als vegetatives Nervensystem.

Grundsätzlich kann man festhalten, dass in einem Lebewesen die Nervenzellen (Neurone) im Verbund mit den Gliazellen gemäß einer gewissen Struktur miteinander verbunden sind und dadurch das Nervensystem als Organ und damit als Einheit bzw. als Funktionseinheit entsteht.

Dank der neuronalen Aktivität und der Struktur des Nervensystems können in ihm neuronale Muster entstehen und diese bewirken neuronalen Prozess der die diversen Funktionen leistet.

Auf dieser Basis entstehen also die einfache Reflexe bis hin zu den hoch differenzierten Funktionen.

Dabei sind dies zum teil als angeborene Fähigkeiten (Beispiel: ein junges Säugetier saugt an der Mutterbrust, oder ein junger Vogel erlernt dank der ihm gewachsenen Flügel die Flugbewegungen und alsbald das Fliegen). In diesem Sinn ist das Nervensystem des einzelnen Individuums in Verbindung mit den diversen Organen in der Lage die jeweiligen Funktionen auszuüben bzw. für den Organismus zu leisten. Vom Fliegen, Gehen angefangen bis hin zum einfachen Denken, Fühlen, zum Überlegen, Abschätzen und damit zu einfachen Urteilen und Entscheidungen was in der Situation und überhaupt getan werden kann und soll. Dabei reagiert das Nervensystem als Ganzes bzw. als komplexe Einheit – man kann auch sagen als dynamische Einheit – oder in gewisser Hinsicht auch als mehr oder weniger flexible Einheit um die verfügbaren Informationen durch den neuronalen Prozess zu verarbeiten um dadurch zur Entscheidung bzw. zur Handlung zu gelangen.

In diesem Sinn ist das Nervensystem also eine komplexe Einheit die alle verfügbaren Information verarbeiten um angemessen zu reagieren.

Funktion des Nervensystems aus Sicht der Heilkunde:

Aus der Sicht der Heilkunde kann man die Funktion des Nervensystems in die Steuerung und Regelung der körperliche Funktion gliedern und andererseits – wie bereits erwähnt – in die psychische Funktion teils in die geistige Funktion.

Aus Sicht der Medizin und derjenigen der Psychologie bzw. der Psychiatrie kann man die Funktion des Nervensystems in die neurologische Funktion und in die psychische Funktion gliedern.

Dabei wird die jeweilige Funktion je von einer Funktionseinheit geleistet.

Immer handelt es sich bei einer solchen Funktionseinheit um eine mental abgegrenzte Einheit, die mit einem mehr oder weniger scharf abgrenzbaren anatomischen Einheit also einem Areal auf der Ebene des Nervensystems korreliert.

Es korrespondiert hier also eine solche Funktionseinheit des Nervensystem mit einem gewissen anatomischen Bereich das aufgrund der Struktur der Anatomie (teils auch der Histologie) und gemäß der Funktion in der Physiologie/Neurophysiologie infolge der klinischen Erfahrung – somit empirisch begründet – aufgrund der Leistung, die sich in Form der klinischen Erscheinung der Funktion in der Diagnostik manifestiert, erkannt und beschrieben worden ist.

Demgemäß kann man das Nervensystem unter den hier genannten unterschiedlichen Gesichtspunkten entweder im Hinblick auf die Morphologie (in der Anatomie/Histologie und Pathologie) – oder im Hinblick auf die Funktion in der Physiologie/Neurophysiologie bzw.  im Hinblick auf die Funktionsstörungen gemäß den klinischen Fachbereichen der Medizin und der Psychiatrie – also gemäß den unterschiedlichen klinischen Erscheinungsbildern gliedern.

Eine solche Einheit des Nervensystems ist also entweder eine scharf abgegrenzte Natureinheit die man tatsächlich auf Grundlage von objektiver Evidenz infolge der Morphologie in der Diagnostik etwa in der Neurologie/Neuroanatomie bestimmen kann (Beispiel: ein einzelner Kernbereich bestehend aus Nervenzellen und Gliazellen in einer Gehirnregion (Beispiel: nucleus caudatus), oder ein durchtrennter peripherer Nerv usf.). Oder es ist eine solche Natureinheit eine Einheit von der man als Arzt bzw. als Wissenschaftler sich vorstellt (und damit denkt), dass es sie als scharf abgegrenzte Einheit gibt, die etwa im Verbund mit benachbarten Nervenzellen eine derartige Funktionseinheit bildet (Beispiel: Appetitzentrum).

Es handelt sich in gewissen Fällen also um eine biologische Einheit die man in Bezug auf die biologischen Grenzen physisch begründet relativ klar bestimmen kann (zum Beispiel makroskopisch sichtbare Kerne im Schnittpräparat des Gehirns) und andererseits um Grenzen die man nicht genau angeben und bestimmen kann, weil die Nervenzellen untereinander über ausgedehntere Netzwerke hinweg miteinander in Verbindung stehen, insofern sie im Organismus ein zusammenhängendes Netz also ein neuronales Netzwerk bilden das primär durch die Funktion definiert ist, bezüglich dem man anatomisch oder histologisch betrachtet jedoch keine scharfe Grenzen angeben kann (Beispiel: vegetatives Nervensystem als eigene Funktionseinheit (= nicht scharf abgrenzbar – in Relation zum übrigen zentralen Nervensystem).

Man muss hier also unterscheiden ob man gerade die biologische Grundlage meint oder nur die Funktion.

Im zuerst genannten Fall meint man damit eine faktische Einheit (die man physisch/anatomisch/histologisch) als Gegenstand schlechthin (mehr oder weniger scharf abgegrenzt) bestimmen kann, im anderen Fall eine Funktionseinheit die ich nur durch den Begriff der Idee als systematische Einheit der Idee und daher nur als Gegenstand in der Idee erkennen und bestimmen kann (vgl. mit Kant Zitat 7 – Anmerkung: weiteres zu dieser Thematik auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant in meinem Buch).

Zur Entwicklung des Nervensystems:

Das Nervensystem ist ein Funktions – System das sich im Rahmen der Vermehrung und Differenzierung der Zellen, aus der befruchteten Eizelle infolge der Zellteilung entwickelt hat. Es ist das Nervensystem also ein funktionierendes Ganzes bestehend aus Nervenzellen und anderen Zellen das sich im Organismus im Lauf der Embryogenese intrauterin (in der Gebärmutter) und nach der Geburt (post partum bzw. post partal) weiter entwickelt hat. (Weiteres dazu-> WikiBeitrag und auf den You Tube Kurzfilmen in denen schematisch der Aufbau und die Funktion des Nervensystems vereinfacht dargestellt wird: Film 1 usf.)

Weil die Nervenzellen Nervenzellfortsätze (Dentriten und ein Axon) ausbilden und über diese Fortsätze miteinander in Verbindung treten, entsteht ein Nervenzellgeflecht das man als neuronales Netzwerk bezeichnen kann. Es ist dieses Netzwerk also eine funktionierende biologische Einheit die diverse Funktionen leistet. Dabei kann man dieses neuronale Funktions-System in weitere neuronale Netzwerke bzw. Funktionseinheiten gliedern.

Grundsätzlich handelt es sich beim Nervensystem also um ein biologisches System das die neuronale Aktivität im Organismus leistet und damit diverse Funktionen erfüllt.

(Weiteres zur Entwicklung des Nervensystems in diesem Beitrag.)

Betrachtung des Nervensystems als Netzwerk bestehend aus Nervenzellen:

Das Nervenzellgeflecht des Nervensystems kann man also als neuronales Netzwerk bezeichnen das in weitere Funktionseinheiten gegliedert werden kann. Man kann das Nervensystem als übergeordnetes neuronales Netzwerk auffassen und dieses in diverse Untereinheiten gliedern. Dabei sind diese Funktionseinheiten biologisch betrachtet also eigenständige Einheiten die gewisse die Funktionen leisten (Beispiel die Motorik, die Sensibilität, das Denken, das Fühlen usf.).

Dabei ist das Nervensystem als Ganzes in der Lage auf den Organismus einwirkende Reize aufzunehmen und diese im Sinn der biologischen Datenverarbeitung zu integrieren bzw. zu verarbeiten um schließlich selbst gewisse Aktionen zu leisten, zu steuern und zu regeln und um letztlich das Lebewesen als lebenden Organismus zu Handlungen zu befähigen.

Es leistet das Nervensystem als Funktionseinheit also die Nervenzellaktivität – man kann auch sagen die neuronale Aktivität – die man auch als neuronale Funktion bezeichnen kann. Und man kann daher im Hinblick auf die Funktion in den unterschiedlichen Bereichen des Nervensystems sagen, dass in diesen neuronalen Netzwerken neuronale Mustern ablaufen.

Diese neuronalen Vorgänge/Funktionsabläufe umfassen also beispielsweise die Aufnahme der optischen Reize, wie sie über das Auge mit der Netzhaut in das zentrale Nervensystem gelangen. Oder die akustischen Reize, wie sie über das Trommelfell, die Gehörknöchelchen ins Innenohr, nämlich in die Schnecke mit den Haarzellen gelangen, und von dort aus an die zentralen Regionen des Gehirns an die Hörrinde weitergeleitet werden usf.

Auf diese Art und Weise gelangen Sinnesreize von außen ins zentrale Nervensystem, wo die Reize zum Teil bewusst und zum Teil unbewusst erlebt werden und weiter verarbeitet werden.

Dabei wird ein großer Teil der einlangenden Informationen auf den verschiedenen Ebenen ausgefiltert und es gelangt nur ein kleiner Teil bis in die jeweiligen Zentren der Hirnrinde und letztlich auf die Ebene der bewussten Erlebens, somit ins Bewusstsein der Person.

Während ein Teil der Reize von außen kommt, generiert das Nervensystem andererseits auch intern Nervenzell-Impulse. Dabei bezeichnet man die Nervenzell-Impulse, die zwischen den einzelnen Nervenzellen ausgetauscht werden als Aktionspotenziale.

Die Gesamtheit dieser neuronalen Aktivität bestimmt dann das was sich im Nervensystem abspielt und es wird ein Teil davon vom Individuum bewusst erlebt. Der andere Teil wird normalerweise nicht bewusst erlebt, durch die Fokusierung der Aufmerksamkeit kann der Bereich des bewussten Erlebens jedoch erweitert werden, wie man dies aus der eigenen Erfahrung kennt, wenn man sich zum Beispiel auf ein Geräusch, einen optischen Eindruck etc. konzentriert. Auf diese Art und Weise entstehen die verschiedenen Phänomene wie sie das Nervensystem im Verbund mit den anderen Organen des Organismus hervorbringt. Dabei kann man diese neuronal generierten Phänomene zum Teil als neuronale Phänomene bezeichnen die die normale neuronale Funktion im Hinblick auf die Funktion des Körpers leisten und wie sie im Rahmen einer Störung sich neurologische Phänomene manifestieren, wie sie etwa im Rahmen von gewissen neurologischen Störungen vorkommen. Oder man betrachtet die neuronale Funktion die zu den normalen psychischen Phänomene führt wie sie im Rahmen der normalen Funktion der Psyche vorkommen.

Manche Phänomene werden in umschriebenen kleineren Bezirken des Nervensystems durch die dortige neuronale Aktivität bewirkt. Andere Phänomene werden durch größere Bezirke durch die Nervenzellaktivität bewirkt. Auf diese Art und Weise entsteht die Wachheit und damit das Bewusstsein als psychisches Phänomen. Es entstehen also die unterschiedlichen Zustände der Psyche als Folge der neuronalen Funktion und damit als Funktion des Nervensystems.

Oder es entsteht das Phänomen des Schlafs. Es entstehen also auf diese Art und Weise die unterschiedlichen Phänomene wie die körperlichen Empfindungen, das Fühlen mit den verschiedenen Gefühlsqualitäten, das Denken, die motorischen Funktionen, die vegetativen Funktionen wie sie das vegetative Nervensystem hervorbringt, die unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen und andere Phänomene, im Fall von Störungen etwa Schmerzen, Missempfindungen usf.

Demgemäß kann man das Nervensystem unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und studieren.

Man kann das Nervensystem gemäß seinem Aufbau also gemäß seiner anatomischen Struktur, somit gemäß seiner Morphologie studieren, oder man kann das Nervensystem gemäß seiner Funktion gliedern und studieren, wie sich diese Funktion in unterschiedlichen Entwicklungsstadien in verschiedenen Leistungen bzw. Phänomenen manifestiert.

In diesem Wege hat man herausgefunden, dass etwa das Denken und damit die Kognition eine Funktion des Nervensystems ist. Ebenso hat man empirisch begründet erkannt, dass das Fühlen, das Empfinden und somit die Empfindung überhaupt das Erleben eine Leistung des Nervensystems in teils Verbindung mit der Leistung der Sinnesorgane entsteht.

Auf diese Art und Weise werden einerseits durch die hereinkommenden Informationen neue Erlebnisinhalte generiert, und andererseits entstehen in Folge der internen Aktivität Vorstellungen, Bilder, Fantasien, also Inhalte, die nur zum Teil von außen angeregt sind und wesentlich auch als Folge der internen Aktivität entstehen.

Man kann also teils, von einer von außen angeregten Aktivität sprechen und andererseits auch von einer spontanen Aktivität, wie sie im Nervensystem ohne erkennbaren Anlass entsteht.

Es können auf diese Art und Weise z.B. positive angenehme Gedanken, Fantasien, neue Kreationen und auch veränderte Gefühle entstehen, während andererseits auch negative Gedanken und unangenehme Gefühle, wie z.B. Befürchtungen und Ängste entstehen.

Weil Menschen fähig sind Begriffe zu bilden, entstehen auf diese Art und Weise Gedanken und Begriffssequenzen die einen Sinn ergeben. Mit anderen Worten: es entsteht dadurch der mentale Prozess, den man als Psyche bzw. als das Erleben bezeichnet, mit all den sinnvollen und weniger sinnvollen Gedanken und Vorstellungen. Auf dieser Grundlage entsteht also einerseits das was man als das Denken bezeichnet und andererseits das was man als das Fühlen um Empfinden bezeichnet. Auf diese Art und Weise besteht also eine Grundstimmung die mehr oder weniger konstant besteht bzw. die durch das Erleben und durch andere Faktoren bedingt verändert wird. Damit wird deutlich dass dies dynamische Einheiten sind, insofern sie einer Entwicklung unterliegen.

Beim Denken entsteht aus einer Sequenz von Begriffen ein Satz, und aus der Abfolge von mehreren Sätzen entsteht eine ganze Geschichte, wie beispielsweise dieser Beitrag.

Insofern kann man sagen, dass dieser Beitrag der Ausfluss der neuronalen Aktivität in meinem zentralen Nervensystem ist bzw. korrespondiert diese neuronale Aktivität mit einem neuronalen Muster bzw. einer Sequenz von neuronalen Mustern.

So kann man sich erklären, wie der Zusammenhang zwischen „Leib und Seele“ also zwischen Körper und Psyche funktioniert. Auf diese Art und Weise kann man also den Zusammenhang von Leib und Seele erklären. Wenn gleich man das „Leib-Seele-Problem“ im Sinn der Bestimmung der psychischen Funktion durch die körperliche Funktion nicht bestimmen kann.*

Auf der einen Seite der Betrachtung findet sich also der Organismus mit dem Nervensystem – und auf der anderen Seite die Seele (Psyche), die als Ergebnis eines Teils der neuronalen Aktivität entsteht und sich in Form der psychischen Phänomene und sonstigen Phänomene manifestiert.

(Anmerkung: mit „Seele“ ist hier die Psyche im psychologischen Sinn gemeint und nicht die „Seele“ im religiösen Sinn also nicht im Sinn der Theologie.)

Während die Psychologie hauptsächlich mit den normalen psychischen Funktionen befasst ist, beschäftigt sich die Psychiatrie hauptsächlich mit den abnormen bzw. krankheitswertigen psychischen Funktionen, die man als psychische Störungen bezeichnet.

Die Psychiatrie ist phänomenologisch betrachtet mit den abnormen und krankheitswertigen psychischen Phänomenen den sogenannten psychopathologischen Phänomenen befasst. Und aus biologischer Sicht betrachtet ist die Psychiatrie mit den biologischen Grundlagen der psychischen Funktion befasst, insofern es dabei zu Störungen kommen kann, die sich etwa in gestörtem Denken, in gestörtem Fühlen und letztlich in gestörtem Handeln manifestieren. Es kommt also im Rahmen von psychischen Störungen zu kognitiven Störungen und andererseits auch zu gemütsmäßigen bzw. zu affektiven Störungen und letztlich zu auffälligen Reaktion.

Diese Störungen können also einerseits als Folge von „software“- bedingten Problemen entstehen und auf dieser Grundlage verstanden werden. In diesem Fall werden sie als psychisch bedingt erklärt, oder aber es können solche Störungen auf der Grundlage von „hardware“- bedingten Störungen entstehen und kann man sie dann als Folge dieser Gegebenheiten verstehen und erklären. Man kann sie in diesem Fall also körperlich bedingt erklären. Sinnigerweise können solche Störungen auch infolge von kombinierten Störungen, also in Folge von erlebnisbedingten Störungen und in Folge von körperlich respektive“organisch“ bedingten bzw. hardware bedingten Störungen verstanden und erklärt werden und spricht man hier in gewissen Fällen von psychosomatischen Störungen.

In diesem Sinn kann man die Kausalität der Störungen der Gesundheit verschieden verstehen und erklären.

In diesem Sinn können mehr oder weniger stark ausgeprägte körperliche und psychische Störungen durch die verschiedensten Ursachen hervorgerufen werden. Bei einer psychischen Störung die das Ausmaß einer schweren Störung erlangt hat spricht man von einer Psychose.

Nervensystem als Funktionseinheit im Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung

Man kann das Nervensystem als Organ betrachtet auch als Funktionseinheit ansehen die infolge des Lebens und Erlebens sich im Wechsel zwischen Aktivität/Anspannung und Entspannung befindet. Durch Ruhephasen während des Tages und der Nacht kommt es je nach Art und Individuum zu einem Wechsel in der Aktivität und damit in der Funktion des Nervensystems. Man kennt in diesem Zusammenhang etwa die natürlichen Phänomene des Wachseins, des Tagtraums, des Schlafs usf. Dabei kommt es zum Beispiel im Schlaf mehr oder weniger zu einem Abbau von psychischen Spannungen die sich im Rahmen der Tagesaktivität respektive im Rahmen des Erlebens aufgebaut haben. Daher kann man berechtigt sagen, dass es bei den tagaktiven Lebewesen in der darauffolgenden Nacht zum natürlichen reset – oder zumindest zum teilweisen reset – man kann auch sagen zur mehr oder weniger ausgeprägten nervlichen Entspannung im Nervensystem kommt.

An dieser Stelle kann man also festhalten, dass das Nervensystem ein Ganzes ist das agiert und reagiert. Dieses Ganze ist also eine funktionierende Einheit.  Diese Einheit leistet die einzelnen Funktionen des Nervensystems. Diese Einheit leistet also das, was man in psychischer Hinsicht etwa als das Bewusstsein, als das Denken, als das Fühlen, als das Gedächtnis usf. bezeichnet und es leistet dieses System bestehend aus vielen Nervenzellen auch die verschiedenen körperlichen Funktionen etwa die motorischen und sensiblen Funktionen und auch die vegetativen Funktionen. Es wird also durch das Nervensystem z.B. der Wechsel zwischen dem Schlaf und dem Zustand der Bewusstheit im Wachzustand geleistet, ferner erzeugt das zentrale Nervensystem den Appetit, den Hunger, den Durst die sexuellen Regungen, also die verschiedenen Triebe usf.

Dabei ist das zentrale Nervensystem in gewisser Hinsicht sowohl in Teilbereichen wie auch im gesamten ein Analysator und in anderer Hinsicht ein Integrator der die unterschiedlichen Funktionen leistet.

Anmerkung*

Ein Nervensystem wie es in der Natur vorkommt ist als komplexes biologisches System wahrscheinlich wegen seines multidimensionalen Aufbaus einem technischen System – auch wenn es mit sogenannter künstlicher Intelligenz arbeitet – grundsätzlich überlegen – eben, wegen dem Grad der Komplexizität die technisch niemals realisiert werden kann.

 

Das Nervensystem reagiert immer als Ganzes:

Das Nervensystem reagiert immer als Ganzes und damit als Einheit – „weil alles mit allem zusammenhängt“.

Es ist zwar so, dass die Information primär nur einen Teilbereich ankommt – z.B. akustische Information – oder gesprochene Worte – und damit gewisse Begriffe – in der Hörrinde.

Im weiteren Sinn beeinflusst diese Information jedoch auch andere Bereiche des Gehirns – und damit letztlich den Organismus als Ganzes.

Daher wird eine sensible Person auf nicht „stimmige“ Reize entsprechend reagieren.

Man sagt deswegen zu Recht, dass man merkt, wenn jemand nicht authentisch ist. In diesem Fall „stimmen“ die Signale – vom Ganzen aus gesehen – nicht überein bzw. passen sie nicht zusammen. Mit anderen Worten: es gibt Widersprüche bzw. Ungereihmtheiten.

Neurobiologisch betrachtet kann man sagen, dass der Umstand, dass das Nervensystem ein zusammenhängendes Netzwerk aus vielen Nervenzellen ist, erklärt warum letztlich jede Nervenzelle etwas von einem einlangenden Reiz mitkriegt – auch wenn sie nicht die „erste Adresse“ ist an der die Information eintrifft.

Da Tieren in der Regel natürlich und daher unverfälscht – man könnte im Hinblick auf der Reaktion sagen dass sie authentisch reagieren – ist deren Beobachtung in mancherlei Hinsicht lehrreich.

Tiere sind in gewisser Hinsicht einfacher „gestrickt“ und reagieren deswegen „ehrlich“. Diese Eigenheit wird bekanntlich von manchen Tierliebhabern besonders geschätzt.

Hingegen geht diese elementare Klarheit und Unverfälschtheit beim Menschen entwicklungsbedingt – und aus sonstigen Gründe oftmals verloren – auch wenn sie primär bei Kleinkind noch vorhanden ist. Eben, weil der Mensch – insbesondere seine Psyche – komplex beschaffen ist.

Dies bedeutet unter anderem, dass der Mensch leicht in Widerspruch zu seiner Natur geraten kann – er also sich gegen seine Natur verhält – sei dies im Hinblick auf seine Nahrung bzw. seine Ernährung – sein Verhalten – seine Reaktion – sich selbst gegenüber – und anderen gegenüber – es geht hier also um das angemessene Leben im weitesten Sinn.

Bekanntlich können Störungen auf der Ebene der Psyche und auch auf der Ebene des Körpers die Folge sein. Wegen derartiger „Ungereihmtheiten“ im weitesten Sinn können letztlich gesundheitliche Störungen, sowohl körperliche Störungen, psychische Störungen und natürlich auch psychosomatische Störungen auftreten – eben, weil eine Nicht-Übereinstimmung respektive eine Disharmonie entstanden ist bzw. seit geraumer Zeit besteht.

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(letzte Änderung 26.11.2020, abgelegt unter: Begriff, biologischer Begriff, medizinischer Begriff, neurologischer Begriff, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psychiatrie, Psychologie, Struktur, System, Verstehen, Wissen, Wissenschaft)

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