Psyche

Die Psyche ist der Ursprung der psychischen Phänomene.

Man kann daher auch sagen, dass die Psyche der Mittelpunkt ist aus dem die einzelnen psychischen Phänomene entstehen.

Daher erscheinen die Inhalte des Denkens, Fühlens und der Empfindung im Bewusstsein.

Erkenntnistheoretisch betrachtet ist die Psyche also die transzendentale Einheit aus der die einzelnen psychischen Phänomene entstehen.

In diesem Sinn stellt man sich vor, dass es die (systematische) Einheit gibt, die als Psyche bezeichnet wird, aus der die einzelnen Erscheinungen bzw. Phänomene entstehen.

Man kann auch sagen: die Psyche ist der Grund aus dem die Inhalte des Bewusstseins – und auch die des Unbewussten – in Form der psychischen Phänomene entstehen.

Somit ist die Psyche das Ganze des Seelenlebens.

Es umfasst die Psyche also etwa das bewusste Erleben wie dies infolge der Sinneswahrnehmung und der mentalen Prozesse im Bewusstsein entsteht, oder wie es spontan als Folge der Aktivität des Unbewussten entsteht.

Es ist die Psyche nämlich die zugrunde liegend gedachte (systematische) Einheit von der man sich vorstellt, dass sie der Ursprung aller psychischen Erscheinungen ist.

Man denkt sich also, dass z. B. die psychischen Phänomene als Folge der Aktivität der Psyche entstehen.

In diesem Sinn stellt man sich vor, dass das Bewusstsein als Zentrum der Psyche etwa in Bezug auf das Gemüt also die Stimmung, das sich Fühlen, die Emotionen und ebenso die Vorstellungen, die Gedanken, die geistigen Bilder usf. als Folge der Funktion der Psyche somit infolge der psychischen Funktion entstehen.

Es entstehen auf dieser Grundlage also sowohl die affektive Funktion und ebenso die kognitive Funktion in Form der Gedanken durch das Denken, also durch den Verstand und durch die Vernunft somit durch den Geist der Person.

Man kann also sagen, dass auch die geistige Funktion als Leistung der Psyche entsteht und diese die geistigen Phänomene hervorbringt.

In diesem Sinn kann man sagen, dass die Psyche eine komplexe Einheit ist aus der die normalen psychischen Phänomene und ebenso die abnormen bzw. im Fall krankheitswertigen Störung der Psyche die  psychopathologischen Phänomene entstehen, wie sie in der Psychopathologie beschrieben und definiert worden sind.

Anders formuliert kann man als sagen, dass alles was in der Psychologie durch psychologische Begriffe und in der Psychiatrie  durch psychiatrische Begriffe beschrieben worden ist, als Folge der Aktivität der Psyche im Zustand der psychischen Gesundheit  und in dem der psychischen Krankheit entsteht.

Man kann also festhalten, dass die Psyche das Ganze des Seelenlebens umfasst, wie es sich im Zustand der normalen psychischen Erscheinung und in dem der psychischen Störung im klinischen Erscheinungsbild manifestiert.

Neurobiologisch betrachtet ist die Psyche eines der Ergebnisse der neuronalen Funktion. Man kann auch sagen dass die Psyche als eine Teilleistung der neuronalen Aktivität entsteht.

In diesem Sinn entsteht durch die Funktion der Nervenzellen im Nervensystem die neuronale Funktion die die Erscheinungen der Psyche hervorbringt.

Dabei ist diese Leistung vor allem auf die neuronalen Prozesse im Gehirn zurückzuführen. Dieser Sachverhalt wird besonders in der Neurophysiologie  im Zustand der Gesundheit und im Fall psychischen Krankheit bzw. in dem der psychischen Störung in der Biologischen Psychiatrie – unter anderem mit Methoden der Systemischen Neurowissenschaften untersucht und in den jeweiligen Spezial-Wissenschaften systematisch studiert.

Dabei werden in der psychiatrischen Diagnostik die unterschiedlichen psychischen Störungen aufgrund der unterschiedlichen klinischen Erscheinungen und daher auf Basis der  Psychopathologie bzw. auf Basis der Phänomenologie durch das psychiatrische Denken erfasst.

Dabei kann man die Psyche  phänomenologisch betrachtet in das bewusste Erleben bzw. in das Bewusstsein und in das Unbewusste gegliedern.

Man kann daher auch sagen, dass die Psyche die Einheit ist aus der die einzelnen psychischen Erscheinungen im Wachbewusstsein und auch im Schlaf/im Halbschlaf/im Traum/im Dämmerzustand usf. entstehen.

Und es ist die Psyche auch die Einheit aus der die einzelnen psychopathologische Phänomene, nämlich die charakteristischen Merkmale einer krankheitswertigen psychischen Störung und damit die charakteristischen Merkmale einer psychiatrischen Diagnose entstehen.

Dabei kann ich diese Einheit nicht geradezu als Ganzes, sondern nur angenähert durch das Schema der Idee (vgl. mit Jaspers Zitat und Kant Zitat 7) erkennen.

Wie der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers  geschrieben hat kann ich das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen, sondern ich nähere mich ihm durch das Schema der Idee (vgl. mit Jaspers Zitat) und es verweist Jaspers an anderer Stelle in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ auf die Ideenlehre von Immanuel Kant (vgl. mit Jaspers Zitat 14 und Jaspers Zitat 14a).

Deswegen kann man auch sagen, dass die Psyche eine projektierte Einheit ist aus der die psychischen Phänomene hervorgehen. Und ebenso kann man sagen, dass die Psyche und ihre Erscheinungen durch die systematische Einheit der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) erkannt bzw.  in der Diagnostik erfasst werden. Man stellt sich als Psychiater nämlich vor, dass es die Psyche als abgegrenzte Einheit tatsächlich gibt und dass aus dieser Einheit die einzelnen psychischen Erscheinungen hervorgehen.*

In diesem Sinn gelangt man durch das psychologische Denken zur Vorstellung, dass die Psyche die Ursache aller psychischen Erscheinungen (psychischen Phänomene) ist. Und man kann als Psychiater der in der Klinik der Psychiatrie ausgebildet ist durch das psychopathologische Denken die unterschiedlichen psychischen Störungen in der psychiatrischen Diagnostik psychopathologisch begründet bestimmen.

Man stellt als Psychiater sich also vor, dass es eine solche zu Grunde liegende Einheit gibt, die im Zustand der psychischen Gesundheit, die normalen psychischen Phänomene hervorbringt und im Zustand der psychischen Krankheit also im Fall einer krankheitswertigen Störung der Psyche – die einzelnen psychopathologischen Phänomene und auch den ganzen psychischen Symptomenkomplex bewirkt.

Ferner denkt man sich auch, dass die Psyche das Verhalten und das Reagieren des Individuums bzw. der Person steuert und regelt.

Man denkt sich also, dass es eine zu Grunde liegende Einheit gibt, die man als Psyche bezeichnet, die die einzelnen psychischen Erscheinungen bewirkt.

Dabei wird im Zustand der psychischen Gesundheit die Psyche als Einheit erlebt, weil das Nervensystem immer gesamthaft agiert und reagiert bzw. dieses immer als komplexe Funktionseinheit reagiert.

Allerdings ist man beim Studium der Psyche auf die Zergliederung dieser Funktion bzw. dieses Begriffs in die genannten Teilfunktion bzw. in die psychologischen Begriffe und in die psychiatrischen Begriffe angewiesen um über die einzelnen Erscheinungen und Leistungen sinnvoll nachdenken und argumentieren zu können (vgl. mit Jaspers Zitat 12).

Die Psyche wird erkenntnistheoretisch betrachtet also durch die systematische Einheit der Idee erkannt, die als Gegenstand in der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Die Psyche ist also die (systematische) Einheit, die bewirkt, dass die psychischen Phänomene im Bewusstsein der Person erscheinen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).

Man kann die Psyche und ihre Funktionen also nur subjektiv gültig erkennen und bestimmen. Dies bedeutet man kann in Bezug auf die Psyche nur subjektives Wissen erlangen.

Und man kann die Psyche daher unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und studieren. Allerdings kann man die Erscheinungen der Psyche immer nur geistig bzw. nur mental erfassen.

Durch die Funktion des Nervensystems – somit durch die Neurobiologie kann man die Erscheinungen der Psyche nur erklären und biologisch begründet verstehen – aber biologisch bestimmen kann man diese Erscheinungen nicht weil es sich bei der Psyche um eine transzendentale Einheit handelt bzw. dies der Begriff einer transzendentalen Idee ist (vgl. mit Kant Zitat 8a).

Ebenso kann man sagen: der Begriff der Psyche ist eine hypothetische Einheit von der man sich vorstellt, dass es sie als wirkliche Einheit gibt. Man kann auch sagen: die Psyche ist eine nützliche bzw. zweckmäßige Einheit, im Sinne von Immanuel Kant, weil man durch diesen regulativen Begriff den Zusammenhang von psychischen Erscheinungen sinnvoll verstehen und erklären kann.

Man kann auch sagen: die Psyche wird durch eine bloße Idee erkannt, die als systematische Einheit der Idee auf der „Ebene der Ideen“ als der Begriff der Idee erscheint (vgl. mit Kant Zitat 8 und Kant Zitat 7).

Womit deutlich wird dass der Begriff der Psyche eine nur problematisch zum Grund gelegte Einheit ist.

Dies bedeutet: man kann die Psyche und ihre Erscheinungen je nur durch ein Konzept erkennen, falls man den psychischen Sachverhalt durch den entsprechenden Begriff aufassen kann.

Somit ist die Psyche eine Einheit, die nicht auf der Ebene der körperlichen Funktion „physisch“ begründet in der Diagnostik bestimmen und überprüfen kann. Dies besagt, dass man die Psyche nicht mit einer „physischen“ Methode „physisch“ messen und bestimmen kann.*

In der Wissenschaft bemüht man sich also in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) und in den Basiswissenschaften der Naturwissenschaft insbesondere in den Systemischen Neurowissenschaften vergeblich, falls man etwa ein psychisches Phänomen z.B. mit einer Methode der Funktionellen Bildgebung, etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) physisch begründet bestimmen will – eben, weil es sich bei dieser Einheit um eine hypothetische Einheit bzw. eine nur projektierte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 5) handelt.

Daher bemüht man sich in der Psychologie in der Psychiatrie – und auch in anderen Wissenschaft vergeblich – wenn man etwa den Willen, eine Angst, die Intelligenz, eine Demenz oder sonst ein einzelnes psychisches Phänomen oder den ganzen psychischen Symptomenkomplex einer psychischen Störung in der Diagnostik objektiv gültig messen und bestimmen will.

Allerdings kann man etwa mit der Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie erkennen welche Bereiche des Gehirn im Rahmen des Erlebens der unterschiedlichen Phänomene mehr oder weniger aktiv sind. Aber – wie gesagt – man kann nicht physisch (biologisch, physiologisch, bildgebend usf.) erkennen und physisch messen was die Person gerade erlebt, dass heißt die Biologie liefert nur die Erklärung  und das Verständnis bzw. das biologische Verstehen.

Mit anderen Worten: es handelt sich hier bei dieser problematisch zum Grund gelegten Einheit um ein Konzept durch das man die unterschiedlichen Erlebnisse und damit die verschiedenen psychischen Phänomene auffassen verstehen und erklären und unter diesen Begriffen „denken“ respektive sich vorstellen kann.

Mit nochmals anderen Worten: es ist diese Einheit also eine projektierte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 5), die in der Form des Begriffs der Idee, der ein regulativer Begriff ist, im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese gewisse Dinge erlebt und geistig auffasst.

In diesem Sinn versteht man unter der Psyche in der Alltagssprache und insbesondere in der Psychologie, in der Psychiatrie und in der Psychotherapie eine Einheit, wie sie beim gesunden und beim kranken bzw. beim krankheitswertigen Seelenleben sich als psychische Störung manifestiert.

Karl Jaspers hat den Sachverhalt richtig erkannt. Karl Jaspers hat erkannt, dass man ein psychisches Phänomen und damit die Psyche nur auf der Grundlage einer Idee im Sinne von Immanuel Kant erkennen kann (vgl. mit Jaspers Zitat). Im Gegensatz zu Karl Jaspers hat Emil Kraepelin sich getäuscht, als dieser geglaubt hat, dass man gewisse psychische Krankheiten, etwa die Einheit Dementia praecox, aus der einige Zeit später die  diagnostische Einheit Schizophrenie hervorgegangen ist, in Zukunft wird allgemein gültig bestimmen können (vgl. mit Kraepelin Zitat 1).

Emil Kraepelin hat sich also getäuscht, als er geglaubt hat, dass man in der Psychiatrie auf der Grundlage des naturwissenschaftlichen Verständnisses ein biologisch fundiertes Wissen erlangen kann, wie dies in der Medizin in vielen Bereichen möglich ist (vgl. mit Kraepelin Zitat 2). Überhaupt hat Emil Kraepelin sich getäuscht als er geglaubt hat, dass die Psychiatrie sich zu einem kräftigen Zweig der medicinischen Wissenschaft fortentwickelt (vgl. mit Kraepelin Zitat 2).

Wegen der Unterschieds in der Erkenntnisbasis ist dies grundsätzlich unmöglich.

Abschließend kann man also festhalten dass die Psyche einerseits eine komplexe Einheit ist die man durch verschiedene Gesichtspunkte betrachten und in der jeweiligen Wissenschaft systematisch untersuchen kann.

Vom Gesichtspunkt der Funktion her betrachtet kann man sagen, dass die Psyche eine komplexe Funktionseinheit ist die in unterschiedliche Teilfunktion bzw. in unterschiedliche Funktionseinheiten gegliedert werden kann – etwa in die Funktionseinheit die  das Bewusstsein leistet, das Gedächtnis, die Merkfähigkeit leistet usf.

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Weiteres zur transzendentalen Deduktion des Begriffs Psyche in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 04.08.2021; abgelegt unter: Definition, Medizin, Nervensystem, vegetatives Nervensystem, Physiologie, Psyche, Psychiatrie, biologische Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie, Psychosomatik, Psychotherapie, Wissenschaft, psychiatrische Wissenschaft, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff)

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