Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Demenz

Demenz ist eine schwere psychische Störung bei der das Denken massiv gestört ist.

(lateinisch dementia – ohne Geist (sein) – eine Person die ohne Geist ist).

Der Zustand der Demenz bezeichnet also einen Zustand des Geistes der Person in dem diese die anstehenden Aufgaben wegen den auftretenden Denkstörungen teils oder zur Ganze nicht mehr selbst überblicken, beurteilen und daher nicht mehr angemessen regeln kann.

Daher ist die demente Person in einem/ in mehreren oder in allen Bereichen auf fremde Hilfe angewiesen.

Bei einer Demenz bestehen ausgeprägte Störungen in der Kognition.

In der Regel ist das Gedächtnis massiv gestört.

Es treten bei der Demenz in der Regel also ausgeprägte Gedächtnisstörungen auf.

Ebenso besteht ein aller Regel eine mehr oder weniger ausgeprägte Kritikstörung.

Je nach dem Schweregrad der Demenz kommt es also zu mehr oder weniger ausgeprägten Störungen in der Merkfähigkeit und Erinnerungsfähigkeit.

Die Demenz ist also durch ausgeprägte Merkfähigkeitsstörungen  charakterisiert und damit verbunden kommt es zu Störungen in der Assoziation.

Man kann daher auch sagen: bei der Demenz treten Assoziationsstörungen und dadurch bedingt Störungen in der Funktion des Gedächtnisses auf.

Die Folge sind typische psychopathologische Phänomene so etwa Orientierungsstörungen.

Die betroffene Person ist also in der Orientierung und in der Regel auch in ihrem Kritikvermögen stark beeinträchtigt.

Daher ist bei der Demenz generell das Urteilsvermögen der Person erheblich  bis massiv beeinträchtigt.

Demgemäß treten je nach Typ der Demenz Merk- und Gedächtnisstörungen vom Typ der Alzheimerdemenz oder vom Typ vaskuläre Demenz auf, bei der die Orientierungsstörungen im Vordergrund stehen, wohingegen beim Typ Alzheimerdemenz primär die Gedächtnisstörung und damit verbunden die Ratlosigkeit und als Folge davon ein Fassadenverhalten in Erscheinung tritt.

Bei der Demenz handelt es sich also um immer eine schwere Störung der Psyche die schnell das Ausmaß einer Psychose erlangt.

Dabei ist der Begriff  Demenz nicht scharf definiert und kann man daher bei Beginn von derartigen Störungen nicht leicht sagen ob es sich bereits um eine solche oder eine andere psychische Störung handelt die ebenfalls durch Einschränkungen des Geistes bzw. der geistigen Funktion der Psyche charakterisiert ist.

Bei der Demenz stehen also die kognitiven Störungen im Vordergrund wohingegen die Störung des Gemüts bzw. des Affekts somit die affektive Störung in der Regel weniger ausgeprägt ist.

Daher ist bei der Demenz primär das Denken der Person massiv beeinträchtigt bis hochgradig gestört.

Anmerkung der Begriff Demenz stammt vom lateinischen Wort dementia (lat. de = ohne, mens, mentis = Geist); wörtlich also ohne Geist sein bzw. nicht mehr ausreichend denken und urteilen können.

Die Diagnose Demenz ist eine phänomenologische Diagnose die durch den psychischen Symptomenkomplex bestimmt wird und der gemäß dem klinischen Erscheinungsbild durch die unterschiedlichen psychopathologischen Phänomene gebildet wird und es können daher gemäß der klinischen Erscheinung bzw. gemäß dem klinischen Erscheinungsbild unterschiedliche Typen der Demenz beschrieben werden.

Man kennt folgende Typen und damit folgende Formen der Demenz: den Typ der Alzheimerdemenz (Alzheimerkrankheit), den Typ der Vaskulären Demenz, den Typ der Lewy-body Demenz, bei dem man post mortem sogenannte Lewy-Körperchen (Lewy-bodies) im histopathologischen Bild (Schnittbild) des Gehirns in den Nervenzellen findet sowie weitere Formen der Demenz.

Dabei ist in jedem Fall der Demenz das Denkvermögen erheblich beeinträchtigt und es dominiert je nach dem ein unterschiedliches klinisches Erscheinungsbild, welches auch von Eigenheiten der Person geprägt ist.

Praktisch immer ist die Merkfähigkeit und die Kritikfähigkeit erheblich beeinträchtigt und es ist daher die Suggestibilität erhöht, insbesondere beim Typ der Alzheimerdemenz.

Überhaupt ist bei der Demenz in der Regel die Fähigkeit kritische Überlegungungen anzustellen stark bis vollständig eingeschränkt, je nach Form und Schweregrad der psychischen Störung.

Weil die betroffene Person ihre Situation nicht mehr ausreichend geistig überblicken und beurteilen kann, ist sie auch nicht mehr in der Lage entsprechend angemessen zu handeln. 

Es ist bei der Demenz also der Geist der Person und ihre Handlungsfähigkeit (etwa die Geschäftsfähigkeit und daher auch die Testierfähigkeit) beeinträchtigt.

Man kann auch sagen, dass bei der Demenz die kognitive Störung im Vordergrund steht, allerdings können je nach dem gegebenen Fall und Sachverhalt auch ausgeprägte affektive Störungen vorkommen.

Zur psychiatrischen Diagnose Demenz:

Die psychiatrische Diagnose Demenz ist, so wie alle anderen psychiatrischen Diagnosen psychopathologisch definiert, weil hier das klinische Erscheinungsbild entscheidet, ob die Diagnose und damit der Begriff Demenz zur Anwendung kommt.

Es beruht die Diagnose Demenz also auf dem psychopathologischen Befund und nicht auf einem biologischen Befund oder sonstigen physischen Befunden!

Demgemäß wird die Diagnose Demenz in der Psychiatrie und auch in der Neurologie auf der Grundlage klinischen Erscheinungen bzw. auf Basis des  klinischen Erscheinungsbildes festgestellt und es handelt sich daher bei der Diagnose Demenz grundsätzlich um eine phänomenologische Diagnose.

Die Diagnose Demenz gründet sich also auf eine phänomenologische Einheit und es wird diese diagnostische Einheit daher durch eine systematische Einheit, nämlich durch den Begriff der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) und nicht durch eine faktische Einheit erkannt.

Dies bedeutet: man kann die Diagnose Demenz weder in der Psychiatrie noch in der Neurologie biologisch begründet bestimmen. Sondern man kann die Diagnose Demenz immer nur psychisch (psychologisch) bzw. psychopathologisch begründet bestimmen.

Durch biologische Befunde kann man die Diagnose Demenz in der Regel körperlich begründet erklären und ihr Auftreten auf dieser Basis biologisch begründet verstehen, aber in der Diagnostik bestimmen kann man sie dadurch nicht.

Auch kann man die Diagnose Demenz nicht durch die Testpsychologie (psychologischer Test, Psychotest) feststellen, sondern es entscheidet immer die Klinik bzw. der klinische Befund – also der Befund den der Arzt im Rahmen der klinischen Untersuchung erhoben hat, ob die Kriterien einer Demenz von der erlangten systematischen Einheit bzw. vom Begriff der Idee hinreichend erfüllt werden (vgl. mit Kant Zitat 7).

Entscheidend bei der Diagnose der Demenz ist also immer der klinische Befund den der Arzt (Psychiater / Neurologe) erhebt und nicht ein biologischer Befund (Computertomographie, MRT Befund, oder sonst ein bildgebender Befund; auch nicht ein Laborbefund und auch nicht ein histologischer Befund (histologisches Bild des Gehirns), falls ein solcher postmortem erhoben wird dadurch kann nicht nach dem Tod erkannt werden ob die betroffene Person in ihrer letzten Lebenszeit dement war).

Immer kann nur auf Basis der Phänomenologie bzw. auf Basis der Psychopathologie vom Arzt subjektiv gültig entschieden, werden ob das klinische Erscheinungsbild den Kriterien der  Demenz genügt. Biologische Befunde und testpsychologische Befunde (Psychotest) sind Zusatzbefunde um die klinisch festgestellte Diagnose Demenz und den Typ zu untermauern und gegenüber anderen Formen bzw. Typen Demenz besser abzugrenzen aber eine Bestimmung der Diagnose Demenz durch die Ätiologie ist grundsätzlich nicht möglich. Dabei handelt es sich beim Begriff Demenz nicht um einen scharf abgrenzbaren Begriff weil in vielen Fällen die Störung der Psyche in der Regel infolge von Degeneration Gehirns (Nervenzellverlust, kleinen Insulten bzw. kleinen oder größeren arteriellen Verschlüssen) die Hirnleistung mehr und mehr abnimmt und schließlich das klinische Bild der Demenz in Erscheinung tritt. In diesem Stadium ist die betroffene Person infolge ihres eingeschränkten Denkvermögens also nicht mehr in der Lage die täglichen Angelegenheit ihres Lebens selbst zu besorgen und muss sie daher von anderen Person in dieser Hinsicht unterstützt und angeleitet oder vertreten werden. Dieser Zustand entspricht dann dem Zustand der Demenz im ursprünglichen Sinn des Wortes: ohne Geist sein (lat. dementia: de = ohne, mens, mentis = der Geist).

In jedem Fall soll die psychische Störung den Schweregrad einer Psychose erlangt haben bevor der Begriff Demenz verwendet wird.

Leichtere Stadien der psychischen Einschränkung dieser Art werden als organisches Psychosyndrom (OPS) bezeichnet.

Zu beachten ist, dass auch im Rahmen von sonstigen psychischen Störungen erhebliche Störungen in der Gedächtnisleistung und in der Fähigkeit zur Assoziation auftreten können.

Deswegen sollte man als Arzt nicht vorschnell von Demenz sprechen, falls gewisse biologische Befunde gegenüber der Norm auffällig sind (etwa ein Schwund der Hirnsubstanz im bildgebenden Befund in der MRT Untersuchung sichtbar ist etc.), eben weil die Diagnose Demenz eine phänomenologische Diagnose und keine biologische Diagnose bzw. keine faktische Diagnose und somit auch keine ätiologische Diagnose ist.

Auch soll man neben der organischen Abklärung die klinische Entwicklung und im Zweifelsfall den weiteren klinischen Verlauf abwarten bevor in einem diagnostischen Grenzfall die Diagnose Demenz von einer Fachperson ausgesprochen wird.

Man sollte als Arzt also nicht vergessen, dass es auch reversible Störungen des Gedächtnisses gibt etwa im Rahmen einer Depression (depressive Störung) oder im Rahmen von sonstigen Funktionsstörungen der Psyche, die reversibel ist.

Aus der klinischen Erfahrung ist bekannt dass unterschiedliche Ursachen zum klinische Erscheinungsbild einer Demenz führen können. Es kommen hier also unterschiedliche körperliche Ursachen oder auch eine Kombination von Ursachen in Frage die dieses klinische Erscheinungsbild verursachen können.

Der Nervenarzt Alois Alzheimer hat bei der Patientin  Auguste Deter eine schnell voranschreitende Demenz bzw. schnell verlaufende demenzielle Entwicklung klinisch beobachtet und sodann nach deren Tod in ihrem Gehirn massive Verluste an Nervenzellen in der Gehirnrinde und Einlagerungen zwischen den Zellen (Plaques) gefunden und spricht man daher vom Typ der Alzheimer-Demenz (Alzheimer-Krankheit).

Eine andere klinische Form von Demenz findet man bei der vaskulären Demenz. Diese klinische Form entsteht also Folg von Infarkten der Arterien im Gehirn. Man kennt in diesem Zusammenhang den Begriff Multi-Infarkt-Demenz.

Genannt wurde auch der Typ der Levy-body Demenz die nach den Einlagerungen (Levy Bodies) benannt wird in der Klinik jedoch ebenfalls als phänomenologische Diagnose gemäß dem Typ der klinischen Erscheinungsbildes erfasst wird.

Schließlich kann eine Demenz auch infolge einer sonstigen Ursache etwa durch längeren Sauerstoffmangel zum Beispiel nach Herzinfarkt mit längerem Herzstillstand, oder nach einer ausgeprägten Vergiftung (Intoxikation) oder nachfolgend an eine schwere Kopfverletzung bzw. infolge der Gehirnverletzung auftreten. Weil eine Demenz praktisch immer organisch bedingt ist, spricht man synonym auch von einem organischen Psychosyndrom (OPS) mit entsprechend schwerer Ausprägung. In der Praxis bedeutet die Diagnose Demenz, dass die betroffene Person infolge der Störung ihres Geistes und Einschränkung im Denkvermögens im Alltag nicht mehr allein zurechtkommt bzw. sie ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen kann – es handelt sich daher um eine praktisch definierte Störung der Psyche.

Damit wird klar, dass die psychiatrische Diagnose und auch die neurologische Diagnose Demenz eine phänomenologische Diagnose ist, insofern die Diagnose in jedem Fall infolge der psychischen Auffälligkeiten, nämlich infolge der krankheitswertigen psychischen Symptome und krankheitswertigen psychischen Phänomene respektive infolge der psychopathologischen Phänomene bzw. durch den psychischen Symptomenkomplex erfasst wird.

Biologisch (neurophysiologisch) betrachtet kann man allerdings sagen: dass die Demenz die Folge einer schweren Störung der neuronalen Funktion des Gehirns ist – nämlich die Folge einer ausgeprägten neuronalen Funktionsstörung im zentralen Nervensystem.

Die Diagnostikder Demenz beruht allerdings immer und allein auf den krankheitswertigen psychischen klinischen Befund, also auf den Störungen der Psyche und nicht auf den körperlichen Störungen bzw. nicht auf den biologischen Befunden.

Durch die biologischen Befunde(bildgebende Befunde, Computertomographie CCT, Magnetresonanztomographie MRT usf.) kann man die psychische Störung nur sekundär erklären und biologisch verstehen, bestimmen kann man die Diagnose Demenz durch biologische Befunde jedoch nicht, sondern beruht die Diagnose Demenz in der Psychiatrie und auch in der Neurologie auf der Phänomenologie bzw. der Psychopathologie.

Psychiatrisch bzw. psychopathologisch betrachtet kann man sagen, dass die Demenz klinisch als Folge der kognitiven Störung in Erscheinung tritt.

Dabei erlangt die psychische Störung infolge des hochgradig beeinträchtigten Denkvermögens in der Praxis schnell das Ausmaß einer Psychose.

Es handelt sich hierbei also um eine phänomenologische Diagnose, die auf Grundlage der Psychopathologie bzw. der Phänomenologie und somit infolge des klinischen Erscheinungsbildes – unabhängig von der Ätiologie festgestellt wird. Dies gilt auch für die Neurologe sofern hier die Diagnose Demenz gestellt wird. Auch hier beruht die Diagnose Demenz primär auf dem psychopathologischen Befund den der Neurologe erhebt. Durch Zusatzuntersuchungen der kognitiven Neurologie kann er seinen klinischen Befund bestärken und diesen dadurch unterstützen aber allein auf Grund derartiger Zusatzbefunde kann die Diagnose Demenz auch in der Neurologie nicht gestellt werden. (Anmerkung: der Begriff kognitive Neurologie meint also den Bereich der Neurologie der mit den krankheitswertigen Erscheinungen der Psyche befasst ist ohne das Wort Psyche oder das Wort Denken oder den Geist beim Namen zu nennen, insofern im Wort kognitiv auf das Denken, die Psyche und den Geist schon hinweist.)

Man kann daher auch sagen: es ist eine Demenz eine schwere psychische Störung, bei der die geistige Funktion – also das Funktionieren des Geistes – stark beeinträchtigt ist – daher der Begriff Demenz.

Weil bei einer Demenz vor allem das Denken gestört ist – weniger die Stimmung und die Emotion – kann man von einer Störung in der Kognition bzw. von einer kognitiven Störung sprechen, die hier das klinische Erscheinungsbild  dominiert.

In vielen Fällen einer Demenz kommt es auf der Grundlage der kognitiven Störung zur Störung in der Realitätswahrnehmung und spricht man dann von einer paranoiden Störung und kommt es in gewissen Fällen einer Demenz zu einer Paranoia bzw. einem Wahns.

Die psychische Störung einer Demenz wird durch den psychiatrischen Befund bzw. durch den psychischen Befund in der psychiatrischen Diagnostik erfasst. Es handelt sich somit um eine  phänomenologische Diagnose, die auf der Grundlage der einzelnen psychopathologischen Phänomene diagnostisch erfasst wird, wenn diese einen charakteristischen psychischen Symptomenkomplex bilden. Ein Psychiater bzw. ein Neurologe oder sonst ein Arzt erkennt somit eine Demenz auf der Grundlage eines psychiatrischen Konzepts wenn er dieses auf den psychischen Sachverhalt anwendet. Man kann auch sagen: die psychiatrische Diagnose Demenz wird durch den Begriff der psychiatrischen Ideen erkannt, wenn der psychische Sachverhalt unter diesem Begriff aufgefasst werden kann. Dabei wird die psychiatrische Diagnose Demenz (Anmerkung: und ebenso die neurologische Diagnose der Demenz) durch den Vergleich von Ideen – auf der Ebene der Ideen – und damit – philosophisch gesprochen dialektisch – oder im Hinblick auf die psychischen Erscheinungen psychologisch bzw. psychopathologisch erkannt bzw. festgestellt. Die psychiatrische Diagnose Demenz und auch die neurologische Diagnose Demenz kann also nicht biologisch bzw. nicht physiologisch festgestellt werden, sondern es kann diese psychiatrische Diagnosen – so wie alle anderen psychiatrischen Diagnosen – nur auf der Grundlage der psychischen Anomalie somit nur psychologisch (vgl. mit Griesinger Zitat) bzw. nur psychopathologisch also nur auf der Grundlage der Phänomenologie bzw. nur auf der Grundlage der Psychopathologie erkannt werden.

Allerdings kann diese phänomenologische Diagnose in vielen Fällen durch physische Befunde, vor allem durch bildgebende Befunde(Computertomographie CCT, Magenetresonanztomographie MRT) untermauert werden. Es kann also die psychische Störung, die man als Demenz bezeichnet, als organisch bedingte psychische Störung durch diese körperlichen Befunde erklärt und damit körperlich verursacht verstanden werden, jedoch feststellen kann man die psychiatrische Diagnose Demenz auf dieser Grundlage nicht. Es kann also im Zweifelsfall bzw. in einem diagnostischen Grenzfall – wo der Arzt zweifelt ob eine Demenz vorliegt nicht durch biologische Befunde bzw. durch nicht durch physische Befunde entschieden werden, ob eine Demenz vorliegt oder nicht vorliegt. Schließlich können durch die Befunde der psychischen Testung die einzelnen psychischen Leistungseinbußen mit der Altersnorm verglichen werden – und es kann auf diese Art und Weis die psychische Leistungsfähigkeit mit der Leistungsfähigkeit der Altersnorm – also diesem Kollektiv verglichen werden – und kann man damit diagnostisch den Schweregrad der psychischen Störung näher bestimmen.

All diese Erkenntnisse können jedoch nur auf der Grundlage von Ideen erlangt werden und es können, diese Erkenntnisse in keinem Fall physisch überprüft werden.

In Bezug auf die Differenzialdiagnose ist es wichtig zu beachten und zu berücksichtigen, dass gewisse psychische Störungen, die im klinischen Erscheinungsbild als Demenz imponieren durch gewisse reversible funktionelle Störungen, etwa durch eine Depression oder durch eine sonstige reversible Funktionsstörung etwa in Folge einer endokrinen Störung z.B. in Folge einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder durch eine metabolische Beeinträchtigung z.B. in Folge eines Vitaminmangels /Leberfunktionsstörung usf. hervorgerufen oder verstärkt werden können.

Ursachen der Demenz

Das klinische Erscheinungsbild einer Demenz bzw. einer demenziellen Störung kann durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden. Dabei kennt man bei der klinischen Diagnose Demenz in vielen Fällen nicht die Ursache der psychischen Störung, sondern man denkt sich, dass es eine gewisse Ursache gibt, die man aus dem Typ der Demenz, also aus dem Typ des klinischen Erscheinungsbildes, somit aus dem psychischen Symptomenkomplex und den anderen Befunden ableitet. Ein Psychiater / Neurologe schließt also aus dem klinischen Erscheinungsbild auf die zu Grunde liegende Krankheitseinheit.

Die psychiatrische Diagnose Demenz wird also auf der Grundlage eines psychiatrischen Konzepts erkannt und subjektiv gültig diagnostisch bestimmt.

Weil das klinische Erscheinungsbild verschieden imponiert unterscheidet man in der Psychiatrie verschiedene Typen der Demenz.

Man spricht von einer Demenz vom Alzheimertyp also von der Alzheimer Demenz (= Alzheimerkrankheit, Weiteres dazu -> WikiBeitrag und auf dieser website). Man meint damit die Form der Demenz wie sie von Alois Alzheimer beschrieben worden ist. Weiters kennt man die Demenz vom Typ der vaskulären Demenz. Es handelt sich dabei um eine Demenz, die in Folge von Gefäßverschlüssen also durch einen oder mehrere Infarkte aufgetreten ist und man spricht daher unter Umständen von der Multi-Infarkt Demenz. Schließlich kennt man auch den Begriff der Levy body Demenz und man meint damit den Typ einer Demenz, wie diese von Friedrich H. Lewy  beschrieben worden ist.

Dabei kann man den Typ der Demenz klinisch nicht „physisch“ diagnostisch bestimmen. Sondern es denkt sich die jeweilige Fachperson dass eben diese oder jene Ursache die tatsächliche Ursache im konkreten Fall ist. In diesem Sinn denkt sich etwa ein Psychiater oder ein Neurologie, dass mehrere kleine Schlaganfälle bzw. kleine Gefäßverschlüsse zum Auftreten der Demenz geführt haben. Tatsächlich kann die psychiatrische Diagnose in der Klinik immer auf der Grundlage der psychischen Phänomene – somit phänomenologisch – also auf der Grundlage der  Phänomenologie bzw. auf der Grundlage der Psychopathologie festgestellt werden und kann diese subjektive einem Typ zugeordnete Einschätzung z.B. durch bildgebende Befunde mehr oder weniger untermauert werden.

Es kann also erst sekundär das klinische Erscheinungsbilddurch zusätzlich erhobene körperliche Befunde also durch Zusatzbefunde etwa durch bildgebende Befunde (CCT, MRT) die phänomenologische Diagnose spezifiziert werden und das Auftreten der psychischen Störung dadurch näher begründet und damit besser erklärt werden. Eine Objektivierung der psychiatrischen Diagnose Demenz ist aber – wie gesagt – dadurch im Zweifelsfall nicht möglich (-> siehe dazu diesen Beitrag).

Man kann also im Zweifelsfall nicht objektiv gültig und damit nicht allgemein gültig entscheiden, ob etwa eine Alzheimer Demenz, ob eine vaskuläre Demenz, oder ob überhaupt eine Demenz vorliegt, sondern man kann diese Frage und damit das Zutreffen der psychiatrischen Diagnose Demenz nur auf der Ebene der Ideen subjektiv gültig entscheiden. Mit anderen Worten: es gibt in einem Grenzfall keinen zwingenden Beweis für das Vorliegen einer Demenz und es kann daher ein Psychiater die klinische Diagnose durch psychologische Zusatzuntersuchungen etwa durch eine psychologische Testung nur bestärken aber nicht wirklich validieren und verifizieren. Mit nochmals anderen Worten die Validität und die Reliabilität der Diagnose Demenz gründet sich allein auf die Phänomenologie, wie diese im Rahmen des klinischen Befundes und damit durch die Diagnostik der psychischen Anomalie erfasst wird und nicht auf biologische bzw. nicht auf physische Befunde. Dies ist für Psychiatrie grundsätzlich – und damit auch für die Biologische Psychiatrie und somit auch für die psychiatrische Wissenschaft von Relevanz.

Man kann also nicht schon aus einem körperlichen Befund erkennen, ob eine Demenz vorliegt oder ob keine solche psychische Störung besteht. Körperliche Befunde weisen zwar darauf hin, dass unter Umständen eine psychische Störung vom Typ einer Demenz vorliegt – allein aus dem körperlichen Befund kann man jedoch nicht erkennen, ob eine Demenz vorliegt bzw. von welchem Ausmaß oder von welchem Schweregrad die psychische Störung und damit die Demenz ist. Es ist nälich die Relation zwischen dem körperlichen Substrat und einem psychischen Phänomen nicht bekannt und man kann diese Relation auch nicht bestimmen und daher kann man die psychiatrische Diagnose – so wie alle anderen psychiatrischen Diagnosen – nicht „physisch“ bestimmen und auch nicht „physisch“ überprüfen. Das bedeutet man kann eine psychiatrische Diagnose nicht  objektivieren und nicht allgemein gültig validieren.  (Weiteres dazu auf Poster 6: Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy)

Erkenntnistheoretisch betrachtet bzw. philosophisch betrachtet handelt es sich beim Begriff der psychiatrischen Diagnose ”Demenz” um eine systematische Einheit. Es ist diese systematische Einheit also der Begriff der Idee der im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese Person einen gewissen psychischen Symptomenkomplex durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Weil eine psychiatrische Idee eine bloße Idee im Sinn von Immanuel Kant ist handelt es sich bei der Krankheitseinheit “Demenz” um eine physisch nicht überprüfbare Einheit bzw. Diagnose. Und es ist daher der Krankheitsbegriff “Demenz” ein regulativer Begriff.

Der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers hat erkannt, dass es sich bei den Ideen in der Psychiatrie um (bloße) Ideen im Sinn von Immanuel Kant handelt (vgl. mit Jaspers Zitat). Und es schreibt daher Karl Jaspers: Wenn ich das Ganze als Idee auch nicht geradezu erkennen kann, so nähere ich mich ihm – mit Kants Worten – durch das “Schema” der Idee (vgl. mit Jaspers Zitat).

Weil eine solche diagnostische Einheit die Einheit einer bloße Idee ist, kann man sie nicht „physisch“ bestimmen und nicht „physisch“ überprüfen. Man kann im Zweifelsfall nicht auf der Grundlage von körperlichen Befunden objektiv gültig entscheiden und objektiv gültig überprüfen, ob eine Demenz vorliegt oder nicht. Es kann ein Psychiater oder ein Neurologe oder sonst ein Arzt nur auf der Ebene seiner Vorstellungen, also auf der Ebene seiner Ideen subjektiv gültig „prüfen“ und subjektiv gültig entscheiden, ob die Diagnose Demenz zutreffend ist oder nicht. Durch die körperlichen und sonstigen Zusatzbefunde kann man diese subjektive Entscheidung – dieses Wahrnehmungsurteil im Sinn von Immanuel Kant – nur näher begründen und besser erklären.

Die Tatsache, dass man eine psychische Störung generell –  und damit auch die psychiatrische Diagnose Demenz nur auf der Grundlage von psychischen Phänomenen – also nur phänomenologisch diagnostisch bestimmen kann, ist der Grund warum man diese und auch alle anderen psychiatrischen Diagnosen nicht objektiv gültig bestimmen kann. Man kann generell eine psychische Erscheinung bzw. ein psychisches Phänomen nicht objektivieren (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).  (Weiteres dazu auf Poster 6).

Es handelt es sich also bei der diagnostischen Feststellung „Demenz“ um eine Entscheidung, die auf der Grundlage von psychischen Phänomenen bzw. auf der Grundlage von Ideen getroffen wird und nicht um eine Entscheidung, die auf der Grundlage von physischen Objekten bzw. physischen Befunden getroffen wird. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Daher kann man die psychiatrische Diagnose „Demenz“ nur subjektiv gewiss bzw. nur subjektiv evident – oder man kann auch sagen nur einleuchtend evident also nur scheinbar evident feststellen. Mit anderen Worten: die psychiatrische Diagnose Demenz kann nur auf der Grundlage von subjektiver Evidenz und nicht auf der Grundlage von objektiver Evidenz festgestellt werden.

Obwohl man die diagnostische Einheit Demenz nicht allgemein gültig bestimmen kann ist es eine sehr nützliche Einheit und man kann daher auch berechtigt sagen, dass es sich dabei um eine zweckmäßige Einheit handelt. Allerdings sollte man dabei beachten, dass die Erkenntnis der Diagnose Demenz auf einer Idee beruht und sollte man daher den Begriff Demenz kritisch und daher im Zeifelsfall besser gar nicht verwenden oder ihn nur relativistisch verwenden.

Zur Differentialdiagnose einer Gedächtnisstörung bei der Demenz gegenüber der Depression

Bei einer ausgeprägten Gedächtnisstörung stellt sich manchmal die Frage, ob diese in Folge einer beginnenden Demenz somit in Folge einer demenziellen Entwicklung in Erscheinung getreten ist oder in Folge einer Depression, die bekanntlich in gewissen Fällen auch zu erheblichen Merkfähigkeitsstörungen und Gedächtnisstörungen führen kann.

Im gegebenen Fall wird vorerst in der Psychiatrie und auch in der Neurologie eine organische Abklärung durchgeführt. Es werden also bildgebende Befunde, (Computertomographie CCT, Magnetresonanztomographie MRT) diverse Laborbefunde usf. erhoben und auch eine testpsychologische Untersuchung (psychische Testung) durchgeführt um den Sachverhalt näher abzuklären. Jedoch kann in vielen Fällen auch nach der Erhebung dieser Zusatzbefunde klinische nicht klar entschieden werden um was für eine Ursache es sich bei der Gedächtnisstörung handelt. Das heißt es kann in einem solchen Fall kann die Differenzialdiagnose nicht durch physische Befunde eindeutig geklärt und damit die Diagnose objektiviert werden, sondern man kann sowohl im Fall der depressiven Störung wie auch im Fall der demenziellen Störung den Sachverhalt in der Diagnostik vorerst nur phänomenologisch erfassen. Erst im weiteren Verlauf und im Rahmen der Therapie wird es sich herausstellen welcher diagnostischen Einheit der Sachverhalt zuzuordnen ist.

Hier ein Link zu einer interessanten Seite zum Thema Vorbeugung der Demenz.

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Hinweis:

Weiteres zur Thematik Diagnostik einer Demenz in der Psychiatrie (und Neurologie) in meinem Buch mit dem Titel: Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin, erschienen im Verlag tredition, April 2019.

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(letzte Änderung 20.05.2019, abgelegt unter: Definition, Demenz, Neurologie, Psychiatrie, psychische Störung, Psychose, psychiatrische Diagnose, neurologische Diagnose, psychiatrischer Begriff, medizinischer Begriff)

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