Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Nervensystem – Einleitung

Das Nervensystem ist ein Netzwerk aus vielen Millionen von Nervenzellen (-> WikiBeitrag).

Viele Millionen von Nervenzellen sind zu einem neuronalen Netzwerk verbunden, in dem die Signale verarbeitet und weitergeleitet werden. Die Signale laufen einerseits unter den Nervenzellen im zentralen Nervensystem ab, und zum anderen Teil gelangen sie auch in die einzelnen Bereiche des Körpers bzw. umgekehrt auch aus den einzelnen Bereichen des Körpers in das zentrale Nervensystem. Dabei stammt ein großer Teil der Signale aus den Sinnesorganen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tastsinn), die die informelle Verbindung nach außen ermöglichen.

Die Aktivität der Nervenzellen im Sinn der Verarbeitung der Signale bzw. der Reize, wie sie von Zelle zu Zelle in den verschiedensten Bereichen ablaufen, wird vom Mensch psychisch als Bewusstsein während des Wachseins, als Gefühl, als Gedanke, als Handlung und während des Schlafens zum Teil als Traum mehr oder weniger bewusst erlebt. Es handelt sich dabei also um verschiedene psychische Phänomene und teils auch um Phänomene, die als körperliche Phänomene (z.b. als körperliche Empfindung, etwa als Harndrang usf., oder als Schmerz etc.) erlebt werden.

Das Nervensystem entwickelt sich bereits intrauterin ab den frühesten Stadien der Entwicklung und man hat herausgefunden, dass sich die Nervenzellen nur bis ca. zum 1 Lebensjahr durch Zellteilung vermehren. Ab dieser Zeit entwickelt sich das Nervensystem durch die Entwicklung der Vernetzung der Nervenzellen fortlaufend weiter, in dem Sinn, dass die Aussproßungen aus den Nervenzellen untereinander in Verbindung treten. Es bauen sich also Verbindungen über die Synapsen (-> WikiBeitrag) zwischen den einzelnen Nervenzellen auf. Eine zahlenmäßige Vermehrung der Nervenzellen findet jedoch ab dieser Zeit nicht mehr statt, sondern nur noch eine Differenzierung des Nervensystems.

Die Differenzierung des Nervensystems durch die Entwicklung der Vernetzung setzt sich während des gesamten Lebens fort. Man kann daher sagen, dass der Lernprozess des Nervensystems ohne Ende im Gang ist und in Abhängigkeit von der Aktivität des Nervensystems stattfindet. Dabei spielt die Erfahrung, die Übung und die Praxis für die Entwicklung des Nervensystems eine entscheidende Rolle. Wegen der Entwicklung des Nervensystems und seiner Funktion wurde der Begriff bzw. das Konzept der Neuroplastizität kreiert.

Man kann die Erfahrung in die innere und von äußere Erfahrung gliedern. Die innere Erfahrung entspricht dem, was das Nervensystem aus der inneren – wenn man so sagen will – eigenen Aktivität lernt, während die äußere Erfahrung durch die von außen einlangen Reize zustande kommt.

So kann man von einer fortlaufenden „Programmierung“ des Systems sprechen, das einerseits durch das innere Lernen, durch das Lernen aus den inneren Erfahrungen resultiert, und andererseits als Folge der Erfahrungen, wie sie durch die äußeren Sinnesreize zustande kommen, resultiert. Tatsächlich kann man natürlich die Abläufe nicht wirklich in innere und von außen stimulierte Erfahrungen trennen, sondern spielen sich diese Abläufe immer gleichzeitig ab. Diese Unterscheidung und Trennung ist jedoch erfordert, da wir ansonsten die Dinge nicht bedenken und denken könnten. Das heißt die begriffliche Unterscheidung in Worte und Begriffe ist erfordert, damit wir vom Denken, vom Fühlen,  vom Sprechen und Handeln reden können. Immer sind auch die Qualitäten des jeweils anderen dabei, und entstehen diese Unterscheidungen lediglich als Folge des menschlichen Denkens das nicht anders als durch die dialektische Unterscheidung der Dinge möglich ist.

Beim Lernen kann man auch den Teil des willenkürlichen Lernens vom unwillkürlichen Lernen unterscheiden und spricht man diesbezüglich von einer Konditionierung. Es liegt auf der Hand, dass die Konditionierung vorallem in der frühen Kindheit eine große Rolle spielt. Allerdings kann man vieles von dem was das Nervensystem „lernt“ auch im späteren Leben treffend durch den Begriff der Konditionierung beschreiben, weil vieles von der inneren und von außen kommenden „Programmierung“ nicht wirklich durch die willensmäßige Wahl beeinflusst wird. Man denke nur an den Einfluss der Mode, und sonstige Strömungen, die in der Regel weitgehend unreflektiert von den Menschen in jeglicher Hinsicht übernommen werden.

Auch im Bereich der Entwicklung von gesundheitlichen Störungen in der Medizin und Psychiatrie – seien dies körperliche funktionelle Störungen, oder psychische Störungen – spielen solche unwillkürlich ablaufenden Lernprozesse bei der Entwicklung von neuronalen Mustern eine entscheidende Rolle (z.B. bei der Suchtentwicklung)

.

(letzte Änderung 07.12.2019, abgelegt unter Nervensystem)

……………………………………..

weiter zum Beitrag: Dekonditionierung

……………………………………..

weiter zum Beitrag: Nervensystem

…………………………………….

weiter zum Beitrag: neuronales Muster

……………………………………..

weiter zum blog: Nervensystem

…………………………………….

Antiloop GmbH / bechtold.at.