Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

dynamische Einheit

Eine dynamische Einheit ist eine Einheit die einer Dynamik unterliegt.

Man kann auch sagen: eine dynamische Einheit ist eine Einheit die einer Entwicklung bzw. einer Änderung im Lauf der Zeit unterliegt.

Dabei kann die Dynamik von von physischen Gegebenheiten abhängen, oder sie hängt von Gegebenheiten abhängen, die nur mental bzw. nur geistig erfasst werden können.

Es kommt nämlich darauf an um was für eine Einheit es sich handelt. Es kann dies eine faktische Einheit oder eine systematische Einheit sein (vgl. mit  Kant Zitat 7).

Demgemäß kann die dynamische Einheit von Fakten abhängen, oder von Ideen.

So ist zum Beispiel das Gleichgewicht, das den freien Stand auf einem Bein beim Yoga ermöglicht, eine dynamische Einheit die von physische Kräften abhängig ist.

Dabei entsteht in diesem Beispiel die dynamische Einheit durch das Zusammenwirken der einzelnen Kräfte, wie diese als Folge der Aktivität der einzelnen Muskeln und der integrierenden Leistung des Nervensystems entsteht und damit das Ganze als selbstregulierende Einheit bildet.

Es ist die dynamische Einheit des Gleichgewichts also die Folge des Zusammenwirkens von diversen physischen Faktoren und sonstigen Faktoren und man kann daher sagen, dass diese Einheit die Folge einer komplexen Ursache ist.

Ein Beispiel für eine dynamische Einheit die von Ideen abhängt, ist etwa die Beurteilung bei einem Schönheitswettbewerb. Hier hängt der geistige Maßstab von den eigenen Vorstellungen in Bezug auf ein persönliches Ideal ab, also von Ideen bzw. von der persönlichen Sichtweise der beurteilenden Person zu diesem Zeitpunkt.

Das Bewusstsein einer Person ist ebenfalls eine dynamische Einheit die diversen Einflüssen unterliegt. Je nach Situation und Sachverhalt wird die Person gewisse Dinge beachten, auffassen und berücksichtigen, während dies zu anderen Zeiten nicht genau so der Fall ist. In diesem Sinn ist auch die Assoziation eine Einheit die einer Dynamik unterliegt.

Ein anderes Beispiel für eine dynamische Einheit ist eine dynamische Funktionseinheit.

So ist zum Beispiel der Verdauungstrakt eine dynamische Funktionseinheit, insofern er je nach Nahrungsangebot, Aufnahme der Stoffe usf. die Beförderung des Darminhalts, die Aufschließung der verwertbaren Stoffe, deren Aufnahme und somit insgesamt die Verdauung leistet.

Oder es ist ein neuronales Netzwerk im Kortex des Gehirns eine dynamische Funktionseinheit, insofern zu einer gewissen Zeit gewisse Nervenzellen in einem Bereich des zentralen Nervensystems diese Funktionseinheit bilden, die eine gewisse neuronale Funktion leistet. Diese dynamische Einheit erzeugt z. B. im besagten Moment ein gewisses neuronales Muster das wiederum eine gewisse Leistung im Lebewesen bedingt (Beispiel: ein Gedanke oder eine Vorstellung entsteht im Bewusstsein der Person und ist damit die Voraussetzung für die nachfolgende Handlung. Oder ein bestimmter Geruch wird vom Insekt wahrgenommen und hat eine bestimmte Aktion zur Folge etc.)

Auch der Zustand der Gesundheit eines Organismus ist eine dynamische Einheit, die durch das Zusammenwirken von vielen Faktoren entsteht, und es sind daher für den Zustand der Gesundheit viele Gegebenheiten/Bedingungen/Voraussetzungen kausal.

Von der Befindlichkeit kann man sagen, dass auch dies eine dynamische Einheit ist, insofern sie sich fortlaufend ändert und infolge von vielen Faktoren entsteht und von einem Zustand in einen anderen Zustand übergeht.

In gleicher Weise ist auch das Bewusstsein eine dynamische Einheit die sich fortlaufend ändert – man denke an den Zustand des hellen Wachbewusstseins im Vergleich zum psychischen Zustand den man als Tagtraum oder den man als Schlaf bezeichnet.

Der Begriff Dynamik (griechisches weibliches substantiviertes Adjektiv δυναμικήdynamiké, „mächtig“, dies von δύναμιςdýnamis, jeweils altgriechische Aussprache, „Kraft“) stammt aus dem Griechischen (vgl. mit Wikibeitrag).

Biologisch betrachtet ist der Zustand des Bewusstseins das Ergebnis einer dynamischen Funktion und man kann daher auch sagen das Ergebnis einer dynamischen Einheit, insofern man im Zustand der hellen Wachheit den größten Überblick bzw. die beste Orientierung hat, hingegen im Zustand des Halbschlafs oder nach dem Aufwachen in dieser Funktion und Leistung relevant eingeschränkt ist.

Dynamik (griechisches weibliches substantiviertes Adjektiv δυναμική, dynamiké, „mächtig“, dies von δύναμις, dýnamis, jeweils altgriechische Aussprache, „Kraft“)

Betrachtet man sämtliche Einheiten, die es gibt, so findet man viele Einheiten die sich im Laufe der Zeit ändern und sind dies so gesehen dynamische Einheiten. Zum Beispiel ist ein Lebewesen als biologische Einheit bzw. als biologisches System immer eine dynamische Einheit. Oder die Psyche eines Menschen ist ein dynamische Einheit, weil sich das Seelenleben der Person im Laufe des Lebens fortlaufend ändert.

Andererseits gibt es auch Einheiten die sich im Laufe der Zeit nicht ändern – eine solche Einheit ist eine statische Einheit.

In der Medizin ändert sich zum Beispiel eine Krankheit. Das heißt die Krankheit ändert sich fortlaufend, die Bezeichnung der Einheit bleibt jedoch dieselbe, so auch etwa bei einer gesundheitlichen Störung (Krankheit) die letztlich durch die Heilung wieder in den Zustand der Gesundheit übergeht.

Auch in der Psychiatrie ändert sich eine psychische Störung fortlaufend, aber die Bezeichnung für die psychische Störung kann weiterhin dieselbe bleiben.

Man erkennt damit, dass die Bezeichnung statisch ist, wohingegen dasjenige was durch die Bezeichnung beschrieben wird oftmals dynamisch ist, und einer Änderung unterliegt – und man sollte daher im konkreten Fall von Zeit zu Zeit prüfen, ob die Bezeichnung für die Sache noch passend ist. Man sollte also die Sache bzw. den Sachverhalt nicht mit der Bezeichnung gleichsetzen. Oder kann auch sagen: man sollte die Bezeichnung nicht mit der Sache verwechseln.

Die Gefahr ist nämlich groß, dass man eine Vorstellung, sprich eine Idee konstitutiv gebraucht und glaubt durch die Idee eine wirkliche Sache im Sinn eines Faktums erkannt zu haben. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

Dies passiert beispielsweise in der Psychiatrie wenn man glaubt durch die psychiatrische Diagnose „Schizophrenie“ eine tatsächlich existente scharf abgegrenzte Einheit erkannt zu haben, wenn man einmal in Folge eines vorhandenen psychischen Symptomenkomplexes die diagnostische Einheit Schizophrenie festgestellt hat.

In Wirklichkeit handelt es sich nämlich bei der Diagnose Schizophrenie um eine dynamische Einheit- die erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet eine systematische Einheit ist. Es ist dies also also die Einheit einer Idee (vgl. mit Kant Zitat 7), die im Bewusstsein des Psychiaters durch den Begriff der Idee als als Gegenstand in der Idee entsteht, wenn diese Fachperson die einzelnen psychopathologischen Phänomene durch den Bezug auf das Schema dieser Idee, nämlich durch den Bezug auf die psychiatrische Kategorie etwa gemäß der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation geistig auffasst.

In Wirklichkeit handelt es sich bei dieser dynamischen Einheit also nicht um ein Erkenntnisobjekt, das man auf der Ebene der physischen Objekte erfassen kann. Daher hat man in der psychiatrischen Wissenschaft bis zum heutigen Tag auch noch keine solche scharf abgegrenzte Einheit auf der Ebene der physischen Objekte finden können bzw. hat man auf der Ebene der physischen Objekte bis zum heutigen Tag auch noch keine Grenzen dieser Einheit bestimmen können.

Es gibt also in vielen Bereichen dynamische Einheiten, die auf der Ebene unserer Vorstellungen zwar als konstante Einheiten erscheinen – in Tat und Wahrheit aber dynamische Einheiten sind.

In der Medizin ist z.B. die gesundheitliche Störung, die man als Spannungskopfschmerz bezeichnet eine dynamische Einheit, oder die Einheit Migräne, oder die Art einer körperlichen Störung, die man als vegetative Dystonie bezeichnet. All diese Arten von gesundheitlichen Störungen sind dynamische Einheiten, die zu gewissen Zeiten stark ausgeprägt sind zu anderen Zeiten nicht vorhanden sind – und daher zu diesen Zeiten auch nicht als Krankheit geführt werden sollten, weil zu dieser Zeit die Bezeichnung nicht mehr passend ist und auch nicht mehr berechtigt ist. Wie könnte man berechtigt sagen dass jemand an einer Migräne leidet wenn er ein einziges Mal einen Migräneanfall gehabt hat. Oder wie könnte man berechtigt sagen dass eine Person an Schizophrenie leidet wenn sie ein einziges Mal eine psychotische Episode erlitten hat.

In der Psychosomatik ist z.B. eine Form einer Essstörung eine Einheit, die sich fortlaufend ändert, und sollte man daher auch hier fortlaufend prüfen, ob man die Bezeichnung für eine solche gesundheitliche Störung noch verwenden soll, wenn man etwa den Begriff Anorexie, oder den Begriff Bulimie, oder Adipositas verwendet.

Überhaupt sollte man die Relation der verwendeten Begriffe zu den Fakten bzw. zu den Tatsachen und zu den verschiedenen Erscheinungen immer wieder hinterfragen und prüfen, ob die jeweilige Bezeichnung noch passend ist. Mit anderen Worten man sollte eine Idee nicht konstitutiv gebrauchen, sondern man sollte sie nur regulativ gebrauchen – wie dies Immanuel Kant aufgezeigt hat(vgl. mit Kant Zitat 3a), weil eine Idee nur relativ in Bezug auf ein definiertes Ideal gültig ist.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet kann man mit Worten von Immanuel Kant festhalten, dass eine dynamische Einheit durch eine systematische Einheit erkannt wird.  Es erscheint hier nämlich der Begriff der Idee als Gegenstand in der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person falls diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

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(letzte Änderung 17.05.2020, abgelegt unter: Definition, Diagnostik,  Einheit, Entwicklung, Medizin, Medizin-Psychotherapie-Yoga-Meditation, Philosophie, Psyche, Psychiatrie)

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