Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

neuronales Netzwerk (neuronales Netz)

Ein neuronales Netzwerk (neuronales Netz) ist ein Netzwerk bestehend aus mehreren bis vielen Nervenzellen, die gemäß einer gewissen Struktur im Nervensystem untereinander verbunden sind.

Dabei kann der Begriff neuronales Netz (neuronales Netzwerk) sich auf das gesamte Nervensystem beziehen, oder er bezieht sich auf einen abgegrenzten Bereich der eine gewisse Funktion leistet. In diesem Fall bezeichnet der Begriff neuronales Netz (neuronales Netzwerk) eine gewisse Funktionseinheit.

In diesem Sinn kann ein Netzwerk bestehend aus Neuronen eine biologische Einheit sein, die eine bestimmte neuronale Funktion leistet.

Dies bedeutet, dass das neuronale Netzwerk die biologische Voraussetzung für eine bestimmte Funktion im Organismus ist.

Man kann auch sagen, dass das neuronale Netzwerk ist im Lebewesen die Grundlage für eine gewisse neuronale Aktivität. Es entstehen also infolge der Aktivität und der Verknüpfung der Nervenzellen im Nervensystem neuronale Muster die mit gewissen Funktionen/Leistungen korrelieren.

Demgemäß ist das neuronale Netzwerk die „biologische hardware“ für diese Aktivität, die entweder tatsächlich oder potenziell eine bestimmte Leistung im Organismus ermöglicht oder tatsächlich erbringt.

So kann das neuronale Netzwerk zum Beispiel die biologische Grundlage für einen gewissen Bewegungsablauf sein, die den Bewegungsapparat auf eine gewisse Art und Weise in Gang setzt bzw. setzen kann. Ein Beispiel aus der Zoologie: ein gewisses neuronales Netzwerk im zentralen Nervensystem des Pferdes befähigt dieses Tier zum Traben oder zum Galopp.

Man kann also festhalten: das neuronale Netzwerk ist die biologische Einheit bzw. die biologische Grundlage einer biologischen Funktionseinheit, die im Organismus tatsächlich oder potenziell eine gewisse Leistung hervorbringt bzw. ermöglicht.

Dabei spielt nicht nur die biologische  Struktur wie sie infolge der Genetik und des Wachstums in diesem Lebewesen angelegt ist eine wesentliche Rolle, sondern auch dessen weitere Entwicklung, wie sie durch die praktische Tätigkeit/Funktion/Übung etwa durch das spielerische Lernen gefördert wird wesentlich bei. Mit anderen Worten: dieser Prozess im weiteren Leben trägt wesentlich zur tatsächlichen Fortentwicklung des neuronalen Netzwerks bei. Aus Erfahrung ist bekannt, dass die für ein Lebewesen optimale Entwicklung nur stattfindet falls zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Anforderungen gestellt werden um dadurch das optimale Wachstum der neuronalen Struktur anzuregen. Es kommt hier also die Neuroplastizität und überhaupt die Anpassungsmöglichkeit des Organismus zum Tragen, die letztlich die optimale Entwicklung ermöglicht.

In diesem Sinn soll man ein neuronales Netzwerk als dynamische Einheit und nicht als statische Einheit ansehen. Ähnliches gilt auch für die einzelnen Faktoren die die optimale Entwicklung begünstigen. Es ist also auch diesbezüglich Anpassung bzw. Flexibilität erfordert damit die optimale Entwicklung gelingt. Demgemäß kann im Hinblick auf die Ursache die die jeweilige Wirkung hervorbringt gesagt werden, dass dies eine komplexe Ursache ist. Und es ist im Hinblick auf die bestmögliche Entwicklung nicht nur Wissenschaft sondern vor allem die Kunst bzw. das Geschick auf Seiten des Lernenden und des Lehrenden gefordert um das Optimum zu erreichen.

In noch größerem Umfang gilt dies für kortikale Leistungen bezüglich der höheren Hirnfunktionen. Etwa im Hinblick auf das Erlernen einer Sprache, für das Verstehen der Worte und Begriffe und letztlich für das Sprechen, die Form der Kommunikation, die Argumentation usf. Man denke etwa an die simultane Übersetzung einer Sprache in eine andere.

Zur makroskopischen und mikroskopischen Struktur der neuronalen Netzwerke:

Aus der Anatomie ist bekannt dass makroskopisch gewisse Faserbündel etwa im anatomischen Präparat des Gehirns und Rückenmarks sichtbar sind, die gewisse Kerngebiete (Nuclei) mit anderen Bereichen verbinden. So kennt man etwa das pyramidale motorische System im Gegensatz zum extrapyramidalen motorischen System. Analog hat man auf Grundlage der klinischen Erfahrung etwa auch das sensible System als mehr oder weniger scharf abgegrenzte Funktionseinheit erkannt usf. Dementgegen ist eine biologische Funktionseinheit, die etwa für das Sprechen und das Verstehen einer Sprache zuständig ist, nicht als scharf abgegrenzte Einheit im Sinne einer lokal genau begrenzten Struktur zu verstehen. Man soll hier also nicht denken dass dies ein relativ scharf abgrenzbares neuronales Netzwerk ist, sondern man muss sich diesbezüglich vorstellen, dass hier ein dynamischer Prozess die Zugehörigkeit von gewissen Nervenzellen zur Funktionseinheit bestimmt. Man kann hier von einer Natureinheit sprechen von der man keine scharfe Grenze eines Ganzen aufzeigen kann, sondern von der man sich lediglich im Hinblick auf die Funktion vorstellt, dass es hier eine solche eine abgegrenzte physische Einheit gibt, die diese Funktion leistet.

Damit wird deutlich, das es sich hier um Funktionseinheiten handelt, die nicht unbedingt mit einer fixen/starren biologischen Einheit korrelieren.

Dementsprechend kennt man aus der Technik Beispiele, insbesondere aus der Elektronik, wo unterschiedliche technische Einheiten eine gewisse Funktion leisten. So kennt man etwa die unterschiedlichen chips oder Platinen oder ganze Computer oder auch ganze Computer-Systeme, die „so“ oder auch „anders“ programmiert werden können um eine gewisse Leistung zu erbringen. Es können hier von der einzelnen Apparatur also unterschiedliche Funktionen ausgeführt werden, je nach dem wie das System programmiert worden ist. Mit anderen Worten: es können hier in einer Struktur die einzelnen Elemente örtlich und auch zeitlich betrachtet unterschiedlich in Aktivität versetzt werden um damit je eine gewisse Funktion bzw. Leistung zu erbringen.

Dazu ein vergleichbares Beispiel aus der Biologie: das Pferd wechselt zuerst vom Gehen in den Trab und einige Zeit später vom Traben in den Galopp – dabei sind mehr oder weniger dieselben Nervenzellen im zentralen Nervensystem des Pferdes in Aktion, je nach Zeitpunkt sind jedoch unterschiedliche neuronale Muster – hier vor allem im Bereich des Rückenmarks – im Gang bzw. korreliert dies mit den unterschiedlichen Bewegungs-Funktionen/Aktionen. (Anmerkung: hier hat die neuronale Aktivität die vom Gehirn des Pferdes ausgeht auf die Aktivität im Rückenmark nur ein modifizierende Funktion.)

Man kann durch den Begriff neuronales Netzwerk einerseits also das anatomische/histologische Korrelat der neuronalen Struktur beschreiben und andererseits durch den Begriff neuronales Netzwerk die jeweilige Funktion als biologische Funktionseinheit biologisch begründet verstehen und erklären. Jedoch könnte man selbst bei genauer Kenntnis der biologischen bzw. neuronalen Struktur nicht wissen was gerade in diesem Nervensystem und in weiterer Folge im Organismus vor sich geht. Dies ist grundsätzlich nicht möglich, weil das eine (die Struktur im Idealfall) durch einen tatsächlichen oder „potenziellen“ Gegenstand schlechthin zu beschreiben ist, das andere jedoch nur durch einen Gegenstand in der Idee erkennbar ist, weil hier dieses Erkenntnisobjekt die systematische Einheit der Idee ist, die erkannt wird, falls die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee aufgefasst werden und dadurch der Begriff der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person entsteht bzw. als systematische Einheit erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7).*

Es ist das neuronale Netzwerk also ein Einheit die in gewissen Fällen als biologische Einheit mehr oder weniger präzise als abgegrenzte Einheit und damit angenähert als faktische Einheit beschrieben werden kann (neuronale Netzwerke wie sie zum Teil in der Anatomie durch die Faserverläufe im Gehirn darstellbar sind), das andere, die neuronale Funktion in diesem Netzwerk kann jedoch in keinem Fall physisch/physiologisch/neurobiologisch als scharf abgegrenzte Einheit dargestellt oder „gemessen“ werden, sondern es kann eine solche Einheit immer nur durch den Begriff der Idee bzw. nur durch die systematische Einheit der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) erkannt und etwa in der Diagnostik bestimmt werden.*

Deswegen kann man, im Hinblick auf die Hirnfunktionen nicht aus der biologischen Funktion erkennen und bestimmen was auf der Ebene des Körpers als körperliche Funktion geschehen wird.* Deswegen kann man etwa aus dem bildgebenden Befund der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) nicht erkennen was tatsächlich für eine Aktivität im Organismus stattfindet. Analoges gilt auch für die Befunde wie sie mit anderen Methoden der Systemischen Neurowissenschaften gewonnen werden.

Sondern man kann auch hier nur im Nachhinein etwa aus dem körperlichen Phänomen – das man beim Pferd als Galopp bezeichnet – ableiten, wie es wohl um die zu Grunde liegende neuronale Funktion zu dieser Zeit stehen mag. Oder man kann im Hinblick auf die höheren Hirnfunktionen sich etwa durch den Begriff neuronales Netzwerk vorstellen, dass in der Person zu einem bestimmten  Zeitpunkt, in dem sie gerade spricht, oder eine bestimmte Bewegung ausführt, oder ein bestimmter Gedanke gerade in ihrem Bewusstsein entsteht, sich vorstellen, dass zu dieser Zeit gewisse neuronale Muster in den jeweiligen neuronalen Netzwerken ablaufen.

Der russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow hat als Folge seiner Beobachtungen bei Tieren deswegen im Hinblick auf gewisse Fähigkeiten und Funktionen auf die Existenz von Analysatoren im Nervensystem geschlossen bzw. solche postuliert (Pawlow Zitat). (Anmerkung: Analoges gilt natürlich auf für uns Menschen).

Aber eben, selbst wenn man über die Biologie des Nervensystems genaues Wissen hätte, trotzdem könnte man das eine, die potenzielle Funktion nicht aus dem biologischen Befund erkennen, weil es den großen Unterschied zwischen den Erkenntnisobjekten gibt.*

Es ist ein großer Unterschied, ob etwas meiner Vernunft, als ein Gegenstand schlechthin, oder nur als ein Gegenstand in der Idee gegeben wird.(Immanuel Kant – vgl. mit Kant Zitat 7)*

Es gibt also den großen Unterschied zwischen einer faktischen Einheit und einer systematischen Einheit.

Im Hinblick auf die einzelnen neuronalen Netzwerke kann man sagen, dass das Nervensystem als Einheit aus separierten neuronalen Netzwerken besteht, die je als Funktionseinheiten bzw. je als (mental abgegrenzte) Teilsysteme eines Ganzen die einzelnen biologischen Grundlagen bilden, die die jeweiligen Teilleistungen ermöglichen.

So kann man etwa im Hinblick auf das Denkvermögen des je einzelnen Menschen sich vorstellen, dass die neuronale Aktivität in den neuronalen Netzwerken im Kortex im Verbund mit anderen Bereichen des Gehirns das Denken der Person potenziell ermöglicht oder tatsächlich leistet. Oder es sind andere neuronale Netzwerke im Bereich des Gehirns für das Fühlen,  für den Affekt und das Gemüt schwerpunktmäßig zuständig (Limbisches System im Verbindung mit anderen Hirnstrukturen). Auf dieser biologischen Grundlage entstehen also die diversen psychischen Phänomene sowohl im Zustand der normalen psychischen Funktion, wie auch im Zustand der psychischen Störung.

Man kann mithilfe des Begriffs neuronales Netzwerk in Verbindung mit dem Begriff neuronales Muster sich also vorstellen, wie all die Funktionen und Funktionsstörungen auf der Ebene des Nervensystems und in weiterer Folge im lebenden Organismus ablaufen.

Demgemäß bestimmt die Beschaffenheit – und damit die Struktur der neuronalen Netzwerke wesentlich deren Eigenheiten respektive die Funktionsmöglichkeiten.

Wie bereits erwähnt kennt man in diesem Zusammenhang den Stellenwert der Übung, Gewöhnung und Gewohnheit – zum Guten wie zum Schlechten – als Folge des vorteilhaften und unvorteilhaften bis nachteiligen Lernens.

Und es sei an dieser Stelle auch der Begriff Konditionierung im Hinblick auf die Einübung und der Begriff Dekonditionierung im Hinblick auf das Verlernen/Vergessen genannt.

Der Begriff Netzwerk stammt aus der Technik:

Der Begriff Netzwerk stammt ursprünglich aus der Technik und wurde von technischen Systemen auf die Biologie bzw. biologische Systeme/Organismen/Lebewesen übertragen. Man sollte hier aber beachten, dass in technischen Systemen die Struktur nach menschlichen Vorstellungen konstruiert worden ist und man daher weiß in welchem Zusammenhang die (einzelnen) Elemente stehen und funktionieren. In Bezug auf ein biologisches System kennt man die Struktur jedoch nicht in diesem Ausmaß bzw. nur mehr oder weniger beschränkt. Mit anderen Worten: man hat es hier mit mehr oder weniger beschränktem Wissen zu tun. Man hat hier aufgrund von physischen Befunden, etwa solchen der Anatomie, Histologie und in Bezug auf die Funktionen und Funktionsstörungen aus der Physiologie und Pathophysiologie bzw. infolge der klinischen Erfahrung im Hinblick auf die klinischen Erscheinungen respektive infolge der klinischen Erscheinungsbilder in der Psychiatrie, in der Neurologie und in anderen Bereichen der Medizin wegen der beobachteten eingeschränkten Funktion etwa nach eingetretener Hirnverletzungen nach der Analogie der Erfahrung  (vgl. mit Kant Zitat 26) auf solche Funktionseinheiten geschlossen.

Man hat infolge der Beobachtung und Schlussfolgerung – somit durch die Erfahrung durch den hypothetischen Vernunftgebraucht (vgl. mit Kant Zitat 5) – auf gewisse neuronale Netzwerke im Sinne von abgeschlossen Entitäten geschlossen und umgekehrt aus dem Defekt, wie er in der Biologie sichtbar ist, auf die beeinträchtigte Funktion bzw. Funktionsstörung. Mit anderen Worten: man hat als Folge der beeinträchtigten  Biologie die Zusammenhänge erkannt und kann daher das Auftreten der Funktionsstörungen durch die beeinträchtigten neuronalen Netzwerke biologisch begründet erklären und verstehen. So hat man in der Medizin (etwa in der Neurologie, Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, in der Augenheilkunde usf.) in Kenntnis der Strukturen und Verletzungen auf die normalen und gestörten Funktionen geschlossen. Es handelt sich hierbei also um induktives Wissen bzw. um Wissen das durch den hypothetischen Vernunftgebrauchs erlangt worden ist. Man kann daher sagen, dass der Sachverhalt durch eine bloße Idee bzw. durch die systematische Einheit der bloßen Idee erkannt worden ist (vgl. mit  Kant Zitat 8 und Kant Zitat 5).*

Deswegen handelt es sich beim Begriff neuronales Netzwerk primär um den Begriff einer bloßen Idee – man kann auch sagen – um ein Konzept. Oder man kann ebenso sagen: es handelt sich beim Begriff neuronales Netzwerk um eine projektierte Einheit die eine zweckmäßige Einheit im Sinne von Immanuel Kant ist.

Es beruht das Konzept neuronales Netzwerk in der Biologie somit auf einer (bloßen) Idee. Oder man kann auch sagen: der Begriff neuronales Netzwerk ist ein regulativer Begriff – bzw. ein regulatives Prinzip – um dadurch der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit nachzugehen (vgl. mit Kant Zitat 2a).

Dabei ist es nicht möglich die Relation zwischen der Biologie und der Funktion zu bestimmen.* Dies ist wegen des großen Unterschieds zwischen den Erkenntnisobjekten grundsätzlich nicht möglich. Daher kann man durch eine Methode der Systemischen Neurowissenschaften etwa durch die der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) zwar gewisse physische Befunde „messen“ und bildlich darstellen, die Relation der Psyche zum Körper bzw. die Relation der Psyche zur neuronalen Funktion kann man dadurch jedoch nicht bestimmen, weil es den großen Unterschied zwischen einer faktischen Einheit und einer systematischen Einheit gibt. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Vergleich eines biologischen Systems mit einem technischen System – im Hinblick auf die Netzwerke:

Im Anschluss an die obigen Ausführungen über biologische Systeme bzw. neuronale Netzwerke im Nervensystem kann man im Vergleich zu komplexen technischen Systemen sagen: weil es den großen Unterschied zwischen der „hardware“ und der „software“ gibt, kann man das eine nicht durch das andere bestimmen, weil hier – so wie in einem technischen System – zwischen den einzelnen Elementen der hardware unterschiedliche Verbindungen möglich sind bzw. diese unterschiedlich angesteuert/unterschiedlich programmiert/unterschiedlich in Gang gesetzt werden können.

Deswegen ist und bleibt der Begriff neuronales Netzwerk ein physisch nicht überprüfbares Konzept bzw. der Begriff einer bloßen Ideen die als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person als der Begriff der Idee erscheint eine Einheit die nicht physisch bestimmt werden kann (vgl. mit Kant Zitat 7 und mit Kant Zitat 8).

Es ist der Begriff neuronales Netzwerke also ein regulativer Begriff bzw. ein regulatives Prinzip (Anmerkung:-> Prinzip) das durchaus nützlich ist, falls man es angemessen/richtig verwendet um dadurch der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit nachzugehen. Dabei sollte man aber die Grenzen des dadurch erlangten Wissens nicht aus den Augen verlieren (vgl. mit Kant Zitat 2a).

Neuronale Netzwerke unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet:

Man kann, wie bereits oben dargestellt neuronale Netzwerke aus unterschiedlicher Sicht bzw. aus unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachten.

Aus der Sicht der Psychologie sind neuronale Netzwerke „Strukturen“ oder man kann auch sagen begriffliche Einheiten – also in gewisser Hinsicht diagnostische Einheiten – die es ermöglichen das Seelenleben durch diese Begriff respektive Worte im Hinblick auf die Funktion des Nervensystems zu erklären. Die unterschiedlichen neuronalen Netzwerke befähigen uns etwa zum Denken, zum Fühlen, zur körperlichen Empfindung, zum Merken und damit zum psychischen Phänomen des Gedächtnisses usf.

Aus der Sicht der Psychiatrie (biologischen Psychiatrie und Forensischen Psychiatrie) kann man psychische Eigenheiten – etwa solche wie sie sich in Form der unterschiedlichen Persönlichkeiten und deren Varianten im Rahmen der Persönlichkeitsstörungen manifestieren als Folge der unterschiedlichen neuronalen Netzwerke verstehen und biologisch begründet erklären. Des weiteren kann man das Auftreten von gewissen psychischen Störungen etwa das der psychischen Störungen vom Typ der Schizophrenie als Folge von neuronalen Funktionsstörungen einerseits als Folge der Störungen an gewissen Rezeptoren erklären und im Hinblick auf die anhaltende Wesensänderung in gewissen Fällen als Folge einer mehr oder weniger ausgeprägten Änderung an den neuronalen Strukturen respektive den neuronalen Netzwerken. Man denke an die psychopathologischen Begriffe Residualzustand, Affektverarmung, Versandung, chronisch-paranoide Psychose, Katatonie usf. Man kann durch den Begriff neuronales Netzwerk also nicht nur Veränderungen auf der Ebene des Körpers sondern auch in Bezug auf die Psyche und den Geist der Person erklären und verstehen – sowohl in Rahmen der Gesundheit bzw. der normalen Funktion und Entwicklung, wie auch im Rahmen der gesundheitlichen Störung bzw. Krankheit respektive der Funktionsstörung inklusive den psychischen Störungen. So kann man etwa das Phänomen das man als demenzielle Entwicklung oder als Demenz bezeichnet als Folge von gravierenden Veränderungen in gewissen neuronalen Netzwerken erklären. Oder man kann neurobiologisch betrachtet das Phänomen das man als Degeneration des Nervensystems in Teilbereichen (etwa bei der Parkinsonkrankheit) oder in großen diffusen Bereichen, wie bei der Alzheimerkrankheit beobachtet, durch derartige Strukturveränderungen auf der Ebene des Nervensystems erklären.

Aus Sicht der Psychosomatik kann man mit Hilfe des Begriffs neuronales Netzwerk in Verbindung mit dem Begriff Neuroplastizität verstehen wie es etwa im Rahmen einer lang anhaltenden Essstörung vom Typ einer Anorexie zu körperlichen und psychischen Veränderungen kommt, die einer therapeutischen Einflussnahme nur beschränkt zugänglich sind bzw. die hier langzeitmäßige Unternehmungen erfordern um die Natur bzw. die Entwicklung in die positive Richtung zu fördern.

Aus der Sicht der Neurologie versteht man z. B. durch den Begriff neuronales Netzwerk die Funktion des pyramidal-motorischen Systems als Funktionseinheit gegenüber dem des extra-pyramidal motorischen Systems. Oder die neurologische Störung Parkinson-Syndrom nach Neuroleptika Einnahme kann man als Folge der reversiblen Einwirkung dieser Medikamente auf gewisse neuronale Netzwerke verstehen. Hingegen kann man die anhaltende Bewegungsstörung wie sie bei der Parkinsonkrankheit vorkommt und durch gewisse andere Medikamente teilweise gebessert werden kann durch eine andere Kausalität verstehen und erklären.

Aus der Sicht des Sports und des sportlichen Wettkampfs weiß man dass neben dem Talent die frühe, zeitgerechte Förderung, das regelmäßige Training unabdingbare Voraussetzungen für die optimale Entwicklung und Förderung der Fähigkeiten sind. Und man denke in diesem Zusammenhang etwa an die Leistungen die von Artisten im Zirkus erbracht werden, die nur mit Hilfe des Begriffs neuronales Netwerk im Hinblick auf die Leistungen von Seiten des Nervensystems biologisch verständlich erklärt werden können.

Aus der Sicht des Yoga und der Meditation weiß man, dass ebenfalls die regelmäßige Praxis und Übung wesentlich sind um sowohl in Bezug auf die mentale Entwicklung wie auch die körperliche Entwicklung im Rahmen der Durchführung der Asanas und zur Entwicklung des Bewusstseins wesentlich sind und man kann dies durch den Begriff Entwicklung der neuronalen Netzwerke in Verbindung mit dem Begriff Neuroplastizität biologisch verstehen usf.

Letztlich kann man also aus sehr vielen Perspektiven und Blickwinkeln den Begriff neuronales Netzwerk betrachten und in diversen Wissenschaften Sachverhalte systematisch untersuchen und studieren und dabei davon ausgehen, dass es so etwas wie neuronalen Netzwerke als abgegrenzte Natureinheiten gibt, die all diese Leistungen und deren Entwicklung auf Grundlage Neuroplastizität bzw. in Form der unterschiedlichen Lebewesen ermöglichen.

Abschließend kann man also sagen, dass der Begriff neuronales Netzwerk teils für die Charakterisierung einer biologischen Einheit und damit für eine physische Einheit im Sinne einer faktischen Einheit verwendet wird, und andererseits für eine Funktionseinheit, die nur durch den Begriff der Idee bzw. nur durch die systematische Einheit der Idee erfasst werden kann (vgl. mit Kant Zitat 7). Demgemäß soll man den Begriff je nach Fall und Sachverhalt flexibel verwenden und sich dabei bewusst sein, dass damit meist ein regulativer Begriff im Sinne von Immanuel Kant gemeint ist um den Zusammenhang der klinischen Erscheinungen durch diese Entität zu erklären.

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Weiteres * zur Relation der Psyche zum Körper – untersucht und dargestellt auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant – in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 13.05.2020, abgelegt unter: Begriff, Biologie, denken, Entwicklung, Erkennen, Funktionsstörung, Geist, Gesundheit, Heilkunde,Konzept, Medizin, Nervensystem, Neurologie, neuronale Muster, Philosophie, Psyche, Psychiatrie, biologische Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychose, Psychosomatik, regulatives Prinzip, Schizophrenie, Struktur, Theorie, Ursache, Wissenschaft, Forensische Psychiatrie.)

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