Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Überlegung

Die Überlegung ist das Vergleichen der Vorstellungen auf der Ebene der Ideen durch das Denken.

Demgemäß beruht die Überlegung auf dem persönlichen Verstand und der Vernunft.

Bildlich gesprochen ist das Überlegen das „Übereinanderlegen“ von Vorstellungen und letztlich das Entscheiden / Urteilen welche Vorstellung in welchem Ausmaß zutreffend ist.

Das Überlegen beruht somit auf einem Urteil.

Es wird beim Überlegen nämlich entschieden, ob eine Vorstellung richtig oder falsch ist wenn es um ein Faktum bzw. um eine faktische Einheit geht. Oder es wird beim Überlegen entschieden, ob die Vorstellung bzw. die Idee richtig oder falsch ist bzw. mehr oder weniger zutreffend ist, wenn es um eine systematische Einheit geht. In diesem Fall führt die Überlegung dazu, dass die überlegende Person erkennt, dass die eine Überlegung bzw. Entscheidung plausibel bzw. plausibler ist, wohingegen dies für die andere Überlegung nicht bzw. nicht in diesem Ausmaß zutreffend ist (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9a). Die eine Art von Überlegung wird also durch die Plausibilität entschieden, die andere durch die Faktizität.

Man kann also auch sagen: das Überlegen beruht auf dem Denken und damit auf der Kognition und es ist dies eine Leistung des Geistes der Person. Man kann also auch sagen: das Überlegen ist eine Leistung der Psyche der Person und es beruht daher das Überlegen auf dem Denkvermögen bzw. dem Verstand und der Vernunft der überlegenden Person.

Die Überlegung ist also das Vergleichen von verschiedenen Ideen auf der Ebene der Ideen, wenn es sich um begrifflich benennbare Vorstellungen handelt, um auf dieser Grundlage zu entscheiden was zutreffend ist.

Eine Überlegung kann mehr oder weniger kritisch sein; und sie kann mehr oder weniger gründlich sein. Man kennt daher den Begriff der gründlichen Überlegung bzw. den Begriff der reiflichen Überlegung und man kennt in diesem Zusammenhang auch den Begriff der vernünftigen Überlegung, die sowohl kritisch und auch gründlich ist, weil sie alles berücksichtigt.

Die vernünftige Überlegung ist in diesem Sinn die Grundlage der vernünftigen Handlung.

Das Überlegen ist im Leben praktisch ständig erfordert. Man sollte einen Sachverhalt reiflich überlegen bevor man zur Handlung schreitet. Man kennt in diesem Zusammenhang den Begriff der reiflichen Überlegung.

Man sollte also die Dinge und die Sachverhalte in allen Lebenslagen, somit in der Praxis, in der Theorie, in der Wissenschaft und überhaupt in allen Bereichen reiflich bedenken, bevor man sich für etwas entscheidet und etwas tut.

Dies gilt auch für die Medizin und für die Psychiatrie (Psychologie), insbesondere dann wenn man vor einer wichtigen Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen steht. Dies gilt also wenn man zum Beispiel wegen einer gesundheitlichen Störung vor der Frage einer Indikation steht, die mit weitreichenden Konsequenzen verbunden ist. In einem solchen Fall sollte man besonders gründlich über die möglichen Konsequenzen und Risiken nachdenken bevor man sich entscheidet.

Zu nennen sind hier insbesondere Entscheidungen vor einer Operation, einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder einer sonstigen Therapie die weitreichende Konsequenzen zur Folge hat.

Natürlich sollte die kritische Überlegung auch in anderen Bereichen nicht zu kurz kommen und es lohnt sich im Alltag überhaupt und in allen Lebenslagen gemäß der Wichtigkeit reiflich über Sachverhalte und die Dinge gemäß dem Ausspruch von Graciàn nachzudenken. (-> Gracian Zitat)

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(letzte Änderung 23.11.2019, abgelegt unter Begriff, Beweis, Definition, denken, Diagnostik, Diagnostizieren, Dialektik, Erkennen, Erkenntnis, Erklären, Forensik, Forensische Psychiatrie, Gedächtnis, Geist, Gutachten, Idee, Kausalität, Kognition, Konzentration, Konzept, Kreativität, Kunst, Lernen, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Norm, normal, Objekt, Objektivierung, Objektivität, Operationalisierung, Phänomen, Philosophie, Prognose, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie, Psychotherapie, Realitätswahrnehmung, Rechtsprechung, Relativität, Sicht, Subjektivität, Ursache, Urteil, Validierung, Verlauf, Vernunft, Verstehen, Wahn, Wahrscheinlichkeit, Wissen, Wissenschaft, Wort)

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