Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Kausalitätskette

Eine Kausalitätskette ist eine Kette, die den Zusammenhang der Glieder der Kette gemäß der Relation der Ursache mit der hervorgerufenen Wirkung aufzeigt.

Dabei beruht die Kausalitätskette auf der Vorstellung die die Person entwickelt hat, die diesen Zusammenhang durch dieses geistige Bild erkannt hat.

Auf Grundlage der Kausalitätskette kann man nämlich diesen Zusammenhang rational begründet erklären bzw. kann man diesen dadurch nachvollziehbar verstehen.

Man kann auch sagen: durch die Kausalitätskette kann man den Zusammenhang der Glieder der Kette logisch (vgl. mit Kant Zitat 9a) begründet und daher plausibel verstehen und erklären. Im konkreten Fall entscheidet hier also die Plausibilität welche Argumentation die treffendste ist.

Man kann daher auch sagen: die Kausalitätskette ist die Kette, die den Zusammenhang der einzelnen Argumente – die hier die Glieder der Kette sind – gemäß der Kausalität aufzeigt.

Ebenso kann man sagen, dass man gemäß der Kausalitätskette den Sinn der Argumentation verstehen kann.

Eine Kausalitätskette kann sich auf Glieder bzw. auf Einheiten beziehen, die man auf der „Ebene der Objekte“ demonstrieren kann, dann handelt es sich um einen Zusammenhang den man faktisch begründet aufzeigen und durch die Kausalitätskette verstehen, erklären und auf dieser Grundlage beweisen kann.

In anderen Fällen findet man keine faktischen Glieder/Einheiten dieser Kette, sondern handelt es sich dabei um Ideen (Vorstellungen), die in Form der Begriffe der Ideen im Bewusstsein der erkennenden Person erscheinen und hier nach dem Vergleich und Gewichten der Ideen die zutreffende systematische Einheit aufzeigen und dadurch die Kausalitätskette durch die Plausibilität beweisen (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 8).

Man kann also manch einen Kausalzusammenhang durch die Demonstration etwa im Experiment beweisen – falls immer wieder dieselbe Abfolge von physischen (physikalischen, physiologischen, biologischen usf.) Phänomenen/Befunden objektiv gültig demonstriert werden kann, weil man in diesem Fall den Sachverhalt auf der „Ebene der Objekte“ allgemein gültig beweisen kann. In diesem Fall handelt es sich beim erlangten Wissen um allgemein gültiges Wissen das sich auf ein Erfahrungsurteil gründet.

In anderen Fällen handelt es sich um nur subjektiv gültiges Wissen, weil hier der Zusammenhang durch ein Wahrnehmungsurteil im Sinne von Immanuel Kant erkannt wird.

Man kann auch sagen: die Kausalitätskette kann im zuerst genannten Fall auf eine faktische Einheit zurückgeführt werden und es handelt sich sodann um Wissen das durch Fakten bewiesen wird bzw. ist dies objektives Wissen. Daher gibt es hier einen allgemein gültigen Beweis.

Im zweit genannten Fall ist dies nicht möglich, weil hier die Erkenntnis/das Urteil sich auf subjektives Wissen gründet bzw. ist dies Wissen das auf einem Wahrnehmungsurteil beruht. Man kann auch sagen: es ist dies nur subjektiv gültiges Wissen und daher ein nur subjektiv gültiger Beweis.

Man kann in diesem Fall die Kausalitätskette also nur durch die systematische Einheit der Idee erkennen (und begründen), falls man die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Hier kann man den Beweis nur durch das Vortragen der Argumente in ihrer Sequenz – also nur durch die lediglich mental nachvollziehbare Kausalitätskette begründen. Dies bedeutet: es kann hier der Beweis nur auf der „Ebene der Ideen“ geführt werden – und es ist dies daher ein nur subjektiv gültiger Beweis.

Das erlangte Wissen ist hier also entweder vom Grad einer (fachlichen) Meinung oder vom Grad des (fachlichen) Glaubens – weil das Wissen sich auf das subjektiv gültige Fürwahrhalten gründet (vgl. mit Kant Zitat 9)  – wohingegen im zuvor genannten Fall das Wissen vom Grad der Gewissheit ist. (Beispiel: ein Sachverständiger begründet in seinem Gutachten bei Gericht den Sachverhalt durch die Demonstration von Fakten. In einem anderen Fall durch die vorgetragene Kausalitätskette – die für das Gericht/die Geschworenen/die Schöffen – im Vergleich zu einer anderen Kausalitätskette – mehr oder weniger plausibel erscheint. Hier kann der Zuhörer also nur auf der „Ebene der Ideen“ – durch den Vergleich und das Gewichten der Ideen – respektive durch das Ponderieren der Ideen (Immanuel Kant) herausfinden, welche Argumentation für ihn passend erscheint bzw. ihn persönlich am meisten überzeugt.

Kurz: manches kann auf der „Ebene der Objekte“ durch Fakten begründet demonstriert werden, anderes kann nur auf der „Ebene der Ideen“ durch vorgetragene Argumente bzw. nur durch scheinbare Evidenz – oder man kann auch sagen: durch mehr oder weniger einleuchtende Evidenz begründet werden (vgl. mit Kant Zitat 7).

Im einen Fall kann man also den Zusammenhang bzw. die Kausalitätskette allgemein gültig beweisen/bestimmen – eine solche Kausalitätskette wird auf Grundlage von objektiver Evidenz erkannt. Im anderen Fall, wenn die Kausalitätskette auf Argumenten beruht, kann diese nur auf der Grundlage von subjektiver Evidenz erkannt werden. Man kann hier den Sachverhalt also nur durch das eigene Denken bzw. nur durch die vernünftige Überlegung prüfen.

Während manch ein kausaler Zusammenhang physisch überprüfbar ist, ist dies in anderen Fällen nicht möglich, und kann die befasste Person diesen nur durch den eigenen Verstand und durch die eigene Vernunft prüfen.

In einem solchen Fall handelt es sich um Wissen das auf einer Theorie / einem Konzept beruht. Man kann auch sagen es handelt sich hier um Wissen das auf einem Modell beruht durch das man den Zusammenhang der Dinge/Erscheinungen durch die vorgeführte Kausalitätskette erklären und verstehen kann.

In der Wissenschaft, insbesondere in der Naturwissenschaft (in der Biologie, Physik, Chemie, Biochemie usf.) kann man die verschiedensten Kausalitätsketten aufzeigen. Desgleichen kann man in der Medizin und auch in der Psychiatrie (Psychologie) und Psychotherapie verschiedene Kausalitätsketten aufzeigen und studieren.

Dabei kann man die Kausalitätsketten zum Teil im Experiment beweisen, wohingegen man sie in anderen Fällen nicht beweisen, sondern nur durch eine Theorie bzw. durch ein Modell erklären kann. Auf jeden Fall kann man damit aber den Zusammenhang verstehen und erklären.

Zum Schluss noch dies:

Der Begriff Kausalitätskette setzt sich aus dem Begriff Kausalität und dem Begriff Kette zusammen.

Der Begriff Kausalkette setzt sich aus den Begriffen kausal – und dem Begriff Kette zusammen.

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Weiteres zum Thema der Kausalität in der Psychiatrie und Forensischen Psychiatrie in meinem Vortrag, gehalten an der 23. Tagung Forensische Psychiatrie, 2. Dez. 2016, in Wien, Oberster Gerichtshof, Justizpalast

als PDF Datei

Grundsätzliches zum Begriff der Wahrscheinlichkeit und Prognose in der Forensischen Psychiatrie

Programm der Tagung als PDF Datei

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und in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 31.08.2020, abgelegt unter Begriff, Beweis, Definition, Kausalität, philosophische Begriffe, Urteil, Gutachten, Wissenschaft)

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