Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Kant Zitat 7 : Gegenstand schlechthin – Gegenstand in der Idee

„Es ist ein großer Unterschied, ob etwas meiner Vernunft, als ein Gegenstand schlechthin, oder nur als ein Gegenstand in der Idee gegeben wird. In dem ersteren Falle gehen meine Begriffe dahin, den Gegenstand zu bestimmen; im zweiten ist es wirklich nur ein Schema, dem direkt kein Gegenstand auch nicht einmal hypothetisch zugegeben wird, sondern welches nur dazu dient, um andere Gegenstände, vermittelst der Beziehung auf diese Idee, nach ihrer systematischen Einheit, mithin indirekt uns vorzustellen.“ (Ende des Zitats)

Zitat aus Band IV, Gesammelte Werke, Immanuel Kant: “Kritik der reinen Vernunft”, Transzendentale Dialektik, Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik der menschlichen Vernunft, Seite 583, Suhrkamp, Taschenbuchausgabe, herausgegeben von Wilhelm Weischedel, 1. Auflage 1974, ISBN  3-538-27653-7

(Kant Zitat 7 neue Version publiziert 15.8.2009)

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Wenn Sie, im von Google digitalisierten Werk in sechs Bänden von Immanuel Kant, herausgegeben von Wilhelm Weischedel nachsehen wollen, um dort das Zitat im Zusammenhang mit dem Text zu sehen, so finden Sie dieses dort auf der Seite 583 – über dieses Link.

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Anmerkung zum Kant Zitat:

Es macht tatsächlich einen großen Unterschied ob mir etwas auf der „Ebene der Objekte“ oder nur auf der „Ebene der Ideen“ als Gegenstand in der Idee und daher nur als der Begriff der Idee als systematische Einheit der Idee gegeben wird.

Im zuerst genannten Fall kann ich das Erkenntnisobjekt, weil dies ein Objekt, ein Faktum oder eine Tatsache ist – und dies daher eine faktische Einheit ist, objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen.

Im zweit genannten Fall kann ich das Erkenntnisobjekt nur durch den Begriff der Idee erkennen, der als systematische Einheit der Idee in meinem Bewusstsein erscheint, wenn ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasse. Daher kann ich diese Einheit die hier nur eine systematische Einheit ist nur subjektiv gültig erkennen und bestimmen.

Im einem erst genannten Fall erkenne ich das Erkenntnisobjekt augenscheinlich evident, weil es mir tatsächlich gegeben ist, wohingegen im zweit genannten Fall erkenne ich das Erkenntnisobjekt nur scheinbar evident bzw. nur einleuchtend evident, weil es mir nur als der Begriff der Idee und daher nur als Gegenstand in der Idee gegeben ist.

Daher ist eine solche Erkenntnis nur subjektiv gewiss und es handelt sich damit um beschränktes Wissen das nur mehr oder weniger gültig ist. Oder ich kann auch sagen: das Wissen ist nur relativ gültig, nämlich relativ in Bezug auf die angewandte Idee.

Dies gilt für alle Bereiche des Wissens, somit für die Praxis, die Theorie und auch für die Wissenschaft. Es gilt dies z. B. für die Naturwissenschaften, für die Geisteswissenschaften und die anderen Wissenschaften. Es gilt dies etwa für die Medizin, die Psychiatrie, die Psychologie, die Soziologie, die Rechtsprechung, die Politik, das Finanzwesen, das Bankenwesen, die Ökonomie usf.

Weil dieses Zitat die Grundlage der Erkenntnis aufzeigt und sich aus diesem Unterschied in der Erkenntnisbasis der große Unterschied im Wissen ergibt kann man das Zitat als „Wurzel-Zitat* bezeichnen.

Weiteres* dazu in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 03.12.2020, abgelegt unter: Zitate, Philosophie)

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