Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Beweis

Der Beweis ist die Darlegung der Richtigkeit.

Die Person die den Beweis vorführt strebt danach die Wahrheit aufzuzeigen. Falls der Beweis sich auf Fakten gründet und damit objektiv gültig bzw. allgemein gültig ist – ist auch die Demonstration der objektiven Befunde möglich. Im anderen Fall mag die Person, die den nur subjektiv gültigen Beweis vorführt von der Richtigkeit zwar als Subjekt überzeugt sein, also an das Zutreffen ihres Beweises glauben – es handelt sich hierbei allerdings nur um ein subjektives Fürwahrhalten (vgl. mit Kant Zitat 9) bzw. ist dies eben nur ihr (fachlicher) Glaube (etwa die Sichtweise des Sachverständigen bei Gericht, der einen nur subjektiv gültigen Beweisgrund vorführt) – oder falls die Person nicht gänzlich davon überzeugt ist, ist diese ihrer (fachliche) Sichtweise eine (fachliche) Meinung.

Der Beweis ist demgemäß durch die Vorführung von Beweismitteln um die Verifikation oder die Falsifikation bemüht.

Dabei überzeugt der Beweis entweder durch die Demonstration – und es handelt sich sodann um Gewissheit – die für jedermann gültig ist,  oder der Beweis gründet sich auf eine Idee bzw. er wird durch die Argumentation geführt – weil der Beweis entweder auf der Ebene der Objekte – man kann auch sagen auf der Ebene der Fakten geführt wird, oder weil er auf der Ebene der Ideen durch den Zusammenhang der vorgetragenen Argumente geführt wird.

Es wird der Beweis also entweder auf der „Ebene der Ideen“ oder aber auf der „Ebene der Objekte“ geführt und in diesem Fall ist die Demonstration möglich.

Demgemäß gründet sich der Beweis entweder auf ein Erfahrungsurteil oder auf ein Wahrnehmungsurteil im Sinne von Immanuel Kant.

Falls ein Beweis nur auf der „Ebene der Ideen“, also nur auf der Ebene Vorstellungen durch die Argumentation geführt werden kann, dann handelt es sich um einen philosophischen Beweisansonsten um einen faktischen Beweis.

Man kann daher auch sagen: falls der Beweis auf der Ebene der demonstrierbaren Tatsachen bzw. auf der Ebene der vorführbaren Objekte auf der Grundlage von objektiver Evidenz geführt werden kann, dann handelt es sich um einen objektiv gültigen Beweis.

Solange ein Beweis nur durch Argumente und daher nur auf der „Ebene der Ideen“ (vgl. mit Kant Zitat 7) vorgeführt werden kann, beruht er auf subjektiver Evidenz und er ist daher nur subjektiv gültig

Nur falls der Beweis auf der Ebene der Vorstellungen und auf der Ebene der Tatsachen durch die Demonstration überzeugt, nur dann ist er subjektiv und auch objektiv gültig.

Im zuletzt genannten Fall gründet sich der Beweis nämlich auf ein Objekt bzw. auf ein Faktum, das in der Anschauung demonstriert werden kann und in Bezug auf das alle Urteile untereinander übereinstimmen (vgl. mit Kant Zitat 9).

Ein Beweis kann also objektiv gültig sein, oder er kann nur für das Subjekt gültig sein, das heißt, dass er in diesem Fall nur subjektiv gültig ist (vgl. mit Kant Zitat 9).

Beweis in der Psychiatrie (Forensischen Psychiatrie):

Ein psychischer Befund und somit auch ein psychiatrischer Befund ist in einem Gerichtsverfahren ein nur subjektiv gültiges Beweismittel, wohingegen ein Röntgenbefund der z.B. den Knochenbruch zeigt, ein objektives Beweismittel im Hinblick auf den Knochenbruch ist. In diesem Sinn wird in der Rechtsprechung ein Sachverhalt auf der Grundlage eines Sachverständigenbeweises entschieden.

Ein psychischer Befund und ebenso ein psychiatrischer Befund ist nur mehr oder weniger einleuchtend zutreffend, und er ist daher nur mehr oder weniger einleuchtend evident, das heißt, er ist nur auf der Ebene der Vorstellungen (einleuchtend) gültig, nicht jedoch auf der Ebene der Tatsachen, weil er auf einer solchen Ebene gar nicht geführt werden kann. Im Gegensatz dazu ist der zuvor genannte Röntgenbefund objektiv gültig, da er sich auf ein reales Objekt gründet (vgl. mit Kant Zitat 9).

Im einen Fall handelt es sich also um subjektive Evidenz und im anderen Fall um objektive Evidenz.

Es ist also ein objektiver Beweis auf der Ebene der Vorstellungen gültig und auf der Ebene der Tatsachen gültig.

Für einen subjektiven Beweis genügt es falls er auf der Ebene der Vorstellungen, also auf der Ebene der Argumente gültig ist. Man kann auch sagen: für den subjektiven Beweis genügt es, falls er auf der Ebene der Ideen/Vorstellungen überzeugt.

Philosophisch bzw. erkenntnistheoretisch gesprochen gründet sich ein Beweis also auf die Übereinstimmung der Ideen und in gewissen Fällen auf die Übereinstimmung der Ideen auf Grundlage eines Objekts (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9).

Falls ein Beweis objektiv und daher allgemein gültig ist, dann ist objektive Evidenz gegeben. Falls er nur für das Subjekt gültig ist, dann ist nur subjektive Evidenz gegeben.

Was in der Anschauung objektiv bewiesen werden kann, ist allgemein gültig bzw. objektiv gültig.

Man kann auch sagen: Was in der Anschauung demonstriert werden kann, ist objektiv bzw. allgemein gültig.

Was nur auf der Ebene der Vorstellungen/Ideen einleuchtend evident erscheint – bzw. einleuchtend und daher plausibel erscheint bzw. plausibel erklärt werden kann, ist nicht unbedingt für jedermann einleuchtend evident, bzw. ist ein solcher Beweis kein allgemein gültiger Beweis, sondern ein nur subjektiv gültiger Beweis.

Zum Beispiel kann etwas in der Geometrie oder in der Mathematik allgemein gültig bewiesen werden. Man kann zum Beispiel in der Anschauung demonstrieren, dass die 3 Winkel eines Dreiecks insgesamt 180 Grad haben, oder man kann in der Anschauung demonstrieren dass 2 Äpfel  und 3 Äpfel gleich 5 Äpfel sind.

In der Medizin kann man z.B. beweisen, dass eine Leberentzündung mit einer Erhöhung der Leberenzymwerte einhergeht, oder, dass ein Herzinfarkt zur Erhöhung von spezifischen Enzymwerten im Blut führt. Daher kann man eine Verdachtsdiagnose auf „Leberentzündung“, oder eine Verdachtsdiagnose auf „Herzinfarkt“ überprüfen und gegebenenfalls durch die jeweiligen Laborparameter beweisen. In einem solchen Fall ist die medizinische Diagnose, die vorerst nur eine fragliche Verdachtsdiagnose war durch das Vorführen der Fakten bewiesen worden. Das heißt in diesem Fall war die Objektivierung möglich.

In der Psychiatrie kann man nicht beweisen, dass ein Patient z.B. unter Schizophrenie leidet wenn das klinische Erscheinungbild nicht typisch ist, und zwei Fachleute unterschiedlicher Meinung sind, dann kann nicht die eine Fachperson der anderen Fachperson durch irgendeinen (physischen) Beweis, durch einen biologischen Parameter beweisen, dass seine Diagnose „richtig“ ist. Ein solcher Beweis ist in der Psychiatrie grundsätzlich nicht möglich, weil eine psychiatrische Diagnose auf der Grundlage von psychischen Phänomenen festgestellt wird und psychische Phänomene bzw. psychopathologische Phänomene nur als mentale Erkenntnisobjekte im Bewusstsein der erkennenden Person erscheinen. Dies ist in der Rechtsprechung und damit in der Forensischen Psychiatrie im Hinblick auf die Aussagekraft eines psychiatrischen Gutachtens zur Beurteilung einer psychischen Störung von großer Bedeutung. In der Psychiatrie und somit auch in der Forensischen Psychiatrie gibt es im Hinblick auf das Zutreffen der psychiatrischen Diagnose nur einen philosophischen Beweis.

Das heißt in der Psychiatrie (auch in der Psychologie und Psychotherapie) kann man nur auf der Ebene der Vorstellungen durch den Vergleich von Ideen argumentieren bzw. erklären und subjektiv gültig argumentieren, warum man zu dieser, oder zu jener fachlichen Sichtweise gelangt bzw. zu dieser oder jener  psychiatrischen Diagnose als Sachverständiger in einem psychiatrischen Gutachten gelangt.

Im Gegensatz dazu kann in der Medizin bei einem Teil der medizinischen Diagnosen auf der Grundlage von physischen Parametern bzw. auf der Grundlage von physischen Objekten das heißt auf der Grundlage von objektiven Befunden bzw. physischen Tatsachen, der objektive Beweis erbracht werden, dass die Diagnose zutreffend ist und damit objektiv gültig bzw. allgemein gültig ist.

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(letzte Änderung 23.11.2019, abgelegt unter: Beweis, Definition, Gutachten, philosophische Begriffe, Philosophie)

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