geistiges Bild

Ein geistiges Bild ist eine Bild das als Vorstellung infolge der Aktivität des Geistes im Bewusstsein der denkenden Person entsteht.

Dieses geistige Bild das infolge der Aktivität des Geistes der Person in ihrem im Bewusstsein erscheint beruht auf einer Idee.

Je nach Orientierung der Person erkennt diese im gegenwärtigen Moment ein geistiges Bild bzw. eine Idee, die sich auf das eigenen Innere bezieht, oder sie erkennt im gegenwärtigen Moment ein geistiges Bild bzw. eine Idee, die sich auf das Äußere – auf die äußere Welt bezieht.

Demgemäß kann man bei einer Person eine Innenorientierung von einer Außenorientierung unterscheiden.

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Beziehungsweise ist in diesem Sinn ein geistiges Bild bzw. eine Idee auf das eigene Innere gerichtet oder auf das Äußere – auf das Äußere in der Welt.

Unter einem anderen Blickwinkel betrachtet kann man sagen, dass sich die Idee, die gegenwärtig im eigenen Bewusstsein erscheint bzw. präsent ist auf das eigene Innenleben gerichtet ist oder auf das äußere Geschehen in der Welt.

In diesem Sinn findet man eine dialektische Zweiteilung der geistigen Bilder bzw. der Ideen, insofern die einen nach Innen gerichtet sind, die anderen nach Außen.

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Geistiges Bild – eine Vorstellung die im Bewusstsein erscheint:

In Bezug auf den Geist der Person ist das geistige Bild eine Vorstellung die im Bewusstsein der Person erscheint.

Dabei kann die Vorstellung – dialektisch gegliedert – auf das Äußere oder auf das Innere gerichtet bzw. orientiert sein.

Man kann also sagen dass das geistige Bild als Vorstellung in Folge der Aktivität des Geistes der Person in ihrem Bewusstsein entsteht bzw. erscheint, falls diese über eine Sache oder einen Sachverhalt denkt bzw. nachdenkt.

In Bezug auf den Geist einer Gesellschaft, ist dies das geistige Bild das im Bewusstsein der einzelnen Personen dieser Gesellschaft in ihren Vorstellungen erscheinen, falls diese über eine bestimmte Sache oder über einen bestimmten Sachverhalt infolge der ihnen vorliegenden Informationen denken bzw. nachdenken.

Man kann also festhalten, dass ein geistiges Bild ist ein inneres Bild ist, das als Vorstellung infolge der Aktivität des Geistes der einzelnen Person infolge der ihr vorliegenden Informationen und Überlegungen in ihrem Bewusstsein erscheint.

Ebenso kann man sagen, dass ein geistiges Bild ein inneres Bild ist, das durch den mentalen Prozess im Bewusstsein der (denkenden) Person als Begriff der Idee entsteht, falls es sich um ein begrifflich benennbares geistiges Bild handelt.

In einem derartigen Fall entsteht das geistige Bild als der Begriff der Idee der als die systematische Einheit der Idee in ihrem Bewusstsein erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7).

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Dabei kann das geistige Bild als Folge der Sinneswahrnehumg bzw. infolge von Sinneseindrücken und persönlichen Überlegungen im Bewusstsein der Person entstehen.

Es kann sich also z. B. um ein sinnlich – bzw. um ein visuell – wahrnehmbares Gewebebild handeln, wie es etwa im histopathologischen Schnitt vom Histopathologen im Mikroskop optisch gesehen wird, oder vom Histologen im normalen histologischen Schnitt in der Medizin in einem mikroskopischen Bild gesehen wird.

Oder es ist dies ein rein geistiges Gebilde das als Inhalt einer Idee im Bewusstsein der erkennenden Person als der Begriff der (bloßen) Idee entsteht, falls diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

In diesem Fall handelt es sich um die systematische Einheit der (bloßen) Idee, die durch das (reine) Denken entsteht (vgl. mit Kant Zitat 7).

Es entsteht in diesem Fall also das rein geistige Bild durch den mentalen Prozess im Bewusstsein der denkenden Person, im erst genannten Fall im Zusammenhang mit sichtbaren Erkenntnisobjekten auf Grundlage von Sinneswahrnehmungen, im zweit genannten Fall allein aufgrund der (reinen) Vorstellung, die im Bewusstsein der erkennenden/denkenden/überlegenden Person als die systematische Einheit der Idee respektive (der bloßen Idee) bzw. als der Begriff der bloßen Idee in ihrem Bewusstsein entsteht bzw. erscheint.

Und deswegen kann ich dieses Ganze, falls es sich um eine begrifflich fassbare Einheit handelt, nur durch die systematische Einheit der Idee erkennen, wenn ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasse (vgl. mit Kant Zitat 7).

Deswegen kann man auch sagen, dass in diesem Fall das rein geistige Bild als der Begriff (der bloßen Idee) im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint.

Und es schreibt daher der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers zurecht, dass ich das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann, sondern, ich kann mich diesem Ganzen (als Idee) durch das Schema (der Idee) nur nähern (vgl. mit Jaspers Zitat).

Zum Beispiel wird ein Typus in der Diagnostik oder sonst ein Ideal durch ein (rein) geistiges Bild erkannt.

Es handelt sich hier beim erlangten (persönlichen) Wissen also immer um subjektives Wissen das gleichzeitig auch beschränktes Wissen ist.

Dies trifft etwa auf das Wissen in der Psychologie und in der Psychiatrie zu:

In der Psychologie entwickelt zum Beispiel ein Psychologe ein (rein) geistiges Bild in Bezug auf die Psyche einer bestimmten Person, etwa im Hinblick auf deren Intelligenz wenn er bei dieser den Grad der Intelligenz durch die Durchführung gewisser testpsychologischer Untersuchungen untersucht.

Ebenso entwickelt ein Psychotherapeut/eine Psychotherapeutin ein (rein) geistiges Bild, wenn er/sie die Geschichte der Person hört und wenn im Bewusstsein eine bestimmte Vorstellung entsteht, dass in diesem Fall eine gewisse Psychotherapie sinnvoll erscheint.

Oder in der Psychiatrie bildet sich ein Psychiater ein (rein) geistiges Bild über das Ausmaß der psychischen Störung des Patienten und er bestimmt auf diesem Weg die psychiatrische Diagnose – falls eine krankheitswertige Störung der Psyche vorliegt bzw. entsprechende psychopathologische Phänomene oder der typische psychische Symptomenkomplex vorhanden ist – und er entwickelt dabei zum Beispiel die Vorstellung dass ein bestimmtes Psychopharmakon als Psycho-Pharmakotherapie hilfreich sein könnte und was sonst für eine Therapie etwa in Form einer Psychotherapie in Frage kommt.

Auch handelt es sich um ein (rein) geistiges Bild wenn ein psychiatrischer Sachverständiger in einem konkreten Fall den psychischen Befund erhebt und er in weiterer Folge seine psychiatrische Expertise bzw. sein psychiatrisches Gutachten erstattet und z. B. bei Gericht den Sachverhalt aus psychiatrischer Sicht bzw. aus fachärztlicher Sicht zum Beispiel im Hinblick auf den vorliegenden Tatbestand erläutert.

In gleicher Weise macht ein Gutachter eines sonstigen Fachbereiches sich ein (geistiges) Bild wenn er seinen gutachterlichen Befund erhebt und sein Gutachten erstattet.

Bei Gericht entwickelt ein Richter im Rahmen des gerichtlichen Prozesses sein geistiges Bild, etwa wenn er die Klage und die Argumente der Staatsanwaltschaft hört und falls er ebenso die Argumentation der Verteidigung hört, und er infolge bestrebt ist den Sachverhalt einer gewissen rechtlichen Norm (einem bestimmten Gesetz) zu subsumieren um rechtlich den Sachverhalt dadurch zu beurteilen bzw. letztlich zu sein persönliches Urteil zu entscheiden.

In der Medizin gelangt zum Beispiel ein Neurologe wenn er die Krankengeschichte eines Kopfschmerzpatienten hört zu seinem geistigen Bild und damit zu seiner Vorstellung um was für eine Form von Kopfschmerz es sich handelt (Migräne?, Spannungskopfschmerz?, Cephalea?, Clusterkopfschmerz? oder symptomatischer Kopfschmerz usf.).

Oder es gelangt sonst ein Arzt als Gutachter wenn er sein medizinisches Gutachten erstattet zu seinem geistigen Bild, falls er etwa die Unfallfolgen im Hinblick auf den Anspruch auf Schmerzengeld beurteilt.

Oder es gelangt ein Pathologie/Histopathologe beim Blick durch das Mikroskop bei der histopathologischen Beurteilung der Gewebeprobe z. B. des Schilddrüsentumors zur Vorstellung  und damit zum (sinnlich wahrnehmbaren) (geistigen) Bild, dass es sich dabei um ein papilläres Schilddrüsenkarzinom handelt.

In diesem Sinn entstehen in der Klinik der Medizin und Psychiatrie in der Diagnostik in vielen Fällen (geistige) Bilder, die teils „rein“ geistig erfasst werden, in anderen Fällen jedoch wegen faktischen Befunden auf ein Faktum zurückgeführt und dadurch objektiviert werden können (Beispiel: im Blutausstrich sind Malaria Plasmodien sichtbar). Dabei beurteilt der befasste Arzt den klinischen Sachverhalt in vielen Fällen allein auf Grundlage des klinischen Erscheinungsbildes  u(Beispiel: Migräne) weil hier keine faktischen Befunde bzw. keine objektiven Befunde vorführbar sind, in anderen Fällen können solche allerdings vorgeführt und dadurch ein allgemein gültiger Beweis geliefert werden (Beispiel: positiver Nachweis der Malaria Plasmodien), wodurch in diesem Fall die Objektivierung gelungen ist.*

Auch in anderen Bereichen des Wissens entwickeln Menschen ständig (geistige) Bilder in Bezug auf Sachverhalte – so etwa in der Soziologie, in der Politik, in der Technik, in der Biologie usf.- also in fast allen Bereichen des Wissens und daher auch in den zugehörigen Wissenschaften.

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Weiteres* dazu in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 16.02.2025, abgelegt unter: Abstraktion, Definition, denken, Diagnostik, Geist, Gutachten, Philosophie, Psyche, Psychologie, Psychiatrie, Rechtsprechung, Forensische Psychiatrie)

zuletzt pos. 1 am 29.11.2024 davor 01.04.2022

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