Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

subjektive Wahrheit

Die subjektive Wahrheit ist die Wahrheit von der das Subjekt überzeugt ist.

Man kann auch sagen: die subjektive Wahrheit beruht auf dem Fürwahrhalten (vgl. mit Kant Zitat 9).

Dabei kann die subjektive Wahrheit für die Person mehr oder weniger gültig sein.

Das heißt das Subjekt kann von dieser persönlichen Wahrheit mehr oder weniger überzeugt sein.

Falls die Person von diesem subjektiven Wissen – und damit von dieser subjektiven Wahrheit – vollkommen überzeugt ist, dann ist dies ihr (persönlicher) Glaube.

In anderen Fall, falls die Person davon nicht gänzlich überzeugt ist, dann handelt es sich dabei um ihre (persönliche) Meinung.

Die subjektive Wahrheit entsteht nämlich durch das Fürwahrhalten (vgl. mit Kant Zitat 9) der Person das im Fall des Glaubens vollkommen, hingegen im Fall der Meinung nur teilweise gegeben ist.

Die subjektive Wahrheit beruht also auf subjektivem Wissen von dem die Person mehr oder weniger überzeugt ist. Es ist dies also ein Wissen das die Person z. B. für wirklich im Sinn der persönlichen Wirklichkeit, oder für zutreffend, oder für passend, oder für angemessen hält. Man kann auch sagen, dass dies ein Wissensinhalt ist von dem die Person subjektiv (mehr oder weniger) überzeugt ist. Zum Beispiel das persönliche Wissen in Bezug auf Gott/die Transzendenz/das Göttliche das man z.B. in der Religion/in der Gesellschaft in der man aufgewachsen ist, erlangt hat.

Wie man sich überzeugt ist viel von unserem Wissen von dieser Qualität, weil viel Wissen keinen direkten Bezug zur Realität hat bzw. nicht im Hier und Jetzt am Probierstein der Erfahrung (vgl. mit Kant Zitat 10) überprüft werden kann.

Viel von unserem Wissen ist aus der Erfahrung abgeleitetes Wissen respektive ist dies ein Wissen das aus der Erfahrung abgeleiteten Ideen stammt.

Es beruht also von von unserem Wissen auf transzendentalen Ideen bzw. auf bloßen Ideen im Sinne von Immanuel Kant. Deswegen beobachtet häufig dass Menschen in Bezug auf einen Sachverhalt unterschiedliche Meinungen/Ansichten/Sichtweisen vertreten.

In diesem Sinn ist das denkende Subjekt von seinem persönlichen Wissen und damit von seiner subjektiven Wahrheit (mehr oder weniger) überzeugt, und je nachdem auch mehr oder weniger offen und aufgeschlossen gegenüber anderem persönlichen Wissen.

Man kann auch sagen: die subjektive Wahrheit beruht auf dem subjektiven Wissen das durch die vorhandene Information und eventuell auch durch die eigene Überlegung  erlangt worden ist.

Unter Umständen kann man auch sagen, dass die subjektive Wahrheit durch die vernünftige Überlegung erlangt worden ist, falls sich die erkennende Person dieses persönliche Wissen durch das kritische  Denken und Überlegen – im Sinn des Vergleichens und Ponderierens (Immanuel Kant) der relevanten Ideen erworben hat.

Die subjektive Wahrheit wird also durch subjektive Evidenz bzw. durch einleuchtende Evidenz erlangt.

Für die subjektive Wahrheit gibt es keinen allgemein gültigen Beweis, sondern es kann diese nur durch die Argumentation überzeugen. Man kann auch sagen: es ist hier nur ein philosophischer Beweis möglich.

Ebenso kann man sagen: die subjektive Wahrheit wird durch eine Idee erlangt, weil der Begriff der Idee als systematische Einheit bzw. als Gegenstand in der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, falls diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7, Kritik der reinen Vernunft, Transzendentale Dialektik, Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik der menschlichen Vernunft)

Von der subjektiven Wahrheit muss man die objektive Wahrheit unterscheiden.

Dies sollte in sämtlichen Bereichen des Wissens beachtet und berücksichtigt werden. Demgemäß sollte dies etwa im Alltag, in der Praxis, im persönlichen Kontakt und Umgang mit anderen Menschen, in der Politik, in den verschiedenen Berufen, in der Wissenschaft und auch in allen anderen Bereichen beachtet und berücksichtigt werden.

Viel von unserem persönlichen Wissen beruht auf subjektiver Wahrheit

Der Mensch wird in seine „Welt“ geboren. Dabei ist in der Regel die Mutter die erste Bezugsperson, die das erste Wissen und damit den geistigen Maßstab für die Werte liefert, manchmal trifft dies auch auf den Vater oder sonst eine Person zu. Die Ursprungsfamilie, die Teil einer Gesellschaft und damit Teil einer Kultur/einer Religionsgemeinschaft/einer Wertegemeinschaft ist, liefert also das erste persönliche Wissen und damit das primäre subjektive Wissen das für das Individuum die persönliche Norm bzw. die subjektive Norm bildet. Es liegt in der Natur der Sache begründet, dass diese primär geprägt Norm in der Regel für das weitere Leben die entscheidende ist. Alle anderen Werte werden an dieser primären Norm, an diesem primären Wissen gemessen – und es liegt auf der Hand, dass dieses primäre Wissen für die meisten Menschen das ganze Leben gültig ist, weil diese Werte nur verändert/relativiert werden, wenn die Person durch eigene Überlegung und durch eigene Überzeugung – etwa nach vernünftiger Überlegung – zu einer anderen Ansicht gelangt. Die Geschichte lehrt, dass grundlegende Veränderungen in Gesellschaften – wenn überhaupt – nur gegen massive Widerstände sich allmählich unter viel Blut und Tränen – durchsetzen konnten (Beispiel: die Aufklärung im Abendland gegen den Widerstand der Religion und anderer Interessen).

Mit anderen Worten: der Mensch ist durch die Werte und die Normen, die er in seiner frühen Kindheit vermittelt bekommen hat – in der Regel – mit den Wertmaßstäben ausgerüstet, nach denen er die Welt, die Mitmenschen und die Gesellschaften/Kulturen misst. Und wer ist nicht von seiner eigen Kultur/Gesellschaft überzeugt?

Der ursprünglich erworbene Maßstab wird in dem meisten Fällen also der bleibende Maßstab für das weitere Leben sein – damit wird deutlich, dass die subjektive Wahrheit, die der Mensch im frühen Leben erlangt/gelernt/vermittelt bekommen hat in der Regel die persönliche Wahrheit für sein weiteres Leben sein wird. Und man täuscht sich, wenn man glaubt durch sogenannte „Wertekurse“ Menschen andere Wertvorstellungen leicht vermitteln zu können, sodass diese die bisherigen ersetzen.

Wer so denkt, der denkt zu einfach. Der hat nicht realisiert welchen Stellenwert die primäre Prägung/Konditionierung/Erziehung im weitesten Sinn hat, die den Menschen im frühen leben geformt hat. Natürlich ist Lernen/Entwicklung und damit Veränderung möglich. Sobald jedoch das alte Umfeld wieder da ist, wird in aller Regel die alte Norm wieder zur gültigen subjektiven Norm und damit zur subjektiv gültigen Wahrheit – insofern sie von dieser Gesellschaft auch von allen Seiten her als die „wahre“/und einzig „richtige“ propagiert wird – auch wenn sie nur auf subjektivem Wissen beruht.

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(letzte Änderung 01.06.2020, abgelegt unter: Definition, Erkennen, Erkenntnis, Evidenz, Philosophie, Wissen, Wissenschaft)

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