Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Konditionierung

Die Konditionierung ist der Erwerb von gewissen Mustern in der Psyche.

Durch die Konditionierung kommt es zur Prägung bzw. zur Einprägung von gewissen Mustern, die für gewisse Inhalte stehen. Es entstehen auf diesem Weg für die Person z. B. typische Denkmuster oder Bewegungsmuster oder sonstige sich wiederholende Abläufe.

Dabei kann die Konditionierung absichtlich herbeigeführt werden (Beispiel: Training des Hundes in der Hundeschule) oder unabsichtlich erfolgen (Beispiel: wiederholtes Tun der Handlung führt durch die Übung, Gewöhnung zur Gewohnheit und ist so gesehen ein Resultat der Konditionierung).

Psychologisch betrachtet kommt es – je nach Gesichtspunkt – durch die Konditionierung zum absichtlichen oder unabsichtlichen Lernen.

Physiologich bzw. neurophysiologisch betrachtet kommt es durch die Konditionierung zur Entwicklung von neuronalen Mustern im Nervensystems. Es entstehen infolge der Konditionierung in den neuronalen Netzwerken also gewisse neuronale Muster die mit gewissen neuronalen Funktionen korrelieren, die ihrerseits gewisse Funktionen im Organismus, sowohl in Bezug auf die Funktion des Körpers wie auch in Bezug auf die Psyche bewirken bzw. beim Menschen auch in Bezug auf den Geist der Person zur Folge haben.

Wenn ein Lebewesen mit neuen Reizen konfrontiert wird, so kommt es zu einer Beeinflussung und im weiteren Sinn zu einer Prägung durch diese Reize. Diese Prägung bzw. diese Einprägung kann man als  Konditionierung bezeichnen. Es kommt also durch die Reize zur Ausbildung von neuronalen Mustern auf der Ebene des Nervensystems.

Oder man kann auch sagen: das Lebewesen stellt sich auf die Reize ein und es wird durch die Reize auf eine gewisse Art und Weise geprägt.

Wenn das Lernen gewollt ist, so spricht man nicht unbedingt von einer Konditionierung. Wenn der Lernvorgang jedoch unabsichtlich vor sich geht – im Sinn einer ungewollten Prägung, dann verwendet man eher den Begriff der Konditionierung. Es handelt sich sodann also um einen Lernvorgang der pathisch (erleidend) vor sich geht, ohne dass die betroffene Person dabei willkürlich auf den Lernvorgang einen Einfluss nimmt.

Bekannt ist die Beobachtung des russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow der bei Zwingerhunden bemerkte, dass diese bereits durch das näher kommen des Tierpflegers beim Hund der Speichelfluss ausgelöst worden ist, weil das Tier in Erwartung der kommenden Ereignisse wusste was jetzt geschehen wird.

Durch die Erfahrung in der Vorzeit, also durch das wiederholte Erleben des Ablaufs vor und während der Fütterung ist der Hund also konditioniert worden und hat der Hund in Erwartung der Fütterung gleichsam konditioniert reflektorisch  Speichel produziert.

In diesem Sinn können auch Menschen im Laufe ihres Lebens in vielerlei Hinsicht durch Reize und Erlebnisse geprägt bzw. konditioniert werden.

Man kann leicht einsehen, dass nicht alle Prägungen, die einer Person im Leben zu Teil werden für diese von Vorteil sind. Es kommt also nicht selten auch zu unvorteilhaften Lernprozessen bzw. Prägungen. Solche nachteiligen Lernprozesse sind beispielsweise bei der Entwicklung einer Sucht zu beobachten, jedoch auch im Rahmen von vielen anderen Erlebnissen.

In letzter Konsequenz können solche negativen Prägungen und Konditionierungen zur Ausbildung von gesundheitlichen Störungen führen.

Es können dies körperliche Störungen bzw. Krankheiten sein bei denen funktionelle Abläufe durch eine nachteilige Konditionierung zu einer funktionellen Störungen geführt haben (z.B. nervöser Reizdarm, Stress bedingte Gastritis, Stress bedingte Hautreaktionen usf.)

Bei vielen gesundheitlichen Störungen spielen derartige Gewöhnungen und Konditionierungen eine wesentliche Rolle. Man denke nur an die Esssucht, die zu Übergewicht führt, die Magersucht (Anorexie), die Brechsucht (Bulimie) usf.

Besonders bei psychischen Störungen spielen derartige Konditionierungen eine elementare Rolle. Beispielsweise genannt seien hier die Angststörungen, die Phobien, die Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, bei denen derartige nachteilige Lernprozesse eine entscheidende Rolle spielen, bereits genannt worden sind die Süchte, die Alkoholsucht, das Zigarettenrauchen, die verschiedenen Süchte bei denen Drogen konsumiert werden, die Arbeitssucht  – man kennt den Begriff des Workaholic (-> WikiBeitrag) und viele andere nachteilige Gewohnheiten und Verhaltensweisen.

Letztlich spielen bei allen wiederholt einwirkenden Reizen, je selbst bei einmaligen Reizen, die unter starkem Affekt erlebt werden derartige Prägungen eine große Rolle. (akute Belastungsreaktion, posttraumatische Belastungsstörung usf.)

Wie man einsehen kann tritt die Heilung bzw. die Rückbildung der Störung ein, wenn die unvorteilhaften Prägungen „gelöscht“ werden – man kann sagen „entprägt“ bzw. aufgelöst werden. Das heißt es muss auf der Ebene des Nervensystems eine Dekonditionierung stattfinden. Das bedeutet: die neuronalen Muster müssen bzw. sollen verlernt, „vergessen“ und letztlich aufgelöst werden. In diesem Sinn ist also ein Verlernen bzw. eine Dekonditonierung angestrebt und entspricht der Prozess des „Verlernens“ der Dekonditionierung.

Bei der Dekonditionierung findet also der gegenteilige Prozess von der Konditionierung statt.

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(letzte Änderung 08.04.2017, abgelegt unter: Begriff, Definition, Dekonditionierung, denken, Lernen, Medizin, Nervensystem, neuronale Muster, Psyche, Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychosomatik)

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