Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Geist

Der Geist ist die Einheit aus der das Denken der Person entsteht.

Man kann daher auch sagen: der Geist ist die Idee aus der das Denken entsteht.

Demgemäß kann man auch sagen: der Geist ist das Ganze der Gedanken der Person.

Es ist der Begriff Geist also die systematische Einheit der  Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) aus der alle Gedanken, sowohl die einer einzelnen Person, wie in anderer Sicht auch die aller denkenden Wesen entsteht.

Aus dem Geist der  einzelnen Person entsteht also ihr Denkvermögen als Teilleistung ihrer Psyche.

Es beruht der Geist also auf dem Denkvermögen und damit auf der Kognition der Person.

Ebenso kann man aus Sicht der Biologie bzw. der Neurobiologie oder der Neurowissenschaften betrachtet auch sagen, dass der Geist der Person durch den mentalen Prozess in ihrem Gehirn bzw. in ihrem zentralen Nervensystem entsteht.

Es entstehen also als Teilleistung der Psyche die Gedanken, wobei gewisse Gedanken die Folge der Aktivität des Verstandes und der Vernunft sind.

Die Klugheit und die Intelligenz entstehen somit auf der Grundlage des Geistes der Person – oder man kann auch sagen auf Basis der geistigen Funktion.

(Anmerkung: es wird hier der Begriff Geist aus philosophischer Sicht und aus psychologischer Sicht – nicht jedoch aus theologischer Sicht oder sonstiger Sicht diskutiert).

Philosophisch beziehungsweise erkenntnistheoretisch betrachtet ist der Geist die mentale Einheit aus der die Gedanken der Person entstehen. Es ist der Geist also die systematische Einheit der Ideedie im Bewusstsein der erkennenden Person als der Begriff der Idee entsteht, wenn diese sich vorstellt, dass es eine solche zu Grunde liegende Einheit gibt (vgl. mit Kant Zitat 7).

In Bezug auf die Psyche manifestiert sich der Geist also als Folge der Gedanken und Vorstellungen, wohingegen das Gemüt infolge der Gestimmtheit, somit als Folge der momentanen Stimmung, der Empfindung und anderer Wahrnehmungen entsteht.

In religiöser Hinsicht ist der Geist etwas Jenseitiges das durch das Göttliche gegeben ist, etwa im Sinn des Heiligen Geistes oder im Sinne der transzendenten Geistigkeit (vgl. mit Wikibeitrag) oder der Transzendenz.

Der Geist einer Person ist also die zu Grunde liegend gedachte Einheit, die das Denken der Person ermöglicht.

Man kann daher auch sagen: der Geist ist die Ursache des Denkvermögens der Person.

Man unterscheidet bei der Psyche also den Geist mit der Funktion des Denkens von der Funktion des Fühlens, wobei das Denken auf der Kognition und der Überlegung beruht und das Fühlen auf der inneren Wahrnehmung und Empfindung.

Der Geist ermöglicht die Bildung eines Urteils und in diesem Zusammenhang die Erlangung einer Vorstellung bzw. einer Sichtweise in Bezug auf einen Sachverhalt. Es beruht das Urteilen also auf der geistigen Fähigkeit, somit auf der Fähigkeit sich des eigenen Verstandes und der Vernunft zu bedienen.

Man kennt auch den Begriff im Sinne des Geistes eines Zeitalters und man meint damit die geistigen Inhalte bzw. die Gedanken und somit die Ideen, die dieses Zeitalter geprägt haben.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt eine Person infolge ihres Geistes einen Sachverhalt durch eine Idee, die in der Form des Begriffs der Idee, im Bewusstsein der erkennenden Person als systematischen Einheit erscheint, wenn sie die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Es wird damit zum Beispiel deutlich, dass auch im Zeitalter der Biologischen Psychiatrie die Leistungen und ebenso die Störungen des Geistes nach wie vor mit der Methode der Dialektik durch das Vergleichen und Gewichten der Ideen erkannt werden.

So kann etwa eine Fachperson in der Psychiatrie – somit ein Psychiater oder eine  Psychiaterin etwa durch den Vergleich der psychiatrischen Ideen die in ihrem Bewusstsein entstehen den psychischen Sachverhalt analysieren und auf dieser Grundlage entscheiden ob im konkreten Fall eine krankheitswertige psychische Störung vorliegt.

Unter den Wissenschaften unterscheidet man die Geisteswissenschaften von anderen Wissenschaften

Diese Unterscheidung beruht auf der Gegebenheit, dass man in den Geistseswissenschaften mit Sachverhalten befasst ist, die auf der geistigen Ebene erfasst und beurteilt werden bzw. die auf geistigen bzw. mentalen Erkenntnisobjekten beruhen.

Weil man in der Psychologie mit den psychischen Erscheinungen also mit psychischen Phänomenen befasst ist, die durch die psychologische Ideen bzw. durch die Begriffe dieser Ideen erkannt werden, ist an einer Universität die psychologische Fakultät unter den Geisteswissenschaften zu finden.

In der Psychologie kennt man unter den psychologischen Begriffen zum Beispiel die Begriffe: Aufmerksamkeit, Konzentration, geistige Zentrierung, Zerstreuung  (gemeint im Sinn der geistigen Zerstreuung) usf. die Merkmale der geistigen Funktion und damit des Geistes einer Person wiederspiegeln. Und es zeigen sich auch in der psychologischen Einheit Intelligenz Merkmale des Geistes.

In der Psychiatrie ist ein Psychiater im Rahmen der Beurteilung und Behandlung der psychischen Störungen mit den psychischen Erscheinungen befasst, die als Folge der geistigen Fähigkeit und damit als Folge des Geistes in Erscheinung treten und die sich unter Umständen in der Form von kognitiven Störungen manifestieren. Man ist in der Psychiatrie mit krankheitswertigen psychischen Erscheinungen befasst und man unterscheidet in diesem Sinn die psychopathologischen Phänomene von den normalen psychischen Phänomenen, . Dabei charakterisieren die psychopathologischen Phänomene eine psychische Störung und es werden demgemäß in der Psychiatrie die krankheitswertigen Störungen des Geistes einer Person durch kognitive Störungen erfasst und man  hat daher bei gewissen psychischen Störungen (psychischen Krankheiten) früher von Geisteskrankheiten gesprochen, weil hier vorwiegend das Denken und damit das Urteilen gestört bzw. beeinträchtigt ist.

In diesem Zusammenhang kennt man die psychische Störung die als Wahn bzw. als Paranoia bezeichnet wird, die als herausragende Störung des Geistes bezeichnet werden kann, weil hier vor allem die Störung im Urteil liegt, das sich die betroffene Person vom Sachverhalt macht. Es ist hier also die Kognition massiv gestört und es kommt daher zu Verkennungen der Realität bzw. zu Störungen in der Realitätswahrnehmung.

Auch bei sonstigen psychischen Störungen ist das Denken und damit der Geist mehr oder weniger beeinträchtigt, so z.B. bei der psychischen Störung die als Schizophrenie bezeichnet wird. Ferner auch beim Organischen Psychosyndrom (OPS), so etwa bei einem Rausch. Bei einer Demenz ist die geistige Funktion immer hochgradig gestört und man kennt hier die Begriffe der Desorientiertheit und der Verwirrtheit, wie sie etwa bei einer fortgeschrittenen Form einer Alzheimerkrankheit (Demenz vom Typ der Alzheimerkrankheit) oder bei einer Demenz vom vaskulären Typ (Vaskuläre Demenz) vorkommen Auch bei sonstigen psychischen Störungen bei denen es zu mehr oder weniger ausgeprägten Störungen im Denken und damit in der geistigen Funktion kommt ist immer der Geist der Person beeinträchtigt.

Neben diesem Verständnis des Begriffs „Geist“ kennt man den Begriff Geist auch in anderer Hinsicht etwa in der Theologie oder in der Esoterik usf. in der Märchen und Sagenwelt usf. und meint man hier zum Teil gleichartiges zum Teil aber auch etwas ganz anderes.

Weitere Anmerkungen zu den Störungen des Geistes

Der Geist bzw. die geistige Funktion kann bei einem Menschen von Anbeginn an gestört bzw. beeinträchtigt sein und man spricht in diesem Fall von einer geistigen Behinderung (Oligophrenie). Wenn das Vermögen richtig zu denken erst im Laufe des Lebens infolge einer psychischen Störung auftritt, dann wird die geistige Störung im Rahmen der psychischen Störung durch diese psychiatrische Diagnose erfasst. So kommt es in gewissen Fällen nach dem Auftreten einer schweren psychischen Störung von der Art einer Schizophrenie zur Ausbildung eines Residualzustandes bei der neben dem Gemüt auch das Denken bzw. die Denkfunktion gestört ist und es ist hier in der Regel die geistige Flexibilität eingeschränkt. All diese verschiedenen Formen von geistigen Störungen werden in der Psychopathologie auf der Grundlage der veränderten Phänomenologie diagnostisch erfasst.

Grundsätzlich ist bei einer Psychose das Denken und somit der Geist schwer gestört. Es ist ein solche Person nicht in der Lage richtig der Realität gemäß zu denken und Sachverhalte richt zu erkennen und richtig einzuschätzen. Daher kommt es im Rahmen der geistigen Störungen zu schweren Störungen in der Realitätswahrnehmung die letztlich den Schweregrad einer Psychose erlangen können.

Die Beurteilung der Störungen des Geistes fällt vor allem in den Fachbereich der Psychiatrie teils auch in den der Psychologie.  Und es sind demgemäß die Störungen des Geistes relativ häufig Gegenstand bei einer Beurteilung eines Sachverhalt bei Gericht, wenn es bei einem psychiatrischen Gutachten etwa um die Fragen der geistigen Fähigkeiten geht, die in Folge einer geistigen Behinderung eingeschränkt sein kann oder die in Folge einer psychischen Störung eingeschränkt bzw. gestört sein kann.

Es ist also das Vermögen des Geistes einer Person bzw. die geistige Leistungsfähigkeit etwa bei der Frage der Schuldfähigkeit von Relevanz. Es geht hier um die Frage der Diskretionsfähigkeit und um die Frage der Dispositionsfähigkeit die in Folge einer geistigen Störung beeinträchtigt sein können. Auch bei der Berurteilung der Berufsfähigkeit respektive der Arbeitsfähigkeit (geschützter Arbeitsplatz, geförderter Arbeitsplatz) im Rahmen einer geistigen Behinderung oder bei der eingeschränkten geistigen Funktionen nach dem Auftreten einer relevanten psychischen Störung kann das eingeschränkte geistige Vermögen neben anderen psychopathologischen Phänomenen für die Arbeitsfähigkeit respektive die Berufsfähigkeit ausschlaggebend sein. Schließlich wird auch bei der Beurteilung der Geschäftsfähigkeit und bei der Beurteilung der Testierfähigkeit der Geisteszustand der Person und damit ihr geistiges Vermögen beurteilt. In der Psychologie und damit bei der Erstattung eines psychologischen Gutachtens wird in vielen Fällen die Intelligenz beurteilt, womit ebenfalls der Geist der Person bzw. ihr Denkvermögen beurteilt wird.

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(letzte Änderung 23.06.2018, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Diagnostizieren, Erkennen, Geist, Philosophie, philosophische Begriffe, Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychopathologie, Realitätswahrnehmung, psychologischer Begriff)

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