Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Wirklichkeit

Die Wirklichkeit ist die Realität.

Die Wirklichkeit ist also das was real ist, oder das von dem die Person überzeugt ist – und somit glaubt – dass es real sei.

Was wirklich ist bzw. was real ist besteht auf der Ebene der Objekte und ist somit als objektive Wirklichkeit für jedermann gegeben.

Oder es besteht die Wirklichkeit nur als subjektive Realität in der Vorstellung der Person, weil sie das, was sie als Wirklichkeit ansieht/erlebt für sie real und damit subjektive Wirklichkeit ist (Beispiel: Halluzination, Imagination). Hierbei handelt es sich also um eine leibhaftige Vorstellung der Person die nicht unbedingt mit der Wirklichkeit von jedermann etwas zu tun hat.

In diesem Fall handelt es sich bei der Wahrnehmung der Realität um eine Vorstellung somit – philosophisch betrachtet – um eine Idee von der die Person überzeugt ist, dass diese zutreffend ist. Es handelt sich hierbei also um eine Vorstellung von der Wertigkeit des Glaubens, wenn die Person gänzlich vom Zutreffen dieser Vorstellung überzeugt ist. Oder es handelt sich bei der Vorstellung um eine Meinung wenn die Person nicht gänzlich davon überzeugt ist (vgl. mit Kant Zitat 9). Für jede Person wirklich ist hingegen das was auf der Ebene der Objekte für jede besonnene Person einsichtig ist und damit augenscheinlich evident demonstriert werden kann. In diesem Fall ist ein allgemein gültiger Beweis möglich durch den aufgezeigt werden kann, dass diese Sichtweise objektiv gültig ist (Anmerkung: dies gilt zum Beispiel für einen Beweis in der Mathematik, für viele Bereiche der Physik und damit die Naturwissenschaften).

Wenn hingegen ein Sachverhalt nur durch Argumente unter Beweis gestellt werden kann (Anmerkung was für viele Fälle in in der Rechtsprechung, in der Philosophie und andere Bereiche des Wissens zutreffend ist), dann ist die Sichtweise nur subjektiv gültig (vgl. mit Kant Zitat 9 und Kant Zitat 7). In einem solchen Fall handelt es sich um subjektive Evidenz wohingegen im zuvor genannten Fall objektive Evidenz gegeben ist.

Betrachtungen über die Wirklichkeit aus der Sicht der Psychologie und Psychiatrie – auch im Hinblick auf die Psychologie und die Psychiatrie als Wissenschaften:

Eine Person befindet sich in Bezug auf ihr Bewusstsein bzw. ihre Bewusstheit im Hinblick auf die Wirklichkeit zwischen den Polen der vollkommenen Wachheit und dem Traum.

Weil die Wirklichkeit bei vielen Sachverhalten nicht an sich, also nicht als Objekt bzw. als nicht wirklich existentes Erkenntnisobjekt erfasst und begriffen werden kann, sondern nur auf der Ebene der Vorstellungen bzw. nur auf der Ebene der Ideen durch den Begriff der Idee erfasst bzw. erkannt werden kann, kommt es vor, dass ein und derselbe Sachverhalt von verschiedenen Personen unter Umständen unterschiedlich aufgefasst und verstanden wird.

Dies ist in der Psychiatrie und auch in der Psychologie (und Psychotherapie) und natürlich auch in vielen anderen Bereichen, etwa in der in Medizin bei vielen Sachverhalten von Relevanz.

Es kann also die Wahrnehmung der Wirklichkeit von der individuellen Sichtweise abhängen und in gewissen Fällen kann bei starker Abweichung der Sichtweise von einer Störung in der Realititätswahrnehmung gesprochen werden. Diese Abweichung kann so gravierend sein, dass man unter Umständen von einer überwertigen Idee spricht und es kann sich diese Abweichung so weit steigern, dass von einer Psychose etwa im Sinn von einer Paranoia oder von einem Wahn gesprochen wird.

Was wirklich ist kann in eindeutigster Form nur auf der Ebene der demonstrierbaren Objekte erkannt, vorgeführt und damit demonstriert werden. In einem solchen Fall spricht man von Objektivität bzw. von Gewissheit. In einem solchen Fall handelt es sich bei der Evidenz um augenscheinliche bzw. um objektive Evidenz.

Wenn etwas nur auf der Ebene der Vorstellungen vorgeführt bzw. nur auf dieser Ebene erklärt und erläutert werden kann und damit nicht augenscheinlich evident demonstriert werden kann, handelt es sich um einen Sachverhalt der nicht unbedingt von allen Personen gleich bzw. als wirklich zutreffend angesehen wird. In einem solchen Fall wird die Wirklichkeit auf der Grundlage von subjektiver Evidenz erkannt bzw. handelt es sich dabei um subjektives Wissen und nicht um objektives Wissen. In einem solchen Fall handelt es sich beim Wissen immer um beschränktem Wissen das mehr oder weniger gültig ist und das daher nur relativ gültig ist.

Man kann also in einem solchen Fall an die subjektive Wirklichkeit glauben bzw. handelt es sich bei diesem Wissen um ein Wissen vom Grad des Glaubens bzw. um eine Meinung.

Dies trifft unter anderem auch auf den Wissenschaftsglauben zu, wie er in unserer Zeit, also im 21. Jahrhundert, etwa in der Medizin, in der Psychiatrie (Psychologie) und in anderen Bereichen stark verbreitet ist und sich etwa im Glauben an gewisse medizinische Theorien und auch im Glauben an gewisse psychiatrische Theorien zeigt.

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(letzte Änderung am 17.11.2019, abgelegt unter Definition, Philosophie, Realitätswahrnehmung, philosophische Begriffe, Wissenschaft)

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