Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Medizin

Die Medizin (universitäre Medizin) ist die empirische Wissenschaft, die mit der Diagnostik, der Therapie und der Prävention der körperlichen Krankheiten befasst ist.

Es umfasst der Begriff Medizin im Sinne der universitären Medizin (= Schulmedizin) also den Teil der Heilkunde der die körperlichen Krankheiten bzw. die gesundheitlichen Störungen des Körpers systematisch in der medizinischen Diagnostik und in der medizinischen Klassifikation erfasst und in der medizinischen Wissenschaft systematisch studiert und nach diesen Erkenntnissen therapiert.

Im Gegensatz dazu ist die Psychiatrie die empirische Wissenschaft, die mit den gesundheitlichen Störungen der Psyche, nämlich den psychischen Störungen befasst ist.

Dabei werden in der Medizin die körperlichen Krankheiten (gesundheitliche Störungen) auf der Grundlage von körperlichen Zeichen (Merkmalen) erkannt, die zur medizinischen Diagnose führen, falls eine krankheitswertige gesundheitliche Störung des Körpers vorliegend ist.

Die körperlichen Zeichen sind entweder Zeichen (Merkmale), die sich direkt auf den Körper (z.B. ein Organ) also ein physisches Objekt beziehen, oder es sind dies Zeichen, die sich nicht direkt auf ein physisches Objekt beziehen, sondern es sind irgendwelche körperliche Erscheinungen also körperliche Symptome und körperliche Phänomene (etwa Schmerzen, Schwindel, Schwäche etc.).

Die Zeichen, die sich direkt auf den Körper bzw. auf ein physisches Objekt also auf einen körperlichen Befund beziehen können in vielen Fällen objektiv gültig bestimmt werden (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9). Hingegen können die körperlichen Erscheinungen, also die körperlichen Phänomene in den meisten Fällen nicht objektiv gültig, sondern nur subjektiv gültig bestimmt werden und es trifft dies auch auf die körperlichen Symptome zu. (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9).

Zum Beispiel kann das Phänomen „Schwindel“ am Beispiel des Symptoms „Schmerz “ wird deutlich dass diese Merkmale einer gesundheitlichen Störung nicht auf der Grundlage von physischen Befunden (Merkmalen) objektiv gültig bestimmt werden können, sondern man kann unter Umständen diese Merkmale der gesundheitlichen Störung als Folge einer körperlichen Ursache erklären – aber objektiv gültig bestimmen kann man das Merkmal auf dieser Grundlage nicht.

Es handelt sich also beim Phänomen „Schwindel“ oder beim Symptom „Schmerz“ um ein Merkmal, das im Bewusstsein der erkennenden Person als Folge der Wahrnehmung und der mentalen Prozesse wahrgenommen wird (vgl. mit Kant Zitat 7) aber es kann dieses Merkmal nicht auf der Grundlage eines körperlichen Befundes verlässlich und damit reliabel und valide festgestellt werden kann. Man kann auch sagen, das Merkmal „Schwindel“ wird als Folge von irgendeiner Ursache  und infolge der individuellen mentalen Prozesse von der betroffenen Person in ihrem Bewusstsein wahrgenommen, wobei verschiedene Faktoren zum Auftreten dieser komplexen Ursache führen können.

Es kommen hier also verschiedene Kausalitäten in Frage. Man kann also nicht allein schon auf Grund eines körperlichen Sachverhalts bzw. auf der Grundlage eines körperlichen Befundes (etwa in Folge einer Kopfprellung) schon sagen, ob die Person Schwindel verspürt oder nicht. Hingegen kann man das Phänomen Schwindel als Folge der Kopfverletzung erklären, oder man kann den Schwindel durch den niedrigen Blutdruck oder durch die festgestellte Blutarmut erklären, wenn man diese Befunde festgestellt hat.

In gleicher Weise kann auch ein psychisches Phänomen (z.B. Angst) durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden. Dabei kann man auch in diesem Fall oftmals nicht angeben was die Ursache dieses Phänomens ist, jedenfalls kann man nicht schon aus der Existenz eines körperlichen Sachverhalts bzw. aus einem körperlichen Befund erkennen, ob die Person Angst erlebt oder nicht. Dies ist der Grund warum man psychische Phänomene und damit eine psychische Störung und in weiterer Folge die psychiatrische Diagnose, die sich auf psychische Symptome und psychische Phänomene gründet, nicht objektiv gültig bestimmen kann.

Weiteres zum grundsätzlichen Unterschied zwischen einer objektiv bestimmbaren medizinischen Diagnose und einer nur subjektiv gültig bestimmbaren medizinischen Diagnose (bzw. auch zu den psychiatrischen Diagnosen) -> Poster 2: MEDICAL DIAGNOSES AND PSYCHIATRIC DIAGNOSES – THE DIFFERENCE – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT` S PHILOSOPHY.

Medizinische Diagnosen die nicht objektiv gültig bestimmt werden können, werden auf der Grundlage von einem medizinischen Konzept erkannt.

Man erkennt damit, dass man sich der Medizin in dem Teilbereich, wo die gesundheitlichen Störungen auf der Grundlage von körperlichen Symptomen und nicht-objektivierbaen körperlichen Phänomenen diagnostiziert werden, in einer besonderen Situation befindet, insofern man diese gesundheitlichen Störungen nicht auf körperliche Ursachen zurückführen und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmen kann. Diese gesundheitlichen Störungen können in der Medizin also so, wie die psychischen Störungen in der Psychiatrie, nur auf der Grundlage von Symptomenkomplexen bzw. nur auf der Grundlage des klinischen Erscheinungsbildes diagnostisch subjektiv gültig bestimmt werden.

Diese Tatsache hat weitreichende Konsequenzen für die medizinische Praxis und für die medizinische Wissenschaft.

Es handelt sich dabei also um die medizinischen Diagnosen, die nur auf der Grundlage von Syndromen im engeren Sinn in der Diagnostik bestimmt werden können. Dies sind die syndromalen Diagnosen, die zum Teil auch als funktionelle Diagnosen bezeichnet werden.

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(letzte Änderung 08.11.2019, abgelegt unter: Befindlichkeitsstörung, Definition, Erkennen, Krankheit / gesundheitliche Störung, Medizin, Medizinische Diagnostik)

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