Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Dissoziation

Die Dissoziation ist die Abspaltung.

(vom lat. disassociare „trennen, scheiden“)

In Bezug auf die Psyche ist die Dissoziation die Abspalten eines Gedächtnisinhalts, sodass dieser nicht erinnert werden kann.

Es kann ein dissozierter Gedächtnisinhalt also nicht aus dem Gedächtnis hervorgeholt werden – das heißt er kann nicht assoziiert werden.

Psychologisch betrachtet ist die Dissoziation also das Gegenteil von der Assoziation.

Es handelt sich bei einer Dissoziation um ein psychisches Phänomen bei dem ein Teil der Psyche „abgespalten“ wird – oder man kann auch sagen: ein Teil der Psyche wird „ausgeblendet“, so dass er nicht bewusst erlebt wird.

Man sagt daher, insbesondere in der Psychotherapie, dass bei einer Dissoziation ein gewisses Erlebnis ins Unbewusste verdrängt und damit abgespalten wird. Somit bewirkt die Dissoziation eine Verdrängung.

Eine Dissoziation kann das gesamte Feld des Bewusstseins betreffen, oder sie kann nur einen gewissen Inhalt betreffen und damit eine gewisse Wahrnehmung betreffen. Es wird in diesem Fall diese Wahrnehmung und damit dieser Erlebnisinhalt ausgeblendet.

Während eine  Dissoziation ein psychisches Phänomen ist, das man auf der Grundlage der normalen Psychologie verstehen kann, weil man den Übergang zum normalen Erleben in Fällen der unvollständigen Distanzierung bzw. der unvollständigen Trennung bzw. Abspaltung aus dem eigenen Erleben kennt (etwa dass eine Person im Rahmen einer Panikattacke sagt, dass sie Hände fast nicht mehr zu sich gehörig gespürt hat und dies ihre Angst noch mehr bestärkt hat), ist dies bei einer Halluzination nicht der Fall.

Neurophysiologisch betrachtet ist eine Dissoziation eine Blockade auf neuronaler Ebene in dem Sinn, dass eine gewisse neuronale Verknüpfung nicht hergestellt werden kann. Es kann also ein gewisses neuronales Muster nicht aktiviert werden, wenn man versucht sich an ein Erlebnis zu erinnern. Man kennt dieses Problem des sich nicht-erinnern-Könnens auch bei einer gestörten Assoziation, wie diese im älter werdenden Gehirn im Laufe der Alterung vermehrt auftritt. Bei einer Dissoziation handelt es sich jedoch im Vergleich zur nur gestörten Assoziation um einen aktiven Vorgang der Abspaltung der zum Unvermögen des sich nicht-erinnern-Könnens führt. Man denkt sich, dass bei einer Dissoziation ein Komplex bzw. ein unbewusster Konflikt dieses Unvermögen bzw. diese Abspaltung bewirkt. Wohingegen bei der Gedächtnisstörung in Folge des Assoziationsunvermögens im höheren Alter eine andere Ursache dieses psychische Phänomen bewirkt.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist eine Dissoziation der Vorgang der verhindert, dass eine Verknüpfung mit einer Idee oder mit einem sonstigen Inhalt den man im Gedächtnis gespeichert hat hergestellt wird. Es wird also durch die Dissoziation bewirkt, dass ein Inhalt nicht aus dem Gedächtnis hervorgeholt bzw. mit diesem verknüpft werden kann – eben weil er dort im Gedächtnis durch einen Komplex „abgespalten“ vorhanden ist.

Das Phänomen der Dissoziation ist in der Psychologie, in der Psychiatrie und auch in der Psychotherapie von Bedeutung.

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(Beitrag in Arbeit, letzte Änderung 02.08.2017,  abgelegt unter: Definition, Psyche, Psychotherapie, Psychologie, Psychiatrie, psychologischer Begriff)

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