Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Schmerz

Ein Schmerz ist eine unangenehme bis peinigende Empfindung 

Dabei bezieht sich diese Empfindung primär meist auf den Körper und spricht man dann vom körperlichen Schmerz.

Allerdings gibt es auch einen seelischen Schmerz – man denke an die Trauer und andere psychische Phänomene dieser Art die hier eine Störung der Psyche zum Ausdruck bringen.

Grundsätzlich ist ein Schmerz also etwas was man erlebt und kennt man daher den Begriff Schmerzerleben der dieses Erlebnis zum Ausdruck bringt.

Dabei wird der körperliche Schmerz in der Regel infolge der körperlichen Wahrnehmung aufgrund der lokalen Irritation des Gewebes und der Weiterleitung und Verarbeitung dieser Information im zentrale Nervensystem empfunden.

Es ist hier also nicht nur die primäre Information vom Ort des lokalen Geschehens – etwa vom Ort der Verletzung –  für das Schmerzerleben entscheidend, sondern auch der mentale Prozess.

Demgemäß spielen für das Schmerzerleben nicht nur lokale körperliche Vorgänge eine Rolle, sondern – insbesondere beim chronischen Schmerz auch psychische und soziale eine entscheidende Rolle.

Mit anderen Worten: es sind nicht nur lokale körperliche Faktoren etwa lokale Prozesse im Gewebe, sondern auch der Stoffwechsel generell ebenso psychische Faktoren und soziale Faktoren wesentlich.

Dieser Sachverhalt wird in der Therapie beachtet und berücksichtigt – und werden daher nicht nur peripher wirkende Substanzen (etwa entzündungshemmende Mittel) sondern auch zentral wirkende Substanzen (Psychopharmaka und andere), Physiotherapie, Psychotherapie, soziale Unterstützung etc. eingesetzt.

Neben dem Begriff körperliche Schmerzen kennt man auch den Begriff seelische Schmerzen.

 

Nachfolgend wird der Schmerz unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet:

Wegen der unangenehmen Erlebnisqualität ist man generell bestrebt das Erlebnis Schmerz zu vermeiden.

Der Schmerz veranlasst zur Schonung.

Der Schmerz veranlasst zur Einschränkung der Belastung – deswegen hinkt man etwa um die Belastung des Beines zu vermindern. Man vermeidet gewisse Bewegungen. In gewisser Hinsicht ist dies für die Heilung förderlich. In anderer Hinsicht sollte jedoch auch eine angemessene Aktivität durchgeführt werden.

Es gilt hier die Regel: nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Je nach Sachverhalt und Situation muss das Maß angepasst werden damit die Funktion und Heilung bestmöglich gefördert respektive die dem Organismus innewohnende Kraft zur Heilung bestmöglich aktiviert wird, die Heilungsvorgänge jedoch nicht nachteilig beeinträchtigt werden.

Man kennt den akuten Schmerz und andererseits den chronischen Schmerz.

Der Schmerz kann infolge einer bekannten Ursache auftreten (Beispiel: Verbrennung), oder es kann der Schmerz die Folge einer komplexen Ursache sein (Beispiel: chronische Rückenschmerzen ohne herausragende Ursache bei sichtbaren degenerativen Veränderungen im Röntgenbild).

Schmerz unter verschiedenen Aspekten betrachtet:

Aus der Sicht der Psyche ist der Schmerz ein psychisches Phänomen das bei körperlichem Schmerz in der Regel infolge einer körperlichen Ursache entsteht. Dabei wird die Intensität des Schmerzerlebens jedoch auch wesentlich durch psychische Faktoren und sonstige Faktoren beeinflusst.

Aus der Sicht der Biologie betrachtet ist der Schmerz ein biologisches Phänomen das infolge der Sinneswahrnehmung und zentralen Verarbeitung dieser Information im Nervensystem entsteht.

Infolge der Perzeption und der Signalverarbeitung  im zentralen Nervensystem kommt es zur Entstehung von neuronalen Mustern die mit dem Schmerzerleben korrelieren. Es entstehen also infolge von gewissen Reizen die auf den Körper einwirken in den Rezeptoren Aktionspotentiale die über die Nerven des peripheren Nervensystems ins zentrale Nervensystem und hier insbesondere ins Gehirn geleitet werden die neuronale Funktion die psychisch betrachtet als unangenehme bis peinigende Empfindung und daher als Schmerzen erlebt wird.

Man kann daher sagen, dass beim Schmerz und Schmerzerleben nicht nur die lokale Irritation und Stimulation der Schmerzrezeptoren eine Rolle spielt, sondern auch die Verarbeitung der Information im zentralen Nervensystem. Dieser Sachverhalt kann in der Therapie der Schmerzen zur hilfreichen Einflussnahme beachtet und berücksichtigt werden.

Während der körperliche Schmerz sich auf das körperliche Erleben und damit auf die körperliche Empfindung bezieht, versteht man unter dem Begriff psychischer Schmerz ein seelisches Unbill bis hin zu seelischem Leid das durch eine belastende Erfahrung eingetreten ist.

Bei den körperlichen Schmerzen kennt man die verschiedenen Qualitäten des Schmerzes. Der Schmerz kann bohrend, brennend, dumpf usf. sein. Er kann akut oder chronisch vorhanden sein. Der Schmerz kann lokal einen umschriebenen Bereich des Organismus betreffen (Beispiel: Schmerzen im unteren Rückenbereich). Der Schmerz kann auch mehr oder weniger generalisiert empfunden werden, sodass ein größerer Bereich des Körpers oder selten der ganze Körper betroffen sein.

Der Schmerz kann abhängig von der Kälte oder der Wärme verstärkt auftreten. Oder es kann der Schmerz von sonstigen Ursachen bzw. Faktoren abhängig sein.

Der Schmerz ist also ein Phänomen, das von einem Lebewesen erlebt wird, wenn dieses durch gewisse Reize irritiert wird.

Ein Schmerz kann in Folge einer körperlichen Ursache entstehen und es handelt sich dann primär um ein körperliches Erleben, oder aber es kann ein Schmerz eine Ursache haben, die nicht primär mit dem Körper zu tun hat und es kann es sich so gesehen um einen rein seelischen  Schmerz handeln. Oft wird es sich beim Schmerz um eine kombinierte Ursache im Sinn einer komplexen Ursache handeln.

Wenn die körperlichen Symptome im Vordergrund stehen dann spricht man von einem körperlichen Schmerz, wenn die psychischen Symptome im Vordergrund stehen dann spricht von einem seelischen Schmerz bzw. von einem psychischen Schmerz.

Man findet, dass genau genommen jeder  Schmerz eine körperliche Komponente und auch eine psychische Komponente hat, weil das Erleben sich immer auf beide Teile des Menschseins also auf das Ganze des Erlebens bezieht. Die Zweiteilung in Psyche und Körper ist nämlich lediglich das Ergebnis bzw. die Folge des menschlichen Denkens und Auffassens. Weil wir nicht gleichzeitig beides bedenken können und daher nicht gleichzeitig über beides sprechen können müssen wir das Erleben und damit das Mensch-sein und in weiterer Folge auch das Schmerz-erleben dialektisch in Körper und Psyche teilen und können wir nur so über den einen Aspekt und dann auch über den anderen Aspekt denken, sprechen und uns verständigen und in weiterer Folge zielgerichtet, etwa in der Medizin in der Psychiatrie in der Psychosomatik in der Psychologie oder in der Psychotherapie auf den Schmerz und das Schmerzerleben eingehen.

Man kann also einerseits den Schmerz als psychisches Phänomen verstehen und andererseits den Schmerz in vielen Fällen als körperliches Phänomen erklären.

Im Gutachterwesen unterscheidet man den körperlichen Schmerz vom seelischen Schmerz. Man spricht auch vom Ungemach und man meint damit den seelischen Schmerz und auch das seelische Leid das kausal durch ein Erlebnis bzw. durch ein Ereignis hervorgerufen worden ist und es wird dieser Sachverhalt etwa in einem psychiatrischen Gutachten berücksichtigt.

Neurologisch bzw. biologisch betrachtet kann der Schmerz als Folge einer Störung bzw. als Folge einer Funktionsstörung im Nervensystem auftreten, oder es kann der Schmerz als Folge einer sonstigen Ursache, etwa als Folge einer Entzündung, einer Verletzung oder einer sonstigen Ursache.

Somit kann man den Schmerz auch als Störung der neuronalen Funktion sich in gewissen Fällen erklären oder als Dysfunktion, die in Folge einer sonstigen Ursache entsteht.

.

(letzte Änderung 22.12.2020, abgelegt unter: Begriff, Definition, Diagnostik, Erleben, Forensik, Gutachten, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psyche, Schmerz)

……………………………………….

weiter zum Beitrag: Leid

………………………………………

weiter zum Beitrag: Gutachten

………………………………………

weiter zum blog: Schmerz

……………………………………..

Antiloop GmbH / bechtold.at.