Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Befund (Definition)

Der Befund ist das Ergebnis das der Arzt im Rahmen der Untersuchung „findet“.

Demgemäß ist der Befund in der Heilkunde, etwa in der Diagnostik das Resultat der Abklärung das der Arzt gefunden und daher feststellt hat.

Dabei kann der Befund entweder das Teilergebnis (Beispiel: ein Laborwert) oder das Endergebnis liefern und damit die gesundheitliche Störung/Krankheit – somit die Diagnose bestimmen (Beispiel: plötzlich aufgetretene Schwäche im linken Arm mit Ungeschicklichkeit, bildgebender Nachweis eines kleinen Hirnarterienverschlusses).

Es kann sich der Befund dabei also auf einen einzelnen Parameter beziehen, oder es bezieht sich der Befund auf eine Einheit, die durch mehrere Größen/Kriterien/Einheiten bestimmt wird. So kann zum Beispiel der Symptomenkomplex der durch das klinische Erscheinungsbild erkannt wird, primär die Verdachtsdiagnose liefern, die im Verbund mit weiteren Parametern (etwa Laborbefunde, bildgebende Befunde) die Krankheit bestimmt.

In der Diagnostik kann ein Befund ein objektiver Befund oder ein subjektiver Befund sein.

Es kann der Befund also entweder als faktische Einheit erkannt werden, oder es ist dies die systematische Einheit der Idee die als der Begriff der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, falls diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man muss also unterscheiden ob der Befund sich auf einen tatsächlich gegebenen Gegenstand, somit auf einen Gegenstand schlechthin – im Sinne von Immanuel Kant – respektive auf ein Objekt bzw. ein Faktum bezieht, oder ob das Erkenntnisobjekt uns nur als Gegenstand in der Idee gegeben ist, falls die (erkennende) Person die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Zum Beispiel sind die Laborbefunde, so z. B. die einzelnen Laborwerte in Bezug auf das Blut etwa die Elektrolyte dem Arzt als faktische Befunde und damit als Gegenstände schlechthin gegeben, andererseits z. B. die Symptome und die nicht-objektivierbaren Phänomene, die insgesamt den Symptomenkomplex bilden, dem Arzt nur als Gegenstand in der Idee gegeben (vgl. mit Kant Zitat 7).

Weiteres über Befunde insbesondere in der Medizin und Psychiatrie:

Man sagt in der Medizin und in der Psychiatrie, dass der Arzt bei der Untersuchung den Befund erhebt – und meint damit, dass er ihn im Rahmen der Untersuchung als Ergebnis gefunden/festgestellt hat.

In der Medizin spricht man vom medizinischen Befund, oftmals auch vom körperlichen Befund, falls er im Rahmen der körperlichen (klinischen) Untersuchung erhoben wird.

In der Psychiatrie spricht man vom psychischen Befund oftmals auch vom psychiatrischen Befund oder vom psychopathologischen Befund.

Die Befunde der klinischen Untersuchung können in der Medizin die körperlichen Krankheitszeichen der gesundheitlichen Störung aufzeigen, hingegen die psychischen Befunde in der Psychiatrie die  Krankheitszeichen der psychischen Störung.

Demgemäß führen diese Befunde zur Bestimmung der medizinischen Diagnose oder zur Bestimmung der psychiatrischen Diagnose, falls eine krankheitswertige körperliche Störung der Gesundheit bzw. eine krankheitswertige Störung der Psyche vorliegt.

Es gibt in der Medizin Befunde, die objektiv gültig festgestellt werden können und andererseits Befunde, die nur subjektiv gültig festgestellt werden können.

Zum Beispiel ist ein Befund, der sich auf ein körperliches Objekt oder das Zeichen eines körperlichen Objekts, also auf ein körperliches Zeichen bezieht – das direkt oder indirekt wahrgenommen werden kann – ein objektiver Befund (z.B. ein Knochenbruch der direkt sichtbar ist, oder der indirekt auf einem Röntgenbild als bildgebender Befund sichtbar ist, ist ein objektiver Befund).

Im Gegensatz dazu ist z.B. die Mitteilung eines Patienten, dass er Schmerzen hat, ein nur subjektiv feststellbares Zeichen bzw. ein Befund, der nicht objektiv erhoben werden kann, sondern der nur subjektiv erfasst bzw. erkannt werden kann (vgl. mit Kant Zitat 9).

Ein objektiver Befund gründet sich also auf ein objektives, körperliches Zeichen bzw. auf ein Objekt (vgl. mit Kant Zitat 9) und es kann daher ein solcher Befund auf der Grundlage von Fakten allgemein gültig bestimmt werden.

Das entscheidende Kriterium für einen objektiven Befund ist im körperlichen Objekt gelegen (und es muss dieser Befund vom Subjekt das den Befund erhebt unabhängig sein). (vgl. mit Kant Zitat 9)

Wohingegen das entscheidende Kriterium für die Erhebung eines nur subjektiv gültigen Befundes nicht nur vom Objekt abhängig ist, sondern auch vom Subjekt abhängig ist das den Befund erhebt (vgl. mit Kant Zitat 9)

In der Psychiatrie und auch in der Psychologie wird bei der Erhebung eines psychischen Befundes ein Befund auf Grundlage der aufgefundenen psychischen Symptome und psychischen Phänomene  festgestellt.

Ein solcher Befund gründet sich also auf Merkmale, die im Bewusstsein der erkennenden Person in der Form der Begriffe von Ideen erscheinen.

Daher ist ein solcher Befund nur subjektiv gültig, weil die Erkenntnis von Voraussetzungen abhängig ist, die im Subjekt gelegen sind.

In der Psychiatrie können nur ausnahmsweise objektive Befunde festgestellt werden. Zum Beispiel kann unter Umständen bei einem Rausch-Syndrom Alkohol im Blut bzw. in der Atemluft objektiv nachgewiesen werden. Der psychische Zustand als solcher kann jedoch nicht aus objektiv feststellbaren Parametern abgeleitet werden – man kann z.B. nicht aus dem Promille Gehalt im Blut erkennen und wissen was für ein klinisches Erscheinungbild manifest ist – man kann höchstens annehmen, dass eine mehr oder weniger ausgeprägte Berauschung vorliegt. Und es zeigt die klinische Erfahrung, dass der Grad der Berauschung also der Berauschungszustand bei gleichem Blutspiegel von Fall zu Fall durchaus verschieden sein kann.

Wie man leicht einsehen kann, macht es in der Diagnostik einen großen Unterschied, ob die jeweilige Diagnose sich auf objektive Befunde oder auf subjektive Befunde gründet.

Anmerkung: Dem Begriff „Befund“ in der Deuten Sprache entspricht im Englischen der Begriff  „medical finding“.

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(letztes Änderung 23.02.2020, abgelegt unter: Befund, Definition, Diagnostik, Gutachten, Medizin, Psychiatrie, Psychosomatik, Medizinische Diagnostik, Wissenschaft)

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