Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

psychiatrische Diagnose – eine bloße Idee

Eine psychiatrische Diagnose wird durch eine bloße Idee im Sinne von Immanuel Kant erkannt. (vgl. mit Kant Zitat 8)

Eine psychiatrische Diagnose ist nämlich die Einheit einer psychiatrischen Idee unter der wir abnorme psychische Phänomene und psychische Symptome, die insgesamt einen psychischen Symptomenkomplex bilden erfassen. (vgl. mit Kant Zitat 4)

Karl Jaspers hat erkannt, dass psychiatrische Konzepte (bloße) Ideen im Sinne von Immanuel Kant sind. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Daher schreibt Karl Jaspers,  dass ich das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann, sondern ich mich dem Ganzen als Idee durch das Schema der Idee nur nähern kann. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Tatsächlich können wir eine psychiatrische Diagnose, so wie sie z.B. in durch eine psychiatrischen Kategorie in der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation oder durch eine psychiatrische Kategorie in der DSM-IV Klassifikation definiert ist, nur angenähert durch diese Kategorie erkennen, insofern dieses (diagnostische) Schema der (diagnostischen Idee) die charakteristischen Merkmale der (diagnostischen) psychiatrischen Idee aufzeigt. (vgl. mit Kant Zitat 4)

Es stimmt auch wenn Karl Jaspers gesagt hat: dass solche Schemata entworfene Typen sind, die als methodische Hilfsmittel grenzenlos korrigierbar und verwandelbar sind. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Aus der Psychiatriegeschichte können wir ersehen, dass in diesem Sinne die psychiatrischen Diagnosen bzw. die psychiatrischen Kategorien fortlaufend weiter entwickelt worden sind.

Ausgehend von der Nosologie von Wilhelm Griesinger hat z.B. Emil Kraepelin die neue diagnostische Einheit Dementia praecox in die psychiatrische Diagnostik eingeführt.

Eugen Bleuler, dem diese Einheit selbst in den schwersten Fällen nicht passend schien (vgl. mit dem Bleuler Zitat) hat daher diese psychiatrische Einheit modifiziert. Es hat also Eugen Bleuler diese systematische Einheit (vgl. mit Kant Zitat 8) anders definiert bzw. hat er in Bezug auf ihre Grenzen eine andere Form vorgeschlagen und damit die psychiatrische Einheit Schizophrenie  definiert. Weil diese psychiatrische Einheit der Kollegenschaft besser passend schien wurde sie als neue diagnostische Einheit in die psychiatrische Klassifikation aufgenommen. Im Rahmen der Entwicklung der DSM Klassifikation und der Entwicklung der psychiatrischen ICD Klassifikation durch die Revisionen ist das psychiatrische Konzept Schizophrenie weiter geringfügig modifiziert worden und es sind weitere Differenzierungen vorgenommen worden und weitere diagnostischen Einheiten (z.B. die Einheit schizoaffektive Störung) eingeführt worden.

Damit erkennt man, dass eine psychiatrische Diagnose bzw. ein psychiatrisches Konzept etwas verwandelbares, modifizierbares ist – so wie dies Karl Jaspers aufgezeigt  hat.

Es handelt sich dabei also um eine diagnostische Einheit, die nicht durch die „Natur“ vorgegeben ist – wie dies bei vielen diagnostischen Einheiten in der Medizin der Fall ist – sondern, es ist dies eine auf der „Ebene der Ideen“ in Bezug auf einen Typ definierte Einheit (vgl. mit Jaspers Zitat) ist. Es ist dies also die Einheit einer Idee und damit eine systematische Einheit – . Man kann auch sagen: es ist dies eine projektierte Einheit – und es ist dies auch eine zweckmäßige Einheit im Sinne von Immanuel Kant – weil sie praktisch nützlich ist – wenngleich ich sie nicht physisch/biologisch/neurobiologisch – etwa mit einer Methode der Systemischen Neurowissenschaften allgemein gültig „messen“ und bestimmen kann.

Während man bei einer objektiv bestimmbaren medizinischen Einheit – also bei einer faktischen Einheit – etwa bei der Einheit Verdacht auf Herzinfarkt – objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen kann, ob ein konkreter Fall dieser medizinischen Diagnose zuzuordnen ist, ist dies bei einer psychiatrischen Diagnose grundsätzlich nicht möglich.

Daher sind die Bemühungen in der psychiatrischen Wissenschaft eine psychiatrische Diagnose physisch zu verifizieren und physisch zu validieren bisher vergeblich geblieben und werden diese vorhersehbar auch in Zukunft vergeblich bleiben, weil es aus einem prinzipiellen Grund unmöglich ist ein psychisches Phänomen körperlich, also physisch zu bestimmen. (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 4)

Einen philosophischen Beweis dazu finden Sie auf Poster 6

Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy

der am DGPPN Kongress 2010 in Berlin vorgestellt worden ist.

Weiteres zu dieser Thematik auch in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

(letzte Änderung 03.08.2020, abgelegt unter: Diagnostik, Psychiatrie, psychische Störung, psychiatrische Diagnose, psychiatrische Wissenschaft)

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