Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Schema

Das Schema ist an sich selbst jederzeit nur ein Produkt der Einbildungskraft“ (vgl. mit Kant Zitat 13) – schreibt Immanuel Kant.

… insofern das Schema kraft der Abstraktion durch das Denken erkannt wird.

Dabei ist das Schema durch die Merkmale des Erkenntnisobjekts definiert.

Und man kann daher auch sagen, dass das Schema entweder die Merkmale des Objekts oder die der Idee aufzeigt.

Ebenso kann man sagen, dass das Schema die Merkmale der Kategorie oder die der Klasse aufzeigt, weil der Begriff der Idee die systematische Einheit der Idee ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Das Schema …  bedeutet eine Regel der Synthesis der Einbildungskraft, in Ansehung der reinen Gestalten im Raume (vgl. mit Kant Zitat 13).

Zum Beispiel ist der Begriff „Hund“ durch das Schema der Idee „Hund“ definiert, insofern dieses Schema die gemeinsamen Merkmale aller vierfüßigen Tiere aufzeigt, die Hunde sind (vgl. mit Kant Zitat 13) und es kann durch dieses Schema ein Tier als Hund erkannt werden, falls das betrachtete Säugetier tatsächlich die Merkmale eines Hundes aufweist.

…  Dagegen ist das Schema eines reinen Verstandesbegriffs etwas, was in gar kein Bild gebracht werden kann, sondern ist nur eine reine Synthesis, gemäß einer Regel der Einheit nach Begriffen überhaupt, die die Kategorie ausdrückt,  und ist ein transzendentales Produkt der Einbildungskraft, …….(vgl. mit Kant Zitat 13).

Zum Beispiel der Begriff „Intelligenz“ ist eine systematische Einheit, die durch das Schema des reinen Verstandesbegriffs erkannt wird, und zwar durch das Schema der psychologischen Idee unter der wir die Merkmale respektive die kognitiven Kriterien in Bezug auf diesen psychologischen Begriff durch die reine Synthesis aufassen (vgl. mit Kant Zitat 13).

Es handelt sich in diesem Fall also um das Schema eines reinen Verstandesbegriffs das durch die reine Synthesis gemäß der Regel der Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, und es ist dies ein transzendentales Produkt der Einbildungskraft (vgl. mit Kant Zitat 13).

Im zuerst genannten Beispiel des „Hundes“ handelt sich beim Begriff „Hund“ um eine systematische Einheit, die auf ein Objekt zurückgeführt werden kann, und es kann damit das Zutreffen dieser Einheit durch das Schema „allgemein gültig“ bestimmt werden, wenn das beurteilte Tier die Kriterien und damit die Kategorie „Hund“ gemäß dieser Gattung erfüllt.

Im zweit genannten Beispiel handelt es sich beim Begriff „Intelligenz“ um eine systematische Einheit, die durch die reine Synthesis erkannt wird, die gemäß einer Regel durch dieses Schema erkannt wird, wobei dieses Erkenntnisobjekt nicht auf der „Ebene der Objekte“ überprüft werden. Daher kann diese Einheit bzw. dieses Ganze nur auf der „Ebene der Ideen“ und daher nur subjektiv gültig erkannt werden, weil uns diese Einheit nur als systematische Einheit, nämlich als Gegenstand in der Idee gegeben ist (vgl. mit Kant Zitat 7). Daher kann eine solche Einheit nur in Bezug auf einen Typus bestimmt werden.

Man kann auch sagen, weil eine solche (systematische) Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person als der Begriff der Idee erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7), und dieser Begriff ein transzendentales Produkt der Einbildungskraft ist (vgl. mit Kant Zitat 13), kann das Erkenntnisobjekt nicht auf der „Ebene der Objekte“ bestimmt werden.

Daher spricht Immanuel Kant bei einer Idee, die nicht auf der „Ebene der Objekte“ überprüft werden kann von einer bloße Idee, weil diese Idee nicht auf ein demonstrierbares Objekt zurückgeführt werden kann  (vgl. mit Kant Zitat 4 und Kant Zitat 8).

In Folge der Einbildungskraft erkennen wird das Allgemeine an gleichartigen Erkenntnisobjekten, die uns jeweils als Gegenstand schlechthin gegeben sind und können wir damit das Schema dieser Einheit bestimmen. Oder wir können das Schema der Idee nur charakterisieren, weil gleichartige Erkenntnisobjekte uns nur auf der „Ebene der Ideen“ als Gegenstand in der Idee gegeben sind, und wir diese nur durch das „Ponderieren der Ideen“ miteinander vergleichen können.

So hat man etwa in der Psychiatrie das Schema der psychiatrischen Idee „Depression“ erkannt und damit in der psychiatrischen Klassifikation die psychiatrische Kategorie dieser Form einer psychischen Störung unter Berücksichtigung der anderen Kategorien definieren können.

Man kann also etwa bezüglich der psychiatrischen Diagnostik festhalten: das (psychiatrisch) diagnostische Schema zeigt die Merkmale der psychiatrischen Kategorie und es wurde dieses (diagnostische) Schema in Bezug auf seine Definition unter Berücksichtigung der anderen diagnostischen Schemata der psychiatrischen Klassifikation im Rahmen der Errichtung oder im Rahmen der Revision (bzw. im Rahmen der Operationalisierung) erkannt.

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Weiteres zum Begriff Schema

Zum Beispiel liegt dem

sinnlichen Begriff „Hund“ ein Schema zu Grunde und nicht ein Bild (vgl. mit Kant Zitat 13).

– oder es liegt dem reinen Verstandesbegriff „Intelligenz“ das Schema zu Grunde das durch die reine Synthesis erkannt worden ist (vgl. mit Kant Zitat 13).

oder es liegt dem Begriff „Schizophrenie“ das Schema eines reinen Verstandesbegriffes zu Grunde, der durch die reine Synthesis von Eugen Bleuler auf Grundlage seiner klinischen Erfahrung und vernünftigen Überlegung erkannt worden ist (vgl. mit Kant Zitat 13).

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Man kann auch sagen: der Begriff der Idee ist eine systematische Einheit, die durch das Schema der Idee auf der Ebene der Vorstellungen als Folge des menschlichen Denkens entsteht (vgl. mit Kant Zitat 7).

Unter dem Begriff der Idee fassen wir daher entweder sinnlich wahrnehmbare Dinge auf, etwa die Merkmale eines Hundes, die durch das Schema der Idee „Hund“ erkannt worden sind (vgl. mit Kant Zitat 13).

Oder wir fassen unter dem Begriff der Idee andere Gegenstände in der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) durch die reine Synthesis (vgl. mit Kant Zitat 13) auf, die sich auf diese Idee beziehen (vgl. mit Kant Zitat 7).

In einem solchen Fall handelt es sich um eine bloße Idee und es ist dieser Begriff nicht nur ein „reiner Verstandesbegriff“ sondern auch ein regulativer Begriff, wie dies z.B. beim Begriff einer psychologischen Idee der Fall ist. (vgl. mit Kant Zitat 4)

In diesem Sinn bezieht sich ein Begriff als systematische Einheit der Idee entweder auf ein sinnlich wahrnehmbares Erkenntnisobjekt das durch das Schema der Idee erkannt und bestimmt wird (vgl. mit Kant Zitat 7) – wie dies obenstehend am Beispiel der Diagnostik eines Säugetiers das zur Gattung der Hunde zählt ausgeführt worden ist. Oder es bezieht sich der Begriff des Schemas auf ein Erkenntnisobjekt das nur auf der Ebene der Ideen in Bezug auf einen Typus bestimmt werden kann, wie dies etwa auf einen Begriff in der Psychologie, in der Psychiatrie und in Teilbereichen der Medizin der Fall ist und daher in der Diagnostik in diesen Wissenschaften großer Bedeutung ist.*

Beim Begriff einer psychologischen Idee, oder beim Begriff einer psychiatrischen Idee handelt es sich je um die systematische Einheit der Idee die durch die reine Synthesis auf der „Ebene der Ideen“ durch das Schema der Idee erkannt wird (vgl. mit Kant Zitat 13) bzw. handelt es sich dabei um eine bloße Idee (vgl. mit Kant Zitat 8 und mit Kant Zitat 4), die eine transzendentale Idee ist (vgl. mit Kant Zitat 8a). Daher kann man eine solche Idee nicht auf der „Ebene der Objekte“ überprüfen. Dies bedeutet, man kann eine solche Idee nicht am Probierstein der Erfahrung überprüfen (vgl. mit Kant Zitat 10). Die Objektivierung einer solchen Idee ist also grundsätzlich nicht möglich und man kann daher eine psychiatrische Diagnose nicht physisch etwa durch biologische Befunde oder durch bildgebende Befunde auf der „Ebene der Objekte“ überprüfen.

Diesen Sachverhalt hat Karl Jaspers auf der Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant erkannt wenn er in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ (ab der 4. Auflage) schreibt:

„Wenn ich das Ganze als Idee auch nicht geradezu erkennen kann, so nähere ich mich ihm – mit Kants Worten – durch das “Schema” der Idee.“ (vgl. mit Jaspers Zitat)

Es gibt also Begriffe und daher Schemata die sich auf real existente Erkenntnisobjekte beziehen und andererseits Schemata die sich auf transzendente Erkenntnisobjekte beziehen und es ist daher ein solcher Begriff der Begriff einer bloßen Idee bzw. der Begriff einer transzendentalen Idee.*

Abschließend kann man also festhalten dass der Begriff diagnostisches Schema in diversen Wissenschaften von Relevanz ist, weil die diagnostische Einheit nur vermittelt durch das Schema (der diagnostischen Idee) erkannt werden kann.

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Weiteres* zur Diagnostik mit der Hilfe von Schematas in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung, 02.11.2020, abgelegt unter Schema, philosophische Begriffe, Abstraktion, Philosophie)

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