Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Kategorie

Die Kategorie ist der Grundbegriff um dadurch gleichartige Einheiten unter diesem Erstbegriff zu erfassen/erkennen/klassifizieren/definieren.

Es sind die unterschiedlichen Kategorien also Erstbegriffe um dadurch gleichartige Erkenntnisobjekte gemäß den gemeinsamen Merkmalen zu bestimmen/zu ordnen/zu gruppieren/zu klassifizieren/zu diagnostizieren/zu definieren etc.

Kategorie (griechisch: „Aussage“) allg. Grundbegriff, Erstbegriff, Gruppe, Gattung, Typus, Klasse, Art.

Dabei wurde die einzelne Kategorie durch die spezifischen oder durch die charakteristischen Merkmale des Erkenntnisobjekts erkannt, und es zeigt das Schema des jeweiligen Grundbegriffs/Erstbegriffs diese Merkmale auf.

Allerdings muss man unterscheiden, ob sich die Kategorie auf eine faktische Einheit oder auf eine systematische Einheit bezieht, weil es einen großen Unterschied macht, ob meiner Vernunft die Merkmale der Einheit tatsächlich – und somit als Gegenstand schlechthin oder nur als der Begriff der Idee und daher nur als Gegenstand in der Idee gegeben sind (vgl. mit Kant Zitat 7).

Im erst genannten Fall kann ich die Merkmale der Kategorie in der „Natur“ (= physis) als tatsächlich gegebene – somit als physische – Merkmale einer wirklich existenten Natureinheit – die mir als Gegenstand schlechthin im Sinne von Immanuel Kant – gegeben ist, finden und deswegen die Zugehörigkeit zur Gattung bestimmen.

Im zweit genannten Fall kann ich die Merkmale der Kategorie nur auf der Ebene der Ideen in Bezug auf den (definierten) Typus erkennen/bestimmen, weil mir dieser nur als Gegenstand in der Idee gegeben ist. In diesem Fall kann ich die Merkmale also nur mental durch die rein geistige Analyse und Synthese durch das Schema der Idee erkennen (vgl. mit Kant Zitat 7).

In einem solchen Fall ist all dies durch den Verstand und durch die (reine) Vernunft bzw. durch die vernünftige Überlegung erkannt worden (vgl. mit Kant Zitat 10).

Es kann die Kategorie also eine Einheit sein, gemäß der gleichartige Dinge/Objekte/Erscheinungen/Phänomene/Funktionen/Zustände, Sachverhalte etc. nach einer gewissen  Ordnung in Klassen gegliedert erfasst werden, was etwa in der Diagnostik in den verschiedenen Bereichen des Wissens und daher in den diversen Wissenschaften der Fall ist.

Man kann auch sagen:

Eine Kategorie ist die Form durch die gleichartige Erkenntnisobjekte unter gewissen Gesichtspunkten/Sichtweisen erfasst werden.

Eine Kategorie ist also eine „geistige Schublade“ in der gleichartige Einheiten nach gewissen Kriterien erfasst/klassifiziert/diagnostiziert/gezählt etc. werden.

Dabei haben Menschen die einzelne Kategorie und deren Merkmale durch die Abstraktion erkannt, indem sie entweder die gleichartigen spezifischen Merkmale von gleicharten Einheiten – auf der „Ebene der Objekte“ – erkannt haben, und damit die Kategorie der Gattung durch diese Merkmale bestimmt haben. Oder es haben die Menschen die gleichartigen charakteristischen Merkmale von gleichartigen Einheiten – auf der „Ebene der Ideen“ – erkannt und durch Begriffe beschrieben, und damit die Kategorie des Typus beschrieben bzw. definiert. (vgl. mit Kant Zitat 7 und mit Jaspers Zitat)

Eine Kategorie bezieht sich somit entweder auf Erkenntnisobjekte, die auf der Ebene der Objekte bzw. auf der Ebene der Fakten als Gegenstand schlechthin und damit als faktische Einheit erkannt und bestimmt werden können, oder es bezieht sich eine Kategorie auf Erkenntnisobjekte, die nur auf der Ebene der Ideen, somit nur als Gegenstand in der Idee und daher nur als systematische Einheit der Idee erkannt und bestimmt werden werden können. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Demgemäß können die Erkenntnisobjekte und ihre Merkmale einer zuerst genannten Kategorie in der Wissenschaft objektiv gültig bestimmt werden, wohingegen die Erkenntnisobjekte und die Merkmale einer Kategorie einer zweit genannten Art, etwa in der psychiatrischen Diagnostik nur subjektiv gültig auf der Ebene der Ideen erkannt werden können, wie dies etwa bei den psychiatrischen Kategorien der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation oder der DSM-V Klassifikation der Fall ist.

Erkenntnistheoretisch betrachtet bzw. philosophisch betrachtet ergibt sich die Kategorie aus den Merkmalen, die durch das Schema der Idee erkannt worden sind (vgl. mit Kant Zitat 7). Es haben also Menschen durch die Abstraktion die gemeinsamen Merkmale bei gleichartigen Erkenntnisobjekten erkannt, und es sind dadurch die Kategorien erkannt worden (etwa in Bezug auf eine Gattung) oder definiert worden (etwa in Bezug auf einen Typus). Die Kategorie ist also eine Einheit, die durch das Schema der Idee erkannt und bestimmt wird. Damit ist der Begriff der Idee ident mit dem der Kategorie. In manchen Fällen kann man diesen Begriff auf der Ebene der Objekte allgemein gültig bestimmen, das bedeutet, man kann in diesem Fall die Einheit bzw. die Idee von der Einheit auf Fakten zurückführen und damit die spezifischen Merkmale der Kategorie objektiv gültig bestimmen. In anderen Fällen ist dies nicht möglich, und man kann die Einheit, die in diesem Fall eine systematische Einheit ist, nicht auf der Ebene der Objekte bestimmen, sondern man muss die systematische Einheit und damit deren Grenzen auf der Ebene der Ideen durch die charakteristischen Merkmale definieren (vgl. mit Kant Zitat 7). Im erst genannten Fall kann man die Idee also auf ein Objekt zurückführen und damit die Einheit und damit die zutreffende Kategorie objektiv gültig und damit allgemein gültig angeben/bestimmen. Im zweit genannten Fall ist dies nicht möglich, und man kann daher die Merkmale und die Grenzen der Kategorie nur subjektiv gültig bestimmen bzw. diese nur subjektiv gültig definieren und etwa per Konvention festlegen.

Man findet also, dass in einer Kategorie entweder gleichartige Erkenntnisobjekte auf der Ebene der Objekte erfasst werden, oder es werden in einer Kategorie gleichartige Erkenntnisobjekte auf der Ebene der Vorstellungen, somit auf der Ebene der Ideen erfasst.

Nach dem es Einheiten gibt, die uns tatsächlich als Objekte bzw. als faktische Einheiten gegeben sind, und solche, die uns nur auf der Ebene der Vorstellungen als systematische Einheiten gegeben sind, ist eine Kategorie eine Einheit unter der entweder „physisch“ demonstrierbare Erkenntnisobjekte erfasst werden, oder es ist dies eine Einheit unter der „meta-physisch“ fassbare Erkenntnisobjekte, also Ideen bzw. die Begriffe der Ideen erfasst werden. Es kann sich dabei also um demonstrierbare Erkenntnisobjekte handeln, die uns als Gegenstand schlechthin tatsächlich gegeben sind, oder es handelt sich um Erkenntnisobjekte, die uns nur als Gegenstand in der Idee gegeben sind. (vgl. mit Kant Zitat 7).

Eine Kategorie ist oftmals die Einheit einer Klassifikation.

Durch den Begriff der Kategorie werden die Merkmale dieser Einheit angegeben, und man kann daher durch diesen Begriff/Erstbegriff/Grundbegriff die Merkmale eines solchen Erkenntnisobjekts erkennen/auffassen/geistig begreifen. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Es gibt die verschiedensten Kategorien in den verschiedenen Bereichen des Wissens, und damit auch in den einzelnen Wissenschaften, etwa in den Naturwissenschaften (Physik, Quantenphysik, Chemie, Biochemie, Biologie, usf.) und auch in anderen Erkenntnisbereichen, so etwa in der Philosophie, in der Medizin, der Psychiatrie, der Psychologie, der Rechtsprechung usf.

Eine Kategorie kann also z.B. eine Einheit sein unter der alle „Hunde“ eines Tierheimes erfasst werden, oder es kann eine Kategorie eine Einheit sein, unter der alle „leichtgradigen depressiven Störungen“ im Rahmen einer Studie erfasst werden.

Im Rechtswesen kann eine Kategorie z.B. eine Einheit sein, unter der z.B. alle Pflegschaftsfälle eines Gerichts erfasst werden, bei denen bereits ein psychiatrisches Gutachten über die betroffene Person gemacht worden ist.

Über Kategorien in der Heilkunde

In der Heilkunde gibt es in der Medizin die Kategorie (Klasse) der gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) des Körpers, die nach Gattungen gegliedert erfasst werden, und andererseits solche die nach Typen gegliedert erfasst werden. In der Psychiatrie können die unterschiedlichen Störungen der Psyche, die sogenannten psychischen Störungen nur gemäß verschiedenen definierten Typen durch die Schemata der Ideen erfasst werden, wie dies der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant erkannt hat (vgl. mit Jaspers Zitat).

Es gibt also die Kategorie der Störungen des Körpers und im Gegensatz dazu die Kategorie der Störungen der Psyche.

Unter der Kategorie der gesundheitlichen Störungen des Körpers werden wiederum die verschiedensten Untergruppen (Kategorien) gebildet.

Gliederung der gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) nach verschiedenen Gesichtspunkten:

Die gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) können in die chirurgischen Krankheiten, also in die Krankheiten eingeteilt werden, die der Chirurg behandelt und es bilden dann diese einzelnen Einheiten/Entitäten je eine Kategorie.

Des weiteren:

Die internistischen Krankheiten, also die Krankheiten die der Internist behandelt.

Die dermatologischen, die urologischen, die pädiatrischen Krankheiten bzw. gesundheitlichen Störungen usf.

Der Allgemeinmediziner ist, wie der Name schon sagt mit allen Klassen bzw. Kategorien von Krankheiten befasst, er ist allerdings nicht der Spezialist für eine einzelne Art von Krankheit, aber derjenige der den großen Überblick im Hinblick auf die Gesundheit und die Krankheit des Patienten hat.

Eine Kategorisierung entsteht also durch die Unterscheidung von Objekten und Ideen (vgl. mit Kant Zitat 7), die uns entweder als Gegenstand schlechthin oder nur als Gegenstand in der Idee gegeben sind.

Wir erkennen die einzelnen Erkenntnisobjekte gemäß diesen unterschiedlichen Kategorien.

Einteilung der gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) nach anderen Gesichtspunkten

In der Heilkunde kennen wir:

die Kategorie der Medizin und die der Psychiatrie.

wobei die Medizin im Sinne der Schulmedizin bzw. die universitäre Medizin in die Fächer: Innere (Interne) Medizin, Chirurgie, Dermatologie, Urologie. …, Pädiatrie usf. aufgeteilt worden ist.

Weiters kennen wir neben den Kategorien Medizin und Psychiatrie in der Heilkunde – man könnte sagen – die Zwischenkategorie: Psychosomatik, die zum Teil als eigene Kategorie geführt wird, zum Teil allerdings nicht als eigene Kategorie geführt wird – und es werden in diesem Fall die entsprechenden gesundheitlichen Störungen sowohl in der Psychosomatik, aber auch in der Medizin oder in manchen Fällen auch in der Psychiatrie behandelt.

Innerhalb der Medizin kennt man auch die Unterscheidungen bezüglich der einzelnen Krankheiten nach bestimmten Arten, also die entzündlichen Krankheiten, der neoplastischen Krankheiten (Tumore), die degenerativen Krankheiten, die Kategorie der Mangelkrankheiten usf. und es bilden daher auch diese je eigene Kategorien.

Weiters unterscheidet man funktionelle Störungen versus organisch manifeste Krankheiten, bei denen man objektive Befunde findet, während dies bei den funktionellen Störungen im engeren Sinn nicht möglich ist.

Dabei sollte man allerdings beachten, dass eine funktionelle Störung nicht gleich bedeutend ist mit einer psychisch bedingten Störung.

(Anmerkung: es kann nämlich eine gesundheitliche Störung, bei der man keinen objektiven Befund erheben kann auch aus anderen Gründen als aus psychischen/“psychogenen“ Gründen durch eine sonstige Ursache bedingt auftreten. Nur weil man keinen körperlich, objektiven Befund erheben kann, heißt dies noch nicht (zwingend), dass dann die „Psyche“ die Ursache sein muss.)

Weiters kennt man in der Heilkunde die Unterscheidung: Allopathie versus Homöopathie

Und man kennt auch die Unterscheidung: Alternativmedizin (auch Alternative Medizin) bzw. Komplementärmedizin, die sich von der Schulmedizin abgrenzen und unterscheiden.

Man kann also die Krankheiten (gesundheitlichen Störungen) nach den verschiedensten Kriterien/Gesichtspunkten und somit nach den verschiedensten Kategorien unterscheiden. Je nach Unterscheidung und Zuordnung zu einer Kategorie (Klasse) sind unterschiedliche Methoden in Bezug auf Diagnostik und Therapie entwickelt worden.

Durch die Kategorisierung der verschiedenen gesundheitlichen Störungen gemäß den verschiedenen Kriterien und den verschiedenen Theorien sind also unterschiedliche Therapien entwickelt worden.

Anmerkung zum Schluss 

In der Medizin und Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie) sollte man sich bewusst machen:

1) Dass die Dinge an sich sind, wie sie sind.

2) Dass die Natur den Menschen nicht vorschreibt welche Einheiten (Kategorien und Klassen) sie verwenden sollen, mit deren Hilfe sie die Dinge einteilen, sondern, dass sie diese selbst bilden können. Nur sollen die Kategorien dann von der Art sein, dass sie mit der Natur übereinstimmen.

Und weiters sollte man sich bewusst machen, dass wir manche Dinge auf der Grundlage von Gegenständen schlechthin einteilen können und andere nur auf der Grundlage von Gegenständen in der Idee. Die Dinge, die wir auf der Grundlage von Gegenständen schlechthin einteilen, sind uns dabei aber allerdings durch die Natur vorgegeben. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Daher sind die einzelnen medizinischen Diagnosen, die auf der Basis von Gegenständen schlechthin gebildet worden sind, im Laufe der Zeit, nach der Entdeckung der jeweiligen Merkmale (Zeichen) der gesundheitlichen Störungen und der Entdeckung der Zusammenhänge dieser Zeichen (Merkmale) entdeckt worden. (vgl. mit Kant Zitat 22)

Im Gegensatz dazu sind die anderen Einheiten und damit die systematischen Einheiten etwa die der syndromalen Diagnosen (in der Medizin und Psychiatrie auf der Grundlage des „Zusammensehens“ von mentalen Objekten unter der Führung von Ideen (vgl. mit dem Jaspers Zitat) also durch die denkende Anschauung – wie dies Karl Jaspers geschrieben hat – erkannt und auf diese Art und Weise durch die Begriffe der Ideen „entdeckt“ worden. (vgl. mit Kant Zitat 7 und auch mit dem Bleuler Zitat und Kant Zitat 22)

Die Kategorien der objektiven medizinischen Diagnosen sind also direkt aus der Natur abgeleitet worden, die Kategorien der psychiatrischen Diagnosen – und die von gewissen medizinischen Diagnosen (Beispiel: Migräne) sind erst mit Hilfe der denkenden Anschauung unter Führung von Ideen erkannt und auf dieser Grundlage etwa die Symptomenkomplexe definiert worden (vgl. mit dem Jaspers Zitat).

Man erkennt damit durch die Anwendung der Philosophie von Immanuel Kant den großen Unterschied als Folge des Unterschieds zwischen den Erkenntnisobjekten (vgl. mit Kant Zitat 7) und damit auch den zwischen den Kategorien, insofern sich die einen auf spezifische Merkmale gründen, die anderen jedoch auf charakteristische.

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(letzte Änderung 05.12.2019, abgelegt unter: Abstraktion, Definition, Kategorie, philosophische Begriffe, Philosophie)

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