Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Überwertige Idee

Eine überwertige Idee ist eine Idee die zu hoch bewertet ist.

Es ist eine überwertige Idee also eine Idee, die von der Person die diese Idee hat, zu hoch eingeschätzt wird und die daher der Situation bzw. der Realität nicht entspricht. Oder man kann auch sagen: die überwertige Idee ist im Hinblick auf den Sachverhalt nicht angemessen.

Mit anderen Worten: die überwertige Idee wird von der Person, die sie als Vorstellung erlangt hat zu hoch bewertet und daher unangemessen berücksichtigt. Es ist dies also ein Gedanke, der nicht gemäß den realen Gegebenheiten – somit nicht der Wirklichkeit entsprechend – bewertet und berücksichtigt wird.

Dabei kann die überwertige Idee die Folge einer einseitigen Beeinflussung/Suggestion sein, oder es ist die Beeinträchtigung im Denken die Folge eines nicht angemessenen Urteils das die Person selbst gebildet hat.

Die überwertige Idee beruht somit auf einem nicht angemessenen oder gar auf einem falschen Urteil.

Eine überwertige Idee kommt insbesondere unter dem starken Einfluss der Emotion /Gefühle – oder man kann auch sagen unter dem Affekt zustande. Deswegen kann man sagen, dass manche überwertige Idee die Folge einer affektiven Störung ist. Oder es tritt die überwertige Idee – wie schon angedeutet infolge einer Störung in der Kognition und daher in Folge einer kognitiven Störung auf.

Es kann auf dieser Grundlage bis zur inhaltlichen Denkstörung kommen, falls die Urteilskraft dadurch stark nachteilig beeinflusst wird. Unter Umständen kann auf diesem Weg ein Wahn bzw. eine Paranoia entstehen.

Eine überwertige Idee kann also im Rahmen der Normalpsychologie vorkommen, etwa bei starkem Einfluss der Gefühle (etwa bei massiver Angst) die sich auf das Denken auswirken. Man spricht dann z.B. von der „rosaroten Brille bei der Verliebtheit“ und man meint damit die einseitige, übertriebene Sichtweise, die nur das Positive sieht und das Negative nicht sieht oder zu wenig sieht und zu wenig beachtet und in der Beurteilung des Sachverhalt berücksichtigt. Oder es ist die überwertige Idee die Folge einer Kritikstörung. Unter Umständen wird man auch sagen dass die überwertige Idee die Folge einer Dummheit ist, oder die Folge einer medialen Verblendung infolge einer einseitigen medialen Ansage (zum Beispiel der Glaube den Klimawandel – der gegenwertig gerne als Klimakrise bezeichnet wird – verhindern zu können wenn in Deutschland z.  B. die Inlandflüge gesetzlich verboten werden, wohingegen die Inbetriebnahme von zusätzlichen Kohlekraftwerken zur Stromerzeugung in großer Zahl in vielen Ländern der Welt nicht berücksichtigt wird usf.)

Oder es kann eine überwertige Idee im Rahmen einer krankheitswertigen psychischen Störung auftreten.

Etwa bei einer Depression treten überwertige Ideen insbesondere nihilistische Ideen (Minderwertigkeitsgefühl, Verarmungsidee, Schuldgefühle etc.) auf. Die betroffene Person sieht alles negativ bzw. mit negativem Anstrich. Diese negative Sicht kann sich bis zum Wahn steigern. Es kann auf dieser Grundlage ein Verarmungswahn auftreten. Oder es kann bei der Manie eine gegenteilige überwertige Idee bis hin zum Größenwahn auftreten. Man erkennt damit, dass die Ideen durch die Stimmung bzw. durch den Affekt stark beeinflusst werden.

Damit wird deutlich, dass eine überwertige Idee sich  bis zur wahnhaften Gewissheit steigern kann.

Es erfüllt dann dieses psychopathologische Phänomen bzw. diese vorliegende psychische Störung die Kriterien einer Psychose.

Infolge einer überwertigen Idee kommt es also zu einer Störung im Realitätsbezug. Man kann auch sagen: die Realitätswahrnehmung ist infolge der überwertigen Idee verzerrt, und es handelt sich dabei um eine kognitive Störung.

Es sind also überwertige Ideen in der Psychologie und in der Psychiatrie wesentliche psychische Phänomene bzw. psychopathologische Phänomene, wie sie als Folge einer kognitiven Störung vorkommen.

Und es sind daher überwertige Ideen in der Forensischen Psychiatrie und damit bei der Erstattung von psychiatrischen Gutachten oftmals von Relevanz.

Auch in der Medizin sind überwertige Ideen von Relevanz, etwa wenn eine Person eine übermäßige Angst vor einer Erkrankung entwickelt und bei jedem „Symptömchen“ gleich das Ärgste befürchtet.

So bemerken bekanntlich nicht wenige Medizinstudenten an sich selbst jeweils gerade die Symptome einer Krankheit, die im Unterricht in der Vorlesung gerade thematisiert wird.

Es handelt sich bei einer überwertigen Idee grundsätzlich um ein psychisches bzw. ein geistiges Phänomen das man aus der Normalpsychologie als Variation des normalen Erleben kennt und das man auch in der Psychiatrie bei den ausgeprägten krankheitswertigen psychischen Störungen kennt.

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Weiteres über das Erkennen und Diagnostizieren in der Psychiatrie in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 09.05.2020, abgelegt unter: Definition, Geist, Gutachten, Idee, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie, Realitätswarhnehmung, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff)

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