Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Selbstreflexion

Die Selbstreflexion ist die Reflexion auf sich selbst.

Es ist die Selbstreflexion also die „Zurück-Schau“ auf sich selbst und damit gleichsam die Sicht auf sich selbst.

Man kann daher auch sagen: die Selbstreflexion ist die Sichtweise auf sich selbst.

Durch die Selbstreflexion wird unter anderem das Selbstbewusstsein erkannt.

Die Selbstreflexion ist die Fähigkeit auf der Ebene der Vorstellungen die verschiedensten Aspekte in Bezug auf das Selbst zu erkennen.

Es ist dies auch die Fähigkeit im Voraus auf der Grundlage der Reflexion zu erkennen was welche Auswirkung hat, wenn man z.B. etwas beabsichtigt zu unternehmen.

Es ist also die Selbstreflexion die Fähigkeit vorauszusehen wie sich etwa eine Aussage oder eine Handlung auswirken wird. Wie es sich auswirken wird, wenn man z.B. eine gewisse Kleidung zu einem gewissen Anlass anziehen wird usf.

Diese Fähigkeit ist für den zwischenmenschlichen Umgang von außerordentlicher Bedeutung, weil damit schon im Vorhineinen erkannt und abgeschätzt werden kann welche Auswirkungen etwas haben wird noch bevor es unternommen worden ist. Damit hat die Person die Möglichkeit abzuschätzen was welche Auswirkungen haben wird und kann die Person demgemäß eine angedachte Handlung unternehmen oder unter Umständen unterlassen.

Durch dieses antizipierende Vorgehen kann demgemäß oftmals ein Konflikt vermieden werden und kann die Person im Umgang mit Anderen den rechten Ton und auch die angemessen Worte finden und in weiterer Folge die passenden Handlungen unternehmen.

Psychologisch betrachtet ist die Selbstreflexion ein psychisches Phänomen, das nur den Menschen und nicht den Tieren in dieser Ausprägung zu eigen ist.

Biologisch betrachtet ist die Selbstreflexion die Fähigkeit verschiedene neuronale Muster auf der Ebene  des Nervensystems zu entwickeln und diese miteinander zu vergleichen. Auf dieser Grundlage entsteht der mentale Prozess den man als das Denken oder als das Überlegen bezeichnet.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist die Selbstreflexion die Fähigkeit verschiedene Ideen auf der Grundlage des Verstandes zu entwickeln und diese auf der Ebene der Vorstellungen miteinander zu vergleichen, um sodann zu entscheiden was am besten zutreffend ist. Das heißt es ist dies also die Fähigkeit – wie Immanuel Kant sagt – die Ideen gegeneinander zu ponderieren um sodann auf der Grundlage der Vernunft zu entscheiden was am besten zutreffend ist. Die gute Selbstreflexion entsteht also auf der Grundlage des guten Hausverstandes bzw. bedingen diese beiden sich gegenseitig.

Wie man einsehen kann ist diese Fähigkeit in praktisch allen Bereichen des Lebens und des menschlichen Umgangs vor außerordentlicher Bedeutung und es ist daher diese Fähigkeit insbesondere in der Psychologie, in der Psychiatrie, in der Psychotherapie und in der Medizin von großer Bedeutung und man sollte danach streben dieses Vermögen so weit als möglich zu entwickeln.

Die Selbstreflexion ist sowohl in der Psychologie wie auch in der Psychiatrie und überhaupt im Leben und hier insbesondere im zwischenmenschlichen Umgang – somit auch in der Psychotherapie – von großer Bedeutung.

Bei gewissen psychischen Störungen ist die Selbstreflexion erheblich bis völlig eingeschränkt.

In mehr oder weniger ausgeprägter Form ist die Selbstreflexion anlagebedingt bei verschiedenen Persönlichkeitsstörungen eingeschränkt und auch bei den psychischen Störungen vom Typ einer Neurose. Ganz gravierend ist die Selbstreflexion bei den Psychosen eingeschränkt.

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(letzte Änderung 18.11.2016, abgelegt unter Definition, Psyche, psychologischer Begriff, Psychologie, Psychotherapie, Sicht)

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