Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

medizinische Diagnose

Eine medizinische Diagnose ist eine Diagnose durch die eine gesundheitliche Störung (Krankheit) des Körpers erfasst wird.

Dabei wird die gesundheitliche Störung des Körpers als lebender Organismus in der universitären Medizin (Schulmedizin) nach einem System geordnet erfasst.

Demgemäß kann man in der universitären Medizin die jeweilige krankheitswertige Störung der Gesundheit bzw. die Krankheit des Organismus nach einem System geordnet erkennen bzw. systematisch durch die jeweilige medizinische Diagnose bestimmen.

Daher kann man auch sagen, dass eine medizinische Diagnose in der universitären Medizin (Schulmedizin) der Begriff einer diagnostischen Einheit ist durch die eine bestimmte gesundheitliche Störung durch eine bestimmte  Krankheitseinheit systematisch erkannt und bestimmt wird.

Es ist die medizinische Diagnose also der Begriff unter dem die spezifischen oder die charakteristischen Merkmale der gesundheitlichen Störung (Krankheit) durch das fachliche bzw. medizinische Denken nach einem System geordnet durch die passende Entität erfasst werden.

Dabei erfasst die medizinische Diagnose die körperliche Krankheit in gewissen Fällen aufgrund der klinischen Erscheinung, in anderen jedoch aufgrund von körperlichen Fakten, wovon nachfolgend noch eingehend die Rede ist.

(Diagnose – griechisch διάγνωση – „die Unterscheidung“, „die Erkenntnis“)

Medizinische Diagnosen in den verschiedenen Fachbereichen der universitären Medizin:

Eine neurologische Diagnose erfasst eine neurologische Störung.

Oder es wird eine gesundheitliche Störung/Krankheit in der Inneren Medizin, in der Chirurgie, in der Orthopädie, in der Augenheilkunde, in der Dermatologie, in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde usf. durch die jeweilige fachspezifische medizinische Diagnose erfasst.

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Bei einer körperlichen Krankheit bzw. bei einer körperlichen gesundheitlichen Störung sind körperliche Zeichen die charakteristischen oder die spezifischen Merkmale, auf deren Grundlage die medizinische Diagnose bestimmt wird.

Dabei können dies charakteristische Symptome und charakteristische körperliche nicht objektivierbare Phänomene sein, durch die die gesundheitliche Störung und damit die medizinische Diagnose erfasst wird. In diesem Fall kann man sagen, dass diese gesundheitliche Störung durch den charakteristischen Symptomenkomplex erfasst wird (Beispiel: Migräne).

Oder es wird die medizinische Diagnose durch die spezifischen Merkmale der gesundheitlichen Störung erfasst (Beispiel: Herzinfarkt wird durch spezifische Enzyme  im Blut erfasst und gesichert).

Eine medizinische Diagnose wird also auf der Grundlage der Merkmale erkannt und bestimmt, die man in Folge der Abstraktion als die gemeinsamen Merkmale der Krankheit bzw. der gesundheitlichen Störung in der Klinik entdeckt bzw. durch die klinische Beobachtung infolge der klinischen Erfahrung erkannt hat.

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Betrachtet man sämtliche Diagnosen in der Medizin, so findet man einerseits medizinische Diagnosen, die man objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen kann, weil die gesundheitliche Störung (Krankheit / Verletzung) auf der Grundlage von objektiven Befunden bestimmbar ist.

Oder es kann die gesundheitliche Störung (Krankheit) nur subjektiv gültig durch Symptome und nicht objektivierbare Phänomene bestimmt werden. Oder in der Histopathologie und Zytopathologie durch die klinische Erscheinung wie sich histopathologischen Bild (Schnittbild) und im zytopathologischen Bild manifestiert.*

In gewissen Fällen kann also die diagnostische Einheit durch ein Faktum bzw. durch mehrere Fakten bestimmt werden, in anderen Fällen nur durch eine Idee bzw. nur vermittelt durch das (diagnostische) Schema der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7). Man kann in den Fällen in denen die medizinische Diagnose aufgrund der klinischen Erscheinung erkannt wird die Entität nur mit der Hilfe des diagostischen Schemas (der diagnostischen Idee) bestimmen.

Man findet also dass die allgemein gültig bestimmbaren medizinischen Diagnosen sich auf objektiv bestimmbare körperliche bzw. physische Merkmale gründen, wohingegen die nur subjektiv bestimmbaren medizinischen Diagnosen in Abhängigkeit vom (erkennenden) Subjekt – hier in der Regel vom diagnostizierenden Arzt/Facharzt -erkannt und bestimmt werden.

Eine objektivierbare medizinische Diagnose kann also auf Grundlage von (spezifischen) objektiven Befunden bzw. auf der Grundlage von spezifischen objektiv gültig bestimmbaren körperlichen Zeichen – eben auf Basis von Fakten –  somit auf Grundlage von objektiver Evidenz – daher allgemein gültig erkannt und bestimmt werden.

Im Gegensatz dazu kann eine nicht objektiv und damit nicht allgemein gültig bestimmbare, also eine nur subjektiv gültige medizinische Diagnose nur auf der Grundlage von nicht objektivierbaren Zeichen respektive nur auf Basis der klinischen Erscheinung erkannt und in der medizinischen Diagnostik bestimmt werden. Es wird in einem derartigen Fall die medizinische Diagnose also nur Grundlage von subjektiver Evidenz gestellt, falls der Sachverhalt ausreichend typisch erscheint – also die Kriterien des Typ hinreichend erfüllt sind.*

Es sind also die Merkmale der Grund, warum man einen Teil der medizinischen Diagnosen objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen kann, und andererseits andere medizinischen Diagnosen nur subjektiv gültig bestimmen kann.

Es gibt demgemäß medizinische Einheiten, die auf der Grundlage von körperlichen bzw. „physischen“ Befunden objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmt werden können, und andererseits medizinische Einheiten bzw. medizinische Diagnosen, die nur subjektiv gültig bestimmt werden können, weil diese nur auf der Grundlage der klinischen Erscheinung erfasst werden können. Dies sind etwa die syndromalen Diagnosen im engeren Sinn. Eine solche Diagnose bzw. eine solche diagnostische Einheit ist eine zweckmäßige Einheit – im Sinne von Immanuel Kant, insofern diese diagnostische Einheit auf der Grundlage der klinischen Erfahrung in der Praxis in dieser Form erkannt und definiert worden ist.*

Man kann auch sagen: es ist eine solche diagnostische Einheit eine projektierte Einheit, die Ärzte in der Praxis auf Grundlage ihrer klinischen Erfahrung und ihrer vernünftigen Überlegung in dieser Form erkannt und in Bezug auf ihre Grenzen in Bezug auf einen Typus definiert haben.

Damit wird deutlich, dass eine nicht objektivierbare medizinische Diagnose durch ein medizinisches Konzept erkannt wird.

Man kann auch sagen, dass eine solche, nur subjektiv bestimmbare medizinische Diagnose eine phänomenologische Diagnose ist, wohingegen eine objektiv bestimmbare medizinische Diagnose eine faktische Diagnose ist, weil diese in Bezug auf eine Gattung bestimmt wird.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet findet man in der Erkenntnisbasis den Grund warum man eine medizinische Diagnose entweder objektiv gültig oder nur subjektiv gültig bestimmen kann. Es bestimmen also die Merkmale der diagnostischen Einheit, ob man diese objektivieren kann, oder ob man sie nicht objektivieren kann. Dabei findet man an der Erkenntnisbasis Merkmale, die uns entweder als Gegenstand schlechthin oder nur als Gegenstand in der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) gegeben sind.

Man findet also, dass eine objektiv bestimmbare medizinische Diagnose durch eine faktische Einheit erfasst wird, hingegen eine nur subjektiv bestimmbare durch eine systematische Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7).

Bei der objektiv bestimmbaren medizinischen Diagnose findet man demonstrierbare Fakten.

Das bedeutet: man kann nur diejenigen medizinischen Diagnosen objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen, falls sie sich auf „physische“ (anatomische, biologische, bildgebende, physiologische, pathophysiologische etc.) Merkmale gründen die allgemein gültig bestimmbar sind (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9) – weil man nur ein solches Merkmal auf der „Ebene der Objekte“ bzw. auf der Ebene der Fakten allgemein gültig bestimmen kann.

Falls die medizinische Diagnose sich auf Merkmale gründet, die nicht „physischer“  Natur – sondern, die – philosophisch gesprochen – „meta-physischer“ – „Natur“ sind, die also jenseits der physis (= Natur) erkannt werden, dann kann man eine solche Diagnose nur auf der „Ebene der Ideen“ und zwar nur durch den Begriff der Idee erkennen und bestimmen bzw. nur mit der Hilfe des Schemas der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7).

Eine solche diagnostische Einheit ist eine systematischen Einheit. Und ich erkenne die systematische Einheit indem ich die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasse (vgl. mit Kant Zitat 7).

Dabei kann ich die diagnostische Einheit nur subjektiv gültig bzw. nur subjektiv gewiss durch subjektive Befunde erkennen und bestimmen, weil ich sie auf Grundlage von subjektiver Evidenz erkenne. Eine solche medizinische Diagnose kann nicht am Probierstein der Erfahrung (vgl. mit Kant Zitat 10) allgemein gültig überprüft werden, was hingegen möglich ist, wenn ich die medizinische Diagnose auf der Grundlage von objektiven Befunden und damit auf der Grundlage von objektiver Evidenz bzw. auf der Grundlage von augenscheinlicher Evidenz erkenne.

Das heißt man kann nur die gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen, wenn man sie auf der Grundlage von physischen Objekten bzw. auf der Grundlage von deren Zeichen – nämlich Fakten allgemein gültig bestimmen kann.

Die gesundheitlichen Störungen (Krankheiten), die nur auf der Grundlage von mentalen Objekten also nur aufgrund der klinischen Erscheinung (gr. phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende) diagnostisch bestimmt werden, kann man nicht allgemein gültig bestimmen, weil man diese Erkenntnisobjekte nur auf der Ebene der Vorstellungen – also nur auf der „Ebene der Idee“- somit nur geistig durch den Begriff der Idee erfassen kann (vgl. mit Kant Zitat 7).

Tatsächlich findet man dies in der medizinischen Praxis bestätigt.

Man kann zum Beispiel die Diagnose: Migräne, oder die Diagnose Spannungskopfschmerz, oder die Diagnose Fibromyalgie, oder die Diagnose Somatoforme Schmerzstörung, oder die Diagnose vegetative Dystonie  und andere funktionelle Diagnosen nicht objektiv gültig bestimmen, weil sich diese auf Symptome und auf nicht objektivierbare Phänomene bzw. auf Symptomenkomplexe gründen.

Im Hinblick auf die Grundlage des medizinischen Wissens gründen sich gewisse medizinische Diagnosen auf systematische Einheiten unter denen man die charakteristischen Merkmale der diagnostischen Einheit jeweils durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Es sind dies also Einheiten, die man zwar empirisch auf der Grundlage der Sinneswahrnehmung und auf der Grundlage der individuellen Denkprozesse erkannt hat, und die sich in der medizinischen Praxis hinreichend bewährt haben, die man jedoch nicht am Probierstein der Erfahrung im Hier und Jetzt physisch überprüfen kann (vgl. mit Kant Zitat 10). Dies ist so, weil die charakteristischen  Merkmale dieser diagnostischen Einheiten uns nur als Gegenstände in der Idee gegeben sind bzw. diese als Gegenstände in der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person in Form des Begriffs der Idee erscheinen (vgl. mit Kant Zitat 7). Daher kann man eine solche Einheit nicht allgemein gültig bestimmen.

Es handelt sich dabei also um Merkmale, die nicht auf ein körperliches bzw. ein demonstrierbares Objekt zurückgeführt und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmt werden können (vgl. mit Kant Zitat 7). Daher kann man solch eine medizinische Diagnose nicht auf der Grundlage von körperlichen Befunden objektiv gültig bestimmen, sondern kann man sie nur mit der Hilfe eines Konzepts auf der Ebene der Vorstellungen erfassen.

Weil man eine solche medizinische Diagnose nur auf der „Ebene der Ideen“ erfassen kann – kann man sie nicht objektivieren. Es gilt für derartige Diagnosen in der Medizin was der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant in der Psychiatrie erkannt und geschrieben hat, dass man bei einer solchen Einheit bzw. bei einer solchen Idee das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann sondern man sich dem Ganzen als Idee durch das Schema der Idee nur nähern kann (vgl. mit Jaspers Zitat).

Nach dem die Kategorie eines solchen Konzepts die Merkmale des Schemas der diagnostischen Idee zeigt – hat dies zur Folge, dass man sich dieser Idee durch das Schema der Idee durch das (fachliche) Denken nur nähern kann.

Oder anders formuliert: man kann mit der Hilfe des Konzepts sich dem Ideal nähern – aber erreichen kann man es nicht.

Dies findet man bestätigt:

Man kann in der Medizin – so wie in der  Psychiatrie – eine solche Einheit, die eine systematische Einheit ist nur in Bezug auf einen Typus – also in Bezug auf ein definiertes Ideal – und nicht in Bezug auf eine Gattung bestimmen (vgl. mit Jaspers Zitat).

Das heißt man kann eine solche Einheit nicht wirklich genau bestimmen (vgl. mit Jaspers Zitat 6) – sondern, man kann mit Hilfe dieser Schemata – die methodische Hilfsmittel sind (vgl. mit Jaspers Zitat) – sich dem Ganzen als Idee durch das Schema der Idee nur nähern (vgl. mit Jaspers Zitat).

Es handelt sich bei den medizinischen Einheiten, die auf Grundlage eines Konzepts bzw. auf der Grundlage einer definierten Idee erkannt werden um zweckmäßige Einheiten die auf der „Ebene der Ideen“ auf Basis der klinischen Erscheinung und klinischen Erfahrung definiert worden sind.

In diesem Sinn kann man durch solche diagnostische Einheiten in der Heilkunde nur angenähertes Wissen erlangen. Weil dieses Wissen nur angenähertes Wissen ist, handelt es sich dabei um beschränktes Wissen . Man kann also in gewissen Bereichen der Heilkunde kein allgemein gültiges Wissen, und damit auch kein objektives Wissen erlangen – sondern man kann eine solche gesundheitliche Störung nur mit der Hilfe eines definierten Konzepts angenähert erfassen. Nur wenn man eine tatsächlich objektivierbare Ursache findet – nur dann kann man eine solche Einheit objektiv gültig und damit allgemein gültig auf der Grundlage dieses gesetzmäßig vorkommenden Merkmals /Merkmale bestimmen,  in dem man dieses / diese bzw. die Ursache der gesundheitlichen Störung (Krankheit) nachweist und man damit den demonstrierbaren Beweis erbringt. Zum Beispiel kann man durch den Nachweis von Tuberkelbazillen  beweisen, dass es sich um eine Tuberkulose handelt, oder durch einen spezifischen Antikörper Nachweis, dass es sich z.B. um eine gewisse Virusinfektion handelt usf.

Aus der Medizingeschichte kennt man die medizinische Einheit Phthisis (Schwindsucht). Es handelte sich dabei um eine diagnostische Einheit, die man nur auf Grundlage von Symptomen und auf Grundlage von nicht objektivierbaren Phänomenen erfassen konnte. Erst nach dem man die Tuberkelbazillen entdeckt hat und man nachweisen konnte, dass diese Bazillen bzw. Bakterien in gewissen Fällen Ursache dieser klinischen Erscheinung sind, konnte man diese klinischen Erscheinungsbilder ätiologisch begründet bestimmen. Man konnte also erst ab dieser Zeit eine entsprechende Verdachtsdiagnose „physisch“ überprüfen und diese entweder allgemein gültig bestätigen oder allgemein gültig ausschließen.

Erst ab dieser Zeit konnte man die phänomenologische Einheit Phthisis – also das Konzept Phthisis – verlassen – und konnte man im Weiteren diese gesundheitlichen Störungen ab dieser Zeit durch den Nachweis der Tuberkelbazillen, also auf Grundlage von objektiven Befunden allgemein gültig bestimmen.

Man erkennt damit, dass solche Konzepte bzw. solche Schemata sehr nützliche methodische Hilfsmittel sind – wie dies Karl Jaspers (vgl. mit Jaspers Zitat) im Hinblick auf psychische Störungen – formuliert hat. Tatsächlich verwendet man auch in der Medizin in einem Teilbereich derartige methodische Hilfsmittel – sprich Konzepte – um gesundheitliche Störungen dadurch in der Diagnostik zu erfassen. Wenn man jedoch eine objektiv feststellbare Ursache für eine gesundheitliche Störung findet, dann verlässt man das Konzept, und es wird dieses durch die objektivierbare Diagnose abgelöst. Man kann auch sagen: in einem solchen Fall bestimmt man die Diagnose nicht mehr auf er Grundlage der klinischen Erscheinung (vgl. mit Kant Zitat 7) – sondern kann man in diesem Fall das klinische Erscheinungsbild auf eine körperliche Ursache im Sinn  eines Faktums zurückführen und dadurch die medizinische Einheit – im Sinn einer Gattung –  allgemein gültig bestimmen bzw. allgemein gültig überprüfen ob die in Erwägung gezogene Diagnose zutreffend ist. Das heißt in diesem Fall ist die Objektivierung der medizinische Diagnose möglich.

Man kann auch sagen: in diesem Fall wird die gesundheitliche Störung (Krankheit) nicht mehr auf der Ebene der Vorstellungen subjektiv gültig in Bezug auf einen definierten Typus bestimmt, sondern kann man die Einheit auf der Ebene der „physischen“ Objekte objektiv gültig bzw. allgemein gültig bestimmen. Man kann auch sagen, dass man in diesem Fall die erlangte Vorstellung – die Verdachtsdiagnose – oder die in Erwägung gezogene Differenzialdiagnose – auf der Ebene der real existenten Objekte objektiv gültig überprüfen kann. Eine solche Diagnose kann der Arzt also objektivieren.

Andererseits kann man eine Verdachtsdiagnose bzw. eine Idee, die sich nur auf mentale Erkenntnisobjekte gründet, nicht auf der Ebene der „physischen“ Objekte überprüfen, sondern kann man eine solche Diagnose nur durch das Abwägen der Ideen – durch die philosophische Methode der Dialektik –  subjektiv gültig erkennen und bestimmen. Daher handelt es sich in einem solchen Fall um eine syndromale Diagnose im engeren Sinn falls sich die diagnostische Einheit auf den Symptomenkomplex gründet.

In der Erkenntnisbasis findet sich also der Grund, warum man nur ein Teil der gesundheitlichen Störungen objektiv gültig bestimmen kann, und zwar diejenigen, die auf Grundlage von Gegenständen schlechthin bzw. auf Grundlage von Zeichen von solchen Objekten stammen. Die anderen gesundheitlichen Störungen, diejenigen, die man nur auf Grundlage von Gegenständen in der Idee erfasst – diese kann man nur subjektiv gültig bestimmen (vg. mit Kant Zitat 7).

Der Begriff einer medizinischen Diagnose, den man nicht objektiv gültig bestimmen kann, ist ein regulativer Begriff – bzw. handelt es sich hier bei der Einheit eine systematische Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7). Im Gegensatz dazu handelt es sich bei einer objektivierbaren Diagnose um eine faktische Einheit, die man auf der Ebene der „physischen“ Objekte allgemein gültig bestimmen kann. (Vgl. zum Beispiel die diagnostische Einheit: „Migräne“ mit der diagnostischen Einheit: „Oberschenkelhalsbruch“; die Einheit „Migräne“ ist eine systematische Einheit, die Einheit „Oberschenkelhalsbruch“ ist eine faktische Einheit)

Dies trifft im Übrigen nicht nur für die Schulmedizin zu, sondern auch für die sogenannte Alternativmedizin (Komplementärmedizin), also z.B. für die Homöopathie, die Akupunktur, die Neuraltherapie, die Osteopathie usf und ebenfalls trifft dies auf die Psychosomatik zu. In all diesen Disziplinen der Heilkunde werden Diagnosen gestellt, die letztlich nicht objektiv gültig, sondern nur subjektiv gültig erfasst werden können. Daher können diese Diagnosen nur mit der Hilfe von Konzepten erfasst werden, wenn diese auf den Sachverhalt angewandt bzw. projiziert werden. Oder man kann auch sagen: diese Diagnosen werden auf Grundlage von nicht allgemein gültig überprüfbaren Theorien gestellt. Das heißt solche diagnostische Einheiten sind unter Umständen nützlich aber objektivierbar sind sie nicht.

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Wenn im Rahmen der medizinischen Untersuchung Auffälligkeiten bemerkt werden, die auf das Vorhandensein eines spezifischen körperlichen Krankheitszeichens hinweisen, und in weiterer Folge dieses gefunden wird, so wird im weiteren Untersuchungsgang darauf geachtet, ob auch noch sonstige, spezifische Zeichen (Merkmale) dieser Krankheit (gesundheitlichen Störung) bzw. dieser diagnostischen Einheit gefunden werden.

In gleicher Weise falls im Rahmen der Untersuchung charakteristische Symptome und charakteristische Phänomene gefunden werden, so wird ebenfalls nach weiteren charakteristischen Merkmalen der Einheit gesucht, die diese charakterisieren. Analoges gilt auch für die Histopathologie und Zytopathologie – wo die Merkmale allerdings sinnlich wahrnehmbar sind.*

Wenn also auf den genannten Wegen hinreichend Merkmale der vermuteten Krankheit bzw. gesundheitlichen Störung gefunden werden, so kann man, – wenn es sich bei diesen Merkmalen um objektiv bestimmbare Merkmale handelt die Krankheit dadurch allgemein gültig bestimmen, und das Vorhandensein dieser Krankheit (gesundheitlichen Störung) dadurch beweisen. Damit ist diese Diagnose objektiv bzw. allgemein gültig, weil alle Fachleute auf Grundlage ihrer Fachkenntnis und auf der Grundlage dieser Zeichen (Merkmale) zur selben Diagnose gelangen. (vgl. mit Kant Zitat 9)

Beim anderen Teil der gesundheitlichen Störungen lehrt die Erfahrung, dass man die Krankheitszustände die auf Grund der klinischen Erscheinung erkannt werden nicht allgemein gültig, sondern nur subjektiv gültig bestimmen kann – dies zeigt sich insbesondere in einem diagnostischen Grenzfall.*

Da die nachfolgend genannten medizinischen Diagnosen auf Grundlage der klinischen Erscheinung gestellt werden – kann im Zweifelsfall – nicht allgemein gültig aufgezeigt werden ob die Diagnose zutreffend (Dieser Sachverhalt ist für das Gutachterwesen bzw. für die Rechtsprechung von Relevanz).

So können z. B. die medizinischen Diagnosen: “Somatoforme Schmerzstörung”, oder  “Fibromyalgie”, oder die Diagnose „vegetative Dystonie“, oder die Diagnose „Fatigue-Syndrom“ nicht allgemein gültig nachgewiesen werden. Bei all diesen Diagnosen können keine objektiv nachweisbaren Merkmale aufgezeigt werden, sondern gründen sich diese Diagnosen auf mehr oder weniger ausgeprägte, charakteristische Symptome und nicht objektivierbare Phänomene. Solche Diagnosen können also nur in Bezug auf einen definierten Typus subjektiv gültig – etwa vom Sachverständigen – bei Erstattung eines medizinischen Gutachtens bestimmt werden. Man sagt daher, dass eine solche Diagnose mehr oder weniger zutreffend ist, je nach dem die Symptomatik bzw. der Symptomenkomplex mehr oder weniger typisch ist.

In einem solchen Fall gelangt man also zur Feststellung einer Diagnose, wenn ein bestimmter „Symptomenkomplex“ bzw. ein gewisses Syndrom in hinreichend typischer Ausprägung vorhanden ist.

Diese somatischen Krankheitszustände (Störungen) kann man nicht objektiv gültig bestimmen, weil die Symptome (Phänomene) uns nur als mentale Objekte, also nur als „Gegenstände in der Idee“ gegeben sind bzw. als die Begriffe dieser Ideen im Bewusstsein erscheinen (vgl. mit Kant Zitat 7).

Immanuel Kant hat aufgezeigt, dass es einen großen Unterschied macht, ob uns ein Erkenntnisobjekt als Gegenstand schlechthin oder nur als Gegenstand in der Idee zur Erkenntnis gegeben ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Daher können körperliche Krankheitszustände (Störungen), die nur durch Symptome und durch nicht objektivierbare Phänomene charakterisierbar sind, nur subjektiv gewiss bestimmt werden bzw. kann ein solcher Krankheitszustand nicht allgemein gültig bestimmt werden (vgl. mit Kant Zitat 9).

Es kann in einem solchen Fall kein allgemein gültiger Beweis vorgeführt (demonstriert) werden, der alle Fachkundigen davon überzeugt, dass es sich um eine solche Krankheit (gesundheitliche Störung) handelt. Daher kann in einem solchen Fall die Übereinstimmung der Fachleute nur erwartet werden, wenn der Symptomenkomplex bzw. die klinische Erscheinung typisch ist und die Fachleute sich der selben klassifikatorischen Kriterien bedienen. Mit anderen Worten: die Fachleute werden in einem solchen Fall nur dann in ihrer Erkenntnis übereinstimmen, wenn das klinische Erscheinungsbild – auf dessen Grundlage die medizinische Einheit bestimmt wird – typisch ist. In einem diagnostischen Grenzfall wird dies nicht der Fall sein und ist zu erwarten, dass in einem derartigen Fall die Fachleute unter Umständen zu unterschiedlichen Diagnosen gelangen.

In einem solchen Fall kann lediglich subjektive Evidenz erlangt werden, weil in einem solchen Fall – philosophisch gesprochen – lediglich auf der Ebene der Vorstellungen (Ideen) „geprüft“ werden kann, ob die Übereinstimmung mit der Einheit vorliegt.

Mit anderen Worten: in einem solchen Fall kann nur auf der Ebene der Vorstellungen „geprüft“ werden, ob eine Diagnose zutreffend ist. Im Gegensatz dazu kann bei einer objektivierbaren Diagnose auf der Ebene der Objekte, und damit auf Grundlage von objektiven Befunden geprüft werden, ob die Diagnose zutreffend ist.

Man kann also im einen Fall die Diagnose nur auf Grundlage von subjektiver Evidenz stellen, im anderen Fall auf Grundlage von objektiver Evidenz.

Man findet also bei den nicht objektivierbaren medizinischen Diagnosen eine gleichartige Erkenntnisbasis wie bei den psychiatrischen Diagnosen – es sind sowohl bei diesen körperlichen Diagnosen wie auch bei den psychiatrischen Diagnosen die charakteristischen Merkmale der erkennenden Person nur als mentale Erkenntnisobjekte gegeben.

Dabei sind sowohl die subjektiv gültigen wie auch die objektiv gültigen medizinischen Diagnosen empirisch begründete Diagnosen, ein gravierender Unterschied findet sich  allerdings auf der Ebene der Krankheitsmerkmale (vgl. mit Kant Zitat 7).

Die einen können durch Erfahrungsurteile erkannt und bestimmt werden, die anderen jedoch nur durch Wahrnehmungsurteile (vgl. mit Kant Zitat 6).

Abschließend kann man sagen, dass es im wesentlichen zwei Arten von Diagnosen gibt: Es gibt Diagnosen, die sich auf objektiv bestimmbare körperliche physische Merkmale gründen und die daher objektiv gewiss bestimmbar sind, und andererseits Diagnosen, die sich auf mentale Merkmale gründen, und die daher nur subjektiv gewiss bestimmbar sind.

Dies macht den großen Unterschied zwischen den objektiv bestimmbaren medizinischen Diagnosen und den psychiatrischen Diagnosen aus.

Ein Zusammenfassung zur Thematik: MEDICAL DIAGNOSES AND PSYCHIATRIC DIAGNOSES – THE DIFFERENCE – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT` S PHILOSOPHY auf Poster 2

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Beispiele für objektiv bestimmbare medizinische Diagnosen:

Herzinfarkt

Pneumonie

Bronchitis

Leukämie (histologisch diagnostizierbar in der Pathologie bzw. in der Histopathologie respektive in der Hämatologie)

Diabetes mellitus

Unterschenkelbruch

usf.

Beispiele für nur subjektiv bestimmbare medizinische Diagnosen:

Spannungskopfschmerzen

Migräne

vegetative Dystonie

klimakterische Beschwerden

Somatoforme Schmerzstörung

Fatigue-Syndrom

usf.

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Hinweis:

Weiteres* zu medizinischen Diagnosen bzw. zur Diagnostik in der Medizin in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

veröffentlicht im Verlag tredition, April 2019.

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(letzte Änderung 08.01.2021, abgelegt unter: Definition, Diagnose, medizinische Diagnose, Diagnostik, Heilkunde, medical diagnostics / psychiatric diagnostics, Medizin, Medizinische Diagnostik, Neurologie)

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