Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

nervös

Nervös ist wer innerlich unruhig ist.

Der Begriff nervös wird allerdings in zweierlei Hinsicht verwendet:

Man ist nervös wenn man unter Stress steht und daher unruhig, aufgeregt und unsicher reagiert.

Im Zustand der Nervosität herrscht eine psychische Aufgeregtheit und nicht selten eine allgemeine Unsicherheit vor, weil das Nervensystem im weitesten Sinne irritiert ist.

In anderer Hinsicht weist der Begriff nervös auf das Nervensystem als Organ.

So etwa wenn der Arzt sagt, dass für die gesundheitliche Störung eine nervliche Ursache kausal ist, dann spricht man in der Medizin unter Umständen von einer nervösen Störung – und man meint damit, dass die Störung nervlich bedingt ist.

Weiteres zur ersten Bedeutung des Begriffs nervös:

Als Folge der Nervosität treten Symptome auf und es können in weiterer Folge gesundheitliche Beschwerden auftreten. Schließlich kann es infolge der andauernden Nervosität zur Entstehung einer gesundheitlichen Störung kommen.

Der nervöse Zustand ist also ein Zustand in dem biologisch betrachtet die neuronale Funktion beeinträchtigt ist und in dem – psychologisch betrachtet – die Psyche und somit die psychische Funktion beeinträchtigt bzw. irritiert ist.

Es kann sich dabei um eine funktionelle Störung handeln, bei der körperliche Symptome (Zittern, Schwitzen, Herzrasen, schneller Puls, beschleunigte Atmung, Kraftlosigkeit, Schwäche usf.) im Vordergrund stehen, oder es können psychische Symptome (Angst, Unsicherheit, Unruhe, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen usf.) die betroffene Person irritieren und belasten.

Dabei ist es normal, dass eine Person unter gewissen Belastungen nervös ist. Es handelt sich hierbei also um ein natürliches Phänomen und nicht unbedingt um eine krankheitswertige Störung, die man als nervöse Funktionsstörung bezeichnet.

Allerdings kann man ausgeprägt nervös sein und dies auch schon bei geringer Belastung. Dabei kann diese Reaktion anlagebedingt (konstitutionell) also schon seit früher Kindheit vorhanden sein. Oder es kann die Nervosität durch die belastete (gestresste) Entwicklung im Laufe des Lebens in Erscheinung getreten sein.

Überhaupt kann das Zusammenwirken von mehreren bis vielen Faktoren im Sinne einer komplexen Ursache zur Nervosität bzw. zum nervösen reagieren führen.

Demgemäß kann diese Verfassung für manch eine Person normal sein, weil sie mehr oder weniger ständig vorhanden ist bzw. immer schon vorhanden war. Oder es kann dies für ein Individuum bzw. für die betroffene Person nicht normal und daher abnormal sein, weil diese Reaktion bei dieser Person früher nicht typisch war.

Es ist hier also der momentane Zustand und unter Umständen auch die Entwicklung der Nervosität bzw. des nervösen Reagieren zu beachten.

Je nach dem handelt es sich also um ein Verhalten bzw. Reagieren das als normal und somit gemäß der Norm zu beurteilen ist. Oder es handelt sich um ein Verhalten und Reagieren das nicht  als normal und daher als abnorm zu bewerten ist. Man spricht dann unter Umständen von einer Persönlichkeitsstörung oder man spricht von einer krankheitswertigen Störung die bei dieser Person aufgetreten ist.

Schließlich kann eine Person, die im Zustand der Gesundheit nicht nervös ist, unter gewissen Belastungen oder auch im Zustand einer gewissen gesundheitlichen Störung (Krankheit) oder im Rahmen einer psychischen Störung, etwa bei einer Depression (depressiven Störung), im Rahmen einer nervösen Erschöpfung bzw. im nervösen Erschöpfungszustand, im Trauerfall, im Rahmen einer chronischen psychischen Belastungssituation (Burnout, Burnout-Syndrom) oder im Rahmen einer  posttraumatischen Belastungsstörung nervös sein und nervös reagieren. Im Volksmund sagt man, dass in einem solchen Zustand die „Nerven blank liegen“. Es ist hier also zu beachten in welchem Sinn der Begriff Nerven verwendet wird.

Je nach dem bei der Nervosität mehr der Körper oder mehr die Psyche betroffen sein, oder unter Umständen sind beide Bereiche gleich stark betroffen und spricht man falls die gesundheitliche Störung länger andauert unter Umständen von einer psychosomatischen Störung.

Weil bei einer nervösen Störung neben dem Körper auch die Psyche betroffen ist, kommen im Rahmen der Therapie neben der situativen Anpassung unter Umständen auch Maßnahmen der Psychotherapie infrage.

Der Begriff „nervös“ stammt aus der Zeit, als in der Heilkunde die Nervenheilkunde noch nicht in die Psychiatrie und in die Neurologie aufgeteilt worden ist und daher früher der Nervenarzt für beide Bereiche zuständig war.

Heutzutage wird der Begriff „nervös“ hauptsächlich in der Umgangssprache, teils auch in der Medizin (Psychosomatik), Psychiatrie und Psychologie verwendet, wohingegen es keine psychiatrischen Diagnosen und auch keine neurologischen Diagnosen gibt, die auf der Grundlage des Begriffs der Nervosität beruhen. Und es gibt auch sonst keine medizinische Diagnose im Sinn eines Fachbegriffs der die gesundheitliche Störung als Folge des nervös-Seins erfasst.

Weiteres zur Bedeutung und Verwendung des Begriffs nervös in der Heilkunde:

Der Begriff nervös weist in der Medizin auf das Nervensystems hin. Etwa in der Hinsicht, dass die Magenbeschwerden durch die Irritation des Nervensystems, hier also durch die Irritation des vegetativen Nervensystems bedingt sind. Es ist in diesem Fall bei der Störung der Funktion des Magens, also die Folge der Funktionsstörung im Sinn der neuronalen Funktionsstörung wesentlich. Dabei wirkt hier einerseits die Störung der Psyche als modulierender Faktor und es wirkt sich auch das autonome Nervensystem also der Zustand des vegetativen Nervensystems auf die Funktion aus. In diesem Sinn können etwa die nervösen Magenbeschwerden die Folge einer komplexen Ursache sein bei der auch noch andere Faktoren wesentlich sind (Infektion durch Helicobacter pylori u. a.).

Demgemäß ist in der Therapie hier auch die Beeinflussung der unterschiedlichen Faktoren bzw. Bereiche wesentlich. Es kann also sein, dass hier eine geeignete Psychotherapie, etwa zur Förderung der psychischen Entspannung sich positiv auswirkt, und es kann überhaupt der Förderung der vegetativen Entspannung im weitesten Sinn wesentlich sein. Es geht hier also bei der akuten Störung um die Beruhigung im weitesten Sinn und bei der chronisch manifesten Störung um die Dekonditionierung von früher erworbenen neuronalen Mustern in Bezug auf die neuronale Funktion und generell um sonstige nachteiligen Gewohnheiten. Man kann  auch sagen: es geht in diesem Fall um das Verlernen von Reaktionen bzw. von Reaktionsmustern, die in der Vorzeit unabsichtlich gelernt bzw. erworben worden sind. Dies kann im Fall der nervösen Magen-Darmbeschwerden zum Beispiel durch die wiederholte Anwendung einer Wärmeflasche als lokale Anwendung unter Umständen günstig beeinflusst werden, oder es kann eine sonstige Methode zur körperlichen Entspannung hilfreich sein um die vegetative Magen-Darmfunktion günstig zu beeinflussen. Es geht hier also in vielen Fällen um das wieder Lernen bzw. das wieder Erlernen und Reaktivieren der individuellen ursprünglichen natürlichen Funktion damit diese wieder ungestört abläuft und damit die Symptome verschwinden.

Es ist hier also in gewissen Fällen die psychische Funktionsstörung und/oder überhaupt die  neuronale Funktionsstörung im umfassenderen Sinn der wesentliche kausale Faktor der komplexen Ursache der gesundheitlichen Störung. Dies trifft nicht nur auf den Magen-Darmtrakt, sondern in vielen Fällen auch auf andere Organe und Organsysteme bzw. auf andere charakteristische Funktionsstörungen zu, für die die Bezeichnung vegetative Dystonie zutreffend ist, wie sie in den verschiedenen Fachbereichen der Medizin (Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie, Kinderheilkunde, Urologie, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde usf.) zur Beobachtung gelangen, untersucht, diagnostiziert und therapiert werden.

Abschließend kann man festhalten dass unter dem Begriff nervös gemeint ist – was durch die „Nerven“ im Sinn der Funktion des Nervensystems bedingt ist – ohne dass man dabei unterscheidet in welchem Ausmaß dabei der Körper und/oder die  Psyche betroffen ist.

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(letzte Änderung 08.06.2020, abgelegt Begriff, Definition, Diagnostik, Medizin, Nervensystem, vegetatives Nervensystem, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Psychosomatik)

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