Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

konstitutiv

Eine Idee ist nicht konstitutiv (vgl. mit Kant Zitat 3a).

Man kann aus der Idee allein nicht erkennen und wissen, ob es tatsächlich so ist.

Daher ist die Idee nur regulativ (vgl. mit Kant Zitat 3a).

Die Erkenntnis, die man durch die Überlegung als Vorstellung gewonnen hat, ist nicht gewiss. Nur wenn man die Idee an der Erfahrung prüfen kann, und dadurch das Zutreffen der Idee beweisen kann, nur dann hat man Gewissheit erlangt (vgl. mit Kant Zitat 9 und Kant Zitat 10).

Aus der Idee kann man nicht erkennen und verlässlich ableiten und wissen, ob es tatsächlich so ist. Eine Idee liefert keinen objektiv gültigen Beweis. Erst die Erfahrung/Empirie wird zeigen ob es tatsächlich so ist.

Es gilt hier der Ausspruch von Sokrates: „ich weiß dass ich nicht weiss“ -im Sinn von nicht gegebener Gewissheit.

Die Idee führt höchstens zu subjektiver Gewissheit – also zum persönlichen  Glauben oder zur persönlichen Meinung bzw. zu subjektivem Fürwahrhalten (vgl. mit Kant Zitat 9) – also zu subjektivem Wissen –  und solches Wissen ist beschränktes Wissen.

Durch die Idee kann also nur subjektive Evidenz erlangt werden, jedoch nicht objektive Evidenz.

Eine Idee liefert nur eine Erklärung auf der Ebene der Vorstellungen. Eine Idee ist nur regulativ.

Daher sollte man eine Idee nicht missverstehen und sie nicht als konstitutive bzw. nicht als gewisse und gesicherte Erkenntnis ansehen. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

Man sollte also in diesem Sinn die Grundlage bzw. die Basis des Wissens beachten und berücksichtigen um nicht in ewige Widersprüche und Streitigkeiten zu geraten (vgl. mit Kant Zitat 2a).

Daher ist in vielen Bereichen des Wissens in denen das Wissen auf Ideen bzw. auf Konzepten beruht die kritische Bewusstheit in Bezug auf die Grundlage des Wissens erfordert.

Daher soll man solches Wissen dynamisch und flexibel handhaben und das erlangte Wissen nicht überschätzen. Es ist hier also immer ein dynamisches Denken bzw. ein flexibles Denken erfordert das den jeweiligen Gegebenheiten gerecht wird.

Diskussion bezüglich der Verwendung von Ideen in verschiedenen Bereichen:

In der Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie) geschieht es sehr leicht, dass man eine psychiatrische Idee (oder eine psychologische Idee, oder eine psychotherapeutische Idee) missversteht, und sie irrtümlicherweise als gesicherte Erkenntnis ansieht und irrtümlich damit die Idee „konstitutiv“ verwendet. Als Beispiel dafür siehe das Bleuler Zitat mit anschließender Anmerkung.

In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) muss man die Dinge zwar mit einem Begriff benennen, um über psychische Erscheinungen (psychische Phänomene) überhaupt denken zu können. Man könnte über die psychischen Erscheinungen nicht nachdenken und sprechen, wenn man sie nicht durch Begriffe benennen würde. Man sollte aber bedenken, dass die Begriffe bzw. die Aussagen über diese Sachverhalte nur relativ gültig sind und sie nicht absolut gültig sind. Demgemäß sollte man die Aussagen bzw. die Begriffe angemessen relativieren.

Analoges gilt auch für viele Fälle in der Medizin.

Man kann auch sagen: deswegen sollte man eine Idee in der Psychologie und in der Psychiatrie und oftmals auch in der Medizin grundsätzlich nur relativistisch verwenden. (vgl. mit Kant Zitat 4)

Analoges gilt auch für die Ideen in der Psychotherapie.

Und überhaupt gilt dies für alle Ideen, die nicht physisch überprüfbar sind. Solche Ideen, die bloße Ideen im Sinn von Immanuel Kant sind, repräsentieren nur beschränktes Wissen das subjektiv gültiges Wissen ist.

Karl Jaspers schreibt daher, dass man Wissen das auf Kantschen Ideen beruht – womit er die bloßen Ideen von Immanuel Kant meint – in der Schwebe halten soll. (vgl. mit Jasper Zitat 2)

Im Gegensatz zum Wissen in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) kann man in der Medizin manch eine Erkenntnis auf der Grundlage der Erfahrung objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen. Man kann z.B. in der Medizin oftmals eine Verdachtsdiagnose objektivieren und man erlangt dadurch tatsächlich allgemein gültiges Wissen, also Wissen vom Grad der Gewissheit. Allerdings können auch in der Medizin viele Ideen nicht allgemein gültig überprüft werden und es handelt sich dann ebenfalls um nur relatives Wissen das subjektives Wissen ist.

Zum Schluß der Überlegung kann man festhalten:

Eine Idee/ eine Vorstellung/ ein Konzept/ eine Theorie/ eine (persönliche) Ansicht/ eine (persönliche) Sichtweise ist nur regulativ aber nicht konstitutiv.

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(letztes Änderung 05.08.2020, abgelegt unter philosophische Begriffe, Relativität, Definition, Philosophie, Medizin, Psychiatrie, Psychologie)

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