Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Dekonditonierung

Die Dekonditionierung ist die gegenteilige Entwicklung zur  Konditionierung.

Man kann daher sagen, dass die Dekonditionierung mit dem Verlernen einhergeht und auf der Ebene des Nervensystems mit dem „Verblassen“ der neuronalen Muster korrespondiert.

Durch die Denkonditionierung kommt es zum Verlernen bzw. im Hinblick auf Funktionsstörungen zur Abnahme der Störung der Funktion.

Demgemäß versteht man unter der Dekonditionierung das „Verlernen“ von einer Reaktion bzw. von einer Verhaltensweise – oder man kann auch sagen: das Verlernen einer Reaktionsweise, die man früher gelernt bzw. die man früher durch das bewusste oder unbewusste / unabsichtliche Lernen erworben hat. Es kann diese Reaktion bzw. Aktion der Person also bewusst sein oder sie kann ihr auch nicht bewusst sein. Demgemäß kann man sagen dieser Ablauf/Vorgang/Prozess spielt sich in ihrem Bewusstsein oder in ihrem Unbewussten ab.

So wie das fNervensystem fähig ist neue neuronale Funktion und damit ein neues neuronales Muster zu entwickeln und zu lernen, ist es auch fähig neuronale Muster zu „verlernen“. Hier korrespondiert das „Verblassen“ der neuronalen Muster also mit dem Verlernen bzw. dem Vergessen was man einmal gekonnt hat.

Es kommt durch die Dekonditionierung bildlich gesprochen also zum mehr oder weniger ausgeprägten Verschwinden dessen was früher gebildet worden ist – also zu einer Ent-Prägung oder man kann biologisch betrachtet auch sagen zur Abblassung (Verblassung) des neuronalen Musters.

Neurophysiologisch betrachtet führt das nicht-mehr-aktive Durchlaufen eines neuronalen Musters im Laufe der Zeit dazu, dass dieses verlernt bzw. „vergessen“ wird. Oder man kann auch sagen, dass das neuronale Muster im Laufe der Zeit „verblasst“, wenn es nicht mehr aktiviert wird bzw. wenn eine gewisse neuronale Funktion nicht mehr durchlaufen wird. Damit löst sich diese Einprägung im Laufe der Zeit auf. Bildlich gesprochen kann man sich vorstellen, dass die Tiefe der „Furche“, die sich im Laufe der Zeit durch die Konditionierung gebildet hat an Tiefe abnimmt. Allerdings weiß man ebenfalls aus der Erfahrung, dass das wieder Durchlaufen der Reaktion bzw. der Reaktionsweise sehr schnell zu einer Reaktivierung des Musters führt.

Psychologisch betrachtet kann man also vom „Vergessen“ einer Verhaltensweise bzw. vom „Vergessen“ einer Reaktionsweise und damit von einer Veränderung der Psyche sprechen. Allerdings macht man die Erfahrung, dass ein neuerliches Erleben des früher Erlernten – sprich ein neuerliches Durchlaufen des neuronalen Musters dieses sehr schnell reaktiviert und in der Funktionalität bestärkt. Ein derartiges Geschehen ist z.B. beim Rückfall in die Sucht von Bedeutung (Beispiel: Konsum von kleiner Menge Alkohol nach erfolgreich absolvierter Entwöhnungsbehandlung, oder das Rauchen einer Zigarette und das Wiederaufflammen der Sucht).

Es kann hierbei also schon ein minimaler Konsum des Suchmittels zur Reaktivierung der Sucht bzw. zur Reaktivierung des Sucht-Verlangens und in weiterer Folge zur Reaktivierung des Sucht-Verhaltens führen – und es entspricht dies auf der Ebene des Nervensystems der Reaktivierung der neuronalen Muster, die im Rahmen des Suchtgeschehens ablaufen bzw. die sich früher im Rahmen der Bildung der Sucht entwickelt haben.

Man kann also die Dekonditionierung aktiv zwar durch geeignetes Verhalten unterstützen, aber es ist nicht möglich willentlich etwas zu vergessen. Man kann höchstens willentlich etwas verdrängen, oder willentlich nicht beachten bzw. sich ablenken, aber willentlich vergessen kann man es nicht, weil die Informationen tastächlich im Nervensystem sprich im Gedächtnis gespeichert sind. Hingegen ist das Vermeiden der Aktivität –  man kann sagen das „links-liegen-lassen“ wirklich hilfreich weil es allmählich zur genannten „Verblassung“ führt. Dabei spielt das Erlernen von alternativen nützlichen Verhaltensweisen eine große Rolle und es spielen daher auch Randumstände und damit auch die Erlebensbedingungen eine große Rolle. Man soll also einerseits die unerwünschten Verhaltensweisen bei Seite lassen – oder wie man so sagt: „links-liegen-lassen“ und damit diese nicht mehr durchlaufen und andererseits aufbauende und förderliche Verhaltensweisen praktizieren und zusehen, dass andere positive Erlebnisse und Einflüsse zur Wirkung kommen.

Damit erkennt man, dass die Dekonditionierung kein leichtes Unternehmen ist und viel Geduld benötigt wird um konditionierte Verhaltensweisen bzw. konditionierte Muster zu verlernen bzw. wieder los zu werden. Man muss also um eine relevante Dekonditionierung zu erreichen mit sich selbst geduldig sein – bzw. wenn man als Arzt bzw. als Therapeut bei Patienten mit konditionierten Verhaltensweisen therapeutisch befasst ist, muss man mit den betroffenen Personen geduldig umgehen, um sie bei ihrer Bemühung zur Dekonditionierung in der richtigen Richtung zu unterstützen. Dies gilt z.B. bei der Behandlung von Süchten, wie soeben besprochen und es gilt dies auch bei sonstigen chronischen Störungen etwa bei der Therapie von chronischen Schlafstörungen, bei der Behandlung von Angststörungen, Essstörungen usf.

Das Verstehen der Zusammenhänge ist dabei wichtig und hilfreich. Mehr dazu im Beitrag Achtsamkeit und in den anderen Beiträgen des blog: Medizin-Psychotherapie- Yoga- Meditation sowie im blog: Spannung – Entspannung.

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(letzte Änderung 07.01.2020, abgelegt unter: Definition, Dekonditionierung, denken, Lernen, Medizin, Nervensystem, Psyche, Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychosomatik, psychologischer Begriff)

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