Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Verstehen – sich selbst verstehen

Sich-selbst-verstehen ist außerordentlich wichtig.

Wie könnte man jemals glücklich werden, ohne sich selbst zu verstehen? Dies ist unmöglich.

Warum ist das sich selbst Verstehen so wichtig? Es ist so wichtig, weil die innere Harmonie nur entstehen kann, wenn man nicht gegen die eigene Natur, also nicht gegen das eigene Wesen handelt. Man muss sich selbst erkennen und dann gemäss dieser Erkenntnis handeln. (Anmerkung: natürlich handelt es sich bei diesem Verstehen nicht um ein exaktes Wissen, sondern vielmehr um ein Ahnen und Spüren was das „Richtige“ ist. Es geht also um die Kultivierung des Spürens – um die Kultivierung der Achtsamkeit.)

Die Gefahr ist gross, dass man sich selbst nicht versteht und unter Missachtung der eigenen Bedürfnisse gegen die eigene Natur handelt.

Daher ist das Sich-selbst-Verstehen  so wichtig.

 Was fördert das Sich-selbst-Verstehen?

* Die Innenschau.

* Das sich Spüren und Fühlen.

* Die Achtsamkeit.

* Die Achtsamkeit beim Tun und Handeln.

* Die Achtsamkeit beim Nicht-Tun und Nicht-Handeln.

* Die Ruhe, weil man in der Ruhe überhaupt die Möglichkeit hat, sich mit sich selbst zu beschäftigen um diese Erfahrungen zu machen ( -> Meditation).

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 Was ist hinderlich für das Sich-selbst-Verstehen?

* Die Ablenkung, der Trubel, das wahllose Eintauchen in äussere Sinnesreize – mit einem Wort die Unachtsamkeit. (Natürlich kann man nicht immer achtsam sein und darf man gelegentlich sich ablenken und einfach wahllos „konsumieren“ – aber man sollte sich der Konsequenzen bewusst sein – und daher darin Mass halten.)

* Die Selbstverleugnung. Das Sich-nicht-Eingestehen von Dingen die sind. Das Ignorieren von Erfahrungen und das Ignorieren von inneren „Signalen“. Das Abschieben der Verantwortung auf Andere – dort wo man eigentlich selbst den „Hebel“ ansetzen müsste – zweifelsohne ist dies hinderlich für das Sich-selbst-verstehen und die Entwicklung der inneren Harmonie.

* Das Missachten der eigenen Grenzen / das Ignorieren der eigenen Grenzen. (z.B. das Missachten der Müdigkeit und das sich-Aufputschen mit Aufputschmitteln im weitesten Sinne.)

* Das sich-Berauschen mit Berauschungsmitteln – zweifelsohne ist dies hinderlich für das Sich-selbst-verstehen und die Entwicklung der inneren Harmonie – insbesondere dann, wenn der Konsum aus dem Ruder läuft. Man soll sich also der Konsequenzen bewusst sein und nicht kurzsichtig handeln.)

* Die Ratschläge (sie können gut gemeint sein, treffen aber oftmals nicht zu. Ratschläge sind zwar nicht generell schlecht, aber sie sollen hinterfragt werden und man soll prüfen, ob sie auf die eigene Situation zutreffen.)

* Das äussere Wissen (äusseres Wissen kann nützlich sein, aber man muss aufpassen, dass man vor lauter Suchen im „äusseren Wissen“ das „innere Wissen“, die innere Erkenntnis nicht „auf der Strecke“ bleibt. Das wirkliche Wissen aus dem das Verstehen der inneren Zusammenhänge erwächst ist das „innere Wissen“, jedenfalls soweit es einen selbst als Subjekt betrifft – denn wie könnte das „äussere Wissen“ – das „Wissen“ von Anderen in Bezug auf das eigene Erleben zutreffender sein als das „innere Wissen“ das man auf der Grundlage der eigenen Erfahrung erlangt hat? – wo doch Andere einen doch gar nicht wirklich kennen und daher Anderen auch niemals wirklich verstehen können? Mit anderen Worten man kann getrost alle Theorien auf den Misthaufen werfen, wenn sie mit dem „inneren Wissen“ nicht übereinstimmen bzw. nicht behilflich sind das „innere Wissen“ zu vermehren. Mit nochmals anderen Worten: die äussere Ansage kann zum Problem werden, dies gilt auch für die Psychotherapie – wenn der Therapeut – zwar gut gemeint –  zu viel versteht.

Wir leben heute in einer wissenschaftsgläubigen Zeit. Nicht selten hat der Glaube an die Wissenschaft oder eine im wissenschaftlichen Gewand auftretende Methode anderen Glauben ersetzt. Darin liegt keine geringe Gefahr. Man sollte kritisch an die Dinge herangehen und sehen was nützlich ist und wo dies nicht zutrifft.

 

Wie merkt man, dass die innere-Mitte verfehlt wird?, dass man sich von der inneren Mitte entfernt?

Man merkt es längerfristig am Aufkeimen einer grundlosen Angst, einer Angst für die es eigentlich keinen unmittelbaren Grund – keinen Anlass gibt.

Oder man merkt es an sonst einer Gefühlsstörung (Unsicherheit, Unzufriedenheit, Unerfülltheit, Wut, Gereiztheit, … )

Es kann sich auf verschiedenste Arten und Weisen bemerkbar machen – dass man entwicklungsmässig sich von der „eigenen Mitte“ entfernt, anstelle ihr näher zu kommen. (In der sogenannten „midlife crisis“ wird das Problem oftmals bewusst und deutlich).

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Was sind häufige Gründe für das Verfehlen der „eigenen Mitte“?

* Das Sich-verlieren im Äusseren. (das Verfolgen von „falschen Zielen“, z.B. übertriebenes berufliches Engagement auf Kosten der eigenen Bedürfnisse (= Unachtsamkeit gegen sich selbst), das wahllose Konsumieren von Sinnesreizen die einen ablenken.

* Die Affekthascherei das sich sensationelle Affekte verschaffen durch maximale Reize (z.B. bungee jumping etc.), wie könnte so etwas langfristig zum Wohlbefinden, zur Harmonie beitragen? Wie man einsehen kann entscheidet man sich damit für einen kurzfristigen Maximalreiz der reflexhaft von einem längerandauernden Maximalfrust (= innere Leere) gefolgt sein wird, denn von wo sollen die Endorphine herkommen, wenn sie kurzfristig maximal ausgeschüttet und verbraucht werden. Derartige Handlungen zeugen von einem Verkennen der Situation, so wie wenn jemand den Monatsgehalt den er verdient hat in den ersten Tagen des kommenden Monats ausgibt um sodann vor der leeren Kassa zu stehen und für den Rest des Monats zu darben.

* Der Einsatz von Beruhigungs- und Aufputschmittel (z.B. Alkohol, Cannabis, Tabletten …. und Aufputschmitteln die kurzzeitig die Stimmung heben oder der kombinierte Einsatz von beiden. Wie könnte es sein, dass sich das Nervensystem „positiv“ entwickelt, wenn die „seelischen Schmerzen„, die ja vielfach wichtige Signale sind, missachtet und „zugeschüttet“ werden? und natürlich auftretende Ermüdung durch Aufputschmittel vertrieben wird. Es liegt auf der Hand, dass derartige Unternehmungen nur kurzzeitig „wirksame Lösungen“ sind und dass das schmerzhafte Erwachen nach dem Abbau der Beruhigungsmittel bzw. Aufputschmittel folgt. Mit anderen Worten: noch grössere Befindlichkeitsstörungen sind bei Fortsetzung dieser Praxis vorprogrammiert. Nicht selten münden solche Entwicklungen in eine ausgewachsene Sucht mit den bekannten Folgen.

 

Was gibt es für Möglichkeiten der eigenen Mitte näher zu kommen?

Wie Eingangs gesagt:

* Die Schau nach Innen, das redliche sich mit sich selbst Auseinandersetzen. Die Zusammenhänge richtig erkennen und aus den gewonnenen Erkenntnissen die richtigen Handlungen folgen lassen. Allein dies ist nicht immer leicht und nicht immer „schmerzfrei“ (im psychischen Sinn) möglich und hindert uns oft auch die Bequemlichkeit an der Umsetzung. Daher wird oftmals der „kurze Weg“ der schnelle und „schmerzfreie“ Weg zur Erleichterung der „Seele“ gewählt. Daher der Boom von Alkolhol und Co. Man sollte also den Schmerz und auch das Leid als wichtige Signale beachten weil in ihnen oftmals die Information zur Lösung des Problems steckt.

siehe dazu auch das Osho Zitat 1

* Bewegung und Ruhe sind wichtig. In unserer Zeit bewegen uns die Maschinen und kommt unsere körperliche Bewegung oftmals zu kurz. Daher macht es Sinn sich „zusätzlich“ zu bewegen. Nicht nur zur Senkung der Blutfette und für das Herz-Kreislaufsystem, sondern auch für das Nervensystem ist Bewegung wichtig. Bewegung verschafft Ausgleich, baut Spannungen ab. Ganz besonders zu empfehlen ist achtsame Bewegung, also Bewegung bei der man sich der Bewegung bewusst ist. Solche Bewegung ist besonders geeignet Spannungen abzubauen und zum „nervlichen Ausgleich“ beizutragen. Nicht von ungefähr gibt es daher auch den Begriff: „Gehmeditation“. Vergleichen wir unser Dasein mit dem Dasein unserer Vorfahren, so kann man sagen, dass unsere Vorfahren zwar nicht die äusseren Mittel (Maschinen, Geräte, Nahrungsmittel etc.) gehabt haben. Sie haben aber mehr Zeit gehabt – mehr Zeit für sich selbst, sie waren nicht so „abgelenkt“ von äusseren Dingen, sie hatten noch keinen so dichten Terminkalender – sie lebten noch unbeabsichtigt „achtsamer“ ohne sich dessen bewusst zu sein. Dies war sicherlich ein wesentlicher Grund warum die psychischen Störungen damals noch nicht so häufig waren, wie sie heute sind. In gewisser Hinsicht leben wir heute also „gefährlicher“ – gefährlich in der Hinsicht, dass wir leicht dazu kommen uns selbst zu schädigen bzw. zu überfordern.

(weiteres zu diesem Themenkreis finden sie in den Beiträgen: Depression, Burnout, und Sucht)

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(der Beitrag ist noch in Arbeit, letzte Änderung am 10.11.2012)

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