psychologische Theorie

Eine psychologische Theorie ist eine Theorie die das Auftreten von psychischen Erscheinungen durch eine psychische Ursache erklärt.

Es erklärt eine psychologische Theorie also das Auftreten eines psychischen Phänomens oder das eines psychischen Symptomenkomplexes psychologisch.

Man kann daher auch sagen: eine psychologische Theorie erklärt den Zusammenhang von psychischen Phänomenen durch eine psychische Ursache auf eine bestimmte Art und Weise.

In diesem Sinn gibt es in der Psychologie, in der Psychiatrie und auch in der Psychotherapie psychologische Theorien, die das Auftreten der verschiedenen psychischen Erscheinungen durch psychische Ursachen erklären.

Man kann also in der Psychiatrie den Zusammenhang von gewissen psychischen Phänomenen und auch den Zusammenhang von gewissen psychopathologischen Phänomenen psychologisch durch eine solche psychologische Theorie erklären. Andere Zusammenhänge kann man durch eine psychotherapeutische Theorie erklären – etwa durch eine Theorie von Sigmund Freud, Alfred Adler, C. G. Jung, Viktor Frankl usf.

Daher kann man auch sagen: wenn man den Zusammenhang der psychischen Phänomene auf der Grundlage eines psychologischen Gesichtspunkts erklärt, dann ist dies eine psychologische oder eine psychotherapeutische Sichtweise.

Bei gewissen psychischen Störungen kann man allerdings den Zusammenhang der psychischen Erscheinungen nicht psychologisch erklären, sondern nur biologisch oder durch eine sonstige Ursache oder Theorie.

In einem solchen Fall erklärt man also das Auftreten von gewissen psychischen Erscheinungen durch eine biologische Theorie. Oder man kann den Zusammenhang der verschiedenen Dinge und Erscheinungen unter Umständen auch durch eine sonstige Theorie erklären.

Solche Verstehensweisen und Erklärungen haben Personen entwickelt, die mit psychischen Störungen befasst waren, und ausgehend von Erfahrungen in konkreten Fällen – also ausgehend von Beobachtungen und klinischen Erfahrungen auf der Grundlage ihres Wissens eine solche Theorie entwickelt haben.

Man kann somit sagen, dass eine solche Theorie durch Annahmen, also durch hypothetische Vorstellungen entstanden ist, wie sie sich auf der Grundlage von empirischen Beobachtungen und Überlegungen ergeben hat – bzw. kann man in Anlehnung an die Philosophie von Immanuel Kant sagen, dass eine solche Theorie sich aus dem hypothetischen Vernunftgebrauch (vgl. mit Kant Zitat 5) ergeben hat. Daher handelt es sich bei solchen Theorien um regulative Prinzipien (vgl. mit Kant Zitat 26) im Sinn von Immanuel Kant, mit deren Hilfe man die Zusammenhänge verstehen und erklären kann.

Solche Verstehens- und Erklärungsweisen bzw. Erklärungsmodelle sind für die Praxis sehr nützlich, insofern man dadurch Handlungsanleitungen gewinnt, die man sonst nicht hätte.

In der Praxis zeigt sich sodann auf indirekte Art und Weise aus dem Verlauf– ob die zugrundeliegend gedachten Zusammenhänge –  die die Theorie (das Modell) ausmachen – „richtig“ sind bzw. „richtig gedacht“ worden sind oder nicht. Wenn die Erfahrungen die angewandte Theorie bestätigen, dann kann man sagen, dass die Hypothese (Annahme) dadurch indirekt bestätigt wird bzw. dass die angenommene Theorie mehr oder weniger zutreffend und damit mehr oder weniger „richtig“ ist.

Ein direkter, „physischer“ Beweis einer solchen Theorie (eines solchen Modells) ist in der Praxis – in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie)  und auch in der psychiatrischen Wissenschaft jedoch nicht möglich, weil es sich bei einer solchen Theorie um eine bloße Idee handelt.  Es ist eine solche Theorie also ein Konzept das auf der Grundlage der Erfahrung entstanden ist.

In der Biologie und in der Medizin ist fallweise eine objektive Überprüfung bzw. ein allgemein gültiger Beweis einer vorerst hypothetisch angenommenen Vorstellung (Theorie) möglich. In einem solchen Fall handelt es sich um eine naturgesetzmäßig auftretende Abfolge von Erscheinungen bzw. um eine naturgesetzmäßig auftretende Abfolge von Ereignissen, die sinnlich wahrgenommen werden können und, die in einem solchen Fall auf der Grundlage von „physischen“ Tatsachen überprüft werden können.

Da bei einer psychologischen Theorie und auch bei einer psychotherapeutischen Theorie ist eine solche Überprüfung, auf der Grundlage von physischen Tatsachen im konkreten Fall nicht möglich ist. Daher handelt es sich philosophisch gesprochen bei einer solchen Idee um eine bloße Idee. Beziehungsweise beim Beweis der die Theorie durch Argumente bestätigt um einen philosophischen Beweis, also um einen Beweis der auf bloßen Ideen basiert. (Weiteres dazu auf Poster 3: PROBABILITY IN MEDICINE AND IN PSYCHIATRY – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT`S PHILOSOPHY)

Es handelt sich also bei der Evidenz in der Psychologie (Psychiatrie und Psychotherapie) um scheinbare Evidenz bzw. um einleuchtende Evidenz und nicht um augenscheinliche Evidenz. Man kann auch sagen: es handelt sich dabei um subjektive Evidenz und nicht um objektive Evidenz.

Im Gegensatz dazu kann man manch eine Vorstellung in der körperlichen Medizin, oder manch eine Vorstellung in der Naturwissenschaft „physisch“ überprüfen bzw. das Zutreffen der Theorie experimentell bzw. objektiv gültig und damit allgemein gültig unter Beweis stellen. (Weiteres dazu auf Poster 3)

Immanuel Kant unterscheidet daher Erkenntnisse, die am Probierstein der Erfahrung geprüft werden können, von solchen, die man nicht am Probierstein der Erfahrung überprüfen kann. (vgl. mit Kant Zitat 10)

Auch wenn man psychiatrische Ideen  (psychologische Ideen und psychotherapeutische Ideen) nicht unmittelbar am Probierstein der Erfahrung überprüfen bzw. valideren kann, weil es sich dabei – philosophisch gesprochen um bloße Ideen handelt, die philosophisch gesprochen auch transzendentale Ideen sind – sind solche Erkenntnisse trotzdem sehr nützlich sind, wenn man dabei beachtet, dass solche Erkenntnisse nur relativ und nicht absolut gültig sind. Man sollte daher psychiatrische (psychologische und psychotherapeutische) Ideen nur relativistisch verwenden. (vgl. mit Kant Zitat 4).

Grundsätzlich sollte man  eine Idee, und damit eine Theorie oder ein sogenanntes Modell nur relativistisch bzw.  regulativ gebrauchen. (vgl. Kant Zitat 3a vgl. auch mit dem Jaspers Zitat)

In der Praxis – und auch in der Wissenschaft – geschieht es allerdings sehr leicht, dass diese Restriktion (vgl. mit Kant Zitat 3a) nicht beachtet wird und die Erkenntnisse irrtümlich konstitutiv gebraucht werden, womit die Vernunft auf so mancherlei Irrwege gerät – „hiermit aber ewige Widersprüche und Streitigkeiten“ hervorbringt. (vgl. mit Kant Zitat 3)

Aus der Geschichte der Psychotherapie bzw. aus der Geschichte der psychotherapeutischen Schulen sind viele derartige „Widersprüche und Streitigkeiten“ bekannt, wo Begründer von Theorien (subjektiv) davon überzeugt waren, dass nur ihre (eigene) Theorie die „einzig richtige“ ist – und sich diese Personen daher über andere Theorien bzw. die Begründer anderer Sichtweisen aufgeregt haben. (vgl. mit Kant Zitat 22)

Auch in der Psychiatrie gab- und gibt es solche Meinungsverschiedenheiten. So glaubte etwa Emil Kraepelin dass man gewisse psychische Krankheiten auf der Grundlage des naturwissenschaftlichen Verständnisses (vgl. mit Kraepelin Zitat 2) allgemein gültig bestimmen kann (vgl. mit Kraepelin Zitat 1). Im Gegensatz dazu schreibt Karl Jaspers in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“, dass in der Psychiatrie die Idee der Krankheitseinheit sich in irgend einem einzelnen Fall niemals verwirklichen läßt. (vgl. mit Jaspers Zitat 6)

Man sollte also, indem man psychiatrische (psychologische, psychotherapeutische) Theorien in der Praxis anwendet und verwendet, sich des Ursprungs und der Grenzen des erlangten Wissens, das mit Hilfe dieser methodischen Hilfsmittel gewonnen wurde bewusst sein. (vgl. mit dem Jaspers Zitat)

Ja selbst bei den biologischen Theorien in der Psychiatrie findet man, dass auch diese auf nicht überprüfbaren Ideen beruhen und sollte man auch bei diesen Theorien in gleicher Weise sich der Erkenntnisbasis bewusst sein auf deren Grundlage man diese Theorien entwickelt hat.

Das heißt man sollte die Theorien nur relativistisch gebrauchen und sich dessen bewusst sein, dass sie nur zu relativem Wissen führen. Wenn man die Theorien auf diese Art und Weise relativistisch verwendet, dann wird dies nur von Vorteil sein (vgl. mit Kant Zitat 4), insofern man dadurch der „Natur“ der gesundheitlichen Störungen „nach allen möglichen Prinzipien der Einheit“ nachgehen kann, „worunter die der Zwecke die vornehmste ist, niemals aber die Grenze zu überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist.“ ( vgl. mit Kant Zitat 2)

Das heißt, wir sollten uns aller möglichen Theorien (Modelle) und Methoden in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) bedienen – und natürlich sollten wir uns auch in der Medizin der entsprechenden Ideen und Theorien bzw. Methoden bedienen – gleichzeitig uns dabei jedoch der Erkenntnisgrenzen bewusst sein, die uns dabei jeweils auferlegt sind und sollte man nicht unangemessen autoritär die erlangten Erkenntnisse vertreten. Dann werden solche Erkenntnisse nur von Vorteil und nur zum Nutzen der Patienten sein. (vgl. Kant Zitat 3a und Kant Zitat 4)

Im anderen Fall gerät man in der Psychiatrie (Psychologie) in grundlose Anmassungen und Machtsprüche, die der Kritik nicht standhalten. (vgl. mit Kant Zitat 10)

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(letzte Änderung 15.08.2020, abgelegt unter: Medizinische Diagnostik, Psychiatrie, psychische Störung, Theorie, Wissenschaft)

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