Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Psychiatrie – Einleitung

Die Psychiatrie ist der Teil der Heilkunde der mit Prävention, Diagnostik und Therapie der der psychischen Störungen, also mit den gesundheitlichen Störungen der Psyche befasst ist

Im Gegensatz zur Psychiatrie ist die Medizin der Teil der Heilkunde der mit der Prävention, Diagnostik und Therapie der gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) des Körpers befasst ist.

Man kann die Psychiatrie in die psychiatrische Praxis und in die psychiatrische Wissenschaft und in weitere Bereiche gliedern. So kennt man etwa die Bereiche: Biologische Psychiatrie, Psychopathologie, die Sozialpsychiatrie, die Forensische Psychiatrie in dem psychiatrische Gutachten erstellt werden und weitere Bereiche.

In der psychiatrischen Praxis und in der psychiatrischen Wissenschaft werden die psychischen Störungen auf der Grundlage der unterschiedlichen psychischen Symptomekomplexe durch die verschiedenen psychiatrischen Kategorien innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation systematisch erfasst und es können diese diagnostischen Einheiten, die systematische Einheiten sind, sodann in weiterer Folge in der psychiatrischen Wissenschaft systematisch studiert werden.

Man erkennt also in der Psychiatrie die unterschiedlichen psychischen Störungen auf der Grundlage der psychischen Anomalie – somit psychologisch – wie dies bereits Wilhelm Griesinger erkannt und in seinem Buch: Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten geschrieben hat. (vgl. mit Griesinger Zitat)

Dabei werden die unterschiedlichen psychischen Phänomene bzw. die unterschiedlichen psychopathologischen Phänomene auf der Grundlage der Psychopathologie erkannt und subjektiv gültig diagnostisch bestimmt.

Der Begriff Psych-iaterie wurde vom Arzt und Stadtphysikus Johann Christian Reil geprägt aus dem bald der Begriff  „Psychiatrie“ hervorging.

Während man in der Medizin viele Krankheiten bzw. gesundheitliche Störungen auf der Grundlage von körperlichen Merkmalen objektiv gültig und damit allgemein gültig diagnostisch bestimmen kann und man damit eine allgemein gültige Erkenntnis erlangt, ist dies bei den psychischen Erscheinungen grundsätzlich nicht möglich, weil man diese Erscheinungen nur auf der Grundlage einer Idee erkennen kann.

Man kann also in der Medizin gewisse gesundheitliche Störungen auf der Grundlage von Fakten, somit auf der Grundlage von objektiver Evidenz erkennen und damit allgemein gültig bestimmen. In der Psychiatrie und auch in einem Teilbereich der Medizin ist dies nicht möglich und erkennt man daher in diesen Bereichen, so wie in der Psychologie und Psychotherapie, die Erscheinungen auf der Grundlage von subjektiver Evidenz. Allerdings kann man gewisse psychische Störungen und auch die nicht-objektivierbaren medizinischen Störungen durch physische Befunde in vielen Fällen erklären und diese damit besser verstehen.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man ein psychisches Phänomen und ein nicht-objektivierbares körperlichen Phänomen auf der Grundlage einer Idee, die als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person in der Form des Begriffs der Idee erscheint, wenn diese die charakteristischen Merkmale dieser Idee durch das Schema dieser Idee auffasst. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Karl Jaspers hat erkannt, dass man ein psychisches Phänomen nur auf der Grundlage einer Idee durch das Schema der Idee angenähert erkennen kann. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Es ist also der Begriff der Idee das Schema der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) und es ist daher die psychiatrische Kategorie das Schema der psychiatrisch-diagnostischen Idee.

Der große Unterschied zwischen der Psychiatrie zur Medizin resultiert also aus den unterschiedlichen Merkmalen bzw. aus der unterschiedlichen Erkenntnisbasis.

Während man in der Medizin einen Teil der Merkmale auf der Ebene der Körperlichkeit, somit auf deren Grundlage von körperlichen Fakten, also auf der Grundlage von objektiven Befunden erkennen und daher allgemein gültig bestimmen kann, ist dies bei den anderen Merkmalen nicht möglich und kann man diese, so wie auch die psychischen Phänomene, nur auf der Grundlage einer Idee erkennen, die in der Form des Begriffs der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint.

Es hat sich also Emil Kraepelin getäuscht, als er geglaubt hat, dass man gewisse psychische Krankheiten auf der Grundlage des naturwissenschaftlichen Verständnisses allgemein gültig bestimmen kann (vgl. mit Kraepelin Zitat 2). Und es hat Karl Jaspers recht wenn er schreibt, dass in der Psychiatrie die Idee der Krankheitseinheit sich in einem einzelnen Fall niemals verwirklichen läßt. (vgl. mit Jaspers Zitat 6)

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(letzte Änderung 24.12.2017, abgelegt unter: Psychiatrie, Definition)

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