Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Über die Verschiedenheit des Verstehens

Wir verstehen den Anderen, weil wir ähnlich sind. Wenn wir den Andern nicht verstehen können, liegt dies am anders sein.

Man sagt daher : ein Mann kann eine Frau nicht (oder nur beschränkt) verstehen und umgekehrt kann eine Frau einen Mann nur beschränkt verstehen – an diesem Spruch ist etwas dran.

Dies hat wahrscheinlich mit den feinen Unterschieden in der Architektur unserer Gehirne und unserer Entwicklung zu tun.

Wobei die unterschiedliche Entwicklung einerseits die Folge des unterschiedlichen Aufbaus der Gehirne – sprich der unterschiedlichen Architektur – ist und zum anderen Teil auch Folge von äusseren Einflüssen abhängt, also von den äusseren Einflüssen abhängt wie sie durch die unterschiedlichen Gegebenheiten bedingt sind bzw. bedingt waren.

Frauen denken und fühlen anders als Männer – natürlich nicht grundsätzlich – aber doch – daher gibt es Domänen in denen Frauen den Männern – in der Regel überlegen sind – und Domänen in denen Männer den Frauen – in der Regel – überlegen sind. Natürlich bestätigt die Ausnahme die Regel.

Daher ist es so, dass Frauen – in der Regel, besser verstehen und natürlich auch besser „durchschauen“ können um was es geht – wohingegen dies nicht unbedingt eine Stärke der Männer ist. Kurz gesagt die Frauen haben in der Regel den besseren Überblick und werten und sichten die Zusammenhänge treffender, insbesondere wenn es um zwischenmenschliche Sachverhalte geht. Daher sagen Frauen manchmal, dass Männer „naiv“ sind.

Das psychologische Verstehen basiert auf unserer Anlage und unserer Erfahrung. Auf dieser Grundlage verstehen wir warum jemand „so“ oder „so“ reagiert.

In manchen Fällen wird man sich der Grenze des (persönlichen) Verstehens bewusst. Manches versteht man nicht „so“ – wie andere dies tun. Umgekehrt macht man die Erfahrung, dass andere Personen unser Tun und Handeln eben „so“ nicht verstehn und daher ablehnen.

Weil die Menschen verschieden sind – verstehen sie verschieden, reagieren sie verschieden, haben sie verschiedene Vorlieben und Neigungen und verfolgen sie unterschiedliche Interessen.

Ein paar neuropsychologische und neurophysiologische Anmerkungen:

Neuropsychologisch betrachtet kann man sagen, dass wir manche Dinge unmittelbar und elementar verstehen. Der Anblick eines knurrenden, zähnefletschenden Hundes – wenn wir versehentlich in sein Revier kommen – bedarf keiner weiteren Erklärung.

Der Sinneseindruck – so wie wir ihn aufnehmen genügt um „Bescheid zu wissen“ was Sache ist.

In dieser Hinsicht ist uns – und auch den Tieren – ein elementares Verstehen zu eigen.

Darüber hinaus entwickelt sich in uns im Laufe des Lebens – als Folge unserer Erfahrung ein weiteres Verstehen. Man kann also einsehen, dass Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, Dinge anders verstehen und anders interpretieren. Dies ist auch von Tieren bekannt. Beispielsweise Hunde die schlechte Erfahrungen gemacht haben – verhalten sich anders als Hunde die unter „guten“ Verhältnissen aufgewachsen sind. Kein Wunder, dass auch manche Menschen sich schwer tun, Vertrauen zu entwickeln, wenn sie in der Vorzeit entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht  haben.

Neurophysiologisch betrachtet kann man sich vorstellen, dass die Informationen, die wir über unsere Sinnesorgane aufnehmen unmittelbar in unserem Gehirn einen Nervenzellaktivitätszustand hervorrufen welcher gewisse Informationen enthält. So kann man sich erklären, dass man beispielsweise beim Anblick des genannten Hundes unmittelbar „Bescheid“ weiss und nicht lange hin und her überlegen muss was dieses Zähne fletschen bedeutet etc.

Geht man davon aus, dass weibliche Gehirne einer Spezies in ihrer Feinarchitektur etwas anders beschaffen sind, als die männlichen, so kann man auch verstehen warum Frauen sinnesmäßig andere Informationen auffassen als Männer. Bekanntlich können Frauen im Nachhinein genau sagen was diese oder jene Person für Kleidungsstücke angehabt hat – was Männern mehr oder weniger entgeht und diese im Nachhinein nur vage wenn überhaupt erinnern können. Auch ist bekannt, dass Frauen gesamthaft wahrnehmen wogegen Männer am Detail „kleben“ bleiben und daher manches nicht mitbekommen. Andererseits können Männer, in der Regel, besser abstrakt denken als Frauen. All diese Dinge sind also sicherlich nicht – oder nicht nur eine Folge der Erziehung, sondern auch eine Folge der unterschiedlichen Feinarchitektur der Gehirne. So gesehen ist es also auch kein Wunder, dass Frauen manche Dinge besser und schneller begreifen – sprich verstehen – als dies die Männer tun, weil die differente Informationsaufnahme und die differente Informationsinterpretation zu einem anderen Verstehen führt.

Biologisch gesehen macht es Sinn, dass Frauen in gewissen Bereichen ihre Stärken haben und Männer die Stärken in anderen Bereichen haben. Damit ergänzen sich die Geschlechter.

.

(letztes update, 11.11.2012, Verstehen)

……………………………………………………..

weiter zum blog: Verstehen

………………………………………………………

Antiloop GmbH / bechtold.at.