Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Veränderung

Die meisten Dinge unterliegen einer Veränderung. Dinge entstehen, sie sind in eine gewisse Zeit lang vorhanden, verändern sich und vielfach vergehen sie wieder.

Aus dem Zustand der Gesundheit entwickelt sich eine Krankheit und aus der Krankheit entsteht durch Heilung oftmals wieder Gesundheit.

In der Medizin manifestiert sich eine körperliche Krankheit oder eine körperliche gesundheitliche Störung – und kann sich diese Störung durch die Normalisierung der Funktionsstörung wieder zurückbilden.

In der Psychiatrie beschreibt man eine psychische Störung wie sie entsteht und wie sie oftmals ebenfalls als Folge der Rückbildung der Störung wieder vergeht.

Überall beobachtet man derartige Veränderungen.

Weil man die Übergänge der Zustände nur schlecht beschreiben kann begnügt man sich mit Begriffen bzw. mit Merkmalen die die jeweiligen „End-Zustände“ charakterisieren und beschreiben.

Dabei geschieht es leicht, dass man einen solchen „End-Zustand“ als tatsächlichen „Endzustand“ ansieht – wenn man ihn einmal beschrieben hat.

In der Medizin kann man oftmals objektiv prüfen, ob eine solche Zustandsbeschreibung noch zutrifft, oder ob dies nicht mehr der Fall ist. Man kann also in der Medizin in vielen Fällen auf der Grundlage von objektiv feststellbaren Befunden prüfen, ob etwa eine medizinische Diagnose noch zutreffend ist oder nicht. In anderen Fällen kann man allerdings auch in der Medizin den Sachverhalt nicht auf diese Art und Weise objektivieren, sondern kann man nur auf der Ebene der Vorstellungen „prüfen“, ob eine Bezeichnung bzw. eine medizinische Diagnose noch zutreffend ist. So kann man beispielsweise nicht objektiv prüfen, ob eine Migräne noch vorhanden ist, oder ob eine somatoforme Schmerzstörung noch vorhanden ist. Eine solche Diagnose kann man nur auf der Ebene der Vorstellungen prüfen. Bei einer solchen Diagnose handelt es sich um eine syndromale Diagnose im engeren Sinn.

In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) kann man grundsätzlich nicht auf der Basis von objektiv feststellbaren Merkmalen prüfen, ob eine psychische Störung vorhanden ist oder nicht mehr vorhanden ist, sondern kann man nur auf der Ebene der Vorstellungen durch den Vergleich von Ideen abwägen, ob etwa gewisse psychische Phänomene noch vorhanden sind und daher etwa eine psychiatrische Diagnose noch zutreffend ist.

Die Veränderung der Zustände kann man also vielfach nicht objektiv, sondern nur subjektiv erfassen. Demgemäß kann man auch das Ausmaß der gesundheitlichen Störung vielfach nicht objektiv bestimmen, sondern nur subjektiv gewiss einschätzen.

Man erlangt also in der medizinischen Praxis vielfach nur subjektives Wissen über eine bestimmte Krankheit bzw. eine bestimmte gesundheitliche Störung.

In der Psychiatrie kann man generell nur subjektives Wissen in Bezug auf eine psychische Störung erlangen.

Dieser Sachverhalt wirkt sich auch auf die wissenschaftlich Forschung aus.

Demgemäß gründet sich das Wissen, wie es in der psychiatrischen Wissenschaft grundsätzlich auf subjektives Wissen. In der medizinischen Wissenschaft gründet sich im Gegensatz dazu das Wissen zum Teil auf objektives Wissen und zum andern Teil ebenfalls auf nur subjektives Wissen.

Demgemäß sind auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung von unterschiedlichem Erkenntniswert. (Weiteres dazu auf Poster 3: PROBABILITY IN MEDICINE AND IN PSYCHIATRY – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT`S PHILOSOPHY)

Man erkennt damit dass die Veränderung der Zustände im Lauf der Entwicklung der gesundheitlichen Störungen dazu führt, dass Begriffe die früher treffend waren später nicht mehr treffend sind und sollte man dies bei der praktischen Verwendung der Begriffe bzw. bei der Bezeichnung der Zustände berücksichtigen.

 

(Beitrag in Arbeit, letztes update 8.7.2011)

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