Urteilen – Einleitung

Urteilen – heißt Dinge vergleichen und sodann entscheiden.

 

Beispiel 1:

Eine Krähe sitzt in einer Wiese, ein Mensch geht auf einem Weg in einiger Entfernung vorbei. Die Krähe bleibt sitzen oder fliegt weg.

Das heißt, die Krähe registriert (Sinneswahrnehmung), vergleicht – und entscheidet – ob sie weg fliegt oder nicht.

Wenn man ihr nicht zu nahe kommt – dann bleibt sie (in der Regel) sitzen – wenn man eine kritische Distanz überschreitet bzw. aus Sicht der Krähe unterschreitet, dann fliegt sie weg.

Diskussion aus neuro-psychologischer bzw. neuro-physiologischer Sicht:

Sinnesdaten akkumulieren bzw. werden registriert, es erfolgt ein Vergleich von neuronaler Information (aktuelle Daten mit abgespeicherten Daten, bzw. assoziierten Daten, ein Vergleich  von Vorstellungen erfolgt) und wenn eine kritische Grenze erreicht bzw. überschritten ist, dann folgt die Fluchthandlung, dann fliegt die Krähe weg oder diese Handlung erfolgt nicht, oder noch nicht, steht knapp davor, oder wie auch immer.

Es findet also mehr oder weniger ein analoger Prozess statt, bis zu dem Punkt wo die Sache kippt. Bei plötzlich einschießenden Assoziationen,  z.B. an schlechte frühere Erfahrungen, kippt die Sache sofort.

Anmerkung: Krähen sind überhaupt vorsichtig – mit gutem Grund.

Wenn eine Krähe mit Menschen schlechte Erfahrungen gemacht hat, dann ist sie noch vorsichtiger, wenn sie mit gewissen Menschen gute Erfahrungen gemacht hat, dann ist sie bei diesen in gewissem Maße zutraulicher. Die Zutraulichkeit von wild lebenden Krähen hält sich jedoch in Grenzen.

 Auf der Ebene des Nervensystems der Krähe werden also Informationen mit vorhandenen Informationen verglichen und letztlich entschieden.

Diese Entscheidung kann mehr reflexhafter Natur sein, wenn die Krähe z.B. plötzlich überrascht wird, etwa weil der Passant auf dem Weg vorerst nicht sichtbar war, wenn Buschwerk die Sicht zuerst verdeckt hatte und die Krähe den Passanten plötzlich sieht, wenn dieser an einer Lücke im Buschwerk vorbeikommt.

Oder es kann die Situation bestehen, dass die Krähe schon von Weitem Sichtverbindung mit dem Passanten hat und genau registriert, wie sich dieser verhält.

Die Erfahrung (nicht nur mit Krähen) lehrt, dass all dies einen Unterschied ausmacht.

Im einen Fall wird die Krähe reflexhaft sofort auffliegen, im anderen Fall bleibt sie eventuell lange sitzen, beobachtet die Sache, mutet sich also einiges zu – und erspart sich unter Umständen den doch mit Aufwand verbundenen Wegflug.

Man kann also aus diesen unterschiedlichen Reaktionsweisen ableiten, dass im Gehirn der Krähe, je nach dem Grade der Stimulation, je nach verschieden ausgeprägter Aktivierung und je nach verschiedener Assoziation von Erinnerungen oder schon genetisch bestimmten Assoziationen (also dem Auftreten von neuronalen Mustern unabhängig von individueller Vorerfahrung) Informationsabgleiche stattfinden, bis als Folge dieser neuronalen Aktivitäten letztlich als deren Ergebnis die Entscheidung resultiert „Abflug“ oder „noch-nicht-Abflug“. Es spielt also, die sogenannte „Genetik“ eine Rolle wie vorsichtig bzw. fluchtbereit die Krähe ist,  – was man als angeborenen Fluchtreflex – bezeichnen kann. Und weiters spielt dann auch die bereits gesammelte Lebenserfahrung der Krähe eine Rolle, also die sogenannte Erfahrung und schließlich spielt auch die aktuelle Situation, die aktuelle Erfahrung eine Rolle. All dies wird datenverarbeitungsmäßig in der Situation auf aktuellem Stand (also in Echtzeit)  im Nervensystem der Krähe verarbeitet.

Könnte man bildgebend diese neuronalen Abläufe erfassen, so würde sich die Sache wahrscheinlich so darstellen, dass das in Erscheinung treten des Passanten je nach Variante zu einem stärkeren oder schwächeren Aufleuchten von neuronalen Strukturen führt, wie man es aus der modernen funktionellen Bildgebung kennt, und würde dann letztlich der Wegflug bei irgend einem Grad des Aufleuchtens von bestimmten Gehirnarealen der Krähe stattfinden.

Bei einer relativ zutraulichen Krähe würde dieses Aufleuchten weniger ausgeprägt sein, außer in dem Fall wenn sie überrascht wird und genauso reflexhaft sofort mit Flucht reagiert wie ihre KollegenInnen.

Zu guter letzt erkennt man an diesem Beispiel, dass uns eigentlich gar nicht so viel von den Krähen unterscheidet – und darf man daher sagen, dass es Einen schon wundern kann, wenn manche  „Wissenschafter“ bis vor einiger Zeit (nun hoffentlich nicht mehr) noch diskutiert haben, ob Tiere überhaupt so etwas wie eine Psyche mit Gefühlen und dergleichen haben oder nicht. Nüchtern betrachtet muss man bescheiden sagen, dass allenfalls das bei uns Menschen weiter entwickelte Sprachverständnis – und damit die „Welt“ der sprachlichen Begriffe (über die „Sprache“ der Krähen hinaus) – und damit das Abstraktionsvermögen uns von diesen intelligenten Tieren unterscheidet. Ansonsten fällt es einem schwer weitgehende Unterschiede auf der Ebene des Nervensystems festzustellen. 

 

Beispiel 2

Eine Person XY hat zuletzt vor ca. 3 Stunden die letzte Malzeit zu sich genommen.

XY ist zwar noch nicht hungrig, aber allmählich meldet sich innerlich wieder ein leichter Appetit – im Sinne von „man könnte wieder etwas vertragen“. Dieses innere Signal wird deutlicher, nachdem die Person an einem Plakat vorbeigegangen ist auf dem in appetitlicher Form – unter Einsatz aller Werbekenntnisse – ein „burger“ präsentiert worden ist.  

Kein Wunder, der Anblick dieses Plakats hat den Appetit verstärkt und neben bei auch noch die Assoziation geliefert was XY sich zuführen könnte. 

Eine Entscheidung wurde also nahegelegt: Soll XY sich einen solchen „burger“ oder ähnliches beschaffen …  Finanziell leisten könnte es sich XY und zudem ist es ja nur etwas „Kleines“ so für zwischen durch.

Man sieht in welcher Hinsicht es die Leute heutzutage tatsächlich schwerer haben als früher. Früher gab es noch keine solchen Angebote. Weder in der Form der Werbe-Präsentation noch in der Realität. Mit andere Worten: Menschen sind heutzutage mit Möglichkeiten konfrontiert, mit denen sie früher noch nicht konfrontiert waren.

Es erfordert tatsächlich eine gehörige Portion Selbstdisziplin basierend auf Kenntnis, Verständnis und Einsicht um derartigen „Versuchungen“ zu widerstehen und wenn schon sich derartiges nur ausnahmsweise zu genehmigen.

weitere Diskussion aus neuro-psychologischer bzw. neuro-physiologischer Sicht:

Aus neuropsychologischer und neurophysiologischer Sicht ist ganz klar, dass gezielt durch Werbemaßnahmen hier biologische Reaktionen verstärkt werden bzw. durch Sinneseindrücke induziert werden um zu gewissen Handlungsschritten anzuleiten. Insofern die Entscheidung in diese intendierte Richtung vom Individuum bewusst entschieden wird und das ganze nicht zu einer regelmäßigen Verhaltensweise wird ist, dagegen ja nichts einzuwenden. Man erkennt jedoch bei gründlicherer Überlegung, wie problematisch das Ganze wird, wenn gewohnheitsmäßige Essens Verhaltensweisen daraus werden.

Anlog dem Beispiel 1 ist es einsichtig, dass auch in diesem Fall das Urteil bzw. die Entscheidung zuerst auf der Grundlage einer „Stimmung“ einem – wie man in Österreich sagt – „Gusto“ zustande kommt. Wenn also der Gusto in solchen Fällen regelmäßig zur Entscheidung führt dann ist absehbar welche Konsequenzen daraus resultieren und bedarf dies keiner weiteren Verdeutlichung ( -> weitere Information). Letztlich wird also nur kritische Einsicht und Überlegung der Beschaffungshandlung Einhalt gebieten. Allein den Trieben überlassen wird XY sich den „burger“ oftmals besorgen besorgen wenn ihn nicht gewisse Überlegungen davon abhalten.

Es kann also nur die sogenannte Bewusstheit dafür sorgen, dass auf der Entscheidungswaage auf der einen Seite Vernunft geleitete Überlegungen (= der sogenannte gute „Hausverstand“) gegen das rein triebhafte Bedürfnis (= „Gusto“) auf der Waagschale liegen damit dann die richtige Entscheidung – sprich das richtige Urteil bzgl. des „Kaufen“ oder „Nicht-Kaufen“ gefällt wird damit nicht allein die triebhafte Stimmung entscheidet.

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weiter zum blog: Urteil

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