Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

über die Entwicklung des Wesens

Den Begriff Wesen habe ich bereits in einem anderen Beitrag umschrieben. In diesem Beitrag wird die Entwicklung des Wesens behandelt.

Wie nachfolgend deutlich wird, gibt es eine normale Entwicklung des Wesens und eine abnormale Entwicklung. Mit Wesensänderung bzw. pathologischer Wesensänderung ist – wie der Begriff schon nahe legt – die abnormale Wesensänderung gemeint.

Wie wir alle wissen unterliegen wir einer fortlaufenden Entwicklung.

Durch das Älterwerden kommt es zu körperlichen und psychischen Veränderungen. Wir entwickeln uns fortlaufend – ob wir wollen oder nicht. Es gilt der Auspruch von Heraklit: „Alles fließt“.

Mit dem Wachstum bzw. mit dem Altern ändert sich auf eine gewisse Art unser Wesen. Andererseits bleiben gewisse Eigenheiten, eine gewisse Wesensart erhalten. Man spricht daher auch von einer gewissen Persönlichkeit die fortbesteht und man meint damit, dass bei der Person schon im Kindesalter gewisse Eigenheiten zu beobachten waren, welche dann im Erwachsenenalter deutlich geworden sind und im hohen Alter für die Person besonders charakteristisch sind.

Derartiges kann man auch bei Pflanzen, z.B. bei Bäumen und auch bei Tieren beobachten. Wie die ursprüngliche Form schon im kleinen Bäumchen vorgebildet ist etc.

In der Medizin spricht man von „Wesensänderung“, wenn eine „abnorme“ Änderung in der Persönlichkeit eintritt. Damit meint man Veränderungen die nicht im Sinne der erwarteten Kontinuität der Persönlichkeit (im Sinne der Fortentwicklung der ursprünglichen Anlage) eingetreten sind.

So spricht man zum Beispiel von einer Alkohol-bedingten Wesenänderung. Tatsächlich führt der langzeitmäßige Überkonsum von Alkohol, infolge der chronischen Vergiftung, und dadurch hervorgerufenen Zellschädigung und Gewebsschädigung, sowohl auf der körperlichen Ebene, wie auch auf der psychisch Ebene zu auffallenden Veränderungen. Daneben führt das Suchtverhalten nicht nur durch direkt toxisch bedingte Vorgänge zu Veränderungen, sondern es auch aus anderen Gründen, nämlich psychischen Gründen zu auffallenden Persönlichkeitsänderungen (z.B. in Bezug auf die Ehrlichkeit, Verlässlichkeit etc.)

Analog sind auch bei sonstigen Süchten (Drogensucht im engeren Sinne, langzeitmäßiger Cannabiskonsum etc.) Veränderungen zu beobachten, welche treffend als Wesensänderung bezeichnet werden.

(Anmerkung: Bei der Verwendung derartiger Termini handelt es sich also um Charakterisierungen im Sinne einer schematischen Erfassung eines Sachverhalts, die natürlich der Realität nur beschränkt gerecht wird. Da und dort macht es jedoch Sinn Sachverhalte durch derartige regulative Begriffe bzw. Schemata, im Kant`schen Sinne, zu charakterisieren.)

Analog können auch sonstige Ereignisse, beispielsweise Verletzungen des Gehirns durch einen oder mehrere Schlaganfälle zu Persönlichkeitsveränderungen führen, die dann als Wesensänderung charakterisiert werden. So auch Schädigungen des Gehirns durch längerandauernden Sauerstoffmangel infolge von verschiedenen Ursachen usf.

Der Begriff des Wesens bzw. der Wesenänderung ist also ein nützlicher Terminus und können auffallende Änderungen der Persönlichkeit begrifflich durch das Wort: „Wesenänderung“ erfasst werden, womit dann allerdings im einzelnen Fall noch näher zu beschreiben ist was damit gemeint ist.

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weiter zum Beitrag: über das Wesen

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