regulativer Begriff, 1. Artikel-regulative conception

Immanuel Kant nennt einen Begriff, der sich auf eine bloße Idee bezieht einen regulativen Begriff.

Zum Beispiel ist der Begriff einer psychologischen Idee ein regulativer Begriff (siehe Kant Zitat 4).

Daher sind auch Begriffe der psychiatrischen Ideen regulative Begriffe.

Regulative Begriffe sind von überragender Bedeutung für die Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie).

So sind z.B. die Begriffe, die für psychische Phänomene stehen und auch die Begriffe, die für psychopathologische Phänomene stehen und ebenso die Begriffe der psychiatrischen Diagnosen bzw. die Begriffe der psychiatrischen Kategorien regulative Begriffe im Sinn von Immanuel Kant.

So werden zum Beispiel die charakteristischen psychischen Phänomene einer psychischen Störung vom Typ einer „schizophrenen Störung“ unter dem Begriff Schizophrenie aufgefasst.

Das heißt der Begriff „regelt“ damit den Zusammenhang der charakteristischen psychopathologischen Phänomene dieser psychischen Störung, die unter diesem psychiatrischen Begriff aufgefasst werden (vgl. mit Kant Zitat 7 aus der “Kritik der reinen Vernunft”, Transzendentale Dialektik, Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik der menschlichen Vernunft – von Immanuel Kant).

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In gleicher Weise regeln auch die Begriffe der einzelnen psychiatrischen Diagnosen sich gegenseitig – insofern deren Relation durch die zugehörigen psychiatrischen Kategorien der angewandten psychiatrischen Klassifikation definiert worden ist.

In dem die empirischen Erscheinungen (Phänomene) auf diese Art und Weise durch regulative Begriffe erfasst werden, können Menschen, die mit diesen Begriffen bzw. Begriffsinhalten vertraut sind, sich damit über die jeweiligen Erscheinungen sprachlich verständigen bzw. diese fachlich begründet kommunizieren. (vgl. mit dem Griesinger Zitat)

Damit können also die normalen und die abnormalen (krankheitswertigen) psychischen Erscheinungen in der Psychiatrie beschrieben und fachlich durch Worte bzw. durch Begriffe/Fachbegriffe/psychopathologisch begründete Begriffe kommuniziert werden.

Damit können die einzelnen psychischen Phänomene/psychopathologischen Phänomene durch diese Begriffe in eine Relation zueinander gebracht werden. Auf diese Art und Weise „regeln“ und gliedern z.B. die psychiatrischen Kategorien, als regulative Begriffe, die einzelnen psychischen Krankheitsbilder bzw. die einzelnen Formen der psychischen Störungen im gegenseitigen Verhältnis.

Die fachliche Kommunikation in der Psychiatrie beruht also auf diesen regulativen Begriffen.

Auf diese Art und Weise entstand die Psychiatrie als empirische Wissenschaft der Heilkunde, in dem die krankheitswertigen psychischen Erscheinungen unter den jeweiligen (regulativen) Begriffen gemäß der psychischen Anomalie erfasst worden sind und – auch heute noch im Zeitalter, in dem die Biologische Psychiatrie die Psychiatrie dominiert – weiterhin auf dieser Grundlage erfasst werden. (vgl. mit dem Griesinger Zitat)

Wie man z.B. aus der Entwicklung des psychiatrischen Konzepts Schizophrenie ersehen kann, ist der Begriff „Schizophrenie“ bzw.  ist die zu Grunde liegende psychiatrische Idee fortlaufend aus den schon zuvor bestehenden psychologischen bzw. psychopathologischen Ideen (Konzepten) hervorgegangen bzw. entstanden und in der Form des auch jetzt – im Wesentlichen – noch gültigen Schizophrenie-Begriffs erstmals von Eugen Bleuler definiert worden. (vgl. mit Bleuler Zitat)

Diese Definition ist sodann allerdings noch entwickelt worden bzw. ist die Definition der nachfolgenden Konzepte aus den jeweils früheren Definitionen hervorgegangen und weiter entwickelt worden.

Karl Jaspers hat deswegen zu Recht darauf hingewiesen, dass es sich bei diesen Schemata (der Ideen) in der Psychiatrie um methodische Hilfsmittel handelt, die grenzenlos korrigierbar und verwandelbar sind.  (vgl. mit  Jaspers Zitat)

Karl Jaspers hat also erkannt, dass es sich bei den Ideen in der Psychiatrie um (bloße) Ideen im Sinn von Immanuel Kant handelt. (vgl. mit  Jaspers Zitat).

Anmerkung: womit Jaspers – wenn auch nicht ausgesprochen – erkannt hat, dass es sich dabei um regulative Begriffe handelt, die das Gerüst bzw. die Struktur der Psychiatrie als empirische Wissenschaft bildet, insofern diese ihr fachliches Wissen auf den krankheitswertigen psychischen Erscheinungen bzw. auf den psychopathologischen Phänomenen aufbaut.

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All die verschiedenen Konzepte, die verschiedenen Verstehens- und Auffassungsweisen in der Psychiatrie sind psychologische Ideen, die durch regulative Begriffe repräsentiert werden.

Immanuel Kant hat darauf hingewiesen, dass aus einer solchen psychologischen Idee nur Vorteil entspringen kann, wenn man sich nur hütet sie für mehr als bloße Idee anzusehen. (vgl. mit Kant Zitat 4)

(Anmerkung: Tatsächlich geschieht es in der psychiatrischen Praxis und auch der psychiatrischen Wissenschaft sehr leicht und sehr oft, dass diese „Restriktion“ in der Verwendung dieser Ideen nicht beachtet wird. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

Man kann also in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) durch diese regulativen Begriffe die Vielfalt der psychischen Erscheinungen erfassen und systematisch studieren. Dabei sollte man allerdings sich der Relativität und Beschränktheit der damit erlangten empirischen Erkenntnisse bewusst sein. Solche Erkenntnisse haben nämlich nur einen beschränkten Erkenntniswert. Solche Erkenntnisse stellen beschränktes Wissen dar das gleichzeitig auch relatives Wissen ist.

Eine psychologische Idee bzw. ein psychologischer und auch ein psychiatrischer Begriff ist nämlich nur relativ gültig und nicht absolut gültig.

Daher sollte man die Begriffe in der Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie) nur relativistisch verwenden.

Mit anderen Worten: man kann in der Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie) auf der Grundlage dieser regulativen Begriffe nur relatives Wissen und nicht objektives bzw. absolutes Wissen erlangen.

Daher sagt Karl Jaspers dass man solches Wissen in der Schwebe halten sollte. (vgl. mit Jaspers Zitat 2)

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An dieser Stelle sei angemerkt, dass auch in anderen Bereichen des menschlichen Wissens unser Wissen auf regulativen Begriffe gegründet ist.

So zum Beispiel wenn in Bezug auf das menschliche Nervensystem das zentrale Nervensystem in das Gehirn und das Rückenmark gegliedert wird. Dann kann man in Bezug auf die Grenze zwischen dem Gehirn und dem Rückenmark keine tatsächliche scharfe Grenze im Sinn einer scharf abgegrenzten Einheit in der Anatomie angeben sondern es kann diese Grenze nur durch eine Idee – hier also durch eine bloße Idee – festgestellt bzw. definiert werden, weil man in der Realität bzw. in der anatomischen Wirklichkeit keine physische Grenze bzw. keine durch Tatsachen/objektive Befunde begründete Grenze finden kann.

Ähnlich kann man auch für ein neuronales Netzwerk – das etwa die Hörfunktion – oder für ein neuronales Netzwerk das die biologische Grundlage für die  Funktion des Sehen darstellt angeben bzw. in der neuronalen Struktur des Nervensystems anatomisch oder histologisch begründet bestimmen – auch hier handelt es sich um regulative Begriffe die die Sachverhalte auf der Grundlage von Begriffen verständlich bzw. denkbar machen bzw. dadurch die Sachverhalte in der Biologie/Heilkunde/Medizin sinnvoll regeln.

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(letzte Änderung 20.10.2025, abgelegt unter: Definition, regulativer Begriff, Philosophie, Psychiatrie, Psychologie)

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Immnuel Kant calls certain terms regulative concepts.

A psychological idea is a regulativ concept. Such terms regulate the information people arrive at in communication. For example in a psychiatric interview a professional doing the investigation arrives a certain terms representing certain psycho-pathological phenomena. By listening to the person by talking to the person and hearing what the person says and seeing his or her reaktions the professional attains certain perceptions and conceives this information in relation to specific psycho-pathological phenomena, if this information appears to him to be of pathological relevance. In this way the person arrives at a certain persuasion that distinct psycho-pathological terms apply (compare Kant quotation 9). In this way psychological concepts regulate psychological information and make it possible to discribe and communicate this information.

As Kant writes in quotation 9 this information depends on personal grounds and it is not objective knowledge but subjective knolwledge. In psychiatry almost every professional arrives at the same description if the case is typical. If the case is not typical in general we know that different professionals do not arrive at the same result. In this case they do not arrive at the same terms on the level of the phenomena and also they do not arrive either at the same diagnosis even if they are members of the same „school“ and apply the same classification.

So one can easily see that regulative terms of this kind are relative in a double sense they are relative because of the personal grounds on which they are percieved and further they are relative in the sense that the term applies more or less even if the same categories are applied.

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