Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

individuelles Verstehen

Verstehen ist eine individuelle Sache.

Der Eine versteht eine Sache so – der Andere versteht sie anders.

Das heißt, Leute sehen ein und dieselben Sachverhalt nicht unbedingt gleich. Tatsächlich kann man Sachverhalte verschieden auffassen und verschieden verstehen. Der einen Person ist der eine Aspekt wichtiger, der anderen ein anderer. Demgemäß gelangt die eine Person zu einem bestimmten Verständnis und die andere zu einem anderen.

Manch eine Person ist von vorneherein geneigt, gewisse Aspekte zu übersehen und nicht zu berücksichtigen.

Pesönliche Präferenzen (Vorlieben und Vorurteile), Verleugnung und Verdrängung spielen hierbei eine große Rolle.

Wenn einem eine Sache wichtig ist, so wird sie beachtet und in der Überlegung berücksichtigt und umgekehrt, wenn einem eine Sache nicht wichtig ist so wird sie unter Umständen nicht angemessen beachtet und berücksichtigt.

Dabei kann es sein, dass das Nicht-Beachten und Nicht-Berücksichtigen der Person selbst gar nicht bewußt ist. Es genügt wenn unbewußte Tendenzen dafür sorgen, dass die Dinge „so“ wahrgenommen werden.

Dabei spielt die Emotionalität eine große Rolle.

Bekanntlich fühlen sich Person von gewissen Dingen besonders angezogen und angesprochen, d. h. diese fallen ihnen sogleich auf. Dies hat damit zu tun, dass diese Dinge ihnen gefallen und viel bedeuten. Andererseits werden je nach Vorliebe und Abneigung gewisse Dinge von vorneherein abgelehnt. Unsere Auffassung ist also tendenziös und wird von unserem Geschmack und unseren Vorlieben bestimmt. Dies führt dazu, dasss wir Sachverhalte einseitig wahrnehmen und unsere Urteile dementsprechend mehr oder weniger tendenziös sind.

Die Verliebtheit liefert klassische Beispiele: Eine verliebte Person ist geneigt alles und jedes an der geliebten Person durch die „rosarote Brille“ – also positiv „gefärbt“ – zu sehen. Erst später, wenn die Emotionen sich gelegt haben, werden die Dinge realitätsgemäßer „gesehen“ und erkannt.

Ein gegenteiliges Beispiel: ein Vorgesetzter kann einen Untergebenen „nicht leiden“. Egal wie gut dieser seine Sache macht, er wird es nicht schaffen, dass der Vorgesetzte mit seiner Leistung zufrieden ist. Wohingegen ein Dritter, der dem Vorgesetzten „passt“, für eine gleichwertige Leistung gelobt wird.

Man sieht also, dass das Verstehen, das geistige Auffassen und Beurteilen von Sachverhalten eine relative Sache ist.

Anmerkung:

Für die Gerichtsbarkeit wird daher zu Recht gefordert, dass das Gericht unabhängig und unbefangen ist, weil sonst unvermeidbar eine tendenziöse Beurteilung des Sachverhalts zu erwarten wäre.

Daher hat die Gewaltenteilung, wie sie nach Montesquieu  eingeführt worden ist, und seither in den Demokratien angestrebt wird, einen so großen Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit mit sich gebracht.

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(letztes update 1. Nov. 2008, abgelegt unter Verstehen, Psychiatrie, Psychologie, Psychotherapie)

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