Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Toleranz

Die Toleranz ist das Dulden einer anderen Sichtweise bzw. das Gewährenlassen einer anderen Handlungsweise.

Es ist die Toleranz also das Geltenlassen eines anderen Glaubens bzw. einer anderen Meinung als Folge der richtigen bzw. angemessenen Erkenntnis, wie diese durch die vernünftige Überlegung erlangt worden ist.

Die Toleranz bezieht sich also auf Wissen vom Grad des Glaubens und der Meinung, nicht jedoch auf Wissen vom Grad der Gewissheit.

Die Toleranz ergibt sich aus dem richtigen bzw. der Situation und den Argumenten angemessenen Denken. Es entsteht die Toleranz also als Folge der richtigen bzw. angemessenen Erkenntnis.

Wer einen Sachverhalt richtig erkennt und sich der Beschränktheit des subjektiven Wissens bewusst ist, der wird tolerant sein.

Wohingegen eine Person die ihr subjektives Wissens überschätzt intolerant sein wird.

Die Toleranz resultiert aus der richtigen Einschätzung des Sachverhalts.

Es ist die Toleranz also das Ergebnis eines angemessenen Wahrnehmungsurteils.

Man kann auch sagen: die Toleranz ist das Ergebnis eines rational begründeten Wahrnehmungsurteils.

Die Toleranz ist somit die Folge der angemessenen Erkenntnis und somit das Ergebnis einer passenden Wertvorstellung.

In diesem Sinn wird das plausible Urteil – also das Urteil das auf der Plausibilität beruht und von einer im Sinn der Aufklärung aufgeklärten Person gefällt wird – die Toleranz respektieren, wo diese angemessen erscheint (vgl. mit Kant Zitat 9a und Kant Zitat 10).

Daher ist die Toleranz die Folge einer angemessenen Sichtweise, die die Grenzen des Wissens berücksichtigt.

Je nach der Wertvorstellung und damit je nach der subjektiven Sichtweise wird die Toleranz größer oder kleiner sein.

Daher wird die größtmögliche Toleranz die Folge von aufgeklärtem  Denken sein.

Wer ausgehend von der angemessenen Wertvorstellung richtig denkt, der wird tolerant sein, weil er sein persönliches Wissen ausgehend von der Wertvorstellung, richtig einschätzt und nicht überschätzt.

Wer jedoch sein eigenes Wissen, also sein subjektives Wissen nicht richtig einschätzt und den Wert des persönlichen Wissens überschätzt, der wird nicht wirklich tolerant sein, auch wenn er sich vordergründig tolerant gibt.

Wer also glaubt, dass sein Wissen allgemein gültig ist, obwohl es nur für ihn als Subjekt, also nur subjektiv gültig ist, der wird nicht wirklich tolerant sein, auch wenn er sich vordergründig, somit zum Scheintolerant gibt.

Eine solche Person überschätzt also ihr subjektives Wissen, weil sie glaubt, dass es sich dabei um allgemein gültiges und damit um objektives Wissen handelt.

Eine solche Person ist von ihrem subjektiven Wissen so überzeugt, dass sie es wegen zu geringem Denkvermögen nicht einsieht und erkennt, dass man in Bezug auf diese Sache auch eine andere Sichtweise vertreten kann, und wird sie daher wirklich intolerant sein, auch wenn sie unter Umständen aus diplomatischen oder anderen Gründen sich vordergründig tolerant gibt – eben nur zum Schein.

Dies bedeutet, sie wird die andere Sichtweise nicht wirklich anerkennen und damit nicht wirklich tolerieren.

Das heißt eine solche Person wird intolerant sein. Sie wird also nur den Anschein der Toleranz geben – sie wird von Toleranz reden – letztlich aber nicht tolerant sein.

Man erkennt damit, dass nur eine Person, die im Sinn der Aufklärung aufgeklärt ist (vgl. mit Kant Zitat 10) und die als Folge ihrer Erkenntnis grundsätzlich denselben Wert allen Personen und so zum Beispiel auch allen Religionsbekenntnissen zubilligt, die größt mögliche Toleranz praktizieren wird, wohingegen eine Person, die nicht im Sinn der Aufklärung aufgeklärt ist nicht in diesem Umfang tolerant sein wird, weil sie nicht von dieser Wertvorstellung und damit nicht von dieser Erkenntnis ausgeht.

Die Toleranz ist für das menschliche Zusammenleben von großer Bedeutung.

Sie ist in diesem Zusammenhang auch in der Erziehung, somit auch generell in der Ausbildung, ferner auch in der Wissenschaft mit ihren verschiedenen Disziplinen, etwa der Medizin, der Psychiatrie, der Psychologie, der Psychotherapie, der Soziologie, der Ökonomie usf. von Bedeutung, insofern man überall den Grad des subjektiven Wissens kennen und die daraus resultierenden Konsequenzen berücksichtigen sollte, wenn man in einer Sache eine subjektive Meinung vertritt oder von einer Sache im Sinn eines subjektiven Glaubens überzeugt ist.

Dies sollte auch in einer Religion bzw. in den unterschiedlichen Religionsbekenntnissen beachtet werden.

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(letzte Änderung 13.03.2017, abgelegt unter: Begriff, denken, Philosophie, philosophische Begriffe, Rechtsprechung, Urteil, Wissen)

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