Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

scheinbare Ursache

Eine „scheinbare Ursache“ ist eine Ursache, die als die subjektiv „wirkliche Ursache“ im Bewusstsein einer Person erscheint.

Ob es wirklich die „tatsächliche Ursache“ ist, das kann man vorerst nicht wissen. Man muss also eine solche „scheinbare Ursache“, die eine vermeintliche Ursache ist auf der Ebene der Objekte  auf der Grundlage von Tatsachen nachweisen. Wenn es sich dabei erweist, dass diese vermeintliche Ursache die „tatsächliche Ursache“ ist, dann hat man damit den Beweis erbracht, dass dies die „wirkliche Ursache“ ist.

In der Praxis ist dies allerdings oftmals nicht möglich. Man kann in der Praxis oftmals diesen Beweis nicht erbringen.

In der Medizin vermutet man oftmals eine gewisse Ursache als den Grund einer gesundheitlichen Störung, aber effektiv beweisen, bzw. demonstrieren kann man diese Ursache in der Regel nicht. Nur bei gewissen Krankheiten bzw. bei gewissen gesundheitlichen Störungen kann eine Ursache aufgezeigt werden, die die tatsächliche Ursache ist, etwa das Tuberkelbakterium als die tatsächliche Ursache der Tuberkulose.

In der Psychiatrie kann man nur ganz ausnahmsweise eine Ursache aufzeigen, die die tatsächliche Ursache einer psychischen Störung ist. Zum Beispiel die Alkoholisierung als die Ursache eines Rausches. In aller Regel kann man in der Psychiatrie keine Ursache vorführen und beweisen, dass dieses Etwas die Ursache ist. Man kann in der Psychiatrie in der Regel nur auf der Ebene der Vorstellungen subjektiv gültig erwägen und subjektiv gültig abwägen was in welchem Umfang kausal ist – also was in welchem Umfang die Ursache ist. Daher handelt es sich in der Psychiatrie in aller Regel um scheinbare Ursache wenn man von einer Ursache spricht – weil man die „Ursachen schlechthin“ nicht allgemein gültig im Hier und Jetzt beweisen und demonstrieren kann. Man kann also die Ursachen in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) nicht am Probierstein der Erfahrung prüfen. (vgl. mit Kant Zitat 10)

So kann man beispielsweise sagen, dass bei einer psychischen Störung vom Typ einer Schizophrenie Störungen an den Rezeptoren der Nervenzellen die Ursache sind, oder man kann sagen, dass eine Überproduktion des Botenstoffes Dopamin die Ursache ist . Ob das eine oder das andere, oder eine weitere Ursache die „tatsächliche Ursache“ ist, das kann man nicht wissn, und kann man dies auch nicht am konkreten Fall überprüfen, und daher auch nicht auf der Ebene der Objekte beweisen. Im Rahmen von statistischen Studien – wie sie in der Wissenschaft gemacht werden – erlangt man allerdings gewisse Anhaltspunkte dafür, dass eine solche mögliche Ursache ein wesentlicher Faktor ist, der zum Auftreten dieser Form einer psychischen Störung führt. Die tatsächliche Ursache kann man jedoch bei dieser gesundheitlichen Störung – so wie auch bei vielen anderen gesundheitlichen Störungen – nicht allgemein gültig bestimmen, weil es sich dabei um eine komplexe Ursache handelt.

 

(Beitrag in Arbeit, letztes update 1.4.2012)

…………………………………………..

weiter zum blog: Ursache

……………………………………………

weiter zum Beitrag: Erkenntnisbasis

…………………………………………….

weiter zum Beitrag: Kausalität

……………………………………………….

weiter zum blog: Erkennen

………………………………………………

weiter zum blog: Wissen

………………………………………………

weiter zum blog: Wissenschaft

………………………………………………..

weiter zur Seite: Gutachten

……………………………………………………

weiter zur Seite: medizinische Diagnose – psychiatrische Diagnose

………………………………………………….

 

 

Antiloop GmbH / bechtold.at.